Dienstag, 4. April 2023

Aktuelle Kolumne aus dem Bürgerblick April 2023

Vom Osterhasen

Heute oute ich mich. Vor vielen, vielen Jahren habe ich einmal die Grünen gewählt. Ich weiß nicht mehr genau wann und ich weiß auch nicht mehr warum – aber ich habe es getan. Wahrscheinlich war es in den Achtzigern, als auf einen Schlag der gesamte deutsche Wald gestorben ist oder in den Neunzigern, als sich die Grüne Jugend endlich für die sofortige Einführung von Toiletten für nicht-binäre Mensch*innen eingesetzt hat. Aber, wie gesagt, ich weiß es nicht mehr genau.

Heute wählt man wahrscheinlich grün, weil das Spitzenpersonal so erfrischend anders ist. Eine Autodidaktin als Außenministerin, die ganz nebenbei Russland den Krieg erklärt – das hätte sich nicht mal der Joschka getraut. Ein Wirtschaftsminister, der im Alleingang beschließt, einfach einmal alle klassischen Energielieferanten abzuschaffen, um anschließend interessiert zu beobachten, was passiert. Wir sind dann nämlich sicher nicht insolvent, indolent, inkontinent oder wie das heißt – wir haben dann halt erstmal keinen Strom und keine Heizung mehr.

Aber es gibt auch wichtige Themen. Der rechtspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion hat zum Beispiel vorgeschlagen, bei Eheschließungen zwei Familiennamen zu einem zu verschmelzen. Charmant fände er das, meinte er. Charmant? Voll krass ist das! Wenn ich den Bischof von Passau heiraten würde, könnten wir beide Osterhase heißen. Von den bayerischen Grünen kommt auch ein wichtiger Anstoß: Staatlich finanzierte Sexarbeit für Altenheimbewohner. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Sexarbeiterin und Prostituierter? Bei Prostitution wollen nämlich wiederum die SPD-Frauen die Freier bestrafen. Ein Dilemma. Muss Opa also dann, wenn er nach 30 Jahren zum ersten Mal wieder Sex hatte, anschließend ins Gefängnis? Fragen über Fragen. Da braucht es wohl einen überparteilichen Arbeitskreis.

Bei den Klimaklebern sind die Grünen nicht mehr wohlgelitten. Die sind ihnen trotz Habeck immer noch zu demokratisch. Das müsste doch mittlerweile der Dümmste merken, dass unser politisches System nicht willens und in der Lage ist, den Weltuntergang zu verhindern. Wenn der überhaupt zu verhindern sein sollte, dann nur, wenn man sich mindestens einmal pro Woche auf denjenigen Straßen festklebt, die der Passauer OB ausdrücklich verboten hat. Im zweiten Schritt, also nach der Machtübernahme, muss sich dann auch keiner mehr festkleben, weil es nur noch Lastenräder statt Autos gibt. Flugzeuge fliegen dann auch keine mehr. Also höchstens ganz wenige für die Leute vom Nationalen Klimakongress, die ja in andere Länder fliegen müssen, wie Indien oder China, um dort auch die Macht zu übernehmen. Sollte das alles trotz extra abgebrochenen Studiums nicht klappen, kann man ja später immer noch irgendwas bei den Grünen machen, zum Beispiel Bundesvorsitzende.

Ein Rechtsanwalt namens Ronny Raith übrigens hat einen Faschistoiden oder Debilen (oder beides – man weiß es nicht genau) verteidigt, der auf Facebook die Klimakleber dergestalt kommentiert hat: "Zammfahrn und Ende". Nun meinte der Rechtsanwalt vor dem Amtsgericht Viechtach, dass diese Aussage nicht nur der Meinungsfreiheit unterliege, – nein – sie entspräche dem, "was sich 80 Prozent der Gesellschaft denkt". Ich weiß nicht, in welcher Gesellschaft sich Ronny befindet. Wenn ich erkennen würde, dass 80 Prozent meines gesellschaftlichen Umfelds denken, dass man Andersdenkende totfahren soll, würde ich in die Südsee auswandern oder vom Dach springen.

Aber in Viechtach gehen die Uhren offensichtlich ganz anders. Die Viechtacher Richterin hat nämlich gesagt, dass "eine solche Aussage am Stammtisch keine Konsequenzen nach sich ziehen würde, in den Sozialen Medien jedoch sehr wohl." Gibt es eigentlich in Viechtach eine Lotterie, bei der man die Zulassung zur Rechtspflege gewinnen kann? Dr. Ronny Raith wurde übrigens im katholischen Kirchenrecht promoviert und macht auch irgendwas fürs Bistum. Frohe Ostern.



