Montag, 3. August 2020

Das Corona-Sommerloch

Man kann ja über unsere kleine Stadt denken, was man will – ich fühle mich hier jedenfalls sehr sicher. Durfte ich doch kürzlich der Heimatzeitung entnehmen, dass der Polizei bei einer Großaktion gegen Drogenkriminalität ein großer Coup gelungen ist: 113 Gramm Marihuana wurden sichergestellt. Sauber! Ein paar Tage später berichtete die PNP über eine Frau, die die Polizei gerufen hat, weil aus der Nachbarwohnung eindeutig der Geruch eines Joints wahrzunehmen war. Respekt! Und da heißt es immer, die Leute kümmern sich nicht mehr umeinander. Zivilcourage kann so einfach sein. Mit einem kleinen Anruf hat die Frau ihren Nachbarn vor dem sicheren Drogentod bewahrt.

Ja, das Sommerloch kann für Journalisten grausam sein. Dabei gäbe es schon Themen. Warum baut die Stadt aktionistisch irgendwelche potemkinschen Fahrradstreifen, die nach ein paar Metern plötzlich wieder im Nichts enden? Warum glaubt auf einmal (fast) jeder, ein Medizincampus/eine medizinische Fakultät/eine Uniklinik wäre eine selbsterfüllende Prophezeiung, wenn die PNP nur oft genug darüber berichtet, während sich (fast) kein Mensch dafür interessiert, wo Frauen aus der Region einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen können?

Und warum, liebe Lokalredakteure, fragt eigentlich keiner genauer nach, was es jetzt mit dieser möglicherweise missbräuchlichen Verwendung von Fraktionsgeldern auf sich hat? Weil es vielleicht doch irgendwie ein bisschen peinlich ist, wenn man sich von täglich aus der Zeitung grinsenden Politikern Wein schenken lässt? Das ist zwar schwach, aber nachvollziehbar. Aber eine Frage hat in dem Zusammenhang noch gar keiner gestellt: Wo ist Mangold?

Warum hört man von der ÖDP oder den Grünen, die sonst schnell mal überall Hochverrat wittern, in der Causa "kreative Fraktionskassenführung" so überhaupt gar nichts? Komisch, oder? Die passen doch sonst immer auf, dass alles sauber läuft – also zumindest bei den Anderen. Es drängt sich auf jeden Fall der Eindruck auf, dass man das Thema gerne unter den Tisch fallen lassen möchte. Warum nur? Ich bedanke mich im Voraus für Antworten.

Der Spiegel titelt übrigens heute online "Politik diskutiert über Einschränkung der Versammlungsfreiheit", nachdem in Berlin an die 20.000 Menschen ohne Einhaltung des Mindestabstands gegen Corona-Beschränkungen demonstriert haben. Politiker der SPD und der Union, wie auch CSU-Chef Markus Söder zeigten sich empört. Wenigstens hat in Berlin die Polizei "konsequent durchgegriffen" (Bundesjustizministerin Lambrecht). Bei uns muss die Polizei leider Kiffer fangen und Journalisten von Corona-Demos vertreiben. 





Donnerstag, 2. Juli 2020

Aktuelle Kolumne aus dem Bürgerblick Juli/August

Aufgehetzt und angelogen                     

Lieber Tölpel!

„In Deutschland gilt derjenige, der auf den Schmutz hinweist, als viel gefährlicher als derjenige, der den Schmutz macht.“ (Kurt Tucholsky) „Ich lasse mir doch meine schöne Hetzschrift nicht von der Wahrheit kaputt machen.“ (Journalist, der anonym bleiben möchte) Des Öfteren habe ich mich schon gefragt, ob man einer „Zeitung“, der schon die Totenglocken läuten, weil jetzt bald die letzten Anzeigenkunden merken werden, dass kaum jemand Lust hat, das Ding aus Plastiktüten zu fischen, überhaupt noch viel Aufmerksamkeit widmen muss. Online lesen sie ja auch nur die, die drinstehen oder einen kennen, der drinsteht.

Man könnte jetzt den billigen Witz machen und fragen, wie viele Weinflaschen es wohl gekostet hat, einen solchen von Komplexen, Hass und Aggression triefenden Artikel zu bezahlen, der überdies noch eine einzige gewollte Falschdarstellung ist. Allerdings weiß ja ohnehin jeder interessierte und informierte Passauer, dass – wenn auf der einen Seite der Weinlieferant Freund Bürgermeister und auf der anderen Seite der leibhaftige Teufel steht – der „Journalist“ solcherlei freiwillig und aus eigenem Antrieb liefert. Man muss ihn nur mit Infos füttern und schon schäumt er.

