Sonntag, 8. November 2009

Aufgemacht und angezettelt

Lieber Tölpel!

Passau ist ein weißer Fleck auf der Landkarte. Und zwar auf der Seite 8 der heutigen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Dort wird farblich dargestellt, welche Wahlkreise einen SPD-Angeordneten im Bundestag haben und welche eben nicht. Außerdem wird mit verschiedenenfarbigen Punkten die Parteizugehörigkeit der deutschen Oberbürgermeister illustriert - allerdings nur bei den Städten über 100.000 Einwohner. So kommt es, dass Passau auf der FAS-Landkarte nicht vorkommt - wie im übrigen massig bayerische Wahlkreise. Irgendwie ist das ja schon betrüblich. Es kann doch nicht sein, dass die große Volkspartei auf absehbare Zeit überhaupt keine Rolle mehr spielt. Wenn ich aber darüber nachdenke, wer in vier Jahren hier bei uns für die SPD zum Bundestag kandidieren soll, dann fällt mir beim besten Willen gar niemand ein. Und wenn ich mir die Fotos in der FAS von Gabriel, Nahles und Ypsilanti anschaue, dann habe ich überdies große Sorge, dass das deutschlandweit bald wieder was Vernünftiges wird.

Apropos vernünftig. Die PNP hat eine neue Gesundheitsexpertin. Sie heißt Laura Lugbauer und schreibt, dass man sich unbedingt gegen die Schweinegrippe impfen lassen sollte. Ich weiß nicht, ob das wirklich klug ist oder eher nicht. Ich habe zu BSE-Zeiten T-Bone-Steaks gegessen, zu Vogelgrippezeiten Geflügel verspeist und jetzt verhalte ich mich auch nicht anders als sonst. Dass es offensichtlich eine ganze Menge Leute gibt, die derzeit mit Erkältung ins Krankenhaus laufen oder nach Österreich fahren, um sich impfen zu lassen, liegt meiner Meinung nach eher an der von den Medien (auch der PNP) geschürten Hysterie. Irgendwas muss man ja schreiben - und wenn es nur darum geht, dass im November ein paar Passauer Husten und Fieber haben.

Im Beitrag darunter diskutieren die Kommentatoren, ob Karl Lagerfeld für seinen Auftritt in Passau Geld bekommen hat oder nicht. Eigentlich kommt es darauf doch gar nicht in erster Linie an. Unstrittig ist ja wohl, dass der ganze alberne MiE-Zirkus einen Haufen Geld kostet. Grundsätzlich auch noch egal - schließlich kann jeder mit seinem Geld machen, was er will. Wenn aber ein Zeitungsverlag aus Kostengründen einen Großteil seiner journalistischen Arbeit von Praktikanten erledigen lässt, bzw. seine Passauer Stammzeitung immer mehr boulevardisiert und sich gleichzeitig aus Eitelkeit und Geltungsbedürfnis die Groteske leistet, durchaus auch A-Prominente nach Passau zu karren, dann darf man schon einmal kritisch nachfragen, was denn das mittelfristige Ziel der Verlegerfamilie ist: Mit Nachhaltigkeit eine vernünftige Zeitung zu betreiben oder sich selbst ein Denkmal zu setzen? Kennt noch jeder den Generaldirektor Haffenloher aus Kir Royal? Der kam auch aus der Provinz.

Auch eine komische Geschichte, die außerdem treffend den Horizont der PNP-Lokalredaktion beschreibt: Der neue Staatssekretär Max Stadler spricht sich in einem Interview im Lokalteil dafür aus, die Ladenöffnungszeiten den Kommunen zu überlassen. Nicht mehr und nicht weniger. In der gleichen Ausgabe wird natürlich dieser Vorstoß sofort vom Interviewer persönlich kommentiert - und das in klassischer Phobiker-Manier: Die Großen werden die Kleinen noch schneller fressen. Doch damit nicht genug. Gleich am nächsten Tag druckt die PNP einen Leserbrief ab, in dem sich auf 215 x 175 mm der Verfasser in typisch deutscher Verzagtheit über die verheerenden Auswirkungen von liberalisierten Ladenöffnungszeiten auslassen darf. Liebe Lokalredaktion! Spart Euch bei solchen knapp halbseitigen Leserbriefen doch wenigstens den Satz am Ende: "Leserbriefe sind Äußerungen der jeweiligen Verfasser und müssen mit der Meinung der Redaktion nicht übereinstimmen."