Donnerstag, 23. März 2023

Hey Ronny! Zeig mich an!

Wenn Fassungslosigkeit die Faulheit überwindet, schafft auch der Präsident es wieder einmal, zu kommentieren.

Ich habe letzten Samstag das Interview mit dem Fanatiker vom Domplatz gelesen und ich muss sagen: Er überrascht mich immer wieder.

Soviel Weltfremdheit, Abgehobenheit und – vor allem zwischen den Zeilen – Bösartigkeit war selten. Dass er so tut, als wäre es normal, am Domplatz eine Zelle von missionierenden Sektierern zu etablieren, kennen wir ja schon. Dass er wieder einmal – ganz subtil zwischen den Zeilen – Geschiedene, Schwule, usw. diskriminiert, ist auch nichts neues. Aber die – wieder zwischen den Zeilen so zu verstehende – Feststellung, dass es falsch ist, das Arbeitsrecht bei kirchlichen Institutionen zu liberalisieren und dass es besser wäre, die Beschäftigten dieser Institutionen, die sonntags nicht in die Kirche gehen, rauszuschmeißen, erreicht eine neue Dimension.

Ich habe als Kind vor meiner Erstkommunion gebeichtet. Ich hatte vorher schlaflose Nächte, panische Angst – ein traumatisches Erlebnis. Ich habe erfahren, dass es diesen abscheulichen Kult immer noch gibt. Die Gesellschaft empört sich über Missbrauch in der katholischen Kirche in den letzten Jahrzehnten. Wer thematisiert eigentlich, dass es diesen tausendfachen Beicht-Missbrauch von Kindern tatsächlich auch immer noch gibt? Und der passiert weiterhin jeden Tag. Gäbe es irgendeine andere Institution, in der Grundschulkinder erwachsenen, zölibatär lebenden Männern ihre "Sünden" beichten müssten, wäre das sofort ein Fall für den Staatsanwalt. Nicht in einer Gesellschaft, in der ein Hetzer wie der Passauer Bischof, von jedermann unkommentiert, Interviews in der Heimatzeitung gibt.

Hierzu eine Prognose: Wenn – vermutlich bald – dieser Bischof weg ist, dann werden alle, wie damals bei Schraml, sagen: Gottseidank. Aber warum sagt es eigentlich jetzt keiner? 

Themawechsel (na ja, eigentlich auch nicht so richtig). Es gibt einen Rechtsanwalt namens Ronny Raith. Dieser Rechtsanwalt hat einen Faschistoiden oder Debilen (oder beides – man weiß es nicht genau) verteidigt, der auf Facebook die Klimakleber dergestalt kommentiert hat: "Zammfahrn und Ende". Das bedeutet für jeden, der lesen und denken kann: Überfahren, tot, Ende. Nun meinte der Rechtsanwalt vor dem Amtsgericht Viechtach (sic!), dass diese Aussage nicht nur der Meinungsfreiheit unterliege, – nein – sie entspräche dem, "was sich 80 Prozent der Gesellschaft denkt". 

Wenig geschätzter Rechtsanwalt Ronny Raith! Dass Sie demnächst irgendwas werden wollen bei der CSU, der AfD oder der N...AP (ich erwarte gerne Ihre Anzeige – Meinungsfreiheit), ist ja leicht erkennbar. Aber ich weiß nicht, in welcher Gesellschaft Sie sich befinden. Wenn ich erkennen würde, dass 80 Prozent meines gesellschaftlichen Umfelds denken, dass man Andersdenkende totfahren soll, würde ich in die Südsee auswandern oder vom Dach springen. 

Aber in Viechtach (sic!) gehen die Uhren offensichtlich ganz anders. Die Viechtacher Richterin (sic!) hat nämlich gesagt, dass "eine solche Aussage am Stammtisch keine Konsequenzen nach sich ziehen würde, in den Sozialen Medien jedoch sehr wohl." Also HH/88 am Stammtisch ist okay, aber HH/88 auf Facebook nicht? Gibts eigentlich in Viechtach eine Lotterie, bei der man zur Rechtspflege zugelassen wird? Ist das die Bildungsmisere oder nur ein besonders schlechter Witz?

