Montag, 4. Oktober 2021

Aktuelle Kolumne aus dem Bürgerblick Oktober 2021

Passauer Verhältnisse

Ich schreibe diese Zeilen 18 Stunden nach Schließung der Wahllokale und verfolge natürlich weiterhin interessiert, wer der Glücklichere der zwei Unglücklichen sein wird, der unter Lindner und Habeck künftig Bundeskanzler spielen darf. Das will ich jetzt aber nicht vertiefen, weil Sie als Leser dieser Zeilen das Ergebnis vermutlich bereits kennen. Das Ergebnis, das ich jetzt bereits kenne, ist jenes von Andi Scheuer. 30,7 Prozent der Erststimmen für einen Bundesminister in einem niederbayerischen Wahlkreis ist jetzt – das, glaube ich, kann man so sagen – eher nicht besonders gut.

Man kann das aber auch anders sehen. Ein Herr S. aus Facebook hat am Morgen nach der Wahl ebenda nämlich folgendes veröffentlicht: „Lieber Andreas Scheuer, zu deinem tollen Wahlergebnis im Bundeswahlkreis darf ich im Namen der JU-Passau-Land ganz herzlich gratulieren. Wir freuen uns auf weitere tolle Erfolge für unsere Region.“ Aha, und was heißt das jetzt? Puh, Wahlkreis geholt, für Dich ein echt tolles Ergebnis. Und das gegen Angstgegner wie Schätzl und Auer. Oder heißt es einfach: Wir von der Passauer JU haben immer noch gar nichts geschnallt und machen einfach so weiter wie bisher. Hauptsache, wir können auch zukünftig ganz viele Selfies mit unserem Superstar Andi posten.

Ich befürchte zweiteres – das kann mir aber egal sein. Wenn ich allerdings lese, dass der Andi auch weiterhin für „tolle Erfolge“ verantwortlich sein soll, wird’s mir angst und bange. Was für tolle Erfolge soll der Mann denn noch liefern? Sinnlos Millionen in der Region verjubeln, mag ja den Bürgern hier noch gefallen, aber als Minister werden es halt immer gleich sinnlose hunderte Millionen für den Bund. Man stelle sich vor, der Mann wird Verteidigungsminister. „Grüß Gott, hier ist Scheuer, ich möcht gern 100 Starfighter bestellen. Was? Testen? Keine Zeit, ich marschiere nächste Woche in Afghanistan ein. Lieferung asap, Rechnung geht an mich.“

Und wenn er jetzt gar kein Ministerium mehr bekommt? Eigentlich unvorstellbar – der Andi ist für alles unter einem Ministeramt überqualifiziert. Bundestagspräsident oder zumindest stellvertretender? Geht auch nicht, oder? „Herr Abgeordneter Hofreiter, ich rufe Sie zur Ordnung. Ihre Frisur sieht absolut scheiße aus.“ Nein, geht nicht. Aber was kratzt‘s den Andi? „Sie brauchen sich über die Versorgung meiner Person und meiner Familie keine Sorgen zu machen! Diese Frage ist bis zum Einmarsch der Roten Armee weitgehend geregelt.“ So ist Franz Josef Strauß solchen Überlegungen begegnet und – seien wir uns doch ehrlich – mit wem außer Strauß könnte man Scheuer denn sonst vergleichen?

Vielleicht kommt ja in Berlin auch die Passauer Lösung. Also mehrere Bundeskanzler. Und wenn wir schon 735 Abgeordnete haben, brauchen wir auch viel mehr Ministerien. Der Lindner macht den Dittlmann und bringt alle seine Forderungen durch, dafür darf der Habeck wie die Erika Außenminister werden und der Laschet kriegt den Dickl-Part und wird Nebenkanzler. Wenn Scholz und Laschet beide Kanzler werden, erreichen sie zusammen auch immerhin 50 Prozent des Charismas von Saskia Esken. Die Baerbock wird LGBTQ- und Gender-Ministerin und unser Andi wird Klimaminister, fliegt den ganzen Tag mit einem solarbetriebenen Hubschrauber herum und heiratet Greta Thunberg.

Ein Blick in die Zukunft. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Audi AG, Dr. h.c. mult. Andreas Scheuer, der gerade im Kampf um das Kanzleramt knapp an Oliver Welke gescheitert ist, sagt im Interview mit dem neu aufgelegten und mittlerweile von ihm selbst herausgegebenen Bayernkurier einen Satz, den ein anderer großer Bayer schon 1969 gesagt hat: „Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe. Ich meine aber größtenteils andere, als die, die man mir vorwirft.“ Als in diesem Moment das in Gold gerahmte Bild von Franz Josef Strauß von der Wand fällt, lächelt Scheuer die Volontärin an und flüstert: „Kehren’s das weg, Fräulein.“


Freitag, 24. September 2021

Lauter!

Vielen Dank, liebe Thingplatz-Festival-Veranstalter in Passau – jetzt am Freitag, 24.09.2021, um 22.30 Uhr. 

Ich sitze mit einem Glas Wein auf meiner Dachterrasse in der Altstadt und höre – leider nur zu leise – Bass und Beats. Gehts nicht bitte lauter?

Seit nicht mehr definierbarer Zeit habe ich – den Sound im Ohr – einmal wieder das Gefühl, in einer Stadt zu wohnen und nicht im letzten Provinzkaff, in dem von Fronleichnam bis zum Christkindlmarkt ansonsten nicht viel passiert – wenn nicht gerade Lockdown ist, denn dann passiert gar nichts.

Also bitte öfter und lauter! Ich möchte gerne in einer Stadt wohnen – sehr wenige hier kapieren, was eine Stadt wirklich ausmacht. Es ist zumindest nicht die 365-fache ungestörte Nachtruhe.

Aufdrehen und danke noch mal!

Montag, 28. Juni 2021

Hey, Politiker aller Ebenen und aller Parteien!

Das wäre doch mal ein wirklicher Grund, die Grenzen zu Tschechien dicht zu machen – und zwar solange, bis es diesen dummen, bösen, alten, faschistischen Hetzer nicht mehr gibt.



Donnerstag, 13. Mai 2021

Dümmer als die PNP erlaubt. Oder: Wer ist förderungsbedürftiger?

 




Rubrik: Bairisch für PNP-Volontäre


Liebe PNP!

Was, bitte schön, ist denn ein Bollerwagen? Ich kenne keinen Bollerwagen – es gibt in Bayern nämlich keine Bollerwagen.

Kann sein, dass heute ein paar junge Männer mit Bollerwagen durch Flensburg oder Kiel ziehen und sich dabei ein paar Flaschen Bölkstoff nebst Krabbenrundstücken genehmigen. 

Aber im Verbreitungsgebiet der PNP ziehen sie dann doch eher einen Leiterwagen.

Vielleicht bringt Ihr das Eurem Journalistennachwuchs gelegentlich mal bei. Danke.

Mittwoch, 5. Mai 2021

Meine Freundin, die Bäumin oder: Heute spielen wir mal wieder Aktivisti und Polizisti

 



Nachdem es leider weder den montäglichen Passauer Baumbesetzern noch einer feministischen Live-Band am Dienstag gelungen war, spontan größeren Einfluss auf eine Verbesserung der weltweiten Klimaschutzziele zu nehmen, kam es heute zu einem dritten Anlauf.

Aktivisti (Eigenbezeichnung) von FfF Passau besetzten, nachdem sie in einem organisatorisch perfekt ausgeklügelten Husarenstück mehrere Polizisti (Zitat FfF Passau) örtlich in die Irre geführt hatten, wieder zwei Bäume – diesmal an der Ortspitze. Der erwünschte Groundsupport (Zitat FfF Passau) hatte sich am späten Vormittag noch nicht eingestellt.

Die Tatsache, dass vier junge Menschen in einem Baum sitzen, wurde von Presse, Politik und Social-Media-Kommentatoren bisher sehr emotional und aufgewühlt begleitet. Im Folgenden ein paar im Original zitierte Beispiele.

"Klimaretter", Hubert J. Denk aus Passau

"Extremisten", Andi Scheuer aus Passau

"Sitzen lassen und aushungern!!!", Edwin Loizenbauer aus Facebook

"Runterschneiden geht schneller und jeder 1000euro schdrafe dan haben alle was", Daniel Reif aus Facebook

"Zents in baum an de kemmand scha oba",
Sebastian Fischer aus Facebook

"Ganz einfach die haben 10 Minuten Zeit vom Baum zu kommen. Dann hole ich meinen Gartenschlauch .. Schütze nur mein Eigentum.", Rudolf Gerhard Wintersberger, Eigentümer der Ortspitze (unüberprüft)

"ab durchs agregat vom harvester", Julian Leitner aus Facebook

"da kann man mal sehen, wie viel Zeit diese nutzlosen links-grünen Ökospinner auf Kosten der Gemeinschaft haben. Ein Wasserwerfer und Ruhe ist.", Klaus-Peter Schäfer aus Facebook

"Ich würde mit Stihl oder husquana kommen gleich wäre ruhe", Tobias Ackermann aus Facebook

"Aufn Baum verhungern lassen das Asoziale Pack", Anton Liebl aus Facebook

"Aktivisti aller Länder! Lasst Die Bäume in Ruhe und besetzt Facebook!", Präsident von Wahlinfo-Passau


Mittwoch, 21. April 2021

Rubrik: Besser gendern mit Wahlinfo-Passau

Nachdem wir als feministischer Internetblog seit Kurzem auch eine Soko "Gender-Verbrechen" betreiben, die Tag und Nacht nach falsch oder gar nicht gegenderten Plural- oder sonstigen Wortkonstruktionen fahndet, sind wir aktuell in einem sehr prominenten und damit um so erschreckenderen Fall fündig geworden.

