Sonntag, 14. Juni 2026

Aktuelle Kolumne aus dem Bürgerblick Juni 2026

Hauptstadt der Seufzerbrücken                                                            

 

Ende Mai haben Demonstranten einen Tag lang die Brenner-Autobahn blockiert, um – vereinfacht gesagt – für eine Umsteuerung zumindest eines Teils des Verkehrs und für mehr und bessere Lärmschutzmaßnahmen zu protestieren. Jeder, der sich schon ein paarmal zum Brenner hochgeschraubt hat und dort auch gelegentlich im Stau stand, dürfte mehr oder weniger Verständnis für die geplagten Anwohner aufgebracht haben, vor allem wenn man dann noch diese Zahlen gelesen hat. 13 bis 14 Millionen Fahrzeuge fahren im Jahr über die Brennerautobahn. Irre, oder?

 

Irgendwie überkam es mich und ich habe dann diese Zahl durch 365 geteilt. Das Ergebnis war einigermaßen verblüffend. Es fahren nämlich durchschnittlich ziemlich genauso viele Fahrzeuge über die Brennerautobahn wie über den Anger in Passau. Fairerweise sollte man ergänzen, dass die Belastungsspitzen in der Reisezeit am Brenner oftmals höher sind, wie auch der Anteil der LKW, aber aufs Jahr gesehen ist es nahezu dieselbe Zahl an Fahrzeugen. Was ich damit sagen will? Gar nichts. Entweder die Tiroler sind ganz besondere Heulsusen oder die Passauer ganz besonders duldsam. Da kann jetzt jeder einmal in Ruhe drüber nachdenken.

 

Es ist wirklich reiner Zufall (oder doch Algorithmus?), dass ich nach dem Artikel über die Brenner-Demo gleich noch einen Artikel über den Overtourism in Venedig gelesen habe. (Man verzeihe mir den Anglizismus, aber das Wort Übertourismus hat sich bei uns noch nicht so richtig durchgesetzt.) Da fand ich viele interessante Anregungen, über die man auch in Passau einmal dringend nachdenken sollte. Ich zitiere wörtlich: „Im Sommer bewegen sich Touristen mit geschätzt drei Kilometern pro Stunde durch die Gassen. Kaum einer hält sich rechts, damit wir links an ihnen vorbeikönnen. Weil wir nicht die Zeit haben, zu warten, bis der Stadtführer seinen Vortrag über die Seufzerbrücke beendet hat.“

 

Man ersetze „Seufzerbrücke“ durch Luragogasse, Höllgasse, Zinngießergasse oder noch 15 Gassen und jeder Passauer weiß, worum es geht. Dabei wäre das das am einfachsten zu lösende Problem – möchte man meinen. Jeder Stadtführer bittet seine Gruppe zu Beginn um diesbezügliche Rücksichtnahme und schon… Nein, klappt leider nicht. Haben nicht etliche Politiker im Wahlkampf angekündigt, sich des Tourismus-Themas anzunehmen und die Qualität des Passauer Tourismus erhöhen zu wollen? Man darf gespannt sein, das Thema ist auf Wiedervorlage gesetzt.

 

Apropos Seufzerbrücke. Kaum ein Begriff würde die Passauer Brückensituation besser beschreiben. Ich habe Nicht-Passauern die Geschichte mit dem Kachlet und dem Fünferlsteg erzählt – hat mir aber keiner geglaubt. Natürlich nicht. So etwas Abstruses kann man sich auch nicht vorstellen, wenn man nicht gerade Beamter in einer Baubehörde ist. Während man andernorts Brücken, Tunnel und Einhausungen baut oder zumindest demonstriert und protestiert, ist die Reaktion in Passau auf zwei jahrelang gesperrte Fußgängerübergänge und zwei Brücken, die für den Autoverkehr nur noch sehr eingeschränkt nutzbar sind, wie eigentlich immer, dieselbe: Das ist halt so. Da kann man nichts machen. 

 

Mir fehlt übrigens der Oberjürgen. Also nicht, dass ich was gegen den Rother Andi hätte. Nein, ganz und gar nicht. Aber ich habe leider auch noch keinen schönen Ehrentitel für ihn. Bei Dupper fiel es mir damals leicht: Oberjürgen – damit war alles gesagt. Nein, ich bitte ausdrücklich nicht um Zuschriften und Vorschläge, um dann abzustimmen, wie unser neuer Oberbürgermeister zukünftig heißen soll. So etwas entscheide ich immer noch ganz allein. Kann eigentlich Dittlmann weiterhin Stadtbranddings heißen? Ich denke nach. Beim dritten Bürgermeister würde „der Dings“ natürlich auch sehr gut passen. Schade, dass der Ilzdampfer weg ist. Und der Dickl. Und der Mangold. Oder sind die noch da?