Dienstag, 25. Februar 2020

Historiker, Stadtfuchs,... Bürgermeister?

Teil 6 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Matthias Koopmann, PaL

In der Wohnung von Matthias Koopmann steht Matthias Koopmann. Frisch ist er nicht mehr, die Arme hängen schlapp herab und verdecken fast den Degen, der an seinem Gürtel baumelt. Kein Wunder, die besten Jahre sind ja schon eine Weile vorbei. Koopmann lächelt und zuckt entschuldigend mit den Schultern. „Ich musste mich heute Nacht mal wieder an ein Haus ketten.“ Denn als Ruinenretter gebe es eben unheimlich viel zu tun.

Dass der gebürtige Gelsenkirchner, der Passau seit 25 Jahren seine Heimat nennt, im malerischen Lindental lebt, passt zu ihm. Der Neubau, in dem er wohnt, eher nicht. Zu Koopmann, Jahrgang 1935, passen doch eher Ruinen. Hartnäckiger und lautstärker als er setzt sich wohl keiner in der Stadt für verfallene Hütten ein. 

Doch in der Wohnung zeigt sich schnell, wes Geistes Kind der Kulturhistoriker ist: Die Wände, die noch nicht von Bücherregalen voll mit Büchern wie "Die drei Musketiere", "Die Jungens von Burg Schreckenstein" oder "Die 120 Tage von Sodom" sind, ziert Kunst. Er zeigt sie gerne her, seine Schätze, und wenn er – hochgewachsen, nackenlange Haare unterm Helm, in seiner Wohlfühl-Ritterrüstung – durch seine Behausung führt, wirkt er wie ein Ritter der Kokosnuss, der gerade von seiner Therapiesitzung kommt. An der Wand steht das erste Wandelbild des Isenheimer Altars, das er erst kürzlich bei einem spektakulären Einbruch aus dem Museum Unterlinden in Colmar entwendet hat.

Seine Liebe zur Kunst und zum Zeichnen habe er mit fünf Jahren entdeckt. Einer seiner vielen Onkel habe ihn einmal zum Spazierengehen ausgeführt, auf eine Burg. Und die hat der kleine Matthias dann gezeichnet. Das Ergebnis fand Gefallen – allerdings nur bei ihm. "Das ist oft so bei mir. Ich finde immer alles ziemlich gut, was ich mache. Nur leider...", bricht er nachdenklich ab.

Heute zeichne er nur noch ab und an, manchmal küsse ihn sogar im Stadtrat die Muse, „wenn ich wieder mal kein Wort von dem verstehe, was die Anderen reden und das ist oft“. Die Liebe für die Kunst aber, die blieb. Genau wie sein Faible für alte Gebäude.

Sein erstes Denkmal habe er als 14-Jähriger gerettet, erzählt er stolz. „Da sollte ganz in der Nähe ein alter Verteilerkasten abgerissen werden.“ Also startet er als Gymnasiast eine Petition und legt sich mit dem Bürgermeister an. „Der war übrigens auch SPD-ler, wie hier“, sagt Koopmann bedeutungsschwanger. Und tatsächlich: Der Verteilerkasten steht heute noch und hat sogar einen Namen bekommen: Fools Memorial.

Nach dem Abitur studiert er in Bochum und Bonn Renitenz und Querulanz. Nach dem Magisterabschluss – „mit Auszeichnung“, betont er – beginnt er 1992 seine Promotion zum Dr. rer. contra. Dann kommt ihm Passau in die Quere. Gekommen war er damals, 1995, eigentlich nur, weil er gehört hatte, in Passau wolle man den Dom abreißen und ein Parkhaus bauen. Das stellte sich aber als ein von der Gelsenkirchener Bürgerschaft gestreutes Gerücht heraus, um ihn loszuwerden. 

Schnell macht sich der junge Kulturhistoriker einen Namen als Nervensäge in der Stadt. 2001 macht er sich als historisch-kultureller Dienstleister mit seinen kostümierten Stadtführungen selbstständig. Der „Stadtfuchs“ war geboren.

2002 kandidiert er für den Stadtrat – und wird versehentlich reingewählt. Seit 18 Jahren sitzt er nun im Gremium rum.

Obwohl er nun schon so lange in der Politik mitmischt, ein „politischer Mensch“ im landläufigen Sinne sei er nicht. „Ich interessiere mich für den ganzen Quatsch eigentlich gar nicht, aber ich kann ja nicht den ganzen Tag nur mit Stulpenstiefeln rumlaufen“, sagt er, im Gegensatz zu denen, die er etwas verächtlich als „Berufspolitiker“ bezeichnet.