Über die Überschrift in der PNP "Baerbock als Kanzlerkandidatin der Grünen nominiert" mussten wir zunächst noch schmunzeln. Typisch bayerische Provinzjournalierende – die können nicht mal richtig gendern. In der weiteren Recherche waren wir dann endgültig geschockt. Nicht nur bei den politisch stets korrekten Spiegel-Kolumnist°innen, nein auch bei den links-feministischen taz-Kolleg;-)innen, bei den neoliberal-reaktionären FAZ-Chauvinist+innen sowieso – überall stand dasselbe: "Baerbock wird Kanzlerkandidatin."

Liebe Journalist§innen – was soll das? Jetzt haben wir seit über 15 Jahren eine KanzlerIN und Baerbock will jetzt auf einmal Kanzler werden? Nein, sicher nicht! Baerbock ist KanzlerINkandidatin. Und zwar definitiv Kanzlerinkandidatin und nicht Kanzler:innenkandidatin, weil sie ja nicht entweder Kanzler oder Kanzlerin, sondern ganz bestimmt Kanzlerin werden will. (zur richtigen, fallspezifischen Verwendung von Kanzler:innenkandidatin später mehr)

Wir erhofften uns Bestätigung und Klärung auf der Homepage der Grünen. Wenn einer gendern kann, dann die besserverdienenden Lastenradfahrenden. Weit gefehlt. Zitat: "Annalena Baerbock ist die grüne Kanzlerkandidat:in zur Bundestagswahl 2021." Wie bitte? Kanzlerkandidat:in? Bei Annalena Baerbock handelt es sich – soweit bekannt – um eine einzelne weibliche Person. Warum ist sie dann nicht Kandidatin? Wenn sie Kanzlerkandidat:in ist, bedeutet das doch wohl, dass sie sich ihres Geschlechtes nicht sicher ist oder sich auf keines festlegen will, aber trotzdem weiß, dass sie ein männlicher Kanzler werden will. Sonst wäre sie ja wohl (siehe oben) Kanzlerinkandidatin.

Bisher war ja alles ziemlich einleuchtend, – wie immer hier – gut erklärt und bereits für Gender-Anfänger@innen geeignet. Nun aber folgt die Lektion für Fortgeschrittene. Nehmen wir an, Baerbock und Laschet (vielleicht auch Scholz, aber warum eigentlich) sind bei Markus Lanz, einem weißen alten Mann und Gender-Anfänger eingeladen. Der Moderierende könnte es sich jetzt leicht machen und den CDU-Kanzlerkandidaten und die grüne Kanzlerinkandidatin begrüßen. Aber mit solcherlei Notbehelfen lernen wir richtiges Durchgendern nie. Also wird Lanz sagen: "Ich begrüße herzlich die Kanzler:innenkandidat:innen von CDU und Grünen gemeinsam mit ihren beiden Kanzler:innenkandidat:innenehepartner:innen." Dabei macht er bei jedem Doppelpunkt eine kurze hörbare Pause. Ist nicht schwer, tut nicht weh, kann jeder lernen – wenn er guten Willens ist.

Laschet sei Dank wird ja aus der Kanzlerinkandidatin Baerbock die nächste deutsche Bundeskanzlerin. Dann wird hoffentlich in Berlin mal richtig durchgegendert und baldmöglichst auch ein Bewusstsein dafür geschaffen, wie demütigend, erniedrigend und entwertend es für Frauen sein muss, mit Familiennamen wie männliche Tiere zu heißen. Es gibt noch viel zu tun, Frau Baerinziege!





Freitag, 16. April 2021

Ich kann nur hoffen, dieses "Fakes" werden von allen als solche erkannt

Gäbe es jemanden, der die folgenden Zeilen ernst meinte, müsste er so dumm sein, dass er gar nicht lesen und schreiben kann. Somit kann es sich nur um die genialste Meta-Satire seit langem handeln. 






Montag, 12. April 2021

Andreas Scheuer: „Ich bin auch nur ein Mensch mit kleinem Doktor“

Nach dem – wie immer von den Russen oder sonst wem bezahlten – AmSonntag-Interview vom 11. April 2021 spricht der Verkehrsminister hier bei Wahlinfo-Passau erstmals ehrlich und schonungslos offen wie noch nie über Erfolge, große Erfolge, die Neidhammel von der Linkspresse, die ihm seine extremen Erfolge nicht gönnen, die anderen Vollpfosten, Quotenweiber und Homos im Kabinett und seine gigantischen, visionären Pläne für die Zukunft − er wird selbstverständlich ("Was für eine arschblöde Frage") auch nach der Bundestagswahl mitregieren. 

Wahlinfo-Passau: Andi, wir kennen uns ja schon seit einiger Zeit, ich darf Dich doch Andi nennen?

Scheuer: Einen Scheißdreck dürfen Sie. Ich werd doch nicht extra Bundesminister, nachdem mir die linke Hetzpresse meinen Doktortitel weggeshitstormt hat, damit mich dann ein völlig bedeutungsloser Internet-Troll Andi nennt.

Herr Bundesminister, Sie haben es bereits erwähnt: Obwohl Sie sicherlich einer der begabtesten und erfolgreichsten Minister im Kabinett Merkel sind, werden Sie von der Lügenpresse seit Beginn Ihrer Amtszeit mit Spott, Häme und völlig substanzloser und auf Lügen basierender Kritik überzogen. Haben Sie da überhaupt noch Lust auf Politik? 

Auf jeden Fall − ich habe ja noch viel vor! Die Budgets müssen raus. Und ganz ehrlich – wer solls denn machen außer mir? Eine von den Flintenweibern, einer von den grünen Tempolimit-Fantasten oder vielleicht der Blümchen Markus? (Schlägt sich lachend auf die Oberschenkel)

Wird es also wieder einen Minister Scheuer geben? 

Haben Sie jetzt nicht zugehört oder sind Sie ein bisschen dumm? Natürlich wird ein Andreas Scheuer wieder Minister. Ich sage Ihnen sogar folgendes: Sollte mich Markus, äh, sollte mich der zukünftige Bundeskanzler eher im Außen-, im Finanz- oder im Wirtschaftsressort sehen, werde ich wahrscheinlich sogar darum bitten, mich im Verkehrsministerium zu belassen. Es ist noch so viel zu tun. Wir haben viel zu viele Autobahnen, wo Du schwerlich über 250 fahren kannst – nicht nur wegen der ganzen Grattler, die mit ihren 120-PS-Autos auf der linken Spur rumstehen, nein auch wegen der schlechten Straßen. Da gehören mal Milliarden investiert in eine ordentliche Infrastruktur. Freie Fahrt für freie Bürger! Und im Vertrauen: So viele Ministerien, wo Du 28 Milliarden zum Verbraten hast, gibts nämlich gar nicht. Nein, ich leg mich fest: Ich bleibe Verkehrsminister. Dass man Wirtschaft und Energie noch bei mir angliedert – darüber könnte man sprechen.

Das leidige Thema Maut: Dafür mussten Sie medial und politisch – völlig zu Unrecht – viel Prügel einstecken und stehen bis heute „unter Beschuss“ der missgünstigen Neider. Belastet das auch eine Lichtgestalt persönlich?

Ja klar, massiv! Das geht selbst einem Andreas Scheuer persönlich sehr nahe und geht auch ganz tief. Irgendwie bin ich ja auch nur ein Mensch – wenn auch kein gewöhnlicher. Und die Maut, also nicht die Maut, sondern die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes, war natürlich ganz großer Bullshit. Schauen Sie mal, wer da drin sitzt in diesem Gerichtshof. Litauer, Malteser, Zyprioten, Holländer, Polen, Portugiesen und, ha ha, Österreicher! Muss ich da mehr sagen? Fakt ist: Ich habe als Minister ein Gesetz umsetzen müssen. Das habe ich wie immer astrein gemacht und diese Richter haben uns das nicht gegönnt. Und dieser angebliche Schaden, der entstanden sein soll – das müssen die erst mal beweisen. Ich hab Ihnen gerade mein Budget genannt. Das zahl ich notfalls aus der Strafzettelkasse. 

Sie wollen kommenden Samstag in Passau wieder in Ihrem Wahlkreis als Direktkandidat für den Bundestag aufgestellt werden. Glauben Sie, dass die Mautgeschichte und andere Missverständnisse die Delegierten in ihrer Entscheidung beeinflussen könnten?

Hä? Ich verstehe die Frage nicht.

Nun, denken Sie, dass Ihnen der angebliche und von Saboteuren böswillig konstruierte, sogenannte Mautskandal schaden könnte?

Ach so, ha ha ha, nein, natürlich nicht. In welchem Film leben Sie denn? Wir sind hier bei der CSU in Dunkel-, äh, Niederbayern.

Und wie klappt so eine Beziehung privat? Sie sind ja als Minister 24 Stunden und 365 Tage im Jahr im Dienst für Volk und Vaterland unterwegs. 

Grundsätzlich: Privat bleibt privat. Nur so viel: Sie können mich nachts um drei aufwecken und ich kann Ihnen den Vornamen meiner aktuellen Bekannten nennen.

Geschätzter Herr Bundesminister, was kommt nach der Politik? Haben Sie einen Plan B? Glauben Sie nicht, dass große und erfolgreiche deutsche Unternehmen in der freien Wirtschaft dringend einen Mann mit Ihren Fähigkeiten und von Ihrem Format benötigen?

Es gibt keinen Plan B. Wie gesagt: In der nächsten Legislaturperiode werde ich Verkehrs- oder Superminister. Das mit dem Bedarf in der freien Wirtschaft stimmt zwar, aber ich kann leider nicht überall sein. Und sag doch nicht immer "Herr Bundesminister" zu mir. Ich bin der Andi.

