Freitag, 30. März 2012

Angepisst und ausgespuckt

Lieber Tölpel!

Dem Vernehmen nach wurde bei der Passauer Polizei schon vor geraumer Zeit eine Neuausrichtung der Sicherheitswacht angedacht, welche nun umgehend auf den Weg gebracht wird. (Sehr geehrte Geschäftsführung, sehr geehrte Chefredaktion, mit vorigem Satz als Arbeitsreferenz bewerbe ich mich hiermit um eine gehobene Position in der PNP-Lokalredaktion. Eine ausführliche Reportage über Menschen, die eine halbe Stunde auf den Bus warten, lasse ich Ihnen noch bei Gelegenheit zukommen.) Zurück zur Bürgerwehr, bzw. Sicherheitswacht. Studenten sollen jetzt nächtens durch die Straßen patrouillieren und aufpassen, dass ihre Kommilitonen keine Mülltonnen umschmeißen. Zu diesem Behufe dürfen Sie ein Reizgas mit sich führen, was sie aber nicht benutzen sollen, weil ihren marodierenden Adoleszenzkollegen in der Regel eh schon schlecht ist.

Skeptisch bin ich da aber schon ein bisschen, ob die vernünftigen, braven Milchgesichter den besoffenen Milchgesichtern recht imponieren werden. Pardon, Feierkultur heißt das und ohne die kommt kein Mensch mehr zum Studieren nach Passau, hat uns ein aufgeregtes Mädel vom Typ ewiger Klassensprecher in der legendären Ausschusssitzung zur Sperrzeitsituation wissen lassen. Da hat sich der Seiler Max gedacht, Feierkultur, das hört sich nach Eucharistie, Bier und Schweinsbraten an - das kann nichts Schlechtes sein. Und schwupps hat er sich verstimmt. Bzw. verstimmt waren dann eher seine Kumpels, weil so viel Blödheit bringt zwar erfahrungsgemäß einen Haufen Stimmen bei der Wahl, erschwert aber die ohnehin schon auf unterstem Leistungslevel dümpelnde politische Arbeit.

Schwamm drüber oder besser: schwoam mas owi. Er hat ja gesagt, dass es ihm leid tut und dass das oft so kompliziert ist mit dieser Abstimmerei, weil man sich da immer so konzentrieren muss und außerdem wird er das jetzt genau beobachten, wie sich das entwickelt mit dieser Feierkultur. Na, das wäre doch einer für die Sicherheitswacht. Vor einem, der aussieht wie Bud Spencer, hat doch Thorben aus Dortmund, der im dritten Semester Interkulturelle Sabotage auf Bachelor studiert, viel mehr Respekt als vor einer blutarmen Lehramtsstudentin, die auch mal gern was Ehrenamtliches machen möchte.

Für die gäbe es nämlich auch den Frauenbund, haben wir kürzlich erfahren. Der ist nämlich so cool, so hip und so jung, schreibt die PNP, dass da wirklich jede Frau mitmachen kann - nein: muss. Und ich habe immer gedacht, das sind ein paar gelangweilte Hausfrauen, die beim Zeugungsakt das Licht ausmachen, von ihren Männern nicht zu Stammtisch/Feuerwehr/Lions-, bzw. Tabledance-Club mitgenommen werden, sich deshalb in den Pfarrer verlieben und Anderen mit ihrem Helfersyndrom auf die Nerven gehen. Völlig daneben! Die sind progressiver und lockerer als Lady Bitch Ray, Claudia Roth und die Piratenpartei zusammen.

Apropos Piraten. Die sind zwar ein Bilderbuch-Lehrstück für des Kaisers neue Kleider, haben außer zu kostenlosen Internet-Downloads, Drogenfreigabe und einem klaren Bekenntnis zu schmuddeligem Aussehen keine Meinung und sind trotzdem (oder vielleicht deswegen) jetzt auch in Passau präsent. Der Chef hat bereits große und plurale Parteierfahrung, gründet gerne mal Konkurrenz-Clubs zu solchen, die in singulärer Existenz schon überflüssig sind und wird wahrscheinlich dereinst erster bayerischer Ministerpräsident der Piratenpartei. Und wenn das nichts wird, kann er ja immer noch den Passauer Frauenbund, Sektion II, gründen und sich gleich selbst zum Präsidenten wählen.