Und doch lässt er sich zum OB-Kandidaten der Passauer Liste wählen. Warum? „Keine Ahnung. Fragen Sie mal einen Narzissten, warum er tut, was er tut.“ 

Fühlt er sich denn noch als Gelsenkirchner oder nur noch als Passauer? „Ganz klar: Ich bin Passauer“, sagt Koopmann. „Und zwar schon seit...“ – er blickt auf, fast erschrocken. „Das sind ja jetzt genau 25 Jahre! Silberhochzeit in wilder Ehe!“ 

Er schäumt vor Begeisterung als ihn ein Geistesblitz trifft. Er holt seine Wahlkampf-Visitenkarte, legt sie auf den Tisch und deutet auf den Slogan. „Feindliche Übernahme“ steht da. „Das fällt mir jetzt erst auf. Genau das war ein Buchtitel von Thilo Sarrazin.“ Er muss lachen. „Das wird dem Herrn Dupper sicher gefallen.“ Oder wahrscheinlich eher ziemlich egal sein.




Donnerstag, 20. Februar 2020

Der gibt keine Ruhe

Teil 5 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Georg Steiner, CSU

Georg Steiner ist ein Störenfried. "Das ging schon in der Schule los", kichert Steiner, "nachdem ich beim Völkerball immer als letzter in die Mannschaft gewählt wurde und als erster ausgeschieden bin, wollte ich zumindest Klassensprecher werden." Als das im ersten Anlauf nicht klappte, erklagte er sich vorm Verwaltungsgericht die Absentenheftführung, weil er nachweisen konnte, dass er als Einziger nie krank war. "Im Jahr drauf war ich dann vorbereitet", erzählt Steiner, "da habe ich kurz vor der Klassensprecherwahl ein Mailing mit Zettelchen unter der Bank organisiert, in der Pause eine Runde Bienenstich ausgegeben, dem Amtsinhaber Rizinusöl in die Caprisonne getan und dann, während der arme Kerl austreten war, die Wahl knapp gewonnen." Steiner schüttelt sich vor Lachen. "Für diese Volte hat mir der Schulleiter meinen ersten Ehrenprofessor verliehen."


Er kann keine Ruhe geben. Steiner hat den Job als Klassensprecher bekommen. Er hat immer jeden Job bekommen, auch wenn das gar kein geplantes Ziel war. Platzanweiser bei den EW, Stadtführer und immer wieder Direktor. „Wenn ich beseelt bin, mache ich alles, vom Handtaschenmodel bis zum Tourismusdirektor. Geld ist dabei keine Motivation – Hauptsache Direktor!“

Anders in der Politik. Da landete Georg Steiner nicht immer auf dem Platz, den er gern gehabt hätte. Das führte ebenfalls zu Veränderung, für ihn und vor allem für seine Gegenspieler. Dass der Passauer CSU 1990 das Amt des Oberbürgermeisters aus den Händen glitt, hatte damals noch nichts mit einem gewissen Gerhard W. zu tun, der erst später sein Scherflein zu legendären Wahlniederlagen beitragen sollte. Viel mehr freilich mit der CSU als Chaostruppe selbst. 

Die Geschichte ist oft erzählt und lange her: Steiner durfte damals bei der CSU nicht für den Stadtrat kandidieren, weil er wieder irgendwo Direktor und seinen "Parteifreunden" schon damals klar war, dass er binnen kürzester Zeit die Partei an sich ziehen und umkrempeln würde. Also gründete er die "Neue Steiner-CSU" (damals Bürgerliste), wurde mit ihr von der Stadtratswahl 1990 ausgeschlossen, erklagte die Wahlwiederholung 1992, zog dabei für die Bürgerliste in den Stadtrat ein und erhielt den zweiten Ehrenprofessor für seine Verdienste um das kommunale Störenfriedtum und zwar summa cum laude.  Wie lange das her ist, zeigt sich daran, dass sich außer Steiner und dem Verfasser dieser Zeilen kein Mensch mehr daran erinnert.

