Donnerstag, 16. Januar 2020

Medizinische Fakultät: Entscheidung pro Waldkirchen verärgert Grafenau

Ein neuer Regierungsbezirk und Behörden verteilt auf den ganzen Freistaat: Mit überraschenden Strukturplänen wartete Ministerpräsident Markus Söder am Mittwoch in Seeon auf. Konkret handelt es sich um eine neue Medizinische Fakultät in Waldkirchen.

Waldkirchen - "Das ist der Hammer"

Die Stadt hat sich unter anderem gegen Passau durchgesetzt – die Uni-Stadt war des Öfteren für eine Medizinische Fakultät im Gespräch gewesen, gerade auch, weil es dort mehrere Ärzte gibt. Selbst Waldkirchens Bürgermeister Heinz Pollak hatte einst beim Frühstück mit seiner Frau Passau als Sitz für eine Medizinische Fakultät erwähnt. Dass die Fakultät nun sogar in "seine" Stadt kommen soll, kann er kaum fassen, als die PNP ihn gestern telefonisch erreicht und die freudige Botschaft überbringt: "Das ist ja der Hammer, dann wird mein Hausarzt Ordinarius!"

Passau: "Waldkirchen eine nachvollziehbare Wahl"
OB Jürgen Dupper würdigte in einer kurzen Stellungnahme die Entscheidung: "Es ist schön, dass es künftig auch eine Medizinische Fakultät für den Regierungsbezirk Niederbayern gibt. Wir finden, dass Waldkirchen unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten eine nachvollziehbare Wahl ist."

Freude in Waldkirchen, Verärgerung in Grafenau
Was in Waldkirchen Freude auslöste, sorgte in Grafenau für Verärgerung: Die Grafenauer Bürgermeister reagieren "sehr verärgert und mit Unverständnis", wie sie in einer gemeinsamen Pressemitteilung schrieben: "Wenn wir jetzt nicht mindestens einen Forschungsreaktor oder die Dritte Startbahn kriegen, dann staubts."

Samstag, 4. Januar 2020

Der Felsen

1. Januar 2020, 0 Uhr 55. Der Passauer Oberbürgermeister serviert seinen Gästen in seinem Wohnzimmer gerade erlesenste Digestifs, als das Telefon klingelt.

Telefon: Ring, ring.

OB (schaut auf die Uhr): Same procedure as every year. Das ist sicher der Dittlmann, weils Rathaus brennt. (lacht laut)

Telefon: Ring, ring.

OB (zu seiner Frau): Geh Du hin.

Dem OB seine Frau: Dupper, hallo?

Stimme: Dittlmann, Frau Dupper, entschuldigens die Störung. Ich müsste – ja tatsächlich auch diese Nacht – dringend den Oberbürgermeister sprechen.

Dem OB seine Frau: Jürgen, der Dittlmann ist dran.

OB: Ha?

Dem OB seine Frau: Der Dit – tell – mann.

OB: Sog amoi, hat der a Rauchvergiftung? Gib her... Ja, Herr Dittlmann, ich weiß schon – das Rathaus brennt. Ha ha. Seit wann sind Sie witzig? Das ist übrigens überhaupt nicht witzig. Nur weil Ihnen fad ist, müssen Sie nicht Andere in der Silvesternacht inkommodieren.


Dittlmann: Ihnen auch die besten Wünsche, danke. Darf ich jetzt?

OB: Wenn nicht mindestens das Rathaus brennt – nein, dürfen Sie nicht. Eine schöne Nacht noch, lassen Sie sich Ihren Kamillentee schmecken.

Dittlmann: Felssturz. Anger. Der Fels blockiert komplett den Anger und die Nordseite Hängebrücke. Vollsperrung B 12 und B 388.

OB: Ja, dann räumts ihn halt weg. Wenn Sie es mit Ihren Leuten selber nicht schaffen, holts halt das THW dazu. Oder nehmts a paar Chinaböller – da drüben darf man ja. Herrgott, Dittlmann, bin ich der Stadtbranddings oder Sie?