Danke Andi, vielen Dank fürs Gespräch.

Gerne, ich helfe, wo ich kann. (Tätschelt mir zum Abschied die Wange)

 


Freitag, 2. April 2021

Risus paschalis – Humor ist, wenn man trotzdem lacht.


Weltpremiere: Der Osterwitz 2021 von Bischof Stefan Osterwitz – bereits am Karfreitag als Preview hier

Exklusive Vorveröffentlichung auf Wahlinfo-Passau, nachdem wir uns vom Bistum Passau die Übertragungsrechte im Bieterverfahren vor kath.net und gloria.tv gesichert haben.

Achtung: Wie bei jeder Äußerung von Bischof Stefan Oster handelt es sich bei diesem Video um Satire.





Dienstag, 9. März 2021

Samstag, 2. Januar 2021

Der Asylant, Teil 2

Teil 1 lesen Sie unter diesem Beitrag.

1. Januar 2021, 1 Uhr 25. Der Passauer Stadtbrandrat Andreas Dittlmann ist gerade von einem Feuerwehreinsatz zurückgekehrt, als das Mobiltelefon einen anonymen Anruf meldet.

Telefon (spielt ein Lied als Klingelton): "Alarm, es kommt ein Notruf an. Feuerwehrmann Sam ist unser Mann. Ganz egal, was auch passiert, er bleibt ruhig und konzen.."

Dittlmann: Na sauber. "Anonym" mitten in der Nacht. Hallo?

OB: Herr Dittlmann, hallo? Hier ist Dupper.

Dittlmann: Welcher Dupper?

OB (zu sich selbst): Ich habs gwusst, dass mich der gleich wieder nervt. (Zu Dittlmann:) Gute Frage, Herr Dittlmann. Was glauben Sie? Dass Sie in der Silvesternacht um halb zwei Uhr früh der Leiter des Sozialamts Dupper oder vielleicht doch der OB Dupper anruft? Na?

Dittlmann: Dann rufens mich halt bittschön mitten in der Nacht nicht mit "anonym" an. Des wär echt nett. Warum rufens denn überhaupt an? Habens an Zimmerbrand? 112.

OB: Ich rufe Sie in Ihrer Eigenschaft als erfahrener Krisenmanager und Stadtbrand..., ähhh...

Dittlmann: ... dings. 

OB: Egal, als Stadtbranddirektor an.

Dittlmann: Ja, egal. Stadtbrandrat heißts.

OB: Gut, ich merks mir jetzt. Aber wir haben echt andere Sorgen, lieber Herr Stadtbrandrat.

Dittlmann: Ich war gerade im Einsatz. Alle Straßen sind frei, das Rathaus brennt nicht, die Donau hat 4 Meter 25, der Inn 1 Meter 36, im Krankenhaus gibts heute keine akute Verschlechterung der Lage und die Passauer CSU liegt absehbar weiterhin am Boden. Ich wüsste nicht, was wir zwei für gemeinsame Sorgen hätten.

OB: Dann hörens jetzt bitte zu. Mich hat gerade der Söder angerufen.

Dittlmann: Welcher Söder?

OB: Herr Dittlmann, auch wenn Sie sich noch so viel Mühe geben – Sie sind nicht witzig. Also... Mich hat der Ministerpräsident angerufen, weil Donald Trump in Bayern politisches Asyl beantragt hat. Und den Irren will er uns jetzt aufs Auge drücken, weil wir die besten Krisenmanager in Bayern sind. (Pause) Oder – ehrlich gesagt – weil er ihn so weit wie möglich von München weghaben will.

Dittlmann: Eine verrückte Nacht ist das. Mich hat vorher die Bundeskanzlerin angerufen und mich gefragt, ob ich Bundesverkehrsminister werden will. Sachen gibts.

OB (atmet laut und hörbar): Herr Dittlmann, ich hab jetzt nicht die Nerven für Ihr blödes Gschmatz.

Dittlmann: Ich hab zwar gute Nerven, aber nur weil Sie vom Böhmermann oder irgendwem von der heute-show angerufen werden, müssen Sie mir nicht die Nachtruhe stören.

OB: Ich sag das jetzt nur ein einziges Mal. Erstens, es war der Söder. Der hat Sachen gewusst und gesagt, die weiß keiner von diesen Fernsehkasperln. Zweitens ist der Söder demnächst im Rathaus, wo wir jetzt eine Sondersitzung einberufen. Um Aufhebung der Ausgangssperre, Beschlussfähigkeit und den ganzen Mist kümmert sich der Söder per Dekret. Drittens rufen Sie jetzt bitte die Fraktionsvorsitzenden und noch so viele Hanseln, wie Ihnen einfallen, an und beordern sie ins Rathaus. Bürgermeister und SPD mach ich. Die von der CSU sind angeblich schon informiert. Und während Sie das, viertens, tun, fahren Sie gleich mal mit Tatütata ins Rathaus. Bitte, Herr Dittlmann, helfens mir.

Dittlmann: Den Mangold ruf ich nicht an. Außerdem hat der sein Nokia 6310 nachts in der Bleikiste.

OB: Des delegier ich, der kriegt ein Telegramm. Bis gleich.

1. Januar 2021, 2 Uhr 10. Als Oberbürgermeister Jürgen Dupper in die Schrottgasse einbiegt, stehen vorm Haupteingang des Rathauses bereits ein weißer SUV mit eingeschaltetem Blaulicht sowie drei schwarze Limousinen, zwei davon ebenfalls mit Blaulicht. Eine Gruppe von ca. 15 Personen steht flüsternd auf der Straße. Dupper parkt sein Auto und geht auf die Wartenden zu.

OB: Guten Morgen. Dankschön fürs Kommen. Gehen wir nauf.

Söder (aus seinem Wagen steigend): Lieber Herr Dubber, liebe Funktionsträger, liebe Stadträtinnen und Stadträte. Vielen herzlichen Dank schon mal vorweg.

OB: Grüß Gott, Herr Ministerpräsident. Gehen wir nauf.

Die Menge versammelt sich im großen Rathaussaal. Ministerpräsident Söder, OB Dupper, die zahlreichen Bürgermeister und Stadtbrandrat Dittlmann nehmen auf dem Podium Platz. Der Rest verteilt sich auf den Stühlen, während immer wieder Neuankömmlinge den Rathaussaal betreten.

Dittlmann: Ich glaub, heut werden wir zum ersten Mal vollzählig.

Söder (zu Dupper gewandt): Soll ich mich vielleicht noch schnell ins goldene Buch eintragen? Mach ich gern.

OB (winkt ab): Wegen mir nicht.

Dickl: Aber das wär doch eine gute Gelegenheit.

OB: Nein. Keine – Gute – Gelegenheit. Guat is. Herr Ministerpräsident, wenn Sie bitte anfangen würden.

Dickl: Ich schau mal, ob ichs find.

OB (barsch): Hinsetzen!

Söder: Meine sehr verehrten...

Mangold (eilt bei der Tür herein und rennt aufs Podium): Warum werde ich so spät informiert? Das ist doch Absicht.

OB (sieht Mangold mit zusammengekniffenen Augen an und deutet mit dem Zeigefinger zu den Stuhlreihen im Saal): Wenn Sie bitte da unten Platz nehmen wollen, Herr Stadtrat.

Mangold: Und der Ditt...?

OB: Sprech ich so undeutlich? Hinsetzen! Da unten! (Zu Söder:) Bitte, Herr Ministerpräsident.

Söder: Vielen Dank. Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Stadträtinnen und Stadträte. Sie sind alle bereits über den Grund unseres etwas surrealen Zusammentreffens informiert worden. Der noch amtierende US-Präsident Trump hat in Bayern politisches Asyl beantragt, weil er sich vom neugewählten Präsidenten politisch verfolgt fühlt. Ich habe bereits beim Herrn Oberbürgermeister vorgefühlt, ob denn eine – zumindest vorläufige – Unterbringung von Herrn Trump in Passau denkbar wäre. Selbstverständlich würde Passau im Gegenzug eine Fülle von Ausgleichsleistungen erhalten. Ich denke...

Mangold: Das kommt überhaupt nicht in Frage. Der weltgrößte Klimazerstörer der vergangenen Jahre hat hier bei uns nichts verloren.

Söder (leise zu Dupper): Wer isn er?

OB (halblaut zurück): Ein Stadtrat. Von der ÖDP. 

Söder: ÖDP? Was isn des?

OB: Egal.

Auer: Sagens mir bitte, Herr Oberbürgermeister, dass das nicht Ihr Ernst ist! Sie wollen uns doch nicht den Inbegriff des rassistischen, klimawandelleugnenden, minderheits- und frauenfeindlichen alten weißen Mannes nach Passau holen? (Leise zu sich selbst:) Soiche ham ma hier scho gnua.

Kapfer: Herr Ministerpräsident, was muss ich mir da unter diesen Ausgleichsleistungen vorstellen?

Söder (lächelnd beide Hände hebend): Ich versichere Ihnen, dass da viele Ihrer Wünsche in Erfüllung gehen werden. Da können Sie Ihre Phantasie gaaaanz weit schweifen lassen. Im Übrigen ist ja bekannt, dass ich ein großer Freund einer Uniklinik Bassau, jawoll, und zwar einer Uniklinik Bassau mit allen Schigganen bin.

Flisek (zischt zu Rother): Protokolliert den ganzen Irrsinn eigentlich irgendwer mit?

Rother streckt den Daumen hoch und deutet dann mit demselben auf seine Brust.

Flisek: Jetzt mal eine nicht ganz unberechtigte Frage an die Kolleginnen und Kollegen hier. Sollten wir uns nicht ganz bald – nur für den Fall, dass wir ja sagen – überlegen, wo wir den unterbringen? Den will ja keiner in der Nachbarschaft, geschweige denn im Haus haben.