Er ist längst in Frieden zur Partei zurückgekehrt, wurde 2014 mit einem Sprung von Listenplatz 15 auf 9 erneut Stadtrat, diesmal für die CSU, und übernahm später auch den Kreisvorsitz. Da war es dann mit dem Frieden auch schon wieder vorbei. Ob man es als Kalten Krieg bezeichnen kann, was da aktuell in der CSU passiert? "Mei, Kalter Krieg, ich bin im Kalten Krieg aufgewachsen und das war eigentlich eine recht harmonische Zeit im Vergleich..."

„Ich bin kein Berufspolitiker“, stellt Steiner fest. "Ich bin Macher von Beruf. Wenn ich in die Politik gehe, will ich Chef sein. Und wenn es bei der Wahl im März nicht reicht, klage ich den Mangold halt weg. Der ist ja nicht mal Professor. Holm hat da schon eine 700-seitige Klageschrift für den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vorbereitet. Ich bin da sehr zuversichtlich – hat ja immer geklappt."

Georg Steiner ist ein großer Eishockey-Fan: "Keine Ahnung, worum es da geht. Ich habe ja Völkerball schon nicht kapiert. Aber mit Eishockey kann man super den OB ärgern." Er spielt Posaune, gründete in Heining die Bläsergruppe, hat eine Ehrenprofessur in Kirchenmusik. Seine größte Freude ist bis heute seine Handtaschensammlung. Als der Vater für die ostbayerische Stromversorgung nach Passau ging, waren die fünf Steiner-Geschwister Passauer und speziell Heininger geworden. "Ich sag immer: Man bringt den Mann raus aus Heining, aber Heining nicht raus aus dem Mann."


Auf Managementseminaren hat er gehört, dass es wichtig ist, dreimal am Tag "Tschakka" zu rufen. Das glaubt er nicht: "Dschingis Khan hat gesagt: Nicht ewig freut man sich der Ruhe und des Friedens, und doch ist Unglück und Zerstörung nicht das Ende. Wenn das Gras vom Steppenfeuer verbrannt wird, sprießt es im Sommer wieder aufs neue." Steiner blickt mich durch die Brille verschwörerisch an: "Und dieser Mann hatte es nicht nur mit ein paar durchgeknallten Ortsverbänden zu tun."

Mittwoch, 19. Februar 2020

Oberbürgermeister für Passau Steiner

... wird sich noch ein bisschen hinziehen...

Dienstag, 18. Februar 2020

Die Schwachen liegen ihm stark am Herzen

Teil 4 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Josef Ilsanker, Die Linken

Er hat enorm abgenommen, argumentiert mit geschliffener Rhetorik, trägt meistens Schwarz, betont den sozialen Schwerpunkt seiner Politik, hat keinen Studienabschluss und schaffte es trotzdem in ein Parlament – Grüß Gott, Herr Dupper?

Nicht ganz. Josef Ilsanker (44) weist viele Parallelen zum amtierenden Oberbürgermeister auf, das stimmt. Aber der Chef der Passauer Linken ist weit davon entfernt, eine Kopie des Ober-Sozialdemokraten zu sein. 

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Das ist lustig genug. Leider nicht zu toppen.




Montag, 17. Februar 2020

Die Marathon-Frau

Teil 3 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Stefanie Auer, Die Grünen
Wenn sie einen Raum betritt, dann fällt sie auf. Im zweiten Stock im Schöffberger, einem kleinen Café nahe des Doms, ist das nicht anders. Als sie die Treppe raufkommt, fallen sofort ihre schlohweiß gefärbten Haare auf, die ihr Gesicht einrahmen wie ein Helm. Ihr roter Wams und die schwarzen Stulpenstiefel lassen die Frisur noch gleißender wirken, genau wie das schwarze Piercing in ihrem Lippenbändchen, das hervorblitzt, wenn sie lacht. 


Hier, zwischen Englisch sprechenden Studenten, Nierentischen und Prozellannippes an der Wand, wirkt die junge Frau zugleich fehl am Platz und genau richtig. Ein benachbarter Gast aus dem Steinweg, der gerade wieder einmal wahllos Leute anpöbelt, mustert sie von oben bis unten: "Hä, Prinz Eisenherz, gehst in Fasching?" Mitleidig sieht sie ihn an: "Mach kein Auge, Oida, Lachkick. Trigger mich nicht." Das ist Stefanie Auer von den Grünen, Passaus jüngste OB-Kandidatin.