Dittlmann: Sagen wir so. Der Felsen hat geschätzt 50 Kubikmeter. Wenn man jetzt die ungefähre Dichte von so einem Felsen kennt, dann reden wir da von schlappen 140 Tonnen. Ich würde mir das anschauen als Oberbürgermeister... Vor allem zweieinhalb Monate vor der Wahl.

OB: 15 Minuten.

1. Januar 2020, 1 Uhr 25. Zahlreiche Schaulustige haben sich auf der Hängebrücke und am Anger rund um einen riesigen Felsen versammelt, der mitten zwischen Hängebrücke und Ludwigsteig liegt.

OB: Habe die Ehre, Herr Dittlmann. Ich nehm alles zurück. Danke für den Anruf.

Dittlmann: Passt scho.

OB: Personenschaden?

Dittlmann: Seh ich das, wer da alles drunter liegt?

OB: Hörens jetzt mal auf, witzig zu sein. Dafür hab ich jetzt die Nerven nicht.

Steiner (zu einem Feuerwehrmann): Jetzt lassen Sie mich endlich durch, ich bin OB-Kandidat. (zum OB:) Haben Sie es mit den Nerven, Herr Oberbürgermeister?

OB: Oh mei. Sie sind auch überall, gell. Hab gar nicht gewusst, dass Sie bei der Feuerwehr oder beim THW sind... Oder sonst irgendeine wesentliche Position hätten...

Steiner: Das ist wieder typisch für Ihre Politik und Ihr Krisenmanagement. Wir haben hier einen Katastrophenfall und Sie pöbeln rum.

OB: Der Stadtbranddings und ich entwickeln gerade Lösungen – wenn uns die ganzen Gaffer dabei nicht stören.

Steiner: Ich bin ganz Aug und Ohr.

Junge Frau: Lassen Sie mich durch, ich bin OB-Kandidatrix. Sehr gut, jetzt haben Sie es endlich geschafft mit Ihrer brutalen Abholzerei.

OB: Wer isn des? 

Dittlmann: Keine Ahnung. Trixi oder so hats gesagt.

Steiner: Das spricht wieder für Ihre Überheblichkeit, Herr Oberbürgermeister. Dass Sie Ihre Gegenkandidaten nicht kennen, bzw. vorgeben, nicht zu kennen. Das ist die OB-Kandidatin der Grünen, Frau ... äh...

Junge Frau: Auer. Stefanie Auer.

OB: Freut mich, grüß Gott. (zu Steiner:) Darf ich Ihnen Frau Auer vorstellen, Herr Steiner?

Mann mit Glatze: Lassen Sie mich durch, ich bin OB-Kandidat.

OB sieht Dittlmann fragend an.

Dittlmann (zuckt mit den Schultern): Schrägi oder Schrägli oder so. (flüstert:) AfD.

OB winkt mitleidig ab.

Kräftiger Mann mit Brille: Lassen Sie mich durch, ich bin OB-Kandidat. 

Dittlmann (zischt): Der Linke. Ilzdampfer oder so.

Mann mit Glatze: Typisch für diese BRD GmbH. In China wär der Stein schon weg.

Ilsanker: Ja genau. Da würden jetzt die vielen Kinderchen mit den kleinen Hämmerchen kommen.

Tumult an der Absperrung. Bei einem Handgemenge geht ein Feuerwehrmann zu Boden.

Tausch: Loß mi durch, Du Krischperl, sonst leg i Da oane auf. I bin OB-Kandidatin. 

OB: Um Gottes Willen. Mir bleibt nichts erspart.

Tausch: Oh leck, wia schaudsn do aus? Is des a Meteorit? 

Dittlmann: Ein Felsen. (flüstert:) Christa, hau halt nicht immer gleich zu. Es ist Wahlkampf.

Tausch: Ja, scheiß drauf. Und der Herr Oberbürgermeister? Steht do und warnt vor Aktionismus, oder? Schaut ned so aus, als wenn hier wos passiert.