Das einzig Lustige an dem „Artikel“ ist übrigens, dass derjenige, der mit Steuergeldern bezahlte Weingeschenke an Journalisten verteilt hat, zum Opfer stilisiert wird und diejenigen, die jetzt darauf hinweisen, dass diese Vorgehensweise vielleicht nicht ganz korrekt war, die Bösen sind. Dafür gibt’s viele schöne Begriffe: Nebenkriegsschauplatz, Whataboutism und was weiß ich noch. Nebenbei erwähnt: Hätte nicht irgendein Journalisten-Freund die interne Stellungnahme des Strafrechtlers an den Journalisten gegeben, hätte auch niemand erfahren, dass der Kreisvorsitzende dem Bürgermeister angeblich in den Rücken fällt. Also wer will hier wen demontieren?

Deine Kathi


Liebe Kathi!

So genau lesen das die Leute aber nicht – leider. Wie vielen Lesern ist wohl aufgefallen, dass im Artikel steht, es handle sich bei den von Dickl verteilten Wohltaten um „Weinflaschen im unteren Preissegment (ab 7,40 Euro)“? Hä? Was? Wie bitte? Was soll uns das sagen? „AB 7,40 Euro“? „BIS wie viel Euro“ wäre interessant. Ist das ein Versehen oder verarscht der seine Leser? Dann behauptet der Verfasser des Artikels noch frech, dass sich die halbe Stadt über die Angelegenheit kaputtlacht und insinuiert damit, dass es doch zum Lachen ist, wenn sich jemand darüber aufregt, dass ein Politiker nach Gutdünken Steuergelder verschenkt. Ein solches Verhalten sei nämlich bayerische „Leben-und-leben-lassen-Kultur“. Das hat Strauß auch so gesehen – ist aber schon ein paar Jahre her.

Aber jetzt mal zum Wesentlichen: Der Kreisvorsitzende hat seine Stellungnahme erst abgegeben, nachdem er von den Freunden explizit dazu aufgefordert wurde. Diese entscheidende Information verschweigt der Journalist aber tunlichst, weil das würde ja seinen schönen Hinrichtungskommentar konterkarieren. Noch ein Gedanke (aber nur für die, die bis drei zählen können): Was soll denn ein um eine Stellungnahme gebetener Strafrechtler antworten? Dass das alles in bester Ordnung war, weil man das bei der CSU immer schon so gemacht hat? Dass man einen Bürgermeister nicht anonym anzeigt und wenn wir die Sau finden, dann schlachten wir sie? So was in der Art?

Man kann dem sonntäglichen Kommentarschreiber, der sich so sicher fühlt, dass er zum wiederholten Male nicht vor Desinformation und Regionalrassismus zurückschreckt, nur sein eigenes Zitat zurufen: „Andere hätten wohl klammheimlich mit Schamesröte im Gesicht die Stadt verlassen.“ Bloß hat er es in einer anderen Stadt ja schon einmal versucht – da haben sie ihn aber leider nicht gebraucht.

Dein Tölpel


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Der Verfasser ist Betreiber des Internet-Blogs Wahlinfo-Passau.
www.wahlinfo-passau.de








Fegefeuer oder Hölle?

Freitag, 19. Juni 2020

Standpunkt

Der Ruf des Herzens

Der Präsident (inspiriert von Karl Birkenseer)

Ich habe so viele Warum-Fragen.

Warum spricht ein PNP-Redakteur auf der Titelseite den Austragspapst heilig, weil er seinen kranken Bruder besucht? Warum schreibt er von Nestwärme, Barmherzigkeit und Gott im Herzen – nur weil jemand seinen kranken Bruder besucht? Was passiert da im Kopf, wenn man sich einen solchen Kommentar ausdenkt? Er besucht seinen kranken Bruder übrigens auch, um zu erfahren, ob bei den Domspatzen alles gut läuft – schreibt Birkenseer. "Sag amal, Schorschi, wer verdrischt denn jetzt die ganzen Hundskrüppel, wenn Du nimmer kannst? Ego te absolvo a peccatis tuis in nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti. Amen."

Warum muss eigentlich die Polizei eine Radlerin und Spaziergänger beruhigen, nachdem sie bei ebendieser anrufen, weil sie ja wohl offensichtlich beunruhigt sind, wenn sie an einem Hanffeld vorbeigehen oder -fahren? Was beunruhigt an einem Hanffeld? Hat man Angst, dass man da im Vorbeigehen rauschgiftabhängig wird? Weil diese Rauschgiftviren möglicherweise den Mund-Nasenschutz durchdringen? Es ist ja auch bewiesen, dass man krebskrank wird, wenn man an einem Mobilfunkmasten vorbeigeht. Vorsichtshalber mal die Polizei rufen, schadet jedenfalls nie.