Söder: Sehr gut. Der Kollege Flisek, wie ich ihn kenne – als scharfsinnigen Pragmaddigger. Reden wir doch mal über die Unterbringung. (Sieht auf die Uhr) Viel Zeit haben wir ja nicht mehr.

Dittlmann: Warum? Haben Sie den unten im Auto sitzen?

Söder: Ha ha, sehr gut, Herr Stadtbrandmeister. Na, des nedd grad. Aber der Präsident landet in wenigen Stunden am Eff Tschej Ess.

Erika: Eff Tschej Ess?

Putzke (den Saal betretend): Franz-Josef-Strauß-Airport. Der Herr Ministerpräsident, hallo Markus, sagt das wohl in Analogie zum, auch im allgemeinen Sprachgebrauch verwendeten, Kürzel JFK, was ja eigentlich der IATA-Code des großen New Yorker Flughafens ist. Insofern stimmts ja doch wieder nicht, weil der IATA-Code von München eigentlich MUC ist. Hmmm. Vielleicht wollte der Ministerpräsident ja nur seine Weltläufigkeit demonstrieren oder...

Erika: ... er spinnt halt einfach.

Dickl (auf Putzke starrend): Wos, wos... wos will denn der do? (Zu Dupper gewandt:) Der hat hier nix verloren.

OB: Herr Professor Putzke, es wäre mir neu, dass Sie hier in meiner, ähhh, unserer Stadt Stadtrat wären.

Putzke (vergnügt): Herr Oberbürgermeister, jetzt seien Sie mal nicht päpstlicher als der Papst. Gerade beginnt der erste Tag des Jahres. In diesem Jahr kann noch sehr viel passieren. Den Putzke in seinem Lauf halten weder Freund noch Dickl auf.

Söder: Jetzt lassens ihn halt, Herr Dubber. Immerhin ist er ja Kreisvorsitzender der...

OB: Meinetwegen ist er Landesvorsitzender – von was auch immer. Das geht mich nichts an und könnte mir nicht egaler sein.

Söder: Dubber! Der Herr Putzke hat uns aber auch was mitgebracht. Erzähl doch mal, Holm.

Putzke: Genau! Danke, Markus! Während Sie hier alle – wie seit jeher – die Zeit mit sinnlosen Debatten verschwenden, habe ich meine Hausaufgaben gemacht. (Hebt einen dicken Stapel Papier hoch) Hier sehen Sie meine – äußerst brillanten – Vorschläge auf 67 Seiten, wie, wo und zu welchen Bedingungen der demnächst emeritierte US-Präsident Trump in Passau untergebracht werden könnte. Leider hatte ich keine Zeit mehr, das Programm für Sie alle auszudrucken. Sie finden es allerdings bereits auf meiner Facebook- und Instagramseite, die beide – und das sage ich in aller Bescheidenheit – ohnehin einen Besuch wert sind.

Erika: Lauter Narrische. Normalerweise an Silvester, wenn alle bsoffen sind, is's net so schlimm.

Dickl (flüstert vor sich hin): Der blöde Hund stiehlt schon wieder jedem die Schau.

OB: Danke für Ihre Bemühungen, Herr Putzke, ich würde Sie bitten, sich jetzt einfach auch hinzusetzen und sich in üblichem und adäquatem Umfang an der Debatte zu beteiligen. Danke.

Flisek: Ähhh. Da ist jetzt wegen dieser netten Showeinlage eine Kleinigkeit untergegangen. Hab ich das richtig verstanden? Trump landet in wenigen Stunden?

Söder: Exakt, Kollege Flisek, gut aufgepasst – wie immer.

Dittlmann: Und dann? Dann kommt er zu uns und schlaft erst amal bei ... der Erika? Die hat Platz und ein großes Herz.

Erika: Ja, ha ha, bestimmt. I hob am Lukaschenko auch schon absagen müssen, weil alles der Assad reserviert hat.

OB: Soll er halt beim Problembä..., beim Problemlöser schlafen, oder Herr Putzke?

Putzke: Paperlapapp. Lesen Sie einfach mein Papier

Dittlmann: Ich weiß es! Wer hilft selbstlos den Verfolgten, gewährt aus Barmherzigkeit Unterschlupf und hat außerdem noch jede Menge Platz in leerstehenden Luxusimmobilien?

Flisek deutet nach hinten über die Schulter Richtung Dom.

Dittlmann: Genau.

OB: Der Bischof. Markus, Du bist doch der Visitenonkel vom Oster. Ruf den an!

Söder: Was? Was bin ich?

OB: Nicht Sie. Der Sturm Markus, unser Fraktionschef.

Sturm: Und was soll ich dem sagen?

OB: Sagst ihm, dass ein Mann aus bestem Hause in seiner Heimat wegen seiner Überzeugungen politisch verfolgt wird und kurzfristig Schutz und Unterbringung braucht. Ruf an. Gleich!

Markus Sturm geht mit seinem Telefon in den hinteren Teil des Raumes. Nach wenigen Sekunden hört man ihn leise sprechen.

Sturm (laut zum Plenum gewandt): Wie viel Platz der Asylsuchende denn bräuchte?

OB: Irgendwas Großes. Was halt leer steht.

Sturm (nach Rücksprache): Da hamma mehra.

Dittlmann: St. Max oder Pindlhaus. Luxusstandard sollt schon sein.

Sturm (nach Rücksprache): Warum wird er denn politisch verfolgt?

Flisek: Er ist gläubiger Christ, engagiert sich als Lebensschützer, ist gegen Homosexuellenehe, ist für das klassische Familienbild, hält Atheisten für schwere Sünder und hört gerne mitreißenden Predigern zu. Und das ist nur ein Teil seiner wunderbaren Persönlichkeit.

Sturm flüstert drei Minuten ins Telefon und kommt dann strahlend zurück.

Sturm (den rechten Arm hochreißend): Er nimmt ihn.

Alle jubeln.

Sturm: Exzellenz wollte wissen, wer es denn ist. Da hab ich gesagt, das unterliegt noch der Geheimhaltung, aber es wäre ein Mensch, der wegen dem, was er glaubt, verfolgt wird.

Alle jubeln.

Dittlmann: St. Max oder Pindl?

Sturm: Er nimmt ihn erstmal zu sich in die WG auf. Da ist noch was frei.

Alle jubeln.

OB: Handzeichen bitte. (Sieht in die Runde) Ohne Gegenstimme beschlossen. Der Freistaat Bayern, hier vertreten durch Ministerpräsident Markus Söder, kümmert sich um Donald Trump bis zur Ankunft am Passauer Domplatz. Empfang und Übergabe an Bischof Oster organisiert bischöflicher Visitations..., äh, ... dings Markus Sturm. Und noch eine Bitte, Markus und Markus! Ganz wichtig!

Söder: Was denn?

Sturm: Ja?

OB: Erzählts dem Trump nicht, dass der Bischof Katholik ist – die mag er nämlich nicht. Ein gutes Neues Jahr. Die Sitzung ist beendet.



Donnerstag, 31. Dezember 2020

Der Asylant, Teil 1

1. Januar 2021, 0 Uhr 55. Der Passauer Oberbürgermeister serviert seinen Gästen im Schlafanzug (fünf Personen einschließlich OB aus zwei Haushalten) gerade heiße Milch mit Honig, als das Telefon klingelt.

Telefon: Ring, ring.

OB (starrt auf das Telefon und dann auf seine Frau): Was ist das?

Dem OB seine Frau: Hä, was ist was? Unser Telefon klingelt.

Telefon: Ring, ring.

OB: Des kann nicht sein. Wir haben Lockdown, Ausgangssperre, Böller- und Alkoholverbot, Corona – die Stadt ist absolut leer und still. Unmöglich, dass irgendwer einen Grund hat, jetzt anzurufen. Nicht amal der Dittlmann.

Telefon: Ring, ring.

OB (zu seiner Frau): Geh Du hin.

Dem OB seine Frau: Dupper, hallo?

Stimme (verzerrt und abgehackt, offensichtlich aus dem Auto): Hallo, hier ist... klack klack klack ...hallo?

Dem OB seine Frau: Hallo, ja? Ich verstehe Sie schlecht. Herr Dittlmann, sind Sie des?

Stimme: Wichtelmann? Jetzt ma... klack klack klack ...keine Witze. Hier spricht Ma... krrrkkk ...öder. Könnt ich denn bitte den Herrn Oberbürgermeister sprechen?

Dem OB seine Frau (genervt): Moment bitte. Jürgen, für Dich.

OB: Wer?

Dem OB seine Frau: Keine Ahnung. Nicht der Dittlmann. Ich hab Schröder verstanden. Er spricht a bissel komisch. Also kein Bayer.

OB: Dupper, 1. Januar, ein Uhr früh, nennen Sie mir den Grund Ihres Anrufs.

Stimme: Aaah, jetzt ist die Verbindung besser. Gottseidank. Grüß Gott, Herr Oberbürgermeister, hier spricht Markus Söder. Herr Oberbürgermeister, wir haben ein Problem.

OB (laut): Jetzt passen Sie amal auf, Herr Dittlmann, nur weil Sie im Lockdown möglicherweise vom Spezi auf ganz harte Sachen umgestiegen sind oder weil es Ihnen auf Ihrem Millionärsberg vielleicht zu langweilig ist und Sie meinen, es wäre lustig, aus Ihren Silvesteranrufen einen Running Gag zu machen, (wird lauter) gibt Ihnen das noch lange nicht das Recht, mich in der stillsten Silvesternacht aller Zeiten schon wieder zu terrorisieren. (Schreit:) Außerdem haben Sie absolut kein Talent darin, Politikerstimmen zu imitieren.