Steiner: Sehr gut, Frau Kollegin, ich bin jetzt seit geraumer Zeit hier und der Herr Oberbürgermeister wartet ab, bis der Fels – ja was? – erodiert wahrscheinlich.

Koopmann: Jetzt lassen Sie mich sofort durch. Ich bin OB-Kandidat und Ruinen-Retter. 

Mangold: Und mich auch. Ich bin OB. Also noch nicht, aber ist ja nicht mehr lang hin. Ich verlange eine sofortige Zählung der in Mitleidenschaft gezogenen Bäume und eine unverzügliche Wiederaufforstung im Hang. Außerdem ist das Haus da bei der Ampel beim Felssturz beschädigt worden und hat meiner Meinung nach Denkmalcharakter. 

Koopmann: Sehe ich genauso. Absolut schützenswert. Ich beantrage ein sofortiges Gutachten.

OB: Sagens amal, Herr Dittlmann – das sind wirklich alles OB-Kandidaten?

Dittlmann: Ja. Und noch nicht einmal alle.

OB: Was???

Kapfer: Grüß Gott beinand, servus Jürgen. Was machen wir? Soll ich ein paar Leute von der LG holen? Dann rollen wir den Kiesel weg.

Dittlmann (zu Dupper): Der ist auch OB-Kandidat.

OB: Wie viele sind das jetzt?

Steiner: Genug, Herr Oberbürgermeister. Genug für Sie, bzw. genug für die Stichwahl.

Mangold (strahlend): Genau.

Steiner (lächelt): Die Bürger wählen bestimmt einen in die Stichwahl, dessen Hauptthemen zwei verfallene Häuser, ein Klohäusel an der Ortspitze und Biomilch für die Passauer Schulkinder sind.

OB (grinst): Na dann, dann wünsche ich Euch allen viel Erfolg. Wenn der Sozialist und der Reichsbürger miteinander 20 Prozent holen, dann klappts auch sicher mit der Stichwahl. Und wenn jetzt zu den unzähligen OB-Kandidaten noch sämtliche Passauer Ehrenring- und Bundesverdienstkreuzträger hier auftauchen, können wir locker das Steinderl in die Donau schmeißen.

AS-Mann: Lassen Sie mich durch, ich bin Journalist.

Steiner: Was ist der?

AS-Mann: Journalist bei der AmSonntag.

Steiner: Ach so, AmSonntag. Erst hab ich Journalist verstanden.

AS-Mann: Herr Oberbürgermeister, wie ich sehe, haben Sie die Lage absolut im Griff.

OB: Ja klar, vielen Dank im Voraus für die Berichterstattung. (flüstert:) Und noch mal herzlichen Dank für das Interview nach Weihnachten. Top!

AS-Mann: Kann ich nur zurückgeben. Tolle, fundierte Antworten.

OB: Ah na. Ich hab das gesagt, was ich immer sage. Ihre Fragen waren super. So viele Angriffe gegen den politischen Gegner machen wir im ganzen Wahlkampf selber nicht. Aufrichtigen Dank.

Steiner: Da können Sie sich wirklich bedanken. Dass ein (zeichnet mit je zwei Fingern beider Hände zwei Anführungszeichen in die Luft) JOURNALIST bei einem Interview in einer (hebt den rechten Zeigefinger hoch) FRAGE die Politik der Passauer CSU als Steilvorlage für Kabarettisten und als unseriös bezeichnet, ist schon Journalismus vom Feinsten.

Tausch: Leck, ja. Des war der Abschuss. Und in einer anderen Frage hat er die Thunberg ein "armes, bedauernswertes Mädchen aus Schweden, das stets betont, man habe ihr die Kindheit gestohlen" genannt. (Boxt dem AfDler in die Rippen) Gell, Schrägi, nach der Machtergreifung gibts nur noch solchen Journalismus.

Ilsanker: Wo ist denn eigentlich der Obersturmbannführer? Oder sitzt der schon?

Mann mit Glatze: Ach, haltets doch den Mund, Ihr Systemlinge. Herr Oberbürgermeister, Herr Dittlmann, Sie haben das gehört. Das war eine schwere Beleidigung gegen einen Kameraden.