Warum kriegst Du eigentlich einen fußballspielenden, ministrierenden Senegalesen nicht mehr los? Genau – weil für den nämlich seine CSU-Freunde (sic!) demonstrieren. Also in dem Fall wars ein Afghane – machts aber nicht einfacher. Der hat sogar noch beim CSU-Wahlkampf mitgeholfen, wobei der ja wiederum nicht zu großem Erfolg geführt hat. Vielleicht könnten sich ja die verfeindeten CSU-Lager drauf einigen, dass der Taufik am Wahlergebnis schuld war? Dann haben wir einen Sündenbock, schieben ihn ab und alle haben sich wieder lieb.

Warum stellt eigentlich in der Causa Dickl keiner die richtigen Fragen? Abgesehen davon, dass man anonyme Strafanzeigen nicht unbedingt gut finden muss, war Dickls Umgang mit Fraktionsgeldern schon ziemlich sportlich. Aber noch mal: Warum stellt keiner die entscheidenden Fragen? Zum Beispiel: Warum glaubt ein Fraktionsvorsitzender, es wäre in diesem Jahrtausend immer noch völlig okay, Journalisten zu beschenken? Und warum – das beunruhigt mich jetzt mal – lassen sich Journalisten von Politikern beschenken? Ja, wo leben wir denn? Außerdem – der Birkenseer schreibt jetzt schon so krudes Zeug. Dem muss man nicht noch Alkohol schenken. Statt einem vierten Bürgermeister sollte sich die Stadt mal einen Compliance Manager leisten, der dem Dickl gelegentlich erklärt, dass nicht alles "geboten und erlaubt" ist, was er für "geboten und erlaubt" hält. Der glaubt wahrscheinlich noch, dass das jeder so macht. Was ich wirklich gerne wissen würde – wer hat nach der konstituierenden Stadtratssitzung alles Wein bekommen? Warum weiß ich selbst.



Donnerstag, 28. Mai 2020

Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte

Hallo, PNP! "... spalten sich die Meinungen"? Muss man jeden Irren als relevanten Meinungsäußerer wertschätzen? Bitte unten die FB-Kommentare lesen, wenn der Gestörte sie noch nicht gelöscht hat.

pnp.de

Passau
Bierzelt-Sexismus? Beim "Donaulied" spalten sich die Meinungen


Petition gegen Bierzelt-Hit findet Befürworter, provoziert aber auch Gegenwind in den Sozialen Medien

Eine Petition gegen das "Donaulied" hatte Corinna Schütz gestartet, um das Lied auf Volksfesten verbieten zu lassen (PNP berichtete). Ein "Vergewaltigungslied" sei es, weshalb es nicht mehr auf der Passauer Dult gespielt werden solle – deshalb schrieb ihre Gruppe sogar an Oberbürgermeister Jürgen Dupper. Ihr Ziel: Auf Sexismus im Bierzelt aufmerksam machen. Das gelang ihr auch: Sie erreichte viele Unterstützer, bekam aber ebenso Gegenwind – vor allem auf Social Media. Unter anderem von Walter Kandlbinder, Betreiber der Arena Hundsdorf, auf Facebook: Er macht in einem Post auf seinem öffentlichen Profil seinem Unmut Luft. Unter dem Post kam es zu Kommentaren, die Schütz mitunter persönlich angreifen. Auch der stellvertretende Passauer Landrat Hans Koller (CSU) hat Kandlbinders Post kommentiert.

Über 600 Befürworter hat die Online-Petition gegen das "Donaulied", die noch keine zwei Wochen läuft. Ein Zuspruch, über den sich Schütz freut. Auch unter Kandlbinders kritischen Facebook-Post gab es Zustimmung zur Aktion: "Das Lied ist so Affenkacke, dass ich die Petition unterschreiben würde. Da brauchst’ 7 Maß und 14 Jäger, damit’s den Kaas aushoitst", schreibt ein Nutzer. (Anm. d. Red.: Facebook-Kommentare sind im Original wiedergegeben und können orthografische Fehler beinhalten.)

Doch auch die Abneigung gegenüber Schütz’ Idee ließ nicht lange auf sich warten. "Plötzlich, weil momentan Sexismus und Feminismus trendy sind, sich über Lieder aufzuregen, die drei Minuten eines Abends einnehmen, und eine Vergewaltigung zu kritisieren, an die keiner auf der Bierbank denkt, ist lächerlich", schreibt PNP-Leserin Marie Groß aus Hutthurm in ihrem Leserbrief. "Wenn man ein solches Lied für problematisch hält, kann man kurzzeitig das Bierzelt verlassen oder die Ohropax auspacken, oder am besten mit etwas Alkohol die eigene Stimmung wieder heben", findet sie.

