Dienstag, 2. Februar 2010

Hingeschleimt und durchgepfiffen

Lieber Tölpel!

Nicht dass es wieder heißt, wir würden nur an allem herummäkeln, muss ich folgendermaßen beginnen: Ich fahre in Passau wirklich sehr selten mit dem Bus, weil es einfach nicht geht. Die Bustakte sind nur für Rentner mit ganz viel Zeit geeignet; vierzig Minuten am Werktag oder eineinhalb Stunden am Sonntag sind eigentlich fast kafkaesk und für ein Oberzentrum, in dem man alles tut, um die Radfahrer auch noch zu vergraulen, absolut lächerlich. Der Präsident hat schon recht, wenn er sagt, dass man in Passau als Kraftfahrer einfach alle Verkehrsregeln missachten muss, um gegen diesen Irrsinn zu protestieren. Aber ich schweife ab und mäkle schon wieder, wo ich doch zunächst loben wollte. Also: Die zwei-, dreimal, die ich im letzten Jahr mit dem Bus gefahren bin, durfte ich mit einem Busfahrer (trägt einen Bart um den Mund) erleben, der nicht nur freundlich war, sondern derartig freundlich, höflich und Gute-Laune-verbreitend, dass man ihn sofort als Trainer für einige andere Busfahrer einsetzen sollte. Manche SWP-Busfahrer müssten nämlich zunächst einmal die Grundzüge menschlichen Verhaltens nach der Steinzeit lernen und im zweiten oder dritten Aufbauseminar dann langsam mit Begriffen wie Dienstleistung oder Kundenorientierung anfangen. Dass manche Fahrer aus Boshaftigkeit Schulkinder einfach stehen lassen, statt die Tür noch einmal zu öffnen, darüber habe ich schon früher einmal berichtet. Nun wurde mir zugetragen, dass kürzlich ein Fahrer eine Oberstufenschülerin nicht mitnehmen wollte, weil er auf ihren Geldschein nicht herausgeben konnte. Und es war kein Hundert-Euro-Schein. Noch besser finde ich aber (auch erst vor kurzem), dass ein anderer Fahrer (oder der gleiche - ich weiß es nicht) einen bereits erwachsenen Schüler nicht mitfahren lassen wollte, weil er den Preis für eine Einzelfahrkarte mit Zehn- und Zwanzig-Cent-Stücken bezahlen wollte. Erste Verwarnung, liebe Stadtwerke! Wir schauen uns Euer Fahrpersonal ab sofort ganz genau an. Und lasst Euch gesagt sein: Uns berichten viele Passauer.

War ja klar, dass sich unsere Fakes in der PNP, flankiert von weiteren Redakteuren, wieder bei den Eishockey-Fans einschleimen würden und zwar - wie so oft - in völliger Missachtung jeglicher Realität. Jetzt müsste auf einmal die Event den Black Hawks 15.000 Euro stunden oder noch besser schenken. Kleingeistig wäre das sonst. Gehts noch? Abgesehen davon, dass der Verein, der offensichtlich nicht wirtschaften kann und zuviel Geld für Personal ausgibt, sowieso seit längerer Zeit von der Stadt und den Medien massiv bevorzugt wurde, verzögert das Stunden der Forderung - wenn man konzeptionell nicht rigoros umstellt - die Zahlungsunfähigkeit nur ein wenig. Dann sind sie halt nicht jetzt, sondern später pleite. Ich glaube nicht, dass es die Aufgabe der ziemlich finanzschwachen Stadt Passau ist, den Profisport zu subventionieren, während bei vielen anderen (Amateur-)Sportvereinen erbärmliche Zustände herrschen. Das System stimmt halt nicht. Wenn in der Was-weiß-ich-wievielten Liga bei den Fußballern oder eben auch bei den Eishacklern schon munter Profis eingekauft werden, dann werden noch viele Vereine pleite gehen. Vielleicht hört dieser Wahnsinn dann irgendwann wieder auf.

Was mir allerdings kurz den Atem stocken ließ, war der Vorschlag Deines PNP-Imitators, man solle doch den Sport-Ehrenbrief an den Hawks-Chef Eder oder (setz Dich hin!) den Frickinger verleihen. Also nichts gegen den Eder; der ist mir wurscht. Aber muss denn wirklich jeder mit schwerer Profilneurose jetzt auch noch geehrt werden? Warum nicht den Kulturellen Ehrenbrief für Gugg-Bessi oder Chrissi della Prolo? Gutes Stichwort: Bessi und Prolo machen schon wieder Tschärity. Der eine will seinen CD-Müll entsorgen, den keiner kauft und verschenkt ihn jetzt an Leute, die für Haiti spenden und Bessi macht schon wieder eine Gala. Jetzt mal sine ira et studio: Wenn Bessi gerne Galas macht, bei denen die meisten Leute einen Betrag spenden, den sie sonst für eine halbe Flasche Wein im Restaurant ausgeben und sich dabei als gute gute Menschen fühlen wollen - meinetwegen. Wenn aber dieser Gesangsterrorist sich auch noch als guter Mensch präsentieren kann, weil er an Menschen, die ohne ihn auch spenden würden, seinen Müll verschenken will (mal sehen, wieviele CD's er los wird), dann widert mich das langsam dermaßen an und ich frage mich, wie sich Herr Prolo die Journaille wohl gefügig macht? Weil dass irgendwer den wirklich gut findet - das kanns ja wohl nicht sein.