OB und Dittlmann winken ab.

Ilsanker: Das ist interessant, dass Sie glauben, zu wissen, wen ich gemeint habe.

Träger: Lassen Sie mich durch, ich bin Bürgermeisterin.

Mangold, Koopmann, Grüne: Noch.

Mann mit Glatze (singt): Unsre Erika fliegt mitm Flieger nach Südfrankreich und Spanien und noch weiter. Unsre Erika fliegt mitm Flieger nach Südfrankreich, unsre Erika ist ne alte Umweltsau.

Träger: Wer isn der Depp?

Alle: Egal.

Träger: Servus, Jürgen. Weil wir in der Vergangenheit so gut zusammengearbeitet haben, wie auch hoffentlich zukünftig, hab ich mir gedacht, ich komm vorbei und helf Euch ein bisserl.

OB (nickt): Danke, Erika. Wie denn?

Träger: Ich könnt den Verkehr regeln.

Dittlmann: Hier kommt doch keiner vorbei.

Ein kleiner durchtrainierter Mann mit einem Baseball-Cap mit Aufdruck EMU springt auf einem Skateboard über die Absperrung und kommt direkt zwischen den OB-Kandidaten zum Stehen.

OB: Ah, noch ein OB-Kandidat. Oder – nein, doch nicht.

Steiner: Servus Holm, seit wann fährst Du Skateboard? 

Putzke: Ich habs mir gestern in zwei Stunden selbst beigebracht. (Grinst) Street Credibility – Du verstehst. Ist außerdem ein schöner Ausgleich zu Iron Man, MMA und der Vorbereitung meiner Sammelklage für die Indianer, Aborigines und Herero.

OB: MMA? Mann mit Aufmerksamkeitssucht?

Putzke: Mixed Martial Arts. (Boxt mit der blanken Faust gegen den Felsen, dass ein fußballgroßes Stück herausbricht.) Das geht alles über Ihren Horizont hinaus, Herr Oberbürgermeister.

OB (schlägt mit der Handkante gegen den Felsen, dass sich ein langer Riss bildet): Vorsicht, Bürscherl.

Putzke: Ich komme übrigens gerade aus der Innstadt. Ich bin über eine Stunde von der Polizei aufgehalten worden und durfte die Brücke nicht passieren. Wenn ich herausfinde, dass Sie da dahinterstecken, zeige ich Sie an. Nötigung, möglicherweise Freiheitsberaubung, weil es sich bei der Innstadt im Falle einer Brückensperrung faktisch um eine deutsche Exklave handelt.

Flisek: Jetzt lassts mich halt durch. So wichtig wie die da alle bin ich auch grad noch. Spitzen-Idee, Herr Putzke. Sie haben überhaupt viele gute Ideen zur Zeit. Das siebzehnmalige Nachtarocken im Skater-Streit – so was mögen die Leute, das bringt Stimmen. Wobei – das mit der Emerenz-Meier-Universität war jetzt Ihr Meisterstück als Kommunalpolitiker.

Steiner: Nur weil Ihr nie, wirklich nie, irgendwelche Ideen habt. Was wird hängenbleiben? Dass man diskutiert, dass die Passauer Uni nach einer Frau benannt wird. Und wer hat die Idee gehabt? Professor Holm Putzke. Ihr Kleingeister.

Putzke: Danke, Georg, man muss provozieren, sonst passiert nichts.

Flisek: Wie wärs denn mit Helene-Fischer-Universität? Die hat zwar auch nicht studiert, war aber immerhin mit einem Tiefenbacher zusammen. Oder wir nennen sie einfach Medizin-und-Medien-Universität. Self fulfilling prophecy – wenn zwei, drei Leute hier verstehen, was das heißt.

Putzke: Und was hat das jetzt mit meiner Frauennamenidee zu tun, wenn ich fragen darf?

Tausch (prustet): MUMU! Ich brech zamm, ist des geil.