Arena-Chef Kandlbinder kritisiert im Post auf seiner persönlichen Facebook-Seite: "Wirte kämpfen grod ums überlem und a Studentin kimmt mit so an ‚sch.....‘ daher." Seine Aussagen sorgten für eine Diskussion in der Kommentarspalte, einige wenden sich persönlichen gegen Corinna Schütz. "Walter des Lied ist geistreich, aber de Drutschn eha ned", schreibt ein Nutzer. Ein anderer: "Brutal wos fia a Zeug rumlaft bei uns. Und a solche wird vielleicht a no wos in Bayern wenns fertig is mitm Master oder mitm Bachelor. I wünsch neamt wos schlechts aber der wünsch i daß später Kaugummi verkaufen muas in der Tankstelle. Vielleicht soi de aber erstmoi mit Ihren interlektuellen Freunden a Demo gegen die Niederbayerische Kultur organisieren und durch die Fuzo rennen. Vorausgesetzt der Hr. Corona hod eana s Hirn net scho zamgfressn." Unter einem Kommentar sah sich Kandlbinder dann sogar veranlasst, darauf hinzuweisen, bitte keine Beleidigungen zu posten.

"Einige Kommentare gingen gegen mich als Person und als Studentin", sagt Corinna Schütz, die grundsätzlich für den Austausch von Meinungen ist, auf Nachfrage der PNP. "Ich weiß nicht, was das in der Diskussion zu suchen hat. Inhaltlich kann man gerne diskutieren." Die Aussagen von Walter Kandlbinder habe sie indes nicht persönlich genommen: "Der Post an sich war nicht beleidigend. Dadurch habe ich mich nicht angegriffen gefühlt." Ohnehin richte sich ihr Anliegen nicht gegen Gastwirte, sondern an die Öffentlichkeit und die Politik.

Mit ordentlich Widerstand habe sie schon im Vorfeld gerechnet, sagt Schütz. Nach den diffamierenden Facebook-Posts habe sie aber trotzdem darüber nachgedacht, ob es klug ist, weiterzukämpfen. Auch ihren Mitstreitern habe sie gesagt, dass keiner weitermachen muss, wenn er nicht will. Letzten Endes habe sie aber entschieden: "Deswegen werde ich jetzt nicht leiser werden." Das Schreiben an Dupper – der sich noch nicht dazu geäußert habe – sei bereits beim Dult-Beauftragten der Stadt. Als nächsten Schritt wolle sie allen Stadträten und den Festzelt-Bands schreiben.

Geäußert hat sich hingegen der stellvertretende Passauer Landrat Hans Koller – und zwar ebenfalls als Kommentator von Kandlbinders Post: "Sehr guter Kommentar Walter ... Die Dame ist eine Aktivistin bei den Grünen – mehr sog i ned." Dies wiederum hatte Kollers ehemaligen Kreistagskollegen, den Grünen-MdL Toni Schuberl, veranlasst, an ihn einen Brief zu schreiben: "Wenn Du Dich schon im Rahmen eines solchen Shitstorms äußerst, dann erwarte ich entsprechend Deiner Stellung als stellvertretender Landrat und damit zumindest in politischen Angelegenheiten auch offizieller Repräsentant des Landkreises Passau, dass Du solche Ausfälle zurückweist und Du seriös und sachlich argumentierst", so Schuberl, der fragte, wie er Kollers Kommentar verstehen müsse.

"Mir gefällt das Lied auch nicht", sagt Koller, der den Song nicht verteidigen wolle, auf PNP-Anfrage. Im Angesicht der Corona-Krise gebe es jedoch wichtigeres, als sich um derartige Lieder zu kümmern, meint er. Das Thema Sexismus habe durchaus Relevanz, allerdings müsse man sich eher darum kümmern, wie leicht Menschen an gewaltverherrlichende und pornografische Seiten im Internet kommen. "Das fördert Gewalttaten eher als ein Bierzeltlied", sagt Koller. Kandlbinders Post habe er "als Freund und Nachbar kommentiert" und sich nicht als Funktionär geäußert. "Das muss man sich in Zukunft besser überlegen", gibt er zu. Zwar stehe er zu seiner Meinung, von den Beleidigungen in den Nachbar-Kommentaren distanziere er sich jedoch.