Stimme (auch laut): Jetzt hörens doch endlich amal mit diesem ominösen Wichtelmann auf, Herr Dubber. Hier imitiert keiner irgendwas. Hier spricht der bayerische Ministerpräsident. Mar – kus Sö – der. Des is hier ka Spass, sondern a Gaddastrophenfall. Unser geliebter Freistaat Bayern braucht Ihre Hilfe. Ka Spass.

OB (nach längerem Schweigen): Aha.

Söder: Herr Dubber, sind Sie noch dran?

OB: Ja, leider.

Söder: Warum sagens dann nix?

OB: Weil ich wart.

Söder: Auf was?

OB (sehr laut): Auf den Grund Ihres Anrufs natürlich. Auf den Katastrophenfall.

Söder: Herr Dubber, ich bin schon auf dem Weg zu Ihnen nach Bassau. Gaddastrophenfall ist eine Untertreibung – quasi. Des is a Code Red, aber so reddd, wie Sie sichs gar ned vorstellen können.

OB: Also wenn der Scheuer wieder Mist gebaut hat – das geht mich nichts an, das ist Ihr Bier.

Söder: Scheuer, papperlapapp, viel schlimmer.

OB: Was kann schlimmer sein?

Söder (flüstert): Drmp.

OB: Drmp?

Söder (leise): Dnld Drmp.

OB: Hä?

Söder: Donald Trump, der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, fühlt sich in seinem Land politisch verfolgt und hat deshalb politisches Asyl beantragt – und zwar genauer gesagt in Bayern und ganz genau gesagt bei mir im Kanzleram..., bei mir in der Staatskanzlei. Jetzt is es raus.

OB (atmet laut durch): Also wenn wir jetzt mal unterstellen, dass Sie kein Enkeltrick-Betrüger sind und das ganze hier kein Telefonstreich – was hab ich mit einem, politisches Asyl suchenden, Donald Trump zu tun?

Söder (mit Pathos): Herr Oberbürgermeister! Weil Sie der Beste sind! Der beste Gaddastrophenmanager, den wir..., der uns... – der wo mir einfällt, zumindest.

OB: Is scho recht. Und in Wahrheit?

Söder: Na ja. Da spielen jetzt mehrere Faktoren zusammen. Der kleine Herrmann, der große Herrmann und ich, wir waren uns einig, dass der Asylsuchende besser in die Peripherie passt, also ins Distale eher, verstehns?

OB: Distal von München?

Söder (erfreut): Genau! Wir verstehen uns. Und dann sind der kleine Herrmann, der große Herrmann und ich ganz schnell auf Niederbayern gekommen.

OB: Landshut, Straubing, Deggendorf, Regen, Freyung.

Söder: Herr Oberbürgermeister. Landshut ist irgendwie so nah.

OB: An München?

Söder: Genau! Und mit dem Pannermayr und dem Moser hab ich natürlich auch schon gesprochen. Die wollen den auf keinen..., ähhh, die können des ned so gut wie Sie.

OB: Is scho recht. Regen und Freyung sind ziemlich peripher.

Söder (lacht): Ja, ha ha, Herr Dubber, des schon. Aber a Gschäfd, in dem es auch an anderen Whisky als Jim Beam gibt, an Handyempfang und a Bevölkerung mit zumindest rudimentären Englischkenntnissen däd er natürlich schon brauchen. Und Herr Oberbürgermeister, schauns doch amal her. Das wird der krönende Abschluss Ihrer imposanten Karriere. Sie haben die Hochwassergaddastrophe gemeistert, Sie haben seit Jahren den Waschler und den Scheuer an der Bagge und jetzt kommts – wer war denn der, der die Flüchtlingswelle mit tausenden Asylsuchenden gesteuert und gemeistert hat? Der Passauer OB Jürgen Dubber!

OB: Und wenn ich nein sag?

Söder: Wenn Sie ja sagen, dann reden wir erstmal über die Schlüsselzuweisungen fürs nächste Jahr – also Sie sagen mir, was Sie brauchen. Wenn Sie ja sagen, dann mach ich die Uniklinik Passau zur Chefsache, das Verwaltungsgericht Niederbayern gehört sowieso nach Passau und wer sagt denn, dass das Wirtschafts- oder das Innenministerium unbedingt in München stehen müssen?

OB: Und wenn ich trotzdem nicht mag?

Söder: Wir haben nicht ewig Zeit, Dubber. Wenn Sie sich querstellen, dann liegt es dauerhaft nicht mehr in meinem Einflussbereich, was die ZF für niederlassungsstrategische Pläne hat und was aus Ihrem verschlafenen, rot regierten Provinzkaff zwischen dem Atomendlager Saldenburg und Temelin mittelfristig wird. 
 
OB: Klingt einleuchtend. Wie gehts weiter?

Söder: Ich wusste es! Ich hab zum Herrmann und zum Herrmann gesagt: Der Dubber ist ein Macher. Der wuppt das.

OB: Wofür brauchen Sie mich eigentlich?

Söder: Hörens zu, Dubber. Wir sind uns doch ähnlicher, als Sie wahrhaben wollen. Ich mach in Bayern, was ich will und Sie machen in Bassau, was Sie wollen. Die Idee mit denen vielen Bürgermeistern übrigens – erste Sahne, könnte von mir sein. Dass Sie diesen Dackl zum Bürgermeister gemacht haben und damit die gesamte CSU ruhig gestellt haben, grämt mich zwar, aber Reschbekt. Zur Sache: Die tanzen doch alle nach Ihrer Pfeife. Rufen Sie die Fraktionsvorsitzenden, und wen Sie sonst noch für wichtig halten, an und laden Sie zu einer Notstands-Stadtratssitzung in einer Stunde. Die wichtigsten Leute von der CSU haben wir schon verständigt.

OB: Eine Stadtratssitzung mitten in der Silvesternacht um halb drei Uhr früh, mit einer Stunde Ladefrist? Was soll denn die entscheiden können? Außerdem ist Ausgangssperre.

Söder: Des überlassens ruhig mir, Dubber. Die Allgemeinverfügung zur Ausnahme von der Ausgangssperre und zur Notstandssitzung hab ich schon dabei, die Polizei weiß Bescheid und die Ergänzungsverordnung zur Gemeindeordnung ist auch fast fertig. Par Ordre De Mufti, ha ha, da hab ich jetzt echt Routine, des könnens mir glauben, Dubber. Also... Ich bin jetzt bald in Dunkelbayern. Mei Navi sagt: 2 Uhr 15 Rathaus Bassau. Trommelns mir die Leut zamm.

Teil 2 folgt.





Samstag, 26. Dezember 2020

Die besten Zitate zum Jahresende 2020, Teil 3

Amen und ich sage Euch!

Erst wenn der letzte Spinner und der größte Hetzer in den Vatikan wegbefördert wurde, werdet Ihr sagen: "Guat, dass der Narrische weg is." 

Aber bis dahin werden ihn die ganzen Verwirrten weiter hofieren und seinen Konfabulationen lauschen.

Aber irgendwann ist er weg. Und dann wird es ein großes Heulen und Zähneknirschen geben und alle werden sagen: "Halleluja, der Narrische ist weg."

Aber ich sage Euch: Die Jünger des Narrischen bleiben die gleichen und es wird sie immer geben. Also hütet Euch vor dem Bösem und bedenkt immer:

"Auch Götter sterben, wenn niemand mehr an sie glaubt." (Jean-Paul Sartre)

Die besten Zitate zum Jahresende 2020, Teil 2


Schlimmstes hat Michael Steindorfner als Zehnjähriger im Passauer Seminar St. Max erlebt. Erstmals erzählt er öffentlich, wie ein Priester ihn sexuell missbraucht hat.

(...)

"Er kam nachts. Er holte mich auf sein Zimmer, setzte mich auf seinen Schoß und öffnete meine Hose." Beim Erzählen stockt ihm die Stimme. Er schildert unter Tränen weiter, wie der Präfekt mit dem jungen, in sexuellen Dingen unaufgeklärten Schüler immer wieder verfuhr, der bis dahin nicht wusste, was ein Samenerguss war. Es ist eine Geschichte, die schlimmer nicht sein könnte und nur als übelste sexualisierte Gewalt, als schonungsloser Missbrauch eines ihm Anvertrauten, zu bezeichnen ist. Dem Präfekten reichen die Übergriffe in St. Max nicht.

(...)

"Meinem Lebensentwurf fehlte etwas", sagt er. Es geht ihm nicht um die Entschädigungsleistung – immerhin will die Kirche jedem Opfer am Ende des Aufarbeitungsprozesses 50.000 Euro zahlen –, es gehe ihm um einen "Befreiungsschlag", einen persönlichen und einen für die Kirche. "Ich möchte eine Brücke bauen, damit Opfer zurückfinden, wieder Vertrauen finden."

St. Max 2

"Haus mit Seele sucht Besitzer mit Gefühl!“ Diese Formulierung ist auf Immobilienseiten zu finden, wenn es sich um ein außergewöhnliches Gebäude handelt. Das „Objekt“ – um in der Immobiliensprache zu bleiben – am Steinweg 1 an der Nordseite des Stephansdomes in Passau verbindet nach umfassenden Instandsetzungsarbeiten, Umbau und Ausbau in gelungener Weise Tradition und Moderne. Der Jugendpfarrer für die Diözese, Wolfgang de Jong, bringt es auf den Punkt, wenn er von einem „Haus für die Jugendseelsorge“ spricht – ein Haus mit Seele eben.

(...)

