Jetzt schreibe ich seit über 15 Jahren meine Kolumne für diesen Leuchtturm des Qualitätsjournalismus und was hat es mir gebracht – außer Reichtum, Drohanrufen und Groupies? Nicht das Erwünschte. Seit 15 Jahren mache ich das nur, um Simone zu imponieren und 15 Jahre lang hat sie sich nicht gemeldet. Mit allen Tricks habe ich es versucht. Ich habe ihr geschmeichelt, ich habe sie provoziert, jede einzelne meiner Kolumnen in den verdammten 15 Jahren war besser als jeder einzelne Kommentar oder Leitartikel von Simones Chefredakteuren, aber sie hat nie angerufen oder zumindest anrufen lassen.
In der SZ habe ich gelesen, dass sie neuerdings nur noch mit dem Hubschrauber herumfliegt, weil sie so noch schneller noch mehr Leuten kündigen kann. Richtig so! Das faule Bestands-Journalistenpack ist überbezahlt und saturiert, während die schnuckeligen Studentinnen und Studenten nicht nur billig sind, sondern vor Elan fast platzen und gerade auch im Lokalteil immer wieder mit drolligem Improvisations-Journalismus auffallen. So wird die Fußgängerzone gerne mal in der Altstadt verortet und kürzlich schrieb doch voller Überzeugung eine Volontärin, hierzulande würde man zu den Weißwürsten Brezeln essen. Wenn sie nicht sogar „Bretzeln“ geschrieben hat – ich weiß es leider nicht mehr genau.
Wo ist Andi? Er fehlt mir. Fast täglich muss ich an ihn denken, weil mir fast täglich irgendwer ein Instagram- oder Tiktok-Video vom Koller Hansi schickt. Und dann fehlt er mir wieder, der Andi. Nichts gegen den Koller Hansi. Der ist, wenn er da am Rednerpult steht, saulustig. Also lustig in dem Sinne, wie Heinrich Lübke lustig war. Oder wie Günther Oettinger, wenn er versucht, englisch zu sprechen – oder deutsch. Oder wie Lothar Matthäus, wenn er versucht, überhaupt einen sinnhaften Satz zu bilden.
Wobei seine Auftritte schon selbstbewusst inszeniert sind. Sein großes Vorbild ist sicherlich Franz Josef Strauß, dem er zwar rhetorisch nicht das Wasser reichen kann, aber das merkt er ja nicht. „Wir brauchen Handwerker und keine Mundwerker.“ Das hat er gesagt, der Hansi, mitten im Plenarsaal. Einer Journalistin, die ihn gefragt hat, wer denn die Gruppe aus der Heimat sei, die er gerade empfängt, hat er geantwortet: „Des san de Taferlbrunzer.“ Hundsdorf oder Bundestag – Hauptsache Fasching.
Ich weiß nicht, ob es anderswo genauso oder ob es in Passau besonders schlimm ist, aber hier gibt es gefühlt 2.000 gesellschaftliche Gruppierungen, bzw. Peergroups, die sich als absolute Elite in Endstufe sehen. Politiker, Serviceclubs und Tschärity-Narzissten, Stammtische, Vereine, Sportler und Taferlbrunzer, die sich alle für DIE gesellschaftliche Oberschicht halten und natürlich: Kulturschaffende. Abgesehen von mindestens 500 Spitzenmedizinern und 150 international renommierten Ausnahmewissenschaftlern gibt es in Passau ungefähr 10.000 Künstler, davon 1.000 in der Höllgasse.
Diese 10.000 Künstler machen natürlich ständig Vernissagen, Midissagen und Finissagen, auf denen es manchmal was zu essen, aber immer was zu saufen gibt und genau aus diesem Grund brauchen wir so viele Bürgermeister, die der großen Kunst den letzten würdigen Schliff geben. Wer dachte, dass ich jetzt noch endlich die neue Stadtregierung kommentiere, hat sich leider getäuscht. Dafür ist mir viel zu wenig passiert, ich bin noch in der Beobachtungsphase. Für den Dittlmann wollte ich mir noch einen neuen Spitznamen ausdenken, der seiner Doppelrolle gerecht wird, aber außer Stadtbranderika ist mir noch nichts Gescheites eingefallen. Ich fürchte, der wird ihm nicht gefallen und denke weiter nach. Das Wichtigste zum Schluss: Man kann als Oberbürgermeister zum Anzug keine weißen Sneaker tragen. Ich weiß, das sehen viele anders, aber das macht es nicht besser. Gern geschehen und einen schönen Rest-Sommer!

