Sonntag, 14. August 2022

Post von Blogger – oder – Der Online-Blockwart vergisst und schläft nicht

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Freitag, 22. Juli 2022

Liebe Mitglieder des Grünen-Kreisverbands Passau

Ein kleiner Tipp, wie das bei Menschen läuft, die in einem rechtsstaatlichem, demokratischem Land sozialisiert wurden und in der Schule gelernt haben, dass es ein staatliches Gewaltmonopol und keine Selbstjustiz, gleichzeitig aber das Recht gibt, sich gegen rechtswidrige Angriffe zu wehren.

Es findet also eine Mitgliederversammlung statt. Das bedeutet schon dem Begriff nach, dass sich dort die Mitglieder einer bestimmten Gruppe versammeln und die Oma aus dem Nachbarhaus oder ein ein durchgeknallter Aktivist da nicht einfach hineinspazieren können.

Während dieser Mitgliederversammlung taucht dann irgendeine Sturmabteilung auf, die sich selbst als Kollektiv XY bezeichnet und absurd-wahnhafte, ihr nicht zustehende Forderungen stellt, die sich auch noch aggressiv gegen ein Mitglied der sich versammelnden Gruppe richten. 

Wenn so etwas passiert, bedauert man dann, dass es nicht möglich war, ins Gespräch zu kommen und lädt die Sturmabteilung dazu ein, den Vorfall gemeinsam aufzuarbeiten?

Nein. Man teilt mit, dass es da nichts aufzuarbeiten gibt, weil das Sache der Justiz ist, stellt sich vor sein Mitglied, verbittet sich Hexenjagden und Vorverurteilungen und schmeißt die fanatisch-extremistischen Spinner raus. Man schubst sie auch nicht irgendwie ein bisschen herum, sondern man schubst sie raus vor die Tür. Bei Gegenwehr gerne auch mal fester schubsen.

Beim nächsten Mal wisst Ihrs. Gern geschehen.



Donnerstag, 21. Juli 2022

Aktuelle Kolumne aus dem Bürgerblick Juli 2022

Extrawürste

Mit großem Stolz kann ich berichten, dass ich in diesem Jahr – wenn auch nur als Zuschauer – der Fronleichnamsprozession beigewohnt habe. Es hat mir auch wirklich gut gefallen. Die sich der lokalmedialen Aufmerksamkeit stellenden Politiker, die Hatscherten, die das Partyzelt des Bischofs trugen, die beeindruckt bis belustigt wirkenden Touristen – alles irgendwie surreal, aber doch sehenswert. Ich musste jedenfalls die ganze Zeit an die Prozession der Mönche in Monty Pythons Ritter der Kokosnuss denken.

Schnell bin ich dann mit einer Gruppe amerikanischer Touristen ins Gespräch gekommen, deren Fragen zur Corpus Christi Procession ich auch großteils beantworten konnte. So konnte ich als loyaler Bürger viel Gutes über die Lamplbrüder (one of the oldest brotherhoods of the world) berichten, von der großen Beliebtheit des sympathischen Passauer Bischofs beim Volk erzählen und auf Nachfrage erklären, dass bei der Prozession jeder mitgehen darf, aber auch einige mitgehen müssen. Auf ein erstauntes Why? habe ich dann gefragt, wie denn die politische Zukunft des Gouverneurs von Texas aussehen würde, wenn er sich auf einmal gegen ein Tragen von Waffen ausspräche. Weil so ähnlich würde es einem hiesigen Bürgermeister ergehen, der sich weigert, an der Fronleichnamsprozession teilzunehmen. Das haben sie verstanden.

Was dem Münchner sein Oktoberfest, dem New Yorker sein Times Square und dem Pariser sein Eiffelturm, ist dem Passauer sein Dackelmuseum. So wird es uns von Seiten der Betreiber und zahlreichen Dackel-Fetischisten zumindest suggeriert. Nun hat die Stadtverwaltung, die ja gerade auch im Ordnungspolitischen für relativ spaßfrei bekannt ist, der Passauer Nummer-Eins-Attraktion verboten, eine Sitzbank und dergleichen vorm Museumseingang zu platzieren. So weit, so unspektakulär. Hätten nicht die Museumsbetreiber sofort schwerste Geschütze aufgefahren und – um Himmels Willen – mit einem Wegzug nach Regensburg gedroht, was aber bei der Stadt bisher dummerweise niemanden interessiert hat. Vielleicht sollte man im zweiten Schritt mit einer Mitnahme von Domorgel, Oberhaus und Ortspitze nach Regensburg drohen. Irgendwann wird auch Iron Jürgen mürbe.