Die Sache ist unstrit­tig: Denk­mal­ge­schütz­te Immo­bi­li­en sind eine nach­hal­ti­ge Inves­ti­ti­on in die Zukunft und in die Kul­tur unse­res Lan­des. Sum­ma­sum­ma­rum belau­fen sich die pro­gnos­ti­zier­ten Gesamt­kos­ten für das Pro­jekt St. Maxi­mi­li­an nach offi­zi­el­len Anga­ben auf 7,8 Mil­lio­nen Euro. Der beson­de­re Mehr­wert des Hau­ses liegt allein schon dar­in, dass es ein Haus für die Jugend­seel­sor­ge ist.


St. Max 3

Zitat Napoleon Bonaparte:

"Religion ist das, was die Armen davon abhält, die Reichen umzubringen."



Die besten Zitate zum Jahresende 2020, Teil 1

Abschließende Betrachtung zur Pandemie, zum Lockdown, zu Weihnachten und irgendwie zu allem:

Wirkliche Schönheit, die berühre, leuchte wie Weihnachten von innen, war seine (Bischof Osters, der Verf.) Botschaft. Wie er selbst anfangs der falschen Schönheit erlegen ist, hatte er zu Beginn seiner Predigt mit persönlichen Worten erzählt: "Als junger Kerl habe ich mich besonders für schöne Mädels interessiert, aber festgestellt, dass ich diejenigen, die am meisten Geld und Mühe in ihre Schönheit investierten, irgendwann gar nicht mehr so schön fand.“ Sie erschienen ihm wie eine “herausgeputzte Fassade, innerlich blass, ichbezogen, selbstinteressiert und damit uninteressant.“ (Mediendenk)

Oder wie Oster in einem Anflug von reflektierter Realitätswahrnehmung noch erkennt: „Und mir scheint, dass auch die Dummheit nicht weniger wird.“

Samstag, 28. November 2020

Wahlinfo-Passau klärt auf: So funktioniert die brutalste "Ausgangsbeschränkung" der Welt

Seit heute gilt in Passau eine "strenge Ausgangssperre" (Spiegel, Stern, Süddeutsche, Deutschlandfunk et.al.)

"Passau fährt jetzt einen Knallhart-Kurs" (PNP)

"Passau am Tag 1 der Ausgangsbeschränkung - Polizei kontrolliert.
Seit diesem Samstag gelten in Passau wegen der Corona-Krise strikte Ausgangsbeschränkungen.
Nur, wer einen "triftigen Grund" nennen kann, darf das Haus verlassen. Aber klappt das? Die Polizei kontrolliert die Ausgangsbeschränkungen "mit mehreren Einsatzkräften", wie die Polizeisprecherin auf PNP-Anfrage mitteilt. Und, sie klingt sehr zufrieden: "Wir haben eine hohe Akzeptanz, was die Ausgangsbeschränkungen angeht", erklärt sie. "Das wird momentan sehr gut eingehalten". Anzeigen habe es tagsüber bis nachmittags um 15.30 Uhr "keine" gegeben." (PNP)

Wahlinfo-Passau fragt: Gibt es überhaupt Gründe, die nicht triftig sind, um das Haus zu verlassen?

Hier die Power-Antworten für Corona-Rebellen:

"Nein, Herr Wachtmeister, ich gehe gar nicht spazieren, ich stehe hier nur sinnlos rum."

"Nein, Herr Wachtmeister, ich jogge nicht, ich laufe nur einem Ihrer Kollegen davon."

"Nein, Herr Wachtmeister, ich kaufe gar keine Weihnachtsgeschenke, sondern nur Gegenstände, für die ich absolut keine Verwendung habe und die ich zuhause wegschmeiße." 

"Nein, Herr Wachtmeister, ich bin gar nicht aus Passau, sondern aus Eferding. Ich komme seit Jahren als Hochwasser-Katastrophen-Tourist nach Passau und habe heute in der Zeitung gelesen, dass hier jeder reindarf. Jetzt wollte ich mir diese Ausgangssperre einmal anschauen. Und vorm Heimfahren kaufe ich mir noch eine Leberkässemmel. Ha ha."

Die letzte Antwort war übrigens ein absolut triftiger und berechtigter Grund, um durch die Passauer Innenstadt zu flanieren. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.



Sonntag, 4. Oktober 2020

Aus der Serie: Gute Überschriften, die man leider nur hier liest

Michael Oswald: Ganz Passau lacht über Passauer Grammatik-Rebellen!

(Für AS-Leser: Der einzig zulässige Akkusativ von Rebell ist "Rebellen" und nicht "Rebell")

Wobei – mit der Syntax hat er es auch nicht. 
Beispiel: "Auch dem wöchentlichen und satirisch angehauchten Politmagazin „quer“ mit Moderator Christoph Süß war der Gender-Wahnsinn watschte Putzke in einem Beitrag ab."

Na dann...



Freitag, 21. August 2020

Sorry, Freddy, will gar nicht wieder streiten nach den Jahren. Aber nach dem Leserbrief würde ich gerne mal die sonstigen Publikationen lesen. Bitte um Freiexemplare.

Leserbrief PNP, 22.08.2020, Lokalteil

Aufgeregte Sprachpolizei

Zum Bericht über die Online-Petition gegen das Donaulied vom 19. August:

In letzter Zeit beobachte ich die Zunahme einer neuen Sprachpolizei. Wörter wie Negerkuss und
Zigeunersauce werden verboten, nun auch komplette Lieder. Ich bin wahrlich kein Fan des Donaulieds, zumal ich weder Bierzeltsäufer noch Bierbanktänzer bin. Sicherlich, es gibt durchaus einige harte Varianten des Donaulieds, die ich auch nicht gut finde, aber nicht jede Version des Lieds ist anstößig. Es gibt übrigens auch genug Frauen, die sexistisches Liedgut auf Partys und auf Mallorca („Zieh dich aus kleine Maus“) mitgrölen oder sich in den sozialen Medien absolut freizügig zeigen. Uns Männern wird ja auch sehr oft unterstellt, dass wir nur das eine wollen und ausschließlich mit dem Teil unterhalb der Gürtellinie denken. Das ist ein unschönes Schubladendenken. Auch kommt es vor, dass Frauen unaufgefordert Kussversuche auf Männer starten, die man dann, wenn’s nicht passt, als Mann galant abwehren darf. Eine eingeschnappte Reaktion der Frau ist dann die Folge, wird also auch nicht wirklich akzeptiert. Ich würde es schön finden, wenn sich die jungen Menschen kümmern würden, wie man ältere Menschen in Zeiten von Corona unterstützen kann, beispielsweise beim Einkaufen oder im Umgang mit den digitalen Medien.

Dr. Frederik Weinert, Passau

Montag, 3. August 2020

Das Corona-Sommerloch

Man kann ja über unsere kleine Stadt denken, was man will – ich fühle mich hier jedenfalls sehr sicher. Durfte ich doch kürzlich der Heimatzeitung entnehmen, dass der Polizei bei einer Großaktion gegen Drogenkriminalität ein großer Coup gelungen ist: 113 Gramm Marihuana wurden sichergestellt. Sauber! Ein paar Tage später berichtete die PNP über eine Frau, die die Polizei gerufen hat, weil aus der Nachbarwohnung eindeutig der Geruch eines Joints wahrzunehmen war. Respekt! Und da heißt es immer, die Leute kümmern sich nicht mehr umeinander. Zivilcourage kann so einfach sein. Mit einem kleinen Anruf hat die Frau ihren Nachbarn vor dem sicheren Drogentod bewahrt.

Ja, das Sommerloch kann für Journalisten grausam sein. Dabei gäbe es schon Themen. Warum baut die Stadt aktionistisch irgendwelche potemkinschen Fahrradstreifen, die nach ein paar Metern plötzlich wieder im Nichts enden? Warum glaubt auf einmal (fast) jeder, ein Medizincampus/eine medizinische Fakultät/eine Uniklinik wäre eine selbsterfüllende Prophezeiung, wenn die PNP nur oft genug darüber berichtet, während sich (fast) kein Mensch dafür interessiert, wo Frauen aus der Region einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen können?

Und warum, liebe Lokalredakteure, fragt eigentlich keiner genauer nach, was es jetzt mit dieser möglicherweise missbräuchlichen Verwendung von Fraktionsgeldern auf sich hat? Weil es vielleicht doch irgendwie ein bisschen peinlich ist, wenn man sich von täglich aus der Zeitung grinsenden Politikern Wein schenken lässt? Das ist zwar schwach, aber nachvollziehbar. Aber eine Frage hat in dem Zusammenhang noch gar keiner gestellt: Wo ist Mangold?

Warum hört man von der ÖDP oder den Grünen, die sonst schnell mal überall Hochverrat wittern, in der Causa "kreative Fraktionskassenführung" so überhaupt gar nichts? Komisch, oder? Die passen doch sonst immer auf, dass alles sauber läuft – also zumindest bei den Anderen. Es drängt sich auf jeden Fall der Eindruck auf, dass man das Thema gerne unter den Tisch fallen lassen möchte. Warum nur? Ich bedanke mich im Voraus für Antworten.

Der Spiegel titelt übrigens heute online "Politik diskutiert über Einschränkung der Versammlungsfreiheit", nachdem in Berlin an die 20.000 Menschen ohne Einhaltung des Mindestabstands gegen Corona-Beschränkungen demonstriert haben. Politiker der SPD und der Union, wie auch CSU-Chef Markus Söder zeigten sich empört. Wenigstens hat in Berlin die Polizei "konsequent durchgegriffen" (Bundesjustizministerin Lambrecht). Bei uns muss die Polizei leider Kiffer fangen und Journalisten von Corona-Demos vertreiben. 





Donnerstag, 2. Juli 2020

Aktuelle Kolumne aus dem Bürgerblick Juli/August

Aufgehetzt und angelogen                     

Lieber Tölpel!