"Ich finde es schade, dass ein stellvertretender Landrat, der alle Bürger vertreten sollte, meine Anliegen nicht ernst genommen und mich als grüne Aktivistin abgestempelt hat", sagt Schütz, die sich durch Kollers Post "unsachlich angefeindet" fühle. "Wir sind eine überparteiliche Aktion. Wir sprechen als 45-Mann-Gruppe."

Von der Aktion "im weitesten Sinne spontan angesprochen gefühlt" hatte sich Walter Kandlbinder, weil er auch Festwirt sei. "Ich würde es nicht mehr so derb schreiben", sagt er nun über seinen Post, der nicht gegen Schütz gerichtet gewesen sei. Bei seiner Kernaussage bleibe er aber: "Dupper hat andere Probleme, als dass er sich mit sowas befassen muss." Außerdem sei das Lied so "übertrieben und realitätsfremd", dass er sich nicht vorstellen könne, dass sich eine Frau davon sexuell belästigt fühlt. Von den 29 Kommentaren sind mittlerweile nur noch 17 zu finden.

https://www.pnp.de/lokales/stadt-und-landkreis-passau/passau-stadt/Bierzelt-Sexismus-Beim-Donaulied-spalten-sich-die-Meinungen-3693822.html

https://www.facebook.com/walter.kandlbinder

Dienstag, 26. Mai 2020

Rubrik: Leserbrief des Monats

Leserbrief PNP, Lokalteil Passau, 26.05.2020

Zum „Nachgefragt“ vom 23. Mai:

Nach über 30 Jahren Bierzeltkultur und sowieso aktuell nur noch geringer Vorrangigkeit von typisch bayrischen Liedern auf Volksfesten, finde ich, dass diese Kritik am Donaulied, ja sogar der Wunsch es abzuschaffen durch eine Petition, völlig übertrieben ist.

Die Musik in den Bierzelten hat sich ohnehin in den letzten Jahren von typischen Schlagern zu Disco-/Pop-Songs gewandt, zu denen man auf der Bierbank stehen soll und zwischen einer Maß und Käse mit Breze feiern. Die typischen Schlager wie der „Haberfeldtreiber“ und eben jenes „Donaulied“ werden auf der Passauer Dult ohnehin nur noch von hiesigen Bands gespielt, weil die Showbands, z.B. aus Oberbayern, den Dialekt nicht einmal aussprechen können und deshalb auf englische Partyhits aus dem Radio zurückgreifen müssen. Natürlich finde auch ich als aktive Volksfestbesucherin, dass eine gute Mischung aus alten und neuen Hits durchaus in Ordnung ist, aber jeder Niederbayer freut sich, wenn man auf der Bierbank steht und ein typischer Bierzeltsong, zu dem schon die Eltern gesungen haben, gespielt wird.

Plötzlich, weil momentan Sexismus und Feminismus trendy sind, sich über Lieder aufzuregen, die drei Minuten eines Abends einnehmen, und eine Vergewaltigung zu kritisieren, an die keiner auf der Bierbank denkt, ist lächerlich. Wenn man ein solches Lied für problematisch hält, kann man kurzzeitig das Bierzelt verlassen oder die Ohropax auspacken, oder am besten mit etwas Alkohol die eigene Stimmung wieder heben. Außerdem kann ich einen Besuch auf einem anderen Volksfest außerhalb der Donauregion empfehlen oder in Zukunft einfach daheim zu bleiben.

Marie Groß, Hutthurm

Liedtext "Donaulied", häufige Variante

(1)
Einst ging ich am Strande der Donau entlang, ohooo olalala
Ein schlafendes Mädel am Ufer ich fand, ohooo olalala
Ein schlafendes Mädel am Ufer ich fand,
Ein schlafendes Mädel am Ufer ich fand.

(2)
Sie hatte die Beine weit von sich gestreckt.
Ihr schneeweißer Busen war halb nur bedeckt.

(3)
Ich machte mich über die Schlafende her.
Wir hörten das Rauschen der Donau nicht mehr.

(4)
Du schamloser Jüngling, was hast Du gemacht ?
Du hast mich im Schlafe zur Mutter gemacht !

(5)
Du elende Schlampe, was denkst Du von mir ?
Ich trage doch immer Pariser bei mir !

(6)
Ich steh auf der Brücke und schwenke den Hut.
Machs gut, alte Nutte, die Nummer war gut.

(7)
Hier hast Du zehn Pfennig und geh jetzt nach Haus.
und wasch Dir die Votze mit Schmierseife aus.

(8)
Jetzt hat sie zwölf Kinder und noch keinen Mann.
Und fängt g'rad die dreizehnte Schwangerschaft an.