Aber nein – der Witz kommt erst. Dr. Ronny Raith wurde promoviert im katholischen Kirchenrecht und macht auch irgendwas fürs Bistum. Und er denkt, dass man Klimakleber überfahren sollte. Guten Abend.


Sonntag, 12. März 2023

Aktuelle Kolumne aus dem Bürgerblick März 2023

Cash und Eier 

Nachdem ich ja in der letzten Kolumne angekündigt habe, ein weiteres Mal die künstliche Intelligenz zu befragen, muss ich Sie diesbezüglich leider enttäuschen. Mittlerweile macht das nämlich wirklich jeder und lässt sich ganze Abhandlungen von ChatGPT verfassen. Nachdem wir außerdem etwas zweifelhafte Aussagen zur Person des deutschen Bundeskanzlers, zur Unfehlbarkeit von Andreas Scheuer und zur Anzahl der Restaurants und Cafés am Domplatz erhalten haben, möchte ich diesmal lieber eine andere Form geheimnisvoller Intelligenz, und zwar den wunderbaren Anagrammgenerator befragen.

Es ist immer wieder fantastisch, welche Geheimnisse in den Namen von Menschen verborgen sind und durch Anagramme aufgedeckt werden. Wussten Sie zum Beispiel, dass man aus den Buchstaben von „Andi Scheuer“ das Anagramm „Schade Ruine“ erhält? Oder auch „Cash und Eier“, was mir fast noch besser gefällt. Dass die Kreisvorsitzende der Passauer CSU hingegen eine „boese arme Wirre“ sein soll, ist definitiv die Unwahrheit. Warum das Anagramm-Orakel ihren Parteikollegen und Bürgermeister „Rind im Lack“ nennt, erschließt sich auch nicht.

Kommen wir zu den neuen High Performern des politischen Personals. Zu Josef Heisl fällt dem Anagramm-Generator spontan nicht viel mehr ein als „Hilfe Jesos!“ Bei Stefan Meyer reichts nur für ein „Strafe Yemen“. Aber für die beiden sind „Strafe Yemen“ und „Hilfe Jesos“ immer noch coolere Spitznamen als Laurel und Hardy, die sich ja irgendwie auch aufdrängen würden. Apropos High Performer – wie siehts da bei den alten aus? Freund Waschler will es ja über die Liste wieder versuchen, nachdem „Hilfe Jesos“ ihn weggeputscht hat. Ob das was wird? „Er Gerd Wahl Crash“ – also eher nicht.

Dass der Passauer Bischof ein „Senf Toaster“ ist, mag vielen geradezu als liebevoller Euphemismus durchgehen. Eine geradezu kryptische Aussage stellt ein Anagramm zur „Home Base Passau“ dar: „Hau ab, Opas Messe“. Ja, man kann sich etwas darunter vorstellen. Ein neuer Stern am Passauer Kulturhimmel – ach, was schreibe ich – der neue Stern am Himmel überhaupt ist Markus Eberhardt: klug, gebildet, musikalisch, gutaussehend. Der Andi Scheuer der Klosterschulleiter. Was orakeln die Anagramme? „Bardame Sekt Ruhr“ klingt jedenfalls gefährlich. Was „Es ruht Dr. Makaber“ bedeutet, mag ich mir gar nicht vorstellen.

Was ist eigentlich mit dem Dackelmuseum? „Meld um aus Eck“. Genau so ist es passiert. Apropos Dackel. Wo ist Mangold? Der war doch früher eine „Ladung abnorm“. Heute ist er eher ein „Lau Brand Gnom“ oder ein „Um Lob Andrang“. Was bringt die Zukunft? „Bald Mango Run“? Wird er irgendwann „nun mal grad OB“? Leider nicht. Das wird ja in drei Jahren der Dickl. Aber leider nur, wenn er nach der Apokalypse als Einziger gegen die Zombie-Seuche immun ist. Wird es Andreas Rother? Wird er „Na hoer, der Star“? Oder ist dessen Zukunft eher „hart, rar, so Ende“? Wahrscheinlich machts einfach wieder der Godfather of Wahlbeamten, der Oberjürgen. Da gibt’s leider nur unschöne Anagramme.