In Neustift pfeifen übrigens die Züge. Ob das noch mehr stört als das Glockengeläut in Hals? Was meinst Du, echtester aller Tölpel?

Deine Kathi

Liebe Kathi!

Ich bin mir da nicht ganz sicher. Früher haben doch auch Züge gepfiffen und Glocken geläutet und Hähne gekräht und sogar ab und zu Autos gehupt. Heute zeigen mir Passanten auf der Straße den Vogel, wenn ich an der Ampel hupe, nachdem mein Vordermann nach fünf Sekunden grün immer noch nicht gefahren ist. Weil mein Hupen stört sie wahrscheinlich. Dafür rennen Millionen Menschen den ganzen Tag mit Ohrstöpseln oder Kopfhörern herum und haben zuhause den ganzen Tag den Fernseher laufen. Oder hören Schlagermusik. Oder fallen auf Schlagerstarattrappen herein. Oder sehen vielleicht er oder er (*) [siehe unten] aus wie Schlagerstars? Schluss. Ist ja auch egal.

Ich habe mir übrigens heute, am Dienstag, den halbseitigen Artikel über den Passauer Countertenor Fritz Spengler in der SZ durchgelesen, nachdem der PNP-Tölpel geschrieben hatte, am Montag wäre in der Süddeutschen ein ganzseitiger Artikel über seinen Zögling (???) Fritzi Spengler. Ich weiß nicht, warum Fritz Spengler, den der Fake-Tölpel Fritzi nennt, auch noch sein Zögling sein soll und ich will es auch gar nicht wissen. Interessant fand ich den Artikel über den etwas schrulligen jungen Passauer allemal und ich kann mir gut vorstellen, dass Fritz Spengler es gar nicht sonderlich cool findet, wenn die PNP so vertraulich über ihn schreibt.

Das Wort "cool" darf man übrigens überhaupt nicht benutzen, weil es nämlich von Jugendlichen als total uncool empfunden wird. Trendige Jugendliche sagen Sätze wie „Ey, Bro, kann ich mir mal ’nen Tabakriegel schlauchen?“, wenn sie ein Zigarette wollen. Das meint zumindest eine Katharina Ellmayer, PNP-Redakteurin im Landkreisteil. Im Vertrauen, Frau Ellmayer: Ich glaube, dass Jugendliche, die wirklich cool sind, Leute, die Sätze wie den obigen sagen, extrem endpeinlich finden. Und wissen Sie, was sie noch endpeinlicher finden? Redakteure, die dem Volk weismachen wollen, dass Jugendliche so albern sprechen müssen, um cool zu sein. Gecheckt?

Mir fällt nichts mehr ein, außer vielleicht, dass jetzt die schlimmste aller Jahreszeiten kommt, nämlich der Fasching. Wer noch Argumente sucht, warum es besser ist, an manchen Tagen in den nächsten Wochen das Haus nicht zu verlassen, findet sie hier. Weil fürs Lustigsein gibts immer noch uns - hier bei Wahlinfo-Passau.

Helau!

Dein Tölpel



(*) Nachdem pnp.de nicht in der Lage ist, für stabile Links zu sorgen, hier ein Screenshot des Artikels.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Endlich schreibt einer mal die Wahrheit über die Black-Hawks!

Danke!

Anonym hat gesagt…

Im Rheinland ist der Karneval gar nicht schlimm, da wird Tag und Nacht gefeiert - und zwar richtig.

Bei uns heißt Fasching, sich albern anzumalen, einen blöden Hut aufzusetzen und gaaanzz toll zu sein, obwohl man sonst immer nur einen Stock im Arsch hat. Auch in der Innstadt.

Ein Faschingsverein in Bayern ist ungefähr so wie ein Bierbrauer- und Lederhosenverein mit goaßlschnalzen und jodeln in einer Dortmunder Zechensiedlung.

Anonym hat gesagt…

Interessant, was man hier alles lernt. Der Mann von Michelle heißt Josef Shitawey.

Fritzi-Fanclub hat gesagt…

Ich habe den Artikel über Fritzi Spengler schon gestern, Montag, in der Online-Ausgabe der Süddeutschen gelesen. Also hat der PNP-Tölpel doch RECHT gehabt. Übrigens hat die Anna Kistner, die Autorin des Artikels, in Passau Kulturwirtschaft studiert.