Dienstag, 12. Mai 2020

Kolumne aus dem aktuellen Bürgerblick

Abgeschmiert und angekommen

Lieber Tölpel!

Hast Du Dich nicht auch schon immer gefragt, wie das Jahrzehnte funktioniert hat? Dass eine Stadt von der Größe Passaus mit einem Oberbürgermeister und nur zwei Stellvertretern auskommt? Bei dieser Vielzahl an 100. Geburtstagen, Feuerwehrfeiern und Spatenstichen – das muss ja eine geradezu unmenschliche Belastung sein. Psychisch und physisch – da leidet das Hirn und die Leber. Und Sitzungen gibt’s auch noch ab und zu: grausam! Deshalb wird auch jeder Bürger verstehen, dass man „die Aufgaben auf ein Schulterpaar mehr verteilen“ muss – so Markus Sturm. Also haben wir jetzt dann drei Stellvertreter.

Da werden aber andere vergleichbare Städte bald nachziehen müssen. Vom Passauer Modell wird man sprechen. München hat zum Beispiel nur zwei Stellvertreter, Hamburg einen, Berlin zwei. Allerdings hat New York immerhin fünf stellvertretende Bürgermeister – hallo? Sollte man da nicht die Frage stellen, ob wir nicht mindestens vier brauchen? Die Hundertjährigen werden jedenfalls immer mehr. Außerdem muss man die Sache ja auch einmal von der anderen – der wesentlich wichtigeren – Seite sehen. Wie kann man denn bitte als Stadtrat von 450 Euro monatlich und 20 Euro Sitzungsgeld leben? Aus humanitärer Sicht bräuchten wir mindestens sechs Bürgermeister – wenn‘s reicht.

Der Geschäftsverteilungsplan dürfte auch noch interessant werden. Der Rother macht alle wichtigen Veranstaltungen, die der OB nicht schafft, die Erika macht alle wichtigen Veranstaltungen, die der Rother nicht schafft und der Dickl kriegt die Hundertjährigen und den Stiftungsausschuss. Da kann er sich jetzt sechs Jahre lang durchprofilieren. Kleiner Tipp: Überlegt Euch doch beizeiten, wer dann schuld ist, wenn die CSU 2026 nur noch sieben Sitze hat. Baut Euch frühzeitig einen Watschenmann auf.

Deine Kathi


Liebe Kathi!

Ich stelle mir das so vor. Dupper zu Sturm: „Wir haben folgende Ausgangssituation – wir haben zwei Aspiranten, die wollen unbedingt Bürgermeister werden.“ Sturm: Die Erika ist ja ok, aber doch nicht der Dickl.“ Dupper: Doch, unbedingt.“ Sturm: „Warum soll der Dickl unbedingt Bürgermeister werden?“ Dupper: Erstens fressen die uns aus der Hand, wenn der Dickl Bürgermeister wird und zweitens setzen wir ihm den Rother vor die Nase und passen auf, dass er nichts anstellt.“ Sturm: „Dann muss nur noch die Buhmann Fraktionsvorsitzende werden.“ Dupper (schenkelklopfend): „Jetzt übertreib‘s mal nicht. Das ist ja kein Wunschkonzert.“ Großes Gelächter.

Die Chancenlosigkeit der CSU bei der OB-Wahl 2020 hat sich erst so richtig in den letzten Monaten vor der Wahl abgezeichnet, die Chancenlosigkeit der CSU bei der OB-Wahl 2026 zeichnet sich bereits jetzt ab. Sollte der Kandidat nicht mindestens Markus Söder heißen – keine Chance. Wenn man sich als Mehrheitsbeschaffer an einen übermächtigen SPD-Oberbürgermeister verkauft, dann landet man bald da, wo die SPD in der Großen Koalition im Bund gelandet ist.

Zum Schluss noch ein Witz. Dupper, Rother, Dickl und Träger sitzen in einem Flugzeug. Das Flugzeug hat einen Triebwerksausfall und trudelt nach unten. Leider stehen nur drei Fallschirme zur Verfügung. Dupper schnallt sich einen Fallschirm um, sagt: „Ich bin der Oberbürgermeister der schönsten Stadt der Welt, ich muss überleben“ und springt. Dickl schnappt sich den nächsten und ruft im Sprung: „Ich bin der beste Bürgermeister der Welt und zukünftiger OB. Ich muss überleben.“ Sagt Rother zu Träger: „Erika, ohne Dich geht in Passau nichts. Nimm Du den Fallschirm.“ Träger: „Nein, alles gut, wir haben noch zwei.“ Rother: „Wie? Zwei?“ Träger: „Na, der beste Bürgermeister der Welt ist gerade mit meinem Rucksack gesprungen.“

Dein Tölpel


Dienstag, 7. April 2020

Wissenschaftliche Sensation

Neue Studie der Passauer Polizei beweist: Ein mehrstündiger Aufenthalt auf Aussichtsbänken führt zu Corona-Infektionen.

