Dienstag, 5. Mai 2026

Aktuelle Kolumne aus dem Bürgerblick Mai 2026

Schwellenangst                                                                                   

 

Ich bin wieder zurück aus Thailand und es ist durchaus ernüchternd. Die Züge dort fahren auf die Minute pünktlich ab und – noch viel besser – sie kommen auch noch auf die Minute pünktlich an. In Bangkok, mit ungefähr zweihundertmal mehr Einwohnern als Passau, läuft seit einiger Zeit auch der Straßenverkehr einigermaßen zügig, was möglicherweise an intelligenten Ampelsystemen, Verkehrsüberwachung und -steuerung durch KI und dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs liegen könnte. Und ich muss es wiederholen: Ich spreche nicht von Seoul, Tokio oder Singapur, sondern der Hauptstadt eines Schwellenlandes. Was sind wir hier in Deutschland dann eigentlich?

 

Glücklicherweise haben uns ja im Wahlkampf alle versprochen, dass wir das alles (oder ein bisschen was davon) jetzt dann auch bekommen, also zumindest in Passau. Dass die Züge nie pünktlich fahren, dafür können wir hier in Passau nichts. Dass alle Brücken kaputt sind und keine Busse mehr drüberfahren können, ist halt Pech und dass eine Fußgängerbrücke zur Ertüchtigung drei Jahre lang voll gesperrt werden muss, war sicherlich nur ein Aprilscherz. Vielleicht fangen wir einfach mal ganz klein mit smarten Ampelschaltungen an, über Smart City reden wir dann im nächsten Wahlkampf wieder.

 

Apropos… Ich habe der Heimatzeitung entnommen, dass es ältere Menschen gibt, die sich diskriminiert fühlen, wenn sie die Parkgebühr in Passauer Parkhäusern begleichen müssen, indem sie an einem Automaten ihr Kennzeichen eingeben und dann mit einer Debit- oder Kreditkarte ihrer Wahl bezahlen sollen. Das wäre, meint auch Franz Meyer, eine „erhebliche Diskriminierung“. Ich fasse also noch einmal zusammen: Ein älterer Mensch ist in der Lage, ein Kraftfahrzeug durch die Innenstadt und in ein Parkhaus zu lenken, dort einzuparken und wieder herauszufahren, kann aber am Bezahlautomaten nicht sein Kennzeichen eingeben und/oder besitzt keine Bezahlkarte oder kann diese nicht benutzen. Wer sollte jetzt welche Schlüsse daraus ziehen?

 

Leider geht dieses Heft wieder in Druck, bevor sich der neue Stadtrat konstituiert hat. Aus diesem Grund hebe ich mir eine Kommentierung zu neuen Positionen (gibt’s bald einen Stadtbrandmeister?) fürs nächste Mal auf, genauso wie zur „neuen“ Gestaltungsmehrheit (Koalition darf man ja nicht sagen) und die noch zu verteilenden Zuckerl für sechsjähriges Wohlverhalten. Zwei Protagonisten für zu erwartende Instabilität der Zweckgemeinschaft darf man aber nicht unterschätzen. Den langjährigen Totengräber der früher mal mit weitem Abstand größten Fraktion und den Dauerbeleidigten, dessen Name nach innerstädtischer Gemüsezucht klingt.

 

Mit großem Interesse habe ich einen PNP-Artikel mit der Überschrift „Abschied aus dem Stadtrat“ gelesen und sehr überraschende Erkenntnisse gewonnen. Zum einen waren zwei Stadträte (FWG und ÖDP) angeblich zwölf Jahre im Stadtrat, von denen ich jetzt anlässlich ihres Ausscheidens zum ersten Mal etwas gelesen habe. Immerhin verraten sie aber im Artikel, was sie – wären sie denn noch einmal gewählt worden – in den nächsten sechs Jahren alles gemacht hätten. Respekt und schade, dass das jetzt nichts mehr wird.

 

Zum anderen erstaunt mich auch immer wieder, dass man sein Ausscheiden bei einer Personenwahl wie der Kommunalwahl keinesfalls mit der individuellen Leistung oder Beliebtheit in Verbindung bringt, sondern ausschließlich mit widrigen Umständen und himmelschreiender Ungerechtigkeit begründet, wobei die Erklärung, man wäre ausgeschieden, weil tausende Flyer nicht verschickt wurden (warum eigentlich?) und man in Bayern nicht gern Frauen wählt, schon besonders originell war. Aber tröstet Euch und seid nicht beleidigt. Viel schlimmer, als dass einige rausgewählt wurden, ist, wer da teilweise alles reingewählt wurde. Und von einigen wird man erst in sechs oder zwölf Jahren wieder erfahren, dass sie überhaupt drin waren.