Flisek: Dito.

Träger: Seids amal stad. Alle!

Alle schweigen und schauen Erika an.

Träger: Merkts Ihr was?

Alle schauen sich schweigend um.

OB: Der Verkehrsminister ist leider nicht da.

Träger: Des mein ich nicht.

Dittlmann: Ziemlich leise ist es. Und das mit dem Felsen hat sich wohl rumgesprochen, weil kein einziges Auto mehr herfährt.

Träger: Genau. Den Felsen schickt uns der Himmel. Lass man liegen.

Mangold: Von mir aus.

Koopmann: Gern.

OB: Also lass man liegen, den Felsen. Was meint der Herr Stadtbranddings?

Dittlmann: Welchen Felsen?

Alle ziehen lächelnd und schweigend von dannen.


Dienstag, 31. Dezember 2019

Liebe Leser!

Leider verzögert sich die Weihnachts-/Jahreswechselgeschichte wegen Erkrankung des Präsidenten noch ein wenig. Sollte er die Erkrankung überstehen, erscheint die Geschichte sicherlich in den nächsten Tagen.

Wir wünschen einen schönen Abend und ein gutes Neues Jahr!

Freitag, 27. Dezember 2019

Vielen Dank ...

... für die zahlreichen Besuche.

Die Weihnachtsgeschichte dauert noch ein bisschen – aber sie kommt.

Freitag, 20. Dezember 2019

Kolumne au dem aktuellen Bürgerblick

Aufaddiert und abgezogen

Lieber Tölpel!


Heute mal ein bisschen Mathematik. Wenn zu einer OB-Wahl zwei Kandidaten antreten, dann hat der mit den meisten Stimmen – wenn jetzt nicht gleich zehn Prozent ungültig wählen – normalerweise die absolute Mehrheit. Wenn es drei Kandidaten sind, müssen schon zwei gemeinsam unter 50 Prozent bleiben, damit es keine Stichwahl gibt. Frage: Wenn neun Kandidaten zu einer OB-Wahl antreten, senkt oder erhöht das die Wahrscheinlichkeit einer Stichwahl? Na gut, das ist so einfach, das kann sogar der durchschnittliche Bürgerblick-Leser beantworten.

Wenn jetzt Georg Steiner das Rosemariesche 2014-Ergebnis von 18,4 Prozent erreichen sollte (ruhig bleiben, Professor Steiner, geht nur um Mathematik), brauchen sieben Kandidaten gemeinsam noch 31,6 Prozent und zack – haben wir eine Stichwahl. Und weiter gesponnen: Wenn Urban Mangold sein damaliges Ergebnis von 8,98 Prozent um nur lächerliche zehn Prozent verbessert, stehen Dupper oder Steiner und Innerregierungs-Opposition Mangold in der Stichwahl. Geht man allerdings davon aus, dass die grüne OB-Kandidatin die 22 Prozent der bayerischen Grünen in der aktuellen Sonntagsfrage erreicht, ist sie in der Stichwahl.

Streng mathematisch betrachtet, kommt es also im März zu einer Stichwahl zwischen dieser jungen Grünen und Urban Mangold. Da kann ich jetzt gar nichts dafür, lieber Jürgen, lieber Georg, das war jetzt reinste Empirie. Obwohl – der Koopmann reißt doch auch locker 20 Prozent!? Dann würden ja vielleicht Dupper und Steiner nicht mal mehr aufs Stockerl kommen? Da solltet Ihr jetzt wirklich langsam mal mit dem Wahlkampf anfangen, statt Euch nachts am ZOB rumzutreiben oder einfach entspannt abzuwarten. Schaut auf Agent Orange! Der hat sich den Wahlspruch Urbi pro Orbi zu eigen gemacht und rettet die Stadt und den Erdkreis mit Anträgen.

Prognose?


Deine Kathi

Liebe Kathi!