Der Fairness halber sollte aber auch Folgendes angemerkt werden. Der offiziellen Stellungnahme, es könne keine Extrawürste geben, sei entgegnet: Wenn es zwischen Rindermarkt und Rathaus irgendwelche von Gewerbetreibenden auf dem Gehsteig deponierte Gegenstände gibt und gab, die Fußgänger behindern, gehörte die Bank vorm Dackelmuseum mit Sicherheit am wenigsten dazu. Aber ich verstehe schon. Das ist natürlich aus Sicht eines Verwaltungsbeamten ein geradezu lächerliches Argument. Wenn irgendwann einmal eine nicht zu hinterfragende höhere Instanz beschlossen hat, dass genau diese Bank nicht genehmigungsfähig ist, dann ist das halt so.

Nachdem die Altstadtbewohner jetzt wenigstens nicht mehr durch diese Bank belästigt werden, sollen sie nun – wenn es nach den Vorstellungen von Verkehrsexperten Alois Ortner geht – noch weiter entlastet werden, verkehrsmäßig nämlich, und zwar durch eine Anliegerstraße. Heureka! Dass da bisher noch keiner draufgekommen ist. Anliegerstraße heißt: Jeder darf hineinfahren, der nicht bei einer etwaigen Kontrolle angibt, dass er nur grund- und sinnlos durchfahren wollte. Sollte er allerdings nur grund- und sinnlos durchfahren wollen, reicht es, zu behaupten, dass er zum Dom, zum Eisessen oder zum Dackelmuseum muss. Für weitere tausend Begründungen empfehle ich einen Blick auf Google Maps. Ein kleiner Tipp für auswärtige Wochenendbesucher mit Anliegen: Sparen Sie sich doch die Parkgebühren im Parkhaus und parken Sie gebührenfrei am Domplatz. Am Sonntag gibt es überdies die Aktion All-You-Can-Park. Kirchgängerbereich, absolutes Halteverbot, Feuerwehranfahrtszone – alles sanktionslos beparkbar.

Ich wünsche allen Anliegern einen schönen Sommer in der Passauer Altstadt.

 


Freitag, 15. Juli 2022

Culture Change Hub ––– TRIGGERWARNUNG: Der folgende Text könnte Sie nachhaltig traumatisieren!

Über dieses selbst fürs Genre wahnsinnig schlecht gemachte Lied Layla wurde ja jetzt schon viel Unsinn geschrieben. Ich verrate auch gleich zu Beginn, dass es mir völlig egal ist, ob ein paar Besoffene im Bierzelt "Meine Puffmama heißt Layla" singen, allerdings ist eben der Text nicht nur blöd, sondern auch extrem unlustig – da sind 10 nackte Friseusen und eigentlich jedes Lied von Mickie Krause wahre Poesie.

Ich weiß aber nicht, was ich anstrengender finde. Die Begründungen der peinlichen Moralwächter, warum man das Lied nicht spielen darf oder diverse Argumente der Layla-Verteidiger. Die einen vergleichen zum Beispiel Layla mit dem Donaulied (was natürlich überhaupt nicht vergleichbar ist) oder sehen Sexarbeiterinnen (so heißt das heute) diskriminiert, was fast noch blöder ist.

Mit die steilsten Argumente der anderen für das stolze Absingen des Layla-Lieds habe ich – natürlich wieder einmal – in der PNP gefunden. So meint der Kommentator auf Seite 2 der heutigen Ausgabe, dass man sich in Zeiten des Ukraine-Krieges und einer versemmelten Documenta zumindest an solcherlei Liedgut erfreuen dürfen soll. Noch inbrünstiger für Jünger-Hübscher-Geiler-Layla spricht sich Frau L. aus Grafenau in ihrem Leserbrief aus, in dem sie Textausschnitte "seriöser" (sic!) Künstler zitiert, wie zum Beispiel Peter Maffay ("tiefer, tiefer in Dir") oder Wofgang Petry ("komm ich mach den Reißverschluss Dir auf") und daraufhin resümiert, dass die Aufregung nur an dieser doofen Me-too-Phase liegt und in den siebziger Jahren über solche Texte gelacht wurde.