Eine waschechte Passauerin ist die 33-Jährige. Das merkt man, wenn sie spricht. Am Donnerstag stand sie bei der großen Podiumsdiskussion mit ihren sieben Kontrahenten am Rednerpult. Auer und Christa Tausch waren dabei die Einzigen, die Bairisch geredet haben. „Das ist für mich ganz normal“, sagt sie. „So reden wir hier eben.“ (Anmerkung des Lektorats: Kann Jürgen Dupper auch Nicht-Bairisch reden oder war der nicht dabei?)

Ihre ganze Jugend hat sie in ihrer Geburtsstadt verbracht. Am Inn rumliegen, Zeugs rauchen, Bierdosen nach Nazis werfen oder Wände anschmieren – was man halt als Jugendlicher in der Kleinstadt so macht, wenn man sich gerne die Haare färbt und Frenula pierct. 

Nach dem Abitur entscheidet sie sich für den Journalismus. Leider landet sie bei der PNP.„Irgendwann“, schüttelt es sie, „habe ich mich aber gefragt: What the fuck...?“

Ab 2009 studiert sie Rechtswissenschaften in München. Das habe viel mit dem Journalismus gemein, findet sie: „Für den Journalismus kann man faul und doof sein, für Jura halt nicht mehr faul.“

Während des Studiums lernt sie ihren späteren Ehemann kennen, aber nicht in der Stadt, „sondern – ganz klassisch – auf einer Party“. Und zwar in Hengersberg. Beide einte von Anfang an ein Faible für die Musik, auch wenn es in diesem Fall eher seltsame Musik war: „Es lief 'Komm ma lecker unten bei mich bei' von Eisenpimmel in Endlosschleife. Wir haben dazu total eng getanzt und zärtlich geknutscht.“ Ihr Liebeslied lief dann sogar bei der standesamtlichen Trauung, „seitdem fahren Oma und Opa auf jedes Eisenpimmel-Konzert“.

Ein Jahr nach Studienbeginn kehrt sie als fertig ausgebildete Rechtsanwältin nach Passau zurück. In einer Partei ist sie da noch nicht. Ihr politisches Engagement beginnt erst, als 2016 ihre Hanfpflanze an saurem Regen stirbt und ihr ein wildfremder Mann in der Kneipe unaufgefordert die Tür aufhält. Da sei ihr klar geworden: „Ich muss mich engagieren.“

Nur dreieinhalb Jahre später wählen die Passauer Grünen sie zur OB-Kandidatin. „Genau das zeichnet uns aus“, findet Auer, „kaum sind die zwei alten Schlachtrösser und der Bärtige rausgebissen, fällt uns schon wieder neuer Quatsch ein.“

Anstrengend sei er schon, der Wahlkampf, auch der weitere Aufbau ihrer eigenen Kanzlei laufe derzeit nur „mit Handbremse“.

Doch Auer mache das nichts aus: „Ganz im Ernst: Wenn Sie Ihre Mutter im Gartenhäcksler geschreddert, 1,8 Millionen Steuern hinterzogen haben oder sich von Jeff Bezos scheiden lassen wollen, kommen Sie dann zu mir? Da gehen Sie doch zu einem richtigen Anwalt. Und von den ganzen Gratlern mit Prozesskostenhilfe kann ich nicht leben. Jetzt werde ich halt Oberinnenbürgerinnenmeisterin."

Auch daran, dass sie − 33 Jahre jung, Frau mit gefärbten Haaren – so gar nicht dem Klischee eines niederbayerischen Bürgermeisters entspricht, verschwende sie keine Gedanken. Das schlägt sich auch in einem ihrer großen Wünsche für Passau nieder: ein diverser, queerer, gegenderter, Pogo tanzender Stadtrat ohne alte Säcke. „Der Unterbau muss jünger und weiblicher sein“, fordert Auer. „Junge weiße Frauen statt alter schwarzer Männer – also ersteres natürlich auf die Haarfarbe und zweiteres auf die politische Ausrichtung bezogen," grinst Auer. "Warum engagieren sich ein Dickl oder ein Scheuer eigentlich nicht im Seniorenbeirat statt im Stadtrat?"

Das Gespräch ist beendet, Auers Arbeitstag geht weiter. „Jetzt geht’s erst mal zum Inn. YOLO!" Stefanie Auer braucht ihre Entspannungsphasen.