„In Deutschland gilt derjenige, der auf den Schmutz hinweist, als viel gefährlicher als derjenige, der den Schmutz macht.“ (Kurt Tucholsky) „Ich lasse mir doch meine schöne Hetzschrift nicht von der Wahrheit kaputt machen.“ (Journalist, der anonym bleiben möchte) Des Öfteren habe ich mich schon gefragt, ob man einer „Zeitung“, der schon die Totenglocken läuten, weil jetzt bald die letzten Anzeigenkunden merken werden, dass kaum jemand Lust hat, das Ding aus Plastiktüten zu fischen, überhaupt noch viel Aufmerksamkeit widmen muss. Online lesen sie ja auch nur die, die drinstehen oder einen kennen, der drinsteht.

Man könnte jetzt den billigen Witz machen und fragen, wie viele Weinflaschen es wohl gekostet hat, einen solchen von Komplexen, Hass und Aggression triefenden Artikel zu bezahlen, der überdies noch eine einzige gewollte Falschdarstellung ist. Allerdings weiß ja ohnehin jeder interessierte und informierte Passauer, dass – wenn auf der einen Seite der Weinlieferant Freund Bürgermeister und auf der anderen Seite der leibhaftige Teufel steht – der „Journalist“ solcherlei freiwillig und aus eigenem Antrieb liefert. Man muss ihn nur mit Infos füttern und schon schäumt er.

Das einzig Lustige an dem „Artikel“ ist übrigens, dass derjenige, der mit Steuergeldern bezahlte Weingeschenke an Journalisten verteilt hat, zum Opfer stilisiert wird und diejenigen, die jetzt darauf hinweisen, dass diese Vorgehensweise vielleicht nicht ganz korrekt war, die Bösen sind. Dafür gibt’s viele schöne Begriffe: Nebenkriegsschauplatz, Whataboutism und was weiß ich noch. Nebenbei erwähnt: Hätte nicht irgendein Journalisten-Freund die interne Stellungnahme des Strafrechtlers an den Journalisten gegeben, hätte auch niemand erfahren, dass der Kreisvorsitzende dem Bürgermeister angeblich in den Rücken fällt. Also wer will hier wen demontieren?

Deine Kathi


Liebe Kathi!

So genau lesen das die Leute aber nicht – leider. Wie vielen Lesern ist wohl aufgefallen, dass im Artikel steht, es handle sich bei den von Dickl verteilten Wohltaten um „Weinflaschen im unteren Preissegment (ab 7,40 Euro)“? Hä? Was? Wie bitte? Was soll uns das sagen? „AB 7,40 Euro“? „BIS wie viel Euro“ wäre interessant. Ist das ein Versehen oder verarscht der seine Leser? Dann behauptet der Verfasser des Artikels noch frech, dass sich die halbe Stadt über die Angelegenheit kaputtlacht und insinuiert damit, dass es doch zum Lachen ist, wenn sich jemand darüber aufregt, dass ein Politiker nach Gutdünken Steuergelder verschenkt. Ein solches Verhalten sei nämlich bayerische „Leben-und-leben-lassen-Kultur“. Das hat Strauß auch so gesehen – ist aber schon ein paar Jahre her.

Aber jetzt mal zum Wesentlichen: Der Kreisvorsitzende hat seine Stellungnahme erst abgegeben, nachdem er von den Freunden explizit dazu aufgefordert wurde. Diese entscheidende Information verschweigt der Journalist aber tunlichst, weil das würde ja seinen schönen Hinrichtungskommentar konterkarieren. Noch ein Gedanke (aber nur für die, die bis drei zählen können): Was soll denn ein um eine Stellungnahme gebetener Strafrechtler antworten? Dass das alles in bester Ordnung war, weil man das bei der CSU immer schon so gemacht hat? Dass man einen Bürgermeister nicht anonym anzeigt und wenn wir die Sau finden, dann schlachten wir sie? So was in der Art?

Man kann dem sonntäglichen Kommentarschreiber, der sich so sicher fühlt, dass er zum wiederholten Male nicht vor Desinformation und Regionalrassismus zurückschreckt, nur sein eigenes Zitat zurufen: „Andere hätten wohl klammheimlich mit Schamesröte im Gesicht die Stadt verlassen.“ Bloß hat er es in einer anderen Stadt ja schon einmal versucht – da haben sie ihn aber leider nicht gebraucht.

Dein Tölpel


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Der Verfasser ist Betreiber des Internet-Blogs Wahlinfo-Passau.
www.wahlinfo-passau.de








Fegefeuer oder Hölle?

Freitag, 19. Juni 2020

Standpunkt

Der Ruf des Herzens

Der Präsident (inspiriert von Karl Birkenseer)

Ich habe so viele Warum-Fragen.

Warum spricht ein PNP-Redakteur auf der Titelseite den Austragspapst heilig, weil er seinen kranken Bruder besucht? Warum schreibt er von Nestwärme, Barmherzigkeit und Gott im Herzen – nur weil jemand seinen kranken Bruder besucht? Was passiert da im Kopf, wenn man sich einen solchen Kommentar ausdenkt? Er besucht seinen kranken Bruder übrigens auch, um zu erfahren, ob bei den Domspatzen alles gut läuft – schreibt Birkenseer. "Sag amal, Schorschi, wer verdrischt denn jetzt die ganzen Hundskrüppel, wenn Du nimmer kannst? Ego te absolvo a peccatis tuis in nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti. Amen."

Warum muss eigentlich die Polizei eine Radlerin und Spaziergänger beruhigen, nachdem sie bei ebendieser anrufen, weil sie ja wohl offensichtlich beunruhigt sind, wenn sie an einem Hanffeld vorbeigehen oder -fahren? Was beunruhigt an einem Hanffeld? Hat man Angst, dass man da im Vorbeigehen rauschgiftabhängig wird? Weil diese Rauschgiftviren möglicherweise den Mund-Nasenschutz durchdringen? Es ist ja auch bewiesen, dass man krebskrank wird, wenn man an einem Mobilfunkmasten vorbeigeht. Vorsichtshalber mal die Polizei rufen, schadet jedenfalls nie.

Warum kriegst Du eigentlich einen fußballspielenden, ministrierenden Senegalesen nicht mehr los? Genau – weil für den nämlich seine CSU-Freunde (sic!) demonstrieren. Also in dem Fall wars ein Afghane – machts aber nicht einfacher. Der hat sogar noch beim CSU-Wahlkampf mitgeholfen, wobei der ja wiederum nicht zu großem Erfolg geführt hat. Vielleicht könnten sich ja die verfeindeten CSU-Lager drauf einigen, dass der Taufik am Wahlergebnis schuld war? Dann haben wir einen Sündenbock, schieben ihn ab und alle haben sich wieder lieb.

Warum stellt eigentlich in der Causa Dickl keiner die richtigen Fragen? Abgesehen davon, dass man anonyme Strafanzeigen nicht unbedingt gut finden muss, war Dickls Umgang mit Fraktionsgeldern schon ziemlich sportlich. Aber noch mal: Warum stellt keiner die entscheidenden Fragen? Zum Beispiel: Warum glaubt ein Fraktionsvorsitzender, es wäre in diesem Jahrtausend immer noch völlig okay, Journalisten zu beschenken? Und warum – das beunruhigt mich jetzt mal – lassen sich Journalisten von Politikern beschenken? Ja, wo leben wir denn? Außerdem – der Birkenseer schreibt jetzt schon so krudes Zeug. Dem muss man nicht noch Alkohol schenken. Statt einem vierten Bürgermeister sollte sich die Stadt mal einen Compliance Manager leisten, der dem Dickl gelegentlich erklärt, dass nicht alles "geboten und erlaubt" ist, was er für "geboten und erlaubt" hält. Der glaubt wahrscheinlich noch, dass das jeder so macht. Was ich wirklich gerne wissen würde – wer hat nach der konstituierenden Stadtratssitzung alles Wein bekommen? Warum weiß ich selbst.



Donnerstag, 28. Mai 2020

Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte

Hallo, PNP! "... spalten sich die Meinungen"? Muss man jeden Irren als relevanten Meinungsäußerer wertschätzen? Bitte unten die FB-Kommentare lesen, wenn der Gestörte sie noch nicht gelöscht hat.

pnp.de

Passau
Bierzelt-Sexismus? Beim "Donaulied" spalten sich die Meinungen


Petition gegen Bierzelt-Hit findet Befürworter, provoziert aber auch Gegenwind in den Sozialen Medien

Eine Petition gegen das "Donaulied" hatte Corinna Schütz gestartet, um das Lied auf Volksfesten verbieten zu lassen (PNP berichtete). Ein "Vergewaltigungslied" sei es, weshalb es nicht mehr auf der Passauer Dult gespielt werden solle – deshalb schrieb ihre Gruppe sogar an Oberbürgermeister Jürgen Dupper. Ihr Ziel: Auf Sexismus im Bierzelt aufmerksam machen. Das gelang ihr auch: Sie erreichte viele Unterstützer, bekam aber ebenso Gegenwind – vor allem auf Social Media. Unter anderem von Walter Kandlbinder, Betreiber der Arena Hundsdorf, auf Facebook: Er macht in einem Post auf seinem öffentlichen Profil seinem Unmut Luft. Unter dem Post kam es zu Kommentaren, die Schütz mitunter persönlich angreifen. Auch der stellvertretende Passauer Landrat Hans Koller (CSU) hat Kandlbinders Post kommentiert.

Über 600 Befürworter hat die Online-Petition gegen das "Donaulied", die noch keine zwei Wochen läuft. Ein Zuspruch, über den sich Schütz freut. Auch unter Kandlbinders kritischen Facebook-Post gab es Zustimmung zur Aktion: "Das Lied ist so Affenkacke, dass ich die Petition unterschreiben würde. Da brauchst’ 7 Maß und 14 Jäger, damit’s den Kaas aushoitst", schreibt ein Nutzer. (Anm. d. Red.: Facebook-Kommentare sind im Original wiedergegeben und können orthografische Fehler beinhalten.)