Mir würden übrigens noch viel bessere Textbeispiele von "seriösen" Künstlern wie beispielsweise Frauenarzt ("Spreiz Deine Beine, zeig die F.") einfallen und außerdem könnte ich Frau L. aus Grafenau noch verraten, worüber wir in den achtziger Jahren noch grölend gelacht haben. "Jetzt geh ma über d'Bruck und wieder z'ruck und pack ma d'Negerweiber zamm," ist doch auch lustig, oder? Worüber wir in den vierziger Jahren übrigens noch gelacht haben, will ich hier jetzt gar nicht thematisieren, sonst nässe ich mich ein vor Lachen.

Und jetzt noch einmal in einfacher Sprache für diejenigen, die gestern auf dem Dorffest begeistert bei Layla mit gegrölt haben: Das Lied ist zwar furchtbar dumm und absolut witzfrei, Sie dürfen es aber ohne schlechtes Gewissen singen und dabei den Ukraine-Krieg, die Gaspreise und die Euro-Dollar-Parität vergessen.

Ich war übrigens noch nicht fertig mit Lachen über den Leserbrief von Frau L. aus G., als ich im Feuilleton der PNP (zwinker, zwinker) auf einen Artikel über Nackt- und Sexszenen auf Bühne und in Filmaufnahmen gestoßen bin, der dem begeisterten Leser erklärt hat, dass Schauspieler und vor allem Schauspielerinnen sich nicht mehr nackig ausziehen wollen – zumindest nicht ohne die Aufsicht durch einen Intimacy Coordinator. Das ist ein Beruf, den man neuerdings beim Culture Change Hub (kein Witz, bitte auf den Link klicken) erlernen kann. Wenn sich also zum Beispiel die Hauptdarstellerin bei den Aufnahmen zu "Geile Hausfrauen im Gangbang-Paradies" nicht ausziehen will und auch lieber körperlos drehen möchte, ist es die Aufgabe des Intimacy Coordinators, das zu koordinieren. Schöne neue Culture-Change-Welt.


Hier mal zum Vergleich Qualitäts-Trash




Mittwoch, 6. Juli 2022

Mundtot

Wie man einem etwas verwirrenden Artikel der PNP vom 5. Juli entnehmen durfte, hat das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung Passau mitgeteilt, dass es den Kreisverband der Grünen ausgeschlossen habe – dies im Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen gegen einen grünen Mandatsträger.

Wie bitte? Haben nicht die Grünen unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe ihren Mandatsträger (der diese bestreitet) pflichtschuldig aus der Stadtratsfraktion gemobbt?

Doch, aber das reicht anscheinend nicht. Laut Bündnis-Sprecherin Klara Meyer sind nämlich von Seiten der Grünen Aussagen gefallen, die "in unseren Augen die Würde von Betroffenen sexualisierter Gewalt verletzen und in fundamentalem Widerspruch zu unserem Selbstverständnis stehen." Und jetzt kommts: Die kritisierte Aussage, die die Würde der Betroffenen verletzt, ist die der Unschuldsvermutung.

Aber es wird noch besser: Die Unschuldsvermutung darf nämlich, erklärt Frau, pardon, Mensch Meyer, nicht dazu missbraucht werden, "Betroffene von sexualisierter Gewalt und Feminist*innen außerhalb des Gerichtsgebäudes mundtot zu machen." 

Wenn wir also jetzt unterstellen, dass es sich bei dem PNP-Artikel nicht um ein schreckliches Missverständnis handelt, sondern die das alles so gesagt und gemeint haben, stellen sich für einen nicht feministisch vorgebildeten Cis-Penis-Menschen einige Fragen.

Gilt bei einem (so beschuldigtem) Vergewaltiger*er oder einem sonst gewaltsexualisiertem Täter*er grundsätzlich keine Unschuldsvermutung?

Fällt die Unschuldsvermutung beim Täter*er grundsätzlich, oder nur, wenn die Betroffenen sexualisierter Gewalt Cis- oder Trans-Uterus-Menschen sind? Oder fällt sie kategorisch immer, wenn die Gefahr besteht, Feminist*innen mundtot zu machen?