Ich glaube nicht, dass es der Kapfer wird. Ich glaube gar nicht, dass es ein Mann wird. Und auch keine Grüne. Ich finde auch die Frage viel spannender, wer, wenn es der Jürgen doch noch mal schafft, seine Stellvertreter werden. Die Erika ist freilich als unser aller Bürgermeisterin der Herzen gesetzt. Und sonst? Den Mangold tut er sich sicher noch nicht einmal sechs Jahre lang an. Einen von der CSU? CSU: Putzke. Dupper: Alle außer Putzke. CSU: beleidigt. Irgendwie habe ich gerade ein Déjà-vu. Wenn der Steiner OB wird, braucht er gar keine zwei Stellvertreter – bei dem Elan, den der hat.

Mich treibt eigentlich was ganz Anderes um. Seit Jahrzehnten beobachte ich jetzt (aus Masochismus?) diese Kommunalwahlen und ich weiß jetzt schon, was ich in einem Jahr wieder schreiben werde. Wo, zum Teufel, sind die Wahlkampfthemen geblieben? Schublade, Schredder, Wiedervorlage? Ich erlaube mir, ein aktuelles Thema, beispielhaft für zig andere, zu benennen.

Bereits lange vor der letzten Wahl wurde darüber diskutiert, dass mehr bis alle Donauschiffe an Landstromanlagen angeschlossen werden sollen. Dann fragt ein Reporter des BR in einem Fernsehbeitrag von 2019 (sic!) den Passauer Wirtschaftsreferenten, ob denn die Nichtnutzung von Landstrom kontrolliert und sanktioniert wird, woraufhin der lächelnd mit den Schultern zuckt. Dann stellt unser Urban einen seiner berüchtigten Anträge, dass alle Schifferl versenkt, pardon, zu Jutetaschen recycelt werden müssen und es kommt zumindest heraus, dass zukünftig schärfere (sic!) Kontrollen durchgeführt werden sollen.

Was ist schärfer als null Kontrollen? Eine? Zwei? Drei? Pro Woche? Pro Jahr? Bis zur nächsten Wahl? Wie wird sanktioniert? Den Kapitän ausschimpfen? Den Kapitän über die Planke laufen lassen? Oder kontrollieren das die Parküberwacher und hängen ihm einen 15-Euro-Strafzettel ans Schiff?

Dein Tölpel

Samstag, 2. November 2019

Kolumne aus dem aktuellen Bürgerblick

Aufgestellt und abserviert

Lieber Tölpel!

Hui, war das eine Aufregung im Lebensschützer-Mikrokosmos. Die PNP hat nämlich einen echten Skandal aufgedeckt. Eine Frau hat einen Termin für eine Abtreibung, sagt ihn in letzter Sekunde ab und weigert sich aber, das dem Arzt wegen der Kurzfristigkeit wohl zustehende Ausfallhonorar zu bezahlen, woraufhin dieser klagt. So weit, so unspektakulär. Man kann aber auch eine reißerische Story draus machen, in der zwischen den Zeilen irgendwie subtil insinuiert wird, dass der Arzt unzufrieden damit ist, dass er das Kind nicht abtreiben darf und deshalb klagt. Die Perfidie endet hier noch nicht. Natürlich weiß man bei der Heimatzeitung, dass das für ihre selbstgerechte und moralistische Leserschaft ein gefundenes Fressen ist und so nehmen die Dinge ihren Lauf.

Unzählige Leserbriefe werden abgedruckt – wie zu erwarten: Empörung, Entsetzen, „ja wo leben wir denn?“, großteils Themaverfehlungen, die mit der Sache nichts zu tun haben. Wie kann so ein Halbteufel in Weiß eine wieder auf den rechten Pfad Gekommene nur verklagen? Schlimm, pfui, ich heul gleich. Der eigentliche Skandal ist aber ganz ein anderer. Dass Frauen im letzten Zipfel der Republik zwischen Tschechien und Oberösterreich, die abtreiben wollen, auf einen einzigen Arzt angewiesen sind, der eigentlich schon längst im Ruhestand wäre, wenn er nicht gebraucht werden würde. Sonst macht‘s nämlich keiner – auch nicht unsere zukünftige Uniklinik.