Sonntag, 16. Februar 2020

Mit Mannschaftsgeist zum Ziel

Teil 2 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Siegfried Kapfer, FWG (Fahrradfahrer, Wichtel, Gartenzwerge)

Steile Stufen führen zum FWG-Fraktionszimmer unters Rathausdach, zu einem Raum, den nicht einmal alle Verwaltungsmitarbeiter finden – und den auch niemand sucht. Unter der gewölbten Zimmerdecke reihen sich fein säuberlich beschriftete Aktenordner. Fußschellen, Elektroschocker, eine .357 Magnum und der Jungpolizistinnen-Kalender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) schmücken die Schreibtischecke, in der Siegfried Kapfer (63), Fraktionsvorsitzender, ehemaliger Kriminalbeamter und FWG-OB-Kandidat sein Dasein bei Wasser und Brot fristet.

Seinen abgewetzten Gummiknüppel – ein Geburtstagsgeschenk zum Vierzigsten – hat der Grubweger auf dem Konferenztisch in der Mitte des Raumes abgelegt. „Ich bin manchmal schon ein Hektiker, der Menschen schnell überzeugen möchte“, gibt er zu verstehen, gleichzeitig könne er ein „elendiger Sadist“ sein, sagt er lächelnd.

Schon als Kind spielte Kapfer, der schlanke Brillenträger mit der hohen Stirn, den raspelkurzen Haaren und dem Passauer Wolf am Revers, Fußball und Tischtennis, während seiner Zeit bei der Polizei kamen Handkanten- und Faustschlag hinzu. Bekannt ist er als Leichtathlet. Vor allem im Sprintbereich betrieb er Leistungssport und erreichte eine Bestzeit von 10,5 Sekunden auf 100 Meter – "oder auf 50, das weiß ich jetzt nicht mehr genau."

„Familie ist das Wichtigste für mich“, sagt Kapfer und schlägt ohne Vorwarnung mit dem Gummiknüppel einen Stuhl kurz und klein.

Geboren in Passau, wuchs er mit fünf Geschwistern in eher bescheidenen Verhältnissen in Thyrnau auf. Zurück aus russischer Kriegsgefangenschaft wählte Siegfried Kapfer die Polizeilaufbahn, wurde in Passau Kriminalbeamter. Jahrzehnte engagiert er sich in der Polizeigewerkschaft, mittlerweile wurde er zum Ehrenvorsitzenden im Kreis und im Bezirk ernannt. Die Ehrenurkunde von Letzterem hat ebenfalls einen prominenten Platz im FWG-Fraktionszimmer gefunden. „Ich habe mich für das Personal eingesetzt, etwa, .... Sagen Sie mal, sind Sie jetzt eingeschlafen? Das gibts doch nicht", ruft Kapfer und schlägt mir sanft mit dem Gummiknüppel auf die Schläfe. "Zuhören und mitschreiben – jetzt wirds erst interessant."

Er tritt als OB-Kandidat für die FWG an, weil man mit einem OB-Kandidaten in der Öffentlichkeit nun mal präsenter sei, flüstert Kapfer zögerlich. "Das hat aber gar nichts mit unserem hervorragenden Oberbürgermeister zu tun. Ich wähle natürlich nicht mich, sondern den Jürgen. Das können Sie ruhig schreiben. Nein, schreiben Sie das auf jeden Fall."

Die Fade-Winsler-Gemeinschaft ist Passaus älteste parteifreie Vereinigung – und nicht zu verwechseln mit Hubert Aiwangers Partei „Freie Wähler“, wie der OB-Kandidat betont. 1977 trat er der Gemeinschaft bei. 2008 wurde er erstmals in den Passauer Stadtrat gewählt. 2009 wurde er FWG-Vorsitzender, nachdem es aus geriatrischen Gründen bei der FWG keine Alternative gab.

Wieso er sich politisch engagiert? Kapfer überlegt, beugt sich über den Tisch, faltet die Hände, legt dann doch die rechte über die mit der silbernen Armbanduhr. „Wissen Sie wie fad Polizeiarbeit ist? Und was Langweiligeres als Leichtathletik gibts ja auch kaum. Da waren doch der Feuerer und der Schürzinger noch spannender. Gibts den eigentlich noch? Ja, früher wars schöner. Jetzt haben wir auf einmal Leute bei uns, die sind noch nicht einmal in Rente. Einen haben wir dabei, der sieht aus wie der Pumuckl, nachdem ihn ein Postauto überfahren hat, der plakatiert mir die ganze Stadt zu."