Anonym hat gesagt…

Danke für den Kommentar in Sachen Profisport. Ich warte noch immer auf das erste Passauer Medium, das kompetent und mutig genug ist, um die Unsinnssummen zu veröffentlichen, die im unterklassigen Sport verdient werden. Wer schreibt endlich, wie viel die Schaldinger Fußballer (neben dem vermittelten Job) noch verdienen? Sponsoren, die solchen Fußballern ein Trainingslager im Ausland finanzieren, sollten eigentlich entmündigt werden. Oder ein Blick zwei Fußball-Ligen tiefer: Ein Vereinsfunktionär hat mir versichert, dass K. als Spielertrainer eines Bezirksligisten (wenn ich richtig zähle ist das 6. oder 7. Liga) im Monat über 1500 Euro erhalten hat. Der Zuschauerschnitt dieses Vereins liegt bei 150 Zuschauern. Kann das wahr sein? Kann solchen Wahnsinn niemand stoppen?
Und Eishockey: Dieser Sport zieht nun einmal chronisch Überkandidelte an, die irrwitzig-instabile Strukturen schaffen. Das fängt bei deutschen Meistern an (München - Maddogs, Hedos, EHC und andere Traurigkeiten) und setzt sich bei allen Traditionsvereinen (Riessersee, Tölz...) fort. Rasches Auf, dann der K.O. Passau erlebt einen solchen Turnus eben mit etwas Verspätung - wie so vieles. Der lange Kater nach einem kurzen, aber heftigen Eishockey-Besäufnis ist aber überall gleich.

Schneekönig hat gesagt…

Schade, dass es hier keinen Smiley gibt, der klatscht... Nieder mit dem überbezahlten Profisport! Es lebe der kleine Dorfverein

Anonym hat gesagt…

Ey, Bro, damit du auch mal was checkst: Die zitierte PNP-Redakteurin Katharina Ellmayer ist gar keine - guckst du hier: http://www.institut-journalisten.de/ ---> Stipendiaten
Und sie ist auch nicht im Landkreis Passau, sondern macht aus den Deggendorfer Jugendlichen solche Vollhorste/Korken. ;-)
Apropos Korken: Habt ihr übrigens schon gemerkt, dass der Klotzek wieder da ist?

Anonym hat gesagt…

im Kommentar über die Black Hawks (Accipitridae) wurde meines Erachtens ja ganz vergessen, dass nach dem Aufstieg in die Oberliga in der Eisarena , oh Verzeihung, ICEGATE !!! Umbauten für eine Summe von 400.000 € investiert wurden. Eine zusätzliche Zuschauertribüne und ein VIP-Bereich.

Die Zuschauerzahlen haben sich nach dem Oberligaaufstieg halbiert, nachdem sich die Eintrittspreise fast verdoppelt haben. Der Vip-Bereich ist jetzt nachdem die Sponsoren abspringen auch fürs Licht. Mit dem Kiosk, den vorher die Event beim Eishockey UND beim Publikumslauf betrieben hat, wollten sich die Habichte auch noch eine goldene Nase verdienen. Nur muss man halt wirtschaften können und auch daran denken, dass es sich wie bei den Steuerzahlern verhält, die Masse das Geld bringt. Die Eintrittskarte um zwei Euronen billiger und man hätte wieder 2000 Zuschauer wie in der Bayernliga .... und den Kiosk auch im normalen Eislauf- u. Eisstockbetrieb öffnen.
Aber jetzt ist nun mal neben den Habichten auch die berühmte Kuh auf dem Eis. Die werden sie bestimmt nicht wieder runter bekommen.

Insider

Breitensport hat gesagt…

Danke für den Artikel zu den schwarzen Adlern. Haben die regionalen Medien hier eine stille Beteiligung gezeichnet, oder warum müssen die so realitätsfern pro Hawks argumentieren?
Sport ist wichtig. Ihn zu fördern auch. Aber den Breitensport. Dieser Irrsinn eine Veranstaltung als Sport zu bezeichnen wo (keine Ahnung)10 Leute auf dem Eis Sport machen und 1.000 saufen, Wurstsemmeln fressen und grölen.
Thanks Mr. President for the Agendasetting!

Anonym hat gesagt…

"Dieser Irrsinn eine Veranstaltung als Sport zu bezeichnen wo (keine Ahnung)10 Leute auf dem Eis Sport machen und 1.000 saufen, Wurstsemmeln fressen und grölen."

Also wie die Dult und der politische Aschermittwoch.

Breitensport hat gesagt…

Kann man so sehen. Da behauptet aber auch niemand, dass das Sport sei.

Anonym hat gesagt…

Spitzensport via Sponsoren hat in Passau doch Tradition. Zwei kleine Beispiele:
Volleyball - Deutscher Pokalsieder - und dann?
Schachclub Passau: Eine Mannschaft in der Ersten, eine in der Zweiten Bundesliga. Und jetzt?
In beiden Fällen tendierte der Anteil der Spieler aus der Region am Ende gegen Null, der Schachclub Passau ist inzwischen nur mehr eine Spielvereinigung für 16 Leute, die in zwei Mannschaften irgendwo spielen, ein Clubleben gibt es nicht mehr, Nachwuchsarbeit ... Wie es mit dem Volleyballclub aussieht, kann ich nicht sagen.
Jetzt ist es halt Eishockey. Vielleicht im nächsten Jahrzehnt Curling?