Kleine Quizfrage für lokalpolitisch Interessierte: Wer hat folgenden Satz gesagt? "Wenn nicht gebaut wird, spucke ich auf die politischen Vertreter." Der Seiler Max, der Waschler, ein Pirat oder ein Punk?

Deine Kathi

Liebe Kathi!

Ein Punk wars natürlich! Punk Freigeist von Freibier. Er hats aber nicht so gemeint. Er hat es dann sogar mit Bedauern zurückgenommen. Gemeint hat er nämlich folgendes: "Wenn Ihr unterschichtige, imbezile Stadtratsplebs und Euer bärtiger, proletarischer Oberbürgermeister in Vertretung für dieses primitive, subalterne Provinzbürgerpack kein Konzerthaus wollt, dann schlage ich Euch den Schädel ein, pisse in Eure hohlen Köpfe und scheiß Euch ins Grab." Aber sagen würde er sowas nie. Er ist halt ein Begeisterter. Deshalb haben ihn auch alle so lieb.

Natürlich brauchen wir ein Konzerthaus. Ganz dringend sogar. Darüber haben wir ja an anderer Stelle schon oft räsoniert. Genauso wie jeder Einödhof einen Breitbandanschluss braucht, jedes sterbende Dorf im Bayerwald massig Fördergelder braucht (die der böse Zukunftsrat eher den aufstrebenden Regionen zugedacht hätte) und jeder Unternehmer, der seinen Betrieb aus Kostengründen nach Hinterpfuideifi verlegt, eine vierspurige Autobahn vors Werkstor braucht. Und der Vor-Ort-Politiker, der ganz genau weiß (wenn er nicht zu den ganz Dummen gehört), dass manche Orte und Landstriche aussterben werden und dass für neue (und noch dazu sinnlose) Straßen die nächsten hundert Jahre kein Geld da ist, aber trotzdem wiedergewählt werden will, verspricht das natürlich auch gerne alles. Oder er stellt es zumindest in Aussicht. Und er wird sich dafür einsetzen. Ganz bestimmt. Weil wenn einer sagt, "das geht nicht", dann wird er halt von vielen nicht mehr gewählt. Klingt komisch, ist aber so.

In Passau selbst ist es nicht ganz so schlimm. Da will man zwar einen mehr oder weniger sinnlosen Fahrradtunnel bauen, hat aber zumindest klug erkannt, dass eine Brücke zu teuer ist sowie nichts bringt und dass die Nordtangente der größte Quatsch seit dem Blaumilchkanal wäre. Gleichwohl musste man sich jetzt von Grandseigneurseite mitteilen lassen, dass in Passau die Visionen fehlen. Naja, das kann aber auch ganz schön teuer werden, wenn man zu viele Visionen hat. Ein ganz großer Visions-Kombattant verklagt jetzt übrigens seinen Arbeitgeber, die Stadt Passau. Sic transit gloria mundi.

Ein ganz großer Höhepunkt im Live-Stream war kürzlich der Auftritt, bzw. der Redebeitrag vom Heindl Siegi zum Thema "Gibt es genug Taxis in Passau?" Seine Lösung: Man kann auch einmal zu Fuß gehen und außerdem möchte er auch nicht Taxi fahren, wenn ihm die Leute ins Auto speiben. Mein Vorschlag zur neuen Sicherheitswacht-Task-Force: Heindl, Seiler, Freibier. Der Freibier spuckt dem Vandalen ins Auge, der Seiler nietet ihn um und der Heindl brüllt ihn eine Viertelstunde zusammen. Und wenn er dann immer noch renitent ist, kommt der Frankenberger und segnet ihn nieder. Da traut sich keiner mehr nach Mitternacht aus dem Haus.

Quamvis sint sub aqua, sub aqua maledicere temptant.