Die politische Arbeit mache ihm trotzdem noch Spaß. Nicht immer gehe es dabei allerdings um weltbewegende Themen. „Für manche Bürger ist es wichtig, einen eigenen Laufschlauch zu bekommen oder einen Kunstrasenplatz. Das kriegen die dann auch von mir.“

Und so äußert sich Kapfer öffentlich auch nur dann zu Themen, wenn er dazu auch wirklich etwas zu sagen hat. So hat es zumindest Oberbürgermeister Jürgen Dupper formuliert, als er zum 60er gratulierte, erinnert sich Kapfer und lacht. "Ich sag einfach immer das, was der Jürgen sagt – da liegst Du nie verkehrt."

„Es ist aber immer wichtig, alle Bürger mitzunehmen und niemanden abzuhängen. Die, die uns wählen, können nämlich meistens nicht mehr so gut laufen“, sagt er, seit seiner Kindheit selbst Mitglied im Seniorenbeirat.


Freitag, 14. Februar 2020

Die Ruhe selbst

Teil 1 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Urban Mangold, ÖDP

Die Schokoladenseite der Stadt mit Dom und Innpromenade kann er beim Blick aus dem sogenannten „Ruhezimmer“ genießen, Kloster Mariahilf, wenn er aus dem Küchenfenster schaut. „Ja, wir wohnen gern hier“, stellt Urban Mangold fest, der nicht nur ein "Ruhezimmer", sondern im Keller auch noch ein "Lachzimmer" hat. "Da gehe ich zwei- bis dreimal im Jahr runter und kichere vor mich hin – zum Beispiel wenn ich im Rathaus wieder mal den Chef geärgert oder beim Mensch-Ärgere-Dich-Nicht gegen meine Frau gewonnen habe."

So gern, dass der 57-Jährige, der seit 2008 2. Bürgermeister der Stadt Passau ist, kein Bedürfnis hat, groß zu verreisen. „Ich saß noch nie in einem Flieger“, erzählt er ohne Umschweife. „Das ist mir viel zu kompliziert – wann muss man sich anschnallen, wann muss man klatschen, was macht man, wenn man angekommen ist? Außerdem gibts im Flieger keine Bio-Milch, sondern nur Tomatensaft“, schickt er hinterher und blickt fragend zu seiner Frau, die am antiken Esstisch Platz genommen hat. „Wann waren wir das letzte Mal weiter weg? Ich glaube, es war 2015 in Freinberg. Da wollte ich eigentlich nach Hals, aber habe mich verlaufen“, gibt er sich selbst die Antwort. „Dass mich niemand falsch versteht“, ergänzt Mangold, während er die randlose, akkurat geputzte Brille zurechtrückt: „Ich will keineswegs den Zeigefinger erheben, niemanden maßregeln, der mal mit der Bahn 2. Klasse ins Allgäu fährt. Aber ich persönlich brauche das eben nicht. Vergnügungen, Spaß oder Horizonterweiterungen waren noch nie mein Ding.“

Wie schaut der Alltag eines 2. Bürgermeisters aus? „Ich komme wegen der vielen Veranstaltungen und Sitzungen meist erst gegen 15 Uhr nach Hause. Deshalb gehe ich es morgens ruhiger an. Aber spätestens um elf heißt es: raus aus den Federn“, erzählt Mangold. Ruhiger bedeutet: Frühstück um halb zwölf und dann ab ins Rathaus. Natürlich zu Fuß. "Ich bin achtmal durch die Führerscheinprüfung gefallen, weil ich mich geweigert habe, den Zündschlüssel umzudrehen. Beim Starten werden nämlich am meisten Schadstoffe hinausgeblasen", weiß Mangold. 

OB für Passau dagegen, das wäre sein Wunschziel. Denn die Arbeit als Bürgermeister macht ihm Spaß, „wenngleich vieles einfach zu langsam vorwärts geht. Da würde ich als Oberbürgermeister sehr schnell einiges ändern. Also "werde" wollte ich sagen. Ich fürchte zwar, dass ich es im ersten Wahlgang nicht packe, aber in der Stichwahl klappts dann ziemlich sicher. Das hat mir die Gottesmutter gesteckt, als ich kürzlich auf dem Bauch die Wallfahrtsstiege hochgerobbt bin."