Deshalb: Erstatten Sie bitte umgehend Anzeige gegen Parkbanksitzer bei der zuständigen Dienststelle oder dem Blockwart Ihres Vertrauens.

Samstag, 28. März 2020

Heute mal ohne Satire

Nachdem ja jetzt zum Einen die drei Hochbegabten von der AmSonntag beschlossen haben, Satire zu produzieren und der Präsident zum Anderen von vielen Lesern gebeten wurde, eine Wahlanalyse abzugeben, soll nun einmal so etwas in der Art versucht werden.

Was ist passiert? Vor einem halben Jahr hätte sich wohl kaum ein Passauer – der Oberbürgermeister und seine SPD eingeschlossen – vorstellen können, dass es im März ohne Stichwahl abgeht. Nicht wenige liebäugelten mit einem Wechsel und Steiner war nach der ursprünglichen Belustigungspersonalie Dickl ein immerhin ernstzunehmender Herausforderer. Steiner war entschlossen, geradezu enthusiastisch und entwickelte eine ziemliche Dynamik. Selbst Leute, die noch nie im Leben CSU gewählt haben, dachten mal kurz über Georg Steiner als Oberbürgermeister nach.

Wenige Monate später war Game over – und zwar nicht erst am 15. März, sondern schon einige Wochen vorher. Also – was ist passiert? Natürlich sollte man kurz erwähnen, dass OB Dupper so ziemlich alles richtig gemacht hat. Steiner und seine Sekundanten haben hingegen – sagen wir mal – nicht alles ganz richtig gemacht. Aber was wirklich alle – auch langjährige Politikbeobachter – brutal unterschätzt hatten, war die Bösartigkeit und die Macht der Parteifreunde und des Schmierenjournalismus. Insofern braucht man sich, will man das Wahlergebnis verstehen, nicht mit der SPD beschäftigen. ÖDP, Mangold – geschenkt, war klar. Für die Grünen gilt zur Zeit, was früher für die CSU galt: Hätten sie 44 Salatgurken aufgestellt, wären es auch nicht weniger Sitze geworden. Also sollte man sich mit der CSU beschäftigen.

Steiner hatte – wenn wir wieder an die anfänglich aufkeimende Wechselstimmung zurückdenken – kein gutes Ergebnis. Die CSU holte neun Sitze, drei weniger als vorher: ein ziemlich schlechtes Ergebnis – vorsichtig formuliert. Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die CSU bayernweit mit minus 5,4 % (in Passau minus 5,7 %) das schlechteste Kommunalwahlergebnis seit kurz nach dem Krieg hatte, die Passauer CSU allerdings 2014 vier Sitze (minus 7,8 %) verlor, während die CSU bayernweit nahezu keinen Verlust hatte. Somit ist der ungeschlagene Wahlverlierer in Prozentpunkten immer noch der damalige Kreisvorsitzende Waschler. Soviel mal zu den harten (sehr harten) Fakten.

Ich mache das jetzt mal wie die AmSonntag und behaupte ohne Namens- und Quellenangabe: Viele langjährige und eingeweihte Beobachter sind sich einig, dass diese Wahl wieder (ohne die Fehler von Steiner und Putzke unter den Tisch zu kehren) großteils von Waschler und seinen willigen, gedemütigten, auf Rache sinnenden Helferlein verloren wurde – und zwar mit System und voller Absicht. Das aktivste Wahlkampfteam für den amtierenden OB waren der Strippenzieher und Dickl and Friends. Steiner hat verloren, die CSU hat verloren, Waschler hat wieder einmal gewonnen und Dickl wahrscheinlich auch. Dem Scheuer ist das zwar alles ziemlich wurst, was in diesem Provinzkaff passiert, er unterschreibt aber vorsichtshalber mal einen Brief – weil eins kann er, der Andi: immer wissen, auf welcher Seite man gerade stehen muss.