Sollte nicht – auch bei feministisch korrekten sexuellen Handlungen, aber ohne schriftliche Einverständniserklärung – der Penis-Mensch zunächst einmal immer erst als Täter*er gelten und zwar solange, bis er seine Nicht-Täterschaft bewiesen hat?

Ja, Mensch Klara Meyer. Das muss man alles mal so durchspielen. Wer U (Unschuldsvermutungsmissbrauch) sagt, muss auch V (Vorverurteilung) und P (Pranger) sagen. 

Gutes Stichwort. Wenn sich die Grünen jetzt mit "Vergewaltiger"-Plakaten vor das Haus des Beschuldigten stellen, dürfen sie dann wieder bei Euch mitmachen? Sie könnten ja auch noch zusätzlich "schuldig" skandieren.

Nur nicht mundtot machen lassen!



Donnerstag, 23. Juni 2022

Dienstag, 21. Juni 2022

Im Büßergewand

Wenn einer weiß, wie Buße tun geht, dann ist es Klaus Steiner, CSU-MdL, aus Traunstein.

Gestern wurde bekannt, dass dem 68-Jährigen von Krönchen und Schärpen tragenden Produktköniginnen (sic!) Sexismus vorgeworfen wurde (sic???), allerdings nicht, weil er einfach nur die Existenz Krönchen und Schärpen tragender Produktköniginnen durch seine Anwesenheit auf einer Produktköniginnen-Veranstaltung mit legitimiert hat, sondern weil er ihnen dort auch noch geraten hat, am besten nur Bikini oder String zu tragen.

Dies hat – wie mittlerweile der gesamte Erdball mitbekommen hat – einen massiven Aufschrei in den sozialen Medien (zu deutsch: Shitstorm) ausgelöst, weil der weiße alte Chauvi seine schlüpfrig-feuchten Fantasien auch noch in ein Mikrofon stammeln musste.

Vielleicht wurde der arme Mann aber auch nur komplett missverstanden. Vielleicht ist er nur ein Kämpfer wider den Sexismus und wollte mit seiner überspitzten Provokation explizit kritisieren, dass es der eigentliche Job junger, attraktiver Produkt-Cheerleaderinnen ist, als Milch-, Gurken- oder Pflaumenkönigin alte, müde oder angetrunkene Männer auf unerträglich-langweiligen Veranstaltungen bei der Stange (sic!) zu halten. Steiner ist vermutlich eher die Art Feminist, der metakritisch und persiflierend das Zurschaustellen junger Frauen für wirtschaftliche Zwecke aufs Korn nimmt.

Aus diesen Gründen ist es dem heute von Wahlinfo-Passau und der Jungen Union gegründeten Klaus-Steiner-Fanclub nicht klar und nachvollziehbar, warum dieser Kämpfer wider den Sexismus sich in seinem Facebook-Entschuldigungs-Video derartig vor den Mainstream-Gutmenschen in den Staub wirft und sich in einem Anfall von masochistischer Selbstkasteiung als verwirrter, unfrisierter und schäbig gekleideter Büßer inszeniert. 

Klaus Steiner! Warum muss man sich in einem Entschuldigungs-Video soweit selbst demütigen, dass man in einem feuchten Fünf-Euro-T-Shirt posiert, als nähme man an einem Wet-T-Shirt-Contest (ohne Bikini-Oberteil) teil? Das haben doch sicher diese Weiber verlangt, oder?

Aufrichtige Anteilnahme!

Der Präsident von Wahlinfo-Passau

Mittwoch, 8. Juni 2022

Aktuelle Kolumne aus dem Bürgerblick Juni 2022

Notizen aus Dunkelbayern 

Nachdem es dem Obersten Führer – gewiss ohne Anhörung und Beteiligung des Politbüros und des Zentralkomitees – gefallen hat, ein paar Unfähige seiner Truppe durch ein paar andere Unfähige zu ersetzen, musste natürlich für die Ausgetauschten eine Ersatzbeschäftigung gefunden werden. Nachdem wir uns glücklicher- und praktischerweise in Bayern befinden, kann der Oberste Führer nicht nur seine Minister ernennen oder entlassen, nein, bei uns werden auch Landratsposten einfach so zugeteilt.