Gibt’s da eigentlich niemanden im Stadtrat, der das Thema mal wieder aufgreift? Das wäre doch wirklich was für die Grünen, eigentlich sogar ein ur-grünes Thema. Mein Bauch gehört mir, Selbstbestimmung der Frau, usw. usf. Wenn jetzt dann nächstes Jahr diese vielen jungen Weltretter in den Stadtrat einziehen, könnten sie sich ja freundlicherweise nicht nur der Verhinderung des Weltuntergangs, sondern auch solch trivialen Stadtthemen widmen.

Deine Kathi


Liebe Kathi!

Die Grünen haben ja jetzt wider Erwarten einx Volljährigx zux OB-Kandidatx nominiert. Der Synek Charly musste ihnen wahrscheinlich stundenlang erklären, dass ein drohender Weltuntergang nicht das Wahlrecht außer Kraft setzt und 14-Jährige einfach nicht OB werden können. In sechs Jahren vielleicht, wenn der Notstand sicherlich schon lange gilt. Dann ist der Charly aber vielleicht gar nicht mehr dabei und muss nicht in der Sitzungspause seine Fraktionskollegen wickeln. Dieser Junge von den Grünen hat übrigens gesagt, dass sie lauter spitzenmäßige Kandidierende haben. Und was sind die dann, wenn sie gewählt werden? Stadtratende?

Hurra, Freddy ist wieder da! Dr. Frederik Weinert, der uns schon vor vielen Jahren so viel Wahlkampf-Freude gemacht hat, plant eine eigene Stadtratsliste. Der Buchautor, Digitalexperte und Vortragsredner plant eine „konservative Liste mit den Schwerpunkten Christlichkeit, Werte und Soziales.“ Das ist ja schon mal ein Alleinstellungsmerkmal! Außerdem ist das Multitalent tierlieb und will ein Wirtshaus in Schalding. Freddy, toi toi toi!

Hab ich wen vergessen? Ah, die SPD und die CSU z.B. Die SPD beteiligt sich nicht an irgendwelchen Abwerbeversuchen und ist rundweg zufrieden mit ihrer noch zu präsentierenden Liste. Da ist dann der Oberjürgen drauf – und die Anderen halt. Bei der CSU läuft‘s – sagen wir mal – noch nicht ganz rund. Prussian Pitbull Putzke (PPP) muss aufpassen, dass er sich politisch nicht bald im Partizip Perfekt Passiv (PPP) von „sein“ befindet. Die „Am Sonntag“ schreibt etwas von einer „brutalen Wahl-Watschn für Steiner“, aber das bringen halt Revolutionen mit sich: dass nicht alle begeistert sind von der Liste. Sehen wir es doch positiv: Feindliche Übernahme der Passauer CSU – einstweilen – geglückt.

Dass mir übrigens, wenn es um Holm Putzke geht, immer diese Spitzenwortspiele einfallen? Inspirierend, der Mann.

Dein Tölpel

Mittwoch, 3. Juli 2019

Ähm

Ich muss das erstmal verarbeiten, bis ich zu allem was schreiben kann.

prä

Samstag, 20. April 2019

Believe and pray

Ich habe mir die Mühe gemacht, die gestrige Online-Publikation des Passauer Bischofs von vorne bis hinten durchzulesen.

Abgesehen davon, dass der Text vom Aufbau her, sprachlich und inhaltlich vollkommen verschwurbelt, konfus und quälend redundant ist (wie immer), möchte ich versuchen, einzelne mir halbwegs verständliche Behauptungen zu kommentieren.

Da verteidigt ein noch nicht so alter Mann, der die Welt nicht versteht, weil er sich schon vor langem in seine Scheuklappen-Religiosität hinein geflüchtet hat, einen ziemlich alten Mann, der die Welt noch nie verstanden hat, weil er noch nie in der richtigen Welt gelebt hat. Der eine glaubt, dass "Believe and Pray" die Menschen besser macht. Womöglich glaubt er es wirklich. Der andere stellt Behauptungen auf, die man wohlwollend als seinem Alter geschuldet wahrnehmen könnte, wüsste man nicht ganz genau, dass dem Austrags-Papst wohl bekannt ist, dass Übergriffe und Prügelorgien bei den Domspatzen und anderswo nicht von irgendwelchen 68ern begangen wurden. Notfalls könnte er seinen Mittäter-Bruder fragen.