Doch auch die Abneigung gegenüber Schütz’ Idee ließ nicht lange auf sich warten. "Plötzlich, weil momentan Sexismus und Feminismus trendy sind, sich über Lieder aufzuregen, die drei Minuten eines Abends einnehmen, und eine Vergewaltigung zu kritisieren, an die keiner auf der Bierbank denkt, ist lächerlich", schreibt PNP-Leserin Marie Groß aus Hutthurm in ihrem Leserbrief. "Wenn man ein solches Lied für problematisch hält, kann man kurzzeitig das Bierzelt verlassen oder die Ohropax auspacken, oder am besten mit etwas Alkohol die eigene Stimmung wieder heben", findet sie.

Arena-Chef Kandlbinder kritisiert im Post auf seiner persönlichen Facebook-Seite: "Wirte kämpfen grod ums überlem und a Studentin kimmt mit so an ‚sch.....‘ daher." Seine Aussagen sorgten für eine Diskussion in der Kommentarspalte, einige wenden sich persönlichen gegen Corinna Schütz. "Walter des Lied ist geistreich, aber de Drutschn eha ned", schreibt ein Nutzer. Ein anderer: "Brutal wos fia a Zeug rumlaft bei uns. Und a solche wird vielleicht a no wos in Bayern wenns fertig is mitm Master oder mitm Bachelor. I wünsch neamt wos schlechts aber der wünsch i daß später Kaugummi verkaufen muas in der Tankstelle. Vielleicht soi de aber erstmoi mit Ihren interlektuellen Freunden a Demo gegen die Niederbayerische Kultur organisieren und durch die Fuzo rennen. Vorausgesetzt der Hr. Corona hod eana s Hirn net scho zamgfressn." Unter einem Kommentar sah sich Kandlbinder dann sogar veranlasst, darauf hinzuweisen, bitte keine Beleidigungen zu posten.

"Einige Kommentare gingen gegen mich als Person und als Studentin", sagt Corinna Schütz, die grundsätzlich für den Austausch von Meinungen ist, auf Nachfrage der PNP. "Ich weiß nicht, was das in der Diskussion zu suchen hat. Inhaltlich kann man gerne diskutieren." Die Aussagen von Walter Kandlbinder habe sie indes nicht persönlich genommen: "Der Post an sich war nicht beleidigend. Dadurch habe ich mich nicht angegriffen gefühlt." Ohnehin richte sich ihr Anliegen nicht gegen Gastwirte, sondern an die Öffentlichkeit und die Politik.

Mit ordentlich Widerstand habe sie schon im Vorfeld gerechnet, sagt Schütz. Nach den diffamierenden Facebook-Posts habe sie aber trotzdem darüber nachgedacht, ob es klug ist, weiterzukämpfen. Auch ihren Mitstreitern habe sie gesagt, dass keiner weitermachen muss, wenn er nicht will. Letzten Endes habe sie aber entschieden: "Deswegen werde ich jetzt nicht leiser werden." Das Schreiben an Dupper – der sich noch nicht dazu geäußert habe – sei bereits beim Dult-Beauftragten der Stadt. Als nächsten Schritt wolle sie allen Stadträten und den Festzelt-Bands schreiben.

Geäußert hat sich hingegen der stellvertretende Passauer Landrat Hans Koller – und zwar ebenfalls als Kommentator von Kandlbinders Post: "Sehr guter Kommentar Walter ... Die Dame ist eine Aktivistin bei den Grünen – mehr sog i ned." Dies wiederum hatte Kollers ehemaligen Kreistagskollegen, den Grünen-MdL Toni Schuberl, veranlasst, an ihn einen Brief zu schreiben: "Wenn Du Dich schon im Rahmen eines solchen Shitstorms äußerst, dann erwarte ich entsprechend Deiner Stellung als stellvertretender Landrat und damit zumindest in politischen Angelegenheiten auch offizieller Repräsentant des Landkreises Passau, dass Du solche Ausfälle zurückweist und Du seriös und sachlich argumentierst", so Schuberl, der fragte, wie er Kollers Kommentar verstehen müsse.

"Mir gefällt das Lied auch nicht", sagt Koller, der den Song nicht verteidigen wolle, auf PNP-Anfrage. Im Angesicht der Corona-Krise gebe es jedoch wichtigeres, als sich um derartige Lieder zu kümmern, meint er. Das Thema Sexismus habe durchaus Relevanz, allerdings müsse man sich eher darum kümmern, wie leicht Menschen an gewaltverherrlichende und pornografische Seiten im Internet kommen. "Das fördert Gewalttaten eher als ein Bierzeltlied", sagt Koller. Kandlbinders Post habe er "als Freund und Nachbar kommentiert" und sich nicht als Funktionär geäußert. "Das muss man sich in Zukunft besser überlegen", gibt er zu. Zwar stehe er zu seiner Meinung, von den Beleidigungen in den Nachbar-Kommentaren distanziere er sich jedoch.

"Ich finde es schade, dass ein stellvertretender Landrat, der alle Bürger vertreten sollte, meine Anliegen nicht ernst genommen und mich als grüne Aktivistin abgestempelt hat", sagt Schütz, die sich durch Kollers Post "unsachlich angefeindet" fühle. "Wir sind eine überparteiliche Aktion. Wir sprechen als 45-Mann-Gruppe."

Von der Aktion "im weitesten Sinne spontan angesprochen gefühlt" hatte sich Walter Kandlbinder, weil er auch Festwirt sei. "Ich würde es nicht mehr so derb schreiben", sagt er nun über seinen Post, der nicht gegen Schütz gerichtet gewesen sei. Bei seiner Kernaussage bleibe er aber: "Dupper hat andere Probleme, als dass er sich mit sowas befassen muss." Außerdem sei das Lied so "übertrieben und realitätsfremd", dass er sich nicht vorstellen könne, dass sich eine Frau davon sexuell belästigt fühlt. Von den 29 Kommentaren sind mittlerweile nur noch 17 zu finden.

https://www.pnp.de/lokales/stadt-und-landkreis-passau/passau-stadt/Bierzelt-Sexismus-Beim-Donaulied-spalten-sich-die-Meinungen-3693822.html

https://www.facebook.com/walter.kandlbinder

Dienstag, 26. Mai 2020

Rubrik: Leserbrief des Monats

Leserbrief PNP, Lokalteil Passau, 26.05.2020

Zum „Nachgefragt“ vom 23. Mai:

Nach über 30 Jahren Bierzeltkultur und sowieso aktuell nur noch geringer Vorrangigkeit von typisch bayrischen Liedern auf Volksfesten, finde ich, dass diese Kritik am Donaulied, ja sogar der Wunsch es abzuschaffen durch eine Petition, völlig übertrieben ist.

Die Musik in den Bierzelten hat sich ohnehin in den letzten Jahren von typischen Schlagern zu Disco-/Pop-Songs gewandt, zu denen man auf der Bierbank stehen soll und zwischen einer Maß und Käse mit Breze feiern. Die typischen Schlager wie der „Haberfeldtreiber“ und eben jenes „Donaulied“ werden auf der Passauer Dult ohnehin nur noch von hiesigen Bands gespielt, weil die Showbands, z.B. aus Oberbayern, den Dialekt nicht einmal aussprechen können und deshalb auf englische Partyhits aus dem Radio zurückgreifen müssen. Natürlich finde auch ich als aktive Volksfestbesucherin, dass eine gute Mischung aus alten und neuen Hits durchaus in Ordnung ist, aber jeder Niederbayer freut sich, wenn man auf der Bierbank steht und ein typischer Bierzeltsong, zu dem schon die Eltern gesungen haben, gespielt wird.

Plötzlich, weil momentan Sexismus und Feminismus trendy sind, sich über Lieder aufzuregen, die drei Minuten eines Abends einnehmen, und eine Vergewaltigung zu kritisieren, an die keiner auf der Bierbank denkt, ist lächerlich. Wenn man ein solches Lied für problematisch hält, kann man kurzzeitig das Bierzelt verlassen oder die Ohropax auspacken, oder am besten mit etwas Alkohol die eigene Stimmung wieder heben. Außerdem kann ich einen Besuch auf einem anderen Volksfest außerhalb der Donauregion empfehlen oder in Zukunft einfach daheim zu bleiben.

Marie Groß, Hutthurm

Liedtext "Donaulied", häufige Variante

(1)
Einst ging ich am Strande der Donau entlang, ohooo olalala
Ein schlafendes Mädel am Ufer ich fand, ohooo olalala
Ein schlafendes Mädel am Ufer ich fand,
Ein schlafendes Mädel am Ufer ich fand.

(2)
Sie hatte die Beine weit von sich gestreckt.
Ihr schneeweißer Busen war halb nur bedeckt.

(3)
Ich machte mich über die Schlafende her.
Wir hörten das Rauschen der Donau nicht mehr.

(4)
Du schamloser Jüngling, was hast Du gemacht ?
Du hast mich im Schlafe zur Mutter gemacht !

(5)
Du elende Schlampe, was denkst Du von mir ?
Ich trage doch immer Pariser bei mir !

(6)
Ich steh auf der Brücke und schwenke den Hut.
Machs gut, alte Nutte, die Nummer war gut.

(7)
Hier hast Du zehn Pfennig und geh jetzt nach Haus.
und wasch Dir die Votze mit Schmierseife aus.

(8)
Jetzt hat sie zwölf Kinder und noch keinen Mann.
Und fängt g'rad die dreizehnte Schwangerschaft an.