Du, Landrat, wirst Minister und Du, Minister, wirst halt dann Landrat. War da noch was? Ja freilich – wählen müssen wir noch. Eigentlich völliger Unsinn, rausgeschmissenes Geld, aber aus demokratiehygienischen Gründen muss auch im Landkreis Deggendorf pro forma eine Wahl stattfinden. Gewählt wird in diesen Gegenden ohnehin immer der von der Kruzifix-Partei. Ob da der Sibler kandidiert oder ein schwarzer Schäferhund, ist für den Wahlausgang völlig unerheblich.

In Passau läufts da nicht viel anders. Auch hier können die Schwarzen einen Mann zur Bundestagswahl aufstellen, über den der Rest der Nation wechselweise lacht oder sich schwarz ärgert, weil er ausschließlich durch Peinlichkeiten oder Versagen und anschließende Vertuschungspirouetten in der Mautaffäre auffällt und hier in Dunkelbayern wird der wiedergewählt.

Aber jetzt – glaube ich – übertreiben sie es. Als ich zum ersten Mal in der Zeitung gelesen habe, dass Josef Heisl jun. alias Hey-Ho-Heisl-Joe möglicherweise Interesse an einer Landtagskandidatur haben könnte, habe ich das noch für einen ganz schlechten Witz gehalten. Meine Leser erinnern sich: Der Heisl Joe ist der lustige Vogel, der vor vielen Jahren mit einem Rap (also er und der „Künstler“ behaupteten zumindest, dass ihr Musikvideo ein Rap sei) Wahlkampf gemacht hat und auf seiner Homepage den Wunsch äußert, dass „Niederbayern weiterhin die Prämienregion in Europa bleibt!“ Das hat der da wirklich so hingeschrieben.

Offenbar und leider liest aber der Heisl Joe diese Kolumne nicht, weil ich ihm diesen Nonsens schon einmal vorgehalten habe. Wenn einer von Ihnen, liebe Leser, den Heisl Joe kennen sollte, richten Sie ihm doch bitte von mir aus, dass das Wort Prämienregion nur in einer einzigen Bedeutung existiert, nämlich wenn es um unterschiedliche Krankenkassenprämien in Schweizer Kantonen geht. Sollte er das gemeint haben, nehme ich natürlich alles zurück, verstehe aber dann die Aussage genauso wenig.

Jetzt denken Sie sich wahrscheinlich, warum muss der Verfasser dieser Zeilen jetzt auch noch auf die draufhauen, die es ohnehin schon nicht leicht haben. Ich werde es Ihnen verraten. Weil solche Leute tatsächlich die Chuzpe haben, sich dafür geeignet zu halten, immerhin 13 Millionen Bürger in einem Länderparlament zu vertreten. Aber da ist er ja leider nicht der Einzige. Ich habe vor einiger Zeit den Dunning-Kruger-Effekt erklärt. Ich will mir eine Wiederholung ersparen.

Jetzt könnte man es bei der Feststellung bewenden lassen, dass es Menschen mit eingeschränkter Selbstwahrnehmung gibt, die sich zu sie überfordernden Ämtern berufen fühlen. Das Schlimme daran allerdings ist, dass die Kruzifix-Partei, besonders leidenschaftlich in Dunkelbayern, solche Leute auch noch aufstellt. Wir reden übrigens nicht vom Listenplatz 7. Der Heisl Joe will die Direktkandidatur. Das hat er zwar bisher noch nicht explizit erklärt, aber man weiß ja, wie das läuft. Da wird viel telefoniert und verhandelt. Hilfst Du mir, helfe ich Dir. Dann kann man irgendwann einschätzen, wie die Chancen stehen und dann geht man raus und sagt: Ich will.

Moment, Moment, mag sich da mancher Leser denken. So einfach geht das auch wieder nicht. Da gibt es ja immer noch den erfahrenen und langgedienten Abgeordneten Professor Doktor Waschler.

Waschler? Welcher Waschler?