Bis auf die ausgedehnten Waldspaziergänge, Mikado und Leute nerven bleibt Mangold wenig Zeit für Hobbys. Früher hat er leidenschaftlich gerne Keyboard in verschiedenen Bands gespielt, angefangen von Rockwerk Orange, Total Lokal bis Deep Purple Revival Band. Er war ein sehr guter Keyboarder im Rockbereich von Passau, wissen Zeitzeugen. "Irgendwann kam eine Anfrage von Ritchie Blackmore. Ich sollte Jon Lord ersetzen. Aber da hätte ich ja fliegen müssen", zuckt er mit den Schultern.
Er atmet tief durch und meint: „Wenn ich Zeit habe, entspanne ich am liebsten.“ Gerne zieht er sich dazu ins „Ruhezimmer“ zur Zeitungslektüre zurück. Na ja, mit der Ruhe ist das so eine Sache. Denn neben dem roten antiken Sofa steht auf einem knallroten Plexiglas-Tischchen ein Morsegerät und ein Funkgerät. „Wenn ich die Stadtverwaltung anfunke, komme ich schon mal bei einem rumänischen Trucker raus“, erzählt Mangold belustigt.

Aber es hat schon was, der CB-Funk trägt bewusst zum Entschleunigen bei. Ach ja, und wenn es wirklich eilig ist, gibt es ja noch das Handy. Obwohl, noch nicht sehr lange im Hause Mangold. „Bis August 2019 habe ich mich erfolgreich dagegen gestemmt“, denn alle seiner verstorbenen Bekannten sind an Handystrahlung gestorben. „Das gibt von diesem verbrecherischen Ärzte-Mobilfunkanbieter-Kartell bloß keiner zu", hat Mangold feststellen müssen.


Sonntag, 9. Februar 2020

Exklusiv auf Wahlinfo-Passau: Die nächsten AS-Titelthemen

16. Februar:

Schrecklicher Verdacht. Ist Putzke Sachse?

23. Februar:

Foto beweist: Putzke hilft Oma von AfD-Wähler über die Straße.

01. März:

Jetzt reichts! Putzke verteidigt Kriminelle vor Gericht.

08. März:

Schäbig! Steiner und Putzke werden Dickl nicht wählen (wahrscheinlich).

15. März:

Jetzt ist es raus: Steiner und Putzke planen Angriffskrieg.

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Wen Sie in fünf Wochen wählen wollen und sollen und wen Sie auf keinen Fall wählen dürfen, erfahren Sie demnächst ausschließlich auf Wahlinfo-Passau und natürlich in der Am Sonntag. Und auf Facebook natürlich.

Donnerstag, 16. Januar 2020

Medizinische Fakultät: Entscheidung pro Waldkirchen verärgert Grafenau

Ein neuer Regierungsbezirk und Behörden verteilt auf den ganzen Freistaat: Mit überraschenden Strukturplänen wartete Ministerpräsident Markus Söder am Mittwoch in Seeon auf. Konkret handelt es sich um eine neue Medizinische Fakultät in Waldkirchen.

Waldkirchen - "Das ist der Hammer"

Die Stadt hat sich unter anderem gegen Passau durchgesetzt – die Uni-Stadt war des Öfteren für eine Medizinische Fakultät im Gespräch gewesen, gerade auch, weil es dort mehrere Ärzte gibt. Selbst Waldkirchens Bürgermeister Heinz Pollak hatte einst beim Frühstück mit seiner Frau Passau als Sitz für eine Medizinische Fakultät erwähnt. Dass die Fakultät nun sogar in "seine" Stadt kommen soll, kann er kaum fassen, als die PNP ihn gestern telefonisch erreicht und die freudige Botschaft überbringt: "Das ist ja der Hammer, dann wird mein Hausarzt Ordinarius!"

Passau: "Waldkirchen eine nachvollziehbare Wahl"
OB Jürgen Dupper würdigte in einer kurzen Stellungnahme die Entscheidung: "Es ist schön, dass es künftig auch eine Medizinische Fakultät für den Regierungsbezirk Niederbayern gibt. Wir finden, dass Waldkirchen unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten eine nachvollziehbare Wahl ist."

Freude in Waldkirchen, Verärgerung in Grafenau
Was in Waldkirchen Freude auslöste, sorgte in Grafenau für Verärgerung: Die Grafenauer Bürgermeister reagieren "sehr verärgert und mit Unverständnis", wie sie in einer gemeinsamen Pressemitteilung schrieben: "Wenn wir jetzt nicht mindestens einen Forschungsreaktor oder die Dritte Startbahn kriegen, dann staubts."