So viel Obstruktion und Zerstörung schafft man allerdings nicht, wenn man nur im Haustürwahlkampf Stimmung gegen Steiner macht, da braucht man schon noch die Medien dazu. Und die waren nicht nur willig, die waren richtig heiß. Also zumindest die drei Wortakrobaten, die jetzt im sechswöchigen Corona-Zwangsurlaub mit Dartpfeilen auf Putzke-Fotos werfen. Da war kein Mittel zu schmutzig, kein Thema zu primitiv und keine Ehrverletzung zu abstoßend. Tenor: Der hinterlistige Zuagroaste hat bei uns nichts verloren. Nur für die Chronik: Solche Sachen haben die echt geschrieben. Selbst nach der Wahl konnte man sich das Nachtreten nicht verkneifen und bildunterschriftete: "So sehen Verlierer aus." Wer über ein solch ethisches Grundgerüst verfügt, scheut sich auch nicht, Hetzleserbriefe mit Fake-Namen (Ja, Du, Samuel) zu veröffentlichen. Hinrichtungsjournalismus at its best.

So war das also. Und kaum ist das Ganze mit der neuen CSU vorbei, scharren schon die von der ganz neuen CSU mit den Hufen. Ein Hybrid aus Gewerkschafter und CSUler, ein politisch Diverser also, namens Zwacklmann, der bis dato nur durch Peinlichkeiten auffiel, erklärt heute in der PNP allen die Welt. Aufgepasst, Dickl, der positioniert sich. Kreisvorsitzender von irgendeiner Sekte ist er auch schon. Zwacklmann, geh Du voran.








Sonntag, 15. März 2020

Newsticker zur Kommunalwahl in Passau

Achtung! Der Newsticker aktualisiert sich nicht automatisch. Bitte aktualisieren Sie über Ihren Browser.

20.52 Uhr

Hiermit verabschieden wir uns von unseren Lesern. Das ist uns zu langweilig. Küsschen.

20.25 Uhr

Interessant: Die beiden Kandidaten, die am häufigsten durchgestrichen wurden, haben gemeinsam dreimal den Buchstaben "O" im Nachnamen. Mehr Informationen sind aus Gründen des Wahlgeheimnisses nicht erlaubt.

20.03 Uhr

Dupper bleibt Oberbürgermeister in Passau. Mangold hat sich im Weinkeller eingeschlossen.

18.46 Uhr

Mangold wird Oberbürgermeister. Söder verhängt Ausgangssperre für Passau.

17.47 Uhr

Die ersten Auswertungen der von der CSU-Altstadt entwendeten Stimmzettel liegen vor. Bemerkenswert ist zunächst, dass selbst erfahrene Kommunalpolitiker am komplizierten Wahlsystem scheitern.

So hat ein amtierender Stadtrat ungültig gewählt, weil  er sich selbst 44 Stimmen gegeben, bei zwei Kandidaten seiner eigenen Liste in Druckbuchstaben Schimpfworte notiert und den Stimmzettel mit Vor- und Zunamen sowie der Bezeichnung "Bürgermeisteranwärter" unterschrieben hat.

17.37 Uhr

Wir begrüßen Sie aus dem Wahlstudio von Wahlinfo-Passau. Im Moment ist es in der Innenstadt von Passau ziemlich ruhig. Es laufen lediglich ein paar Untote herum und fressen Spaziergänger.






+++ Eilmeldung +++ Eilmeldung +++ Eilmeldung

Exklusive Einblicke und Ergebnisse demnächst auf Wahlinfo-Passau

(Passau) Nachdem uns von der "WhatsApp-Gruppe CSU-Altstadt" die von ihr heute Nacht aus dem Rathaus entwendeten Briefwahl-Stimmzettel zugespielt wurden, wird Wahlinfo-Passau im Laufe des Abends exklusiv Hochrechnungen und Ergebnisse veröffentlichen. Der Präsident hat mittlerweile natürlich alle gestohlenen Stimmzettel wieder im Rathaus abgegeben.

Eine Warnung der Internet-Polizei:

Achtung! Eine gefährliche Betrügerorganisation versucht als Trittbrettfahrer von der Berühmtheit des Präsidenten zu profitieren. Sie nennt sich wahl.info. Meiden Sie unbedingt diese Website. Es handelt sich um Phishing. Man will Ihren Verstand und Ihre Seele stehlen.


Wahlinfo-Passau erklärt: Wie geht Humor? Teil 2

Heute: Satire

Definition: Kunstgattung (Literatur, Karikatur, Film), die durch Übertreibung, Ironie und [beißenden] Spott an Personen, Ereignissen Kritik übt, sie der Lächerlichkeit preisgibt, Zustände anprangert, mit scharfem Witz geißelt.

Bekannte Publikationen: Simplicissimus, Titanic, AmSonntag

Beispiel (Eberle, AS): "Verkehrs"-Experte, ha ha ha, (Sex-)Tourismus, ha ha ha, Pipi Kacka, ha ha ha! Huren! Huren! Ha ha ha! Ficken! Ficken! Zuagroaster!!! Bruahaha!!!