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Freitag, 6. Mai 2022

Aktuelle Kolumne aus dem Bürgerblick Mai 2022

Tu Gutes und rede darüber

Ich verrate es Ihnen, lieber Leser, gleich zu Beginn: Ich würde die folgenden Zeilen nicht lesen. So schlimm wie dieses Mal war es nämlich überhaupt noch nie. In den über zehn Jahren, in denen ich jetzt für dieses Sprachrohr des Qualitätsjournalismus publizieren durfte, bin ich noch nie drei Stunden vor einem weißen Bildschirm gesessen, ohne irgendeine Ahnung zu haben, was ich schreiben soll. Normalerweise reicht es, die PNP aufzuschlagen oder an Scheuer, Mangold oder Bischof Oster zu denken und dann schreibt sich die Kolumne quasi von allein. Aber diesmal – Fehlanzeige. Scheuer und Mangold sind mehr oder weniger untergetaucht, der Bischof hat für das bisschen Nachwuchs, das noch da ist, Häuser am Domplatz luxussaniert und in der PNP gibt es nur noch gute Nachrichten über gute Menschen.

Ob ich das PNP-Porträt („Nichts ist interessanter als Menschen und ihre Lebensgeschichten“) oder das „Passauer Gespräch“ lese – es ist unglaublich, wie viele Mega-Performer es in unserem kleinen Städtchen gibt, die pausenlos Gutes tun. Die Caritas hat zum Beispiel eine neue Direktorin. Und jedes Mal, wenn die Caritas einen neuen Chef hat, wird darüber natürlich in der PNP berichtet. Das ist ziemlich oft. Man muss nämlich wissen, dass es ohne die Caritas keine Kindergärten und Altenheime gäbe, keine Armenspeisung – gar nichts! Der Staat hätte ja dafür überhaupt kein Geld. Bei der Caritas kommt das Geld nämlich direkt vom lieben Gott oder vom Bischof und vielleicht noch von ein paar alten Mütterchen, die die Hälfte ihrer 500 Euro Rente der Caritas spenden.

Deshalb können natürlich nur die Besten der Besten Caritaschef werden und jedes Mal, wenn man einen noch Besseren findet, bekommt die Passauer Caritas wieder einen neuen Chef. Das passiert so ungefähr einmal im Jahr und gewährleistet diese unglaubliche Top-Qualität im Management. Das muss aber auch so sein, weil sonst müssten die kleinen Kinder den Tag vorm Fernseher verbringen, die Menschen würden auf der Straße verhungern und Altenheime müssten geschlossen werden – unvorstellbar eigentlich.

Weil aber das Geld vom lieben Gott und vom Bischof (goldene Wasserhähne für St. Max, Designer-Lampen für die Home Base) erstaunlicherweise doch endlich ist, musste die Passauer Tafel jetzt einen Aufnahmestopp verhängen. Zitat aus der PNP: „Wolle die Tafel mehr Leute aufnehmen, müsse es mehr Spenden geben.“ Das kann doch nicht die Wahrheit sein. Was glauben eigentlich diese Rentnerinnen? Dass sie nur, weil sie jeden Tag in die Kirche gehen und ein paar Euro in Opferstock und Klingelbeutel werfen, automatisch in den Himmel kommen? Dann sollen sie halt drei Viertel ihrer Rente spenden. Es kann nicht immer alles der Bischof richten. Jüngerschaftsschule, Neuevangelisierung und Ministrantenfreizeiten – das kostet alles Geld. Noch ein kleiner Tipp für Hungrige: Im „LaCantina“ der Home Base kostet der Extra-Garnelenspieß zum Süßkartoffelcurry nur 3 Euro 90.

Die neue Caritas-Direktorin, deren Namen man sich nicht merken muss, weil sie – wie bereits erklärt – ohnehin bald wieder durch jemand noch Besseren ersetzt wird, hat übrigens im PNP-Porträt gesagt, dass es noch eine Zeit dauern wird, bis ihr „die Trägerstrukturen hier vollends geläufig sind.“ Da geht es ihr nicht anders als jedem einzelnen Steuer- und Sozialversicherungszahler. Der fragt sich nämlich auch, wo das viele Geld herkommt und wo es hingeht. Vielleicht sollte ihr zum Einstieg einmal jemand erklären, wer für die Passauer Tafel zuständig ist. Sie hat nämlich noch etwas Interessantes gesagt: „Nur leisten wir Dienst am Menschen, wir können nicht sagen, wir stoppen die Produktion.“ So hat sie es ja auch nicht gesagt, ihre Kollegin, die Tafelleiterin. Sie hat nur gesagt: Wir stoppen die Aufnahme. Und außerdem: Das Geld für die Armen ist ja nicht weg, es hat halt nur ein anderer.