Euer Tölpel

Montag, 26. März 2012

Sonntag, 4. März 2012

Aufgereimt und angedichtet (Spezialedition zum Starkbierfasching)

Kathi

Servus, Steinkopf, altes Haus!
Alles senkrecht? Wie siehts aus?
Bist von allen Tölpeln hier
(viele derer haben wir)
Du der klügste doch gewiss.
Deshalb ohne Kompromiss
frag ich gradheraus direkt,
um zu sehen, was in Dir steckt,
ob wir uns statt Brieferlschreiben
mit Versen heut die Zeit vertreiben?

Tölpel

Kathi, servus, Du Schabracke!
Glaubst Du denn, eine Attacke
auf die zu Kritisierenden
klappt in Reimform auch so schön?
Wozu unsere Fans tendieren?
Ob sie solcherlei goutieren?
Oder ob sie wieder maulen,
wir würden sie langsam vergraulen.
Weil die frühren Tölpeleien
häufiger waren und schöner seien.

Kathi

Achtung, Vorsicht! Lass Dich nicht
übertölpeln, Steingesicht.
Totsagen wollen uns viele nämlich
(aber wir sind auch nicht dämlich).
Weil sie hoffen, dass wir nicht
ausüben unsere Bürgerpflicht
und so manchem Provinz-Clown
kräftig auf die Finger hauen.
Und denen gern die Wahrheit sagen,
die sie am schlechtesten vertragen.

Tölpel

An wen denkst Du, süßes Kindel?
Ans Kleinstadt-Bohemian-Gesindel?
Sprichst gar Du von eitlen Tröpfen,
Politikern mit Luft in Köpfen?
Oder von den Schreiberlingen,
die sich als Claqueur verdingen
und denen nach der Nase schreiben,
die wahrscheinlich wichtig bleiben?
Nur wer schon am Boden liegt,
kriegt noch einmal eine mit.

Kathi

Er hats halt auch besonders schwer -
der Monopolblatt-Redakteur.
Nur wenn sein Stil dem Clan gefällt,
kriegt er auch weiterhin sein Geld.
Und wenn er mal daneben liegt,
mit Glück noch einen Warnschuss kriegt,
dann kommt er (und wer will das schon?)
weit fort zur Gulag-Redaktion.
Im Bayerwald darf er dann schreiben,
was Landrat, Fuchs und Hase treiben.

Tölpel

Es hat sehr lange Tradition
in der Passauer Redaktion,
dass Themen, die der Clan nicht liebt,
es schlicht und einfach halt nicht gibt.
Und wer sich vorm System nicht duckt,
dess Name wird nicht abgedruckt.
Und sei die Nachricht noch so klein -
der kommt nicht in die Zeitung rein.
Dies war für einen Zeitungswicht
eine codierte Kurznachricht.

Kathi

Ja, wir wissens, Tölpel, eitler.
Nur bringt uns das jetzt auch nicht weiter.
Jetzt spar Dir Medienkritik
und widme Dich der Politik!
Im Georgsberg ein schwarzes Loch,
das fehlt uns scheinbar grade noch.
Wo Radler, die nach Osten wollen,
dann hilflos durch den Bschüttpark rollen.
Das Geld, das man im Berg vergräbt,
fehlt, dass man sich hinaufbewegt.

Tölpel

Du meinst, man könnte ohne Not,
schräg, kurvig oder im Lot
eine Aufstiegshilfe bauen
und dann von oben nach unten schauen -
ohne sich vorher nass zu schwitzen.
Man könnte ganz bequem auch sitzen.
In einem Aufzug, Gondel, Bahn
ganz vergnügt nach oben fahrn.
Wenn man das Geld dann hätte noch,
was man stopft ins schwarze Loch.

Kathi

Dito, Steinlaus, alter Checker.
Wir gehn jetzt allen auf den Wecker
bis wir unseren Aufzug kriegen
oder sonstwas - statt den Stiegen.
Ein Bürgerbegehren muss jetzt her.
Zwar nicht gegen den Innstadtverkehr,
den man ja schlecht verbieten kann.
Dahinter steckt ein anderer Plan.
Man will sich schlichtweg profilieren
und nicht zu hoch die Wahl verlieren.