Was meinst Du, klügster Tölpel Ostbayerns?

Deine Kathi

Liebe Kathi!

Na ja, ich glaube schon, dass die Einlassungen vom Stadler Max darauf hindeuten, dass er selbst gegen längere Öffnungszeiten grundsätzlich nichts einzuwenden hat. Den ganzen Bedenkenträgern, die wieder einmal Angst haben, dass die Großen die Kleinen fressen, kann ich nur entgegenhalten: Schaut Euch doch mal um auf der Welt! Wie ist es denn in Hongkong oder in New York? Wer hat da spätabends noch geöffnet? Die großen oder die ganz kleinen Geschäfte? Eben! Wenn ich in den genannten Weltstädten nachts um drei eine Dose Bohnen kaufen will, dann kriege ich die im Mini-Laden, aber nicht im Riesen-Supermarkt. Eine völlige Abschaffung von Ladenschlusszeiten bewirkt lediglich, dass ein paar nischenorientierte Jungunternehmer den Tankstellen (da krieg ich übrigens meine Dose Bohnen heute schon um drei) bei uns Konkurrenz machen - und das ist jetzt auch nicht die ganz große Katastrophe.

Die AmSonntag tut heute mal wieder so, als wäre die Finanzsituation der Stadt Passau was ganz was Neues. 2010 dramatisch, 2011 apokalyptisch. Ich darf mit einem gewissen Selbstbewusstsein daran erinnern, dass wir hier auf Wahlinfo-Passau bereits am 06.10.2009 darauf hingewiesen haben, dass die Gewerbesteuereinnahmen brutalst einbrechen werden. Macht Euch nichts draus! Die exklusivsten und schnellsten Informationen laufen immer noch hier ein.

Habt Ihr diese Kolumne thematisch etwas zu unspektakulär gefunden, liebe Leser? Ok, verstehe ich. Aber Ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass ich etwas über das Kreuz-Urteil des Europäischen Gerichtshofs schreibe? Dass man mir meine Fensterscheiben einwirft oder wieder mal die dänischen Botschaften brennen... Ach, das mit den Botschaften waren die anderen Spinner? Sei es drum. Aber die Geschichte lehrt uns ja folgendes: Man kann Weltkriege anfangen und Genozide betreiben. Interessiert keine Sau. Aber wenn man Kreuze abhängt, dann kommt die ganz große Zivilcourage. Respekt!

Allahu Akbar

Dein Tölpel

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Jella Teuchner

Fabrizius hat gesagt…

Liebe Kathi, lieber Tölpel,

die SPD Passau (Stadt und Land) muss neue Gesichter präsentieren. Es gibt ein paar Wenige, die in 4 Jahren Verantwortung übernehmen können. Momentan hapert es daran, dass diese Köpfe noch keine Gesichter haben. Ich denke an den neuen Kreisvorsitzenden Andreas Winterer aus Ortenburg. Noch ist er ein unbeschriebenes Blatt, aber das wird sich ändern.
Die Bundes SPD mit ihrer designierten neuen Spitze wird viel Zeit mit Aufräumen verbringen, das wird länger dauern. Ein Leichtgewicht wie Pronold kann da plötzlich ein paar Stufen in der Parteihierarchie nach oben purzeln. Ein grässlicher Gedanke.
Für Kreuze in Klassenzimmern ist Pronold ja auch Meinungsträger. Da hilft nur ein Stoßgebet: "Herr verschone uns von dem Übel."