Worum geht es also in Osters Karfreitags-Depesche? Möglicherweise wäre der Text verständlicher, wenn man irgendetwas Pseudowissenschaftliches wie Theologie oder Parapsychologie studiert hätte – aber nicht einmal da bin ich mir sicher. 


Zitat Oster: "Macht, Sex und Geld sind zu allen Zeiten die großen und bleibenden Herausforderungen des Menschen gewesen und das Evangelium ist in allen diesen Punkten sehr klar und sehr ausdrücklich: diejenigen, die an Jesus glauben, sind herausgefordert und eingeladen Ihm zu folgen in der Absage an eine Macht, die andere beherrschen will, in der Absage an ein Besitzen, das hinderlich ist für den Eintritt in das Reich Gottes, und in der Einladung die Kraft und Schönheit von Sexualität dort zu leben, wo sie der Liebe und dem (neuen) Leben dient und nicht, wo sie sich zuerst von egozentrischer Triebhaftigkeit bestimmen lässt." Abgesehen davon, dass kein Mensch, der nicht in Osters, sondern in der richtigen Welt lebt, versteht, in welchen Fällen Oster Sexualität für schön hält und wann egozentrische Triebhaftigkeit beginnt, verstehe ich ihn so, dass Macht, Sex und Geld ein Problem darstellen. Dann, Bischof Oster, schaffen Sie sofort die Katholische Kirche samt Vatikan, Papst, Kardinälen, Glaubenskongregation etc. ab und fangen noch einmal bei Null nach Christus an. Macht, Sex und Geld waren seit jeher tragende Säulen Ihres Vereins – neben Sklaverei, Folter, Völkermord usw.

Oster schreibt weiter: "Der Märtyrer glaubt: „Es gibt eine Wahrheit, die größer und tiefer ist als ich selbst. Und sie ist da. An ihr misst sich mein Leben und mein Verhalten. Für diese Wahrheit allein kann ich leben – und sterben!“ Genau das hat sich Anis Amri wohl gedacht, als er den Sattelzug in den Weihnachtsmarkt gelenkt hat. 

Was ich aus Osters verschwurbeltem Text aber tatsächlich herauslesen kann, ist seine sektiererische, immer wieder vorgetragene Behauptung, der Mensch kann Gut und Böse nicht unterscheiden, wenn er nicht an Gott glaubt. Nein, er kann es noch nicht einmal dann, wenn er die dauerhafte Anwesenheit Gottes nicht erkennt. Das ist nicht nur eine Beleidigung aller Menschen, die diesen Religionsquatsch überwunden haben, sondern eigentlich bereits Hassrede – Hate Speech.

Dass diese Behauptung vollkommener Unsinn ist – um das zu sehen, braucht es keinen theologischen oder sonstigen Diskurs. In der Welt, in der ich lebe, begingen und begehen Menschen Terroranschläge, Morde, Völkermorde und alles Böse, was man sich vorstellen kann, obwohl sie an die dauernde Anwesenheit eines Gottes glauben und ganz oft auch, WEIL sie an ihren Gott glauben – und das sind nicht nur Islamisten. 

Vielleicht ist es ja anders herum – wer immer nur an irgendetwas glaubt ohne nachzudenken, verliert das Urteilsvermögen dafür, was gut und was böse ist. 

Frohe Ostern!

Freitag, 8. März 2019

Heute in einem Passauer Lebensmittelmarkt

Durchsage: "Liebe Kundinnen, heute ist Weltfrauentag. Aus diesem Grund erhalten Sie das Netz Speisekartoffeln für 1,99 statt für 2,49."

Genialer kann man die Situation nicht auf den Punkt bringen.