Tölpel

Kathi, Baby, welch Gefasel!
Schaust Du wieder tief ins Glasel?
Wer von Wahl heut fabuliert
und dass man selbige verliert,
der verkennt, dass bis zur Wahl
der Jahre zwei sind an der Zahl.
Wer in dieser langen Zeit
schlägt das Innstadtthema breit,
dem fällt wirklich sonst nichts ein.
Der muss sehr verzweifelt sein.

Kathi

Verzweifelt ist noch untertrieben.
Wo ist die CSU geblieben?
Die stolze mit der großen Klappe?
Die kämpft mit täglich einer Schlappe.
Soll es jetzt die Buhmann machen?
Da muss sogar der Scheuer lachen.
Prinz Dickl dickelt nur herum.
Der Waschler macht sich dauernd krumm.
Der eine wird noch lange warten,
der andere - der wird nie mehr starten.

Tölpel

Seit jeher ist der Schlimmste aber
der Mangold - bezogen aufs Palaver.
Er ist halt nicht so richtig wichtig,
aber sehr profilierungssüchtig.
Deshalb liegt ihm am Herzen sehr
die Öffentlichkeit und davon mehr.
Die GmbHs sollen gläsern sein,
das Volk soll in die Sitzung rein.
Und wenn es das Gesetz nicht duldet,
dann habens die anderen verschuldet.

Kathi

Notfalls halt öffentliche Diskussion.
Die Abstimmung - wer braucht die schon.
Der Urban hat sich halt gedacht,
wenn er sich immer wichtig macht,
dann müssen das die Bürger sehen
und wenn man abstimmt, sollen sie gehen.
Das zeigt uns wieder, was er ist -
ein selbstverliebter Populist.
Doch wer nur herumkrakeelt,
am Ende meist das Ziel verfehlt.

Tölpel

Apropos herumkrakeelen.
Wer tut uns damit auch oft quälen?
Der rote Roos in seiner Wut,
er nennt die anderen schwarze Brut.
Stil hat man oder hat man nicht.
Wer derart zeigt sein wahrs Gesicht,
der ist nicht besser als die Brut
auf die er immer schimpfen tut.
Und die Moral von der Geschicht:
Er ist halt ein sehr kleines Licht.

Kathi

Ach was muss man oft von bösen
Buben hören oder lesen?
Wie zum Beispiel hier von diesen,
welche Klaus und Alois hießen.
Die ganz fern von Altersmilde
meinen, sie wären junge Wilde.
Die immer alles besser wissen
und das auch jedem sagen müssen.
Tut einmal eine gute Tat
und wechselt zum Seniorenbeirat.

Tölpel

Ich bin ja gar nicht wirklich dumm,
war dereinst am Gymnasium
und zwar am ehrwürdigen, alten.
Das tut ein Neuer jetzt gestalten.
Nach Jahren mit Ersatzbank-Leiter
ist man jetzt eine Stufe weiter.
Jetzt machts ein neuer, frommer Mann,
der es bestimmt auch richten kann.
Er ist ein Religionslehrer
und bet sich neue Schüler her.

Kathi

Beten ist ja oft gescheiter,
bringt einen auch manchmal weiter
als das blöde Agitieren
und versuchen zu regieren.
Und so beten die Genossen
und sie freuen sich unverdrossen,
dass sie noch immer existieren.
(Es ist zwar mehr ein Vegetieren.)
Denn die in Duppers Schatten stehen,
die kann man leider gar nicht sehen.

Tölpel

Schluss mit lustig, pack ma zamm.
Jetzt steht noch der Kirchgang an.
Denn wer hier in dieser Stadt
die Ajatollahs gegen sich hat,
der kommt niemals zu den Sternen -
das mussten schon viele lernen.
Provinz ist, wenn man trotzdem lacht
und dazu gute Miene macht.
Die Passau-Connection funktioniert
und wird mit Starkbier gut geschmiert.

Kathi

Ist das wirklich alles wahr?

Tölpel

Nein, es ist noch schlimmer gar.

Helau!