Die Diskussion über Ladenöffnungszeiten (warum ausgerechnet Bohnen?) und die Praktikanten bei der PNP sind belanglos. Wir brauchen die Lokalredaktion alleine schon um zu wissen was im Kleintierzuchtverein in Sonnen so alles läuft. Genau so sehen das die Gartenbauvereine und die Trachtenvereine. Omnipräsent sind die Feuerwehren und die Sportvereine. Eine Lokalredaktion lebt nun mal davon, Praktikant hin oder her.
Die Statements der Passauer Stadträte lese ich immer gerne, sie sind erfrischend und immer ein wenig skurril. Und erst die Leserbriefe, eine wahre Fundgrube für Kolumnisten.
Bleibt noch die Schweinegrippe, in meinen Augen eine gigantische PR-Maschine der Pharmalobby.

wahlinfo-passau hat gesagt…

Warum ausgerechnet keine Bohnen? Sind sehr nahrhaft.

Anonym hat gesagt…

Heute geifern sie auch schon wieder in den Leserbriefen, die Taliban. Auch ein schönes Beispiel für tendenziöse Meinungsmache durch die Redaktion. Fast nur frömmelnde Spinner werden abgedruckt.

Anonym hat gesagt…

Kann es sein, dass die Kathi im Bezug auf den Herrn Stadler nicht ganz neutral ist? Wes Brot ich ess ...
Der Maxl kommt ja ansonsten wirklich dermaßen gut weg in der PNP, dass es kaum noch feierlich ist. Da dürfte ein klein bisschen kratzen am Sympathischster-Nettester-Kompetentester-Anerkanntester-Politiker-Den-Wo-Wir-In-Passau-Haben-Denkmal wohl doch erlaubt sein.

wahlinfo-passau hat gesagt…

Wir waren hier überhaupt noch nie neutral. Aber man kann ja im Bezug auf Ladenöffnungszeiten zufälligerweise einer Meinung sein, gell...

Anonym hat gesagt…

genau! so eine voreingenommenheit ist nämlich -mit verlaub- zum kotzen. egal, auf welcher seite man steht ...

wahlinfo-passau hat gesagt…

Voreingenommen wiederum waren wir hier überhaupt noch nie. Recte faciendo neminem timebis.

Anonym hat gesagt…

...war der leitspruch des dr. kapfinger. man sieht, was daraus geworden ist.

wahlinfo-passau hat gesagt…

Außerdem ist der Wahlkampf vorbei. Dann schreiben wir halt nächstes Mal wieder einen SPDler in den Bundestag und alles ist wieder gut.

Anonym hat gesagt…

Wenn man sich so anschaut, mit was uns die FDP in den kommenden Jahren noch so beglücken will (wird?), sind verlängerte Ladenöffnungszeiten vielleicht wirklich das geringere Übel ...

Anonym hat gesagt…

...heute vor zwanzig Jahren wurden zunächst mal die Maueröffnungszeiten verlängert.

Anonym hat gesagt…

Was Tankstellen verkaufen dürfen bzw. daß der kleine Eckladen macht was er will, ist kein Argument für die Regelung der Öffnungszeiten an sich. Die Öffnungszeiten haben sich sukzessive immer mehr verlängert. Dabei geben die "Großen" den Takt vor, das ist so. Wer sich darüber scheinheilig beschwert, muß sich fragen, wer die Ansiedlung in einer durchaus entbehrlichen Stadtgalerie unbedingt wollte. Die ECE-Center sind die Öffnungszeiten-Treiber und gleichzeitig Totengräber des individualisierten Einzelhandels. Aber wenn liberale Politik in der Realität zu Monokultur durch Kapitalüberlegenheit führt, der Effekt also weniger statt mehr Angebot und Wettbewerb ist, muß das liberale Konzept wohl irgendwie doch noch verfeinert werden.

Anonym hat gesagt…

there are some who say, that communism is the system of the future

Anonym hat gesagt…

www.nachdenkseiten.de

JFS hat gesagt…

there are many who say, that communism is a rießn großer scheißdreck

Anonym hat gesagt…

...let them come to berlin!