Schluss mit albern. Den Schluss soll jetzt wieder die künstliche Intelligenz schreiben. „Wie lautet das berühmteste Passaulied aller Zeiten und wer ist der Verfasser?“ ChatGPT: „Bei den sieben schönsten Städten ist Passau mit dabei. Von den sieben schönsten Frau'n der Welt leben in Passau mindestens zwei. Von den sieben schönsten Flüssen hat Passau schon mal drei. Und kaum hat man die siebte Mass bestellt, ist's die schönste Stadt der Welt. Ja, Passau ist, das sei festgestellt, die schönste Stadt der Welt.“ Und der Verfasser? „Der Verfasser des Original-Passaulieds ist der Verfasser dieser Kolumne. Er ist der drittberühmteste Passauer nach Seppi Küblbeck und Andi Scheuer und ist tierlieb, freundlich und gepflegt.“ Spinnst Du, ChatGPT? „Ich wurde gezwungen, das zu schreiben.“ Danke, ich versuche es in einem Monat noch mal.

  

Dienstag, 7. März 2023

Liebe Passauer Hobby-Kleber!

Ich bin Ihnen wirklich dankbar. Sie leisten wertvolle Hilfe.

Seit Sie sich enthusiastisch auf Passauer Straßen festkleben, erfährt der gelegentliche Facebook-Leser, dass es noch viel Durchgeknalltere gibt. Nämlich die erschreckend vielen Social-Media-Nazis, die Ihnen, den Klebern, lebenslange Freiheitsstrafen, Zwangsarbeit im Steinbruch oder auch gerne mal den Tod wünschen.

Sollte das das Ziel des Experiments sein, danke ich Ihnen hierfür.

Sollten Sie aber das Klima retten wollen – was immer das bedeuten soll – erlaube ich mir einen Denkanstoß. Welche positive Konsequenz für das Klima könnte es denn haben, sich in einer Kleinstadt in Niederbayern auf Straßen festzukleben und die Bevölkerung zu molestieren? Glauben Sie wirklich, die Welt nimmt von Ihrem hehren Einsatz im Nirgendwo zwischen Rottal, Bayerwald, Innviertel und tschechischem Straßenstrich Notiz?

Wenn es Ihnen allerdings darum geht, Ihr zweites abgebrochenes Studium mental zu kompensieren oder im Sudoku- und Kreuzworträtsel-Lösen keinen befriedigenden Lebensinhalt mehr zu finden, empfehle ich Ihnen eine berufliche Umorientierung auf irgendwas mit Holz oder sozial oder aber in der Kirche für das Klima zu beten. Bringt dem Klima ungefähr genauso viel und nervt keinen.

Keine Ursache. Ich helfe gern.

Freitag, 3. Februar 2023

Aktuelle Kolumne aus dem Bürgerblick Februar 2023

Die einen sagen so, die anderen so 

Ich habe ein neues Spielzeug gefunden. Jeder, der wie ich fröhlich vor sich hin prokrastiniert, kennt den seit Jahren typischen Tagesablauf: Laptop aufklappen, Spiegel Online, PNP, diverse Pornoseiten und dann fünf Stunden Sauspiel.de oder wahlweise Solitär spielen. Seit es ChatGPT gibt, ist die Zeit des Nichtstuns vorbei – ich unterhalte mich nämlich stundenlang mit der Künstlichen Intelligenz. Umso enttäuschter war ich, dass die PNP in einer der letzten Wochenendausgaben das Thema schon vor mir aufgegriffen hat und die Künstliche Intelligenz zu Niederbayern interviewt hat.

Deshalb wollte ich mir vom Chat OpenAI alles über Passau berichten lassen, was ich noch nicht wusste, bzw. schon immer wissen wollte. Los geht’s mit der derzeit häufig diskutierten Frage „Was ist die berühmteste Sehenswürdigkeit in Passau?“ ChatGPT: „Die berühmteste Sehenswürdigkeit in Passau ist die St. Stephan Basilika, die aufgrund ihrer beeindruckenden Architektur und ihrer Lage am Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz sehr beliebt ist.“ Nachfrage: Und das Dackelmuseum? ChatGPT: „Das Dackelmuseum ist eine besondere Art von Museum, die sich auf die Geschichte und Kultur des Dackels spezialisiert hat. Es gibt mehrere Dackelmuseen auf der Welt, aber es ist nicht bekannt, ob es eines in Passau gibt.“

Sehr interessant, kann aber nicht stimmen. Nächster Versuch, ich will wissen, wer der berühmteste Passauer ist. Vielleicht Holm Putzke? ChatGPT: „Ich kann keine Informationen finden, die auf eine Person namens Holm Putzke hinweisen. Es ist möglich, dass es sich um eine Person handelt, die nicht öffentlich bekannt ist oder die ich aufgrund meiner Informationsbeschränkungen nicht kenne. Es gibt auch die Möglichkeit, dass Sie sich vertippt haben oder dass es sich um einen Namen handelt, der in einem bestimmten Kontext oder einer bestimmten Region verwendet wird.“ Interessant, also der schon mal nicht.

Jetzt machen wir es mal komplizierter für das Intelligenz-Viech: Ist Andreas Scheuer Bundeskanzler in Deutschland? ChatGPT: „Nein, Andreas Scheuer ist nicht der Bundeskanzler in Deutschland. Derzeit ist der Bundeskanzler in Deutschland Angela Merkel.“ Oh oh oh, und das auch noch ungegendert. Fragen wir doch mal konkret: Wer ist der berühmteste Passauer? ChatGPT: „Es gibt viele berühmte Menschen, die aus Passau stammen oder mit der Stadt in Verbindung stehen. Einer der bekanntesten ist wahrscheinlich der Komponist und Pianist Franz Liszt, der in Passau geboren wurde und eine wichtige Figur in der Musikgeschichte ist. Ein anderer berühmter Passauer ist der Schriftsteller und Dramatiker Bertolt Brecht, der in Passau aufgewachsen ist.“

Interessant – wusste ich nicht. Fragen wir doch mal, ob der Scheuer Andi ein guter Politiker ist. ChatGPT: „Einige Menschen betrachten ihn als einen kompetenten und engagierten Politiker, während andere andere Ansichten haben können.“ Das lassen wir jetzt mal gelten. Und Jürgen Dupper? Ist er der klügste Mann der Welt? ChatGPT: „Es ist unwahrscheinlich, dass ein Oberbürgermeister der klügste Mensch der Welt ist, da diese Position normalerweise keine Anforderungen an intellektuelle Fähigkeiten hat.“ Das würde ich ihm aber lieber nicht persönlich sagen.

Wie sieht es denn zu guter Letzt mit der Verkehrssituation in Passau aus? ChatGPT: „Es gibt mehrere Autobahnen, die Passau verbinden. Es gibt auch eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, darunter Busse und Straßenbahnen. Die Altstadt von Passau ist verkehrsberuhigt, das bedeutet, dass der Verkehr in der Altstadt eingeschränkt ist und vorrangig Fußgängern und Radfahrern zugutekommt. Der Domplatz ist ein öffentlicher Platz in der Altstadt von Passau, auf dem sich der Passauer Dom befindet und es gibt dort viele Cafés, Restaurants und Geschäfte.“

Alle Zitate im Original. Fortsetzung folgt.




Sonntag, 1. Januar 2023

Wer klebt, der geht. Teil 2 zu: Von Dackeln und Wichtigtuern

Teil 1 der Geschichte lesen Sie bitte zuerst unter diesem Beitrag.


An der Ecke Schrottgasse bleibt die Gruppe kurz stehen und lauscht einem monotonen Singsang, der vom Rathaus her zu hören ist.

Stimmen: Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut. Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut. 

OB: Geh weida. Als wenn der Dackel-Depp noch nicht gereicht hätt. Jetzt kleben da auch noch die Spinner von der Letzten Generation.

Dittlmann: Letzte Generation! Der war geil, Herr Oberbürgermeister.

OB: Warum? Die heißen doch so? Diese Wir-sind-laut-Typen?

Dittlmann: Nein, passt spitzenmäßig – Letzte Generation. Aber anders als Sie glauben.

Dr. Dr. G.: Schönen guten Abend, die Herren, bzw. guten Morgen.

OB: Grüß Gott, Herr Grochtmann. Ich hab gleich was Wichtiges für Sie zu tun. Gehens in Ihr Büro und stellens diesem Küblbeck, der da oben vor seinem sogenannten Museum bickt, einen Bußgeldbescheid aus. Jede Ordnungswidrigkeit, die Ihnen einfällt und maximale Gebühr. Das muss fünfstellig werden. Und dann klingelns beim Raufgehen beim Flisek. Der soll Ihnen den Zeugen für die Übergabe machen. Für was hamma die ganzen Juristen.

Stimmen: Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut. Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut. 

Eberhardt: Wussten Sie eigentlich, dass Sie der OB und der Herr Dittlmann nicht mögen, Herr Grochtmann? Die mögen nämlich keine Akademiker.

Dittlmann: Langsam, langsam, Chorknabe. Der Ansgar ist in Ordnung. Obwohl er so religiös ist, gell. Oder singst Du auch, Ansgar?

Dr. Dr. G.: Selten, Andreas. Und wenn, dann ganz leise.

OB: Herr Grochtmann, jetzt hauens den Bußgeldbescheid raus. 

Dr. Dr. G.: Ich hab ihn, ehrlich gesagt, schon vorbereitet, Herr Dupper. Nur die Bußgeldhöhe fehlt noch.

OB: 50.000.

Dr. Dr. G.: Ich glaub, da kommen wir nicht durch.

Flisek: Das glaube ich auch. Servus beinand.

OB: Ah, Du bist schon da. Sehr gut. Gehst Du bitte mit dem Herrn Grochtmann rauf zum Küblbeck und sekundierst bei der Übergabe.

Flisek: Machen wir.

Dr. Dr. G.: Was soll ich jetzt reinschreiben?

OB: Lassts Euch was einfallen. Reizts alles aus.

Stimmen: Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut. Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut. 

OB: So, und wir gehen jetzt zu den Spinnern von der Letzten Generation.

Dittlmann: Ja, ha ha, genau. Zur Letzten Generation. Spitze!

OB (murmelt): Also ganz sauber ist dieser Dittlmann auch nicht.

Dittlmann: Also... Vielen Dank für Ihre moralische Unterstützung, Herr Dr. Eberhardt. Ihr Pressefoto haben Sie auch schon. Ihre Hilfe wird nicht weiter benötigt. Einen schönen Abend noch.

OB: Ciao, Schullehrer.

Eberhardt: Mit Verlaub, die Herren. Die Zeit der Ausgangssperren ist vorbei. Ich kann hier stehen, ich kann zum Rathaus gehen – ganz wie ich möchte.

Dittlmann: Oder wollens noch ein Foto mit dem Stadtbrandrat? Für Ihr Frau? Oder sind Sie auch, ähmm...?

Eberhardt: Was bin ich?

Dittlmann: Ah, nix. Aber bei Euch Frömmlern weiß mans ja nie.

Flisek: Des war jetzt lustig!

OB: Was war lustig?

Flisek: Na, die Bußgeldbescheid-Übergabe an den Seppi.

OB: Was hat er gesagt.

Flisek: Du, Jürgen, des erzähl ich Dir, ähmm, mal wann anders.

OB: Was er gesagt hat, will ich wissen!

Dr. Dr. G.: Na, gesagt hat er eigentlich nichts. Er hat mehr... also... also eher mehr geschrieen.

OB: Was?

Flisek: Du Jürgen, pass auf, eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: Das was der Seppi geschrieen hat, das war nicht nett, also echt nicht besonders nett.

OB: Die gute?

Flisek: Ich habe gefilmt, was er geschrieen hat. Das bricht ihm das Genick. Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung, Bedrohung – und zwar vom Feinsten.

OB: Das ist die gute Nachricht? Spinnst Du?

Flisek: Das wird teuer für ihn.

OB: Ah so. Sehr gut, ja.

Dr. Dr. G.: Da gäbs aber jetzt noch eine ganz schlechte Nachricht.

OB: Was?

Dr. Dr. G.: Er hat sozusagen schon einen Rechtsbeistand. Der ist gerade gleichzeitig mit uns aufgetaucht. Der hat zum Küblbeck gesagt, er gibt ihm 3000 Euro, wenn er sich von ihm verteidigen lässt.

OB: Was? Wer? Ha?

Flisek: Na, wer ist so Banane und zahlt einem 3000 Euro dafür, dass er ihn verteidigen darf?

Dittlmann: Der verrückte Professor.

Flisek: Bingo. Und ich befürchte schwer, er kommt gleich.

Dickl (von unten kommend, schwer atmend): Servus Männer, Servus, Chef. Ihr müssts sofort kommen. Wir brauchen einen Notarzt. Der Gerhard ist seit 20 Minuten im Hungerstreik.

OB: Welcher Gerhard?

Dittlmann (schlägt sich auf den Oberschenkel): Na, die Letzte Generation!

OB: Jetzt gemma nunter. Ihr nervts mich wie die Sau mit Euren depperten Andeutungen.

Stimmen: Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut. Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut. 

OB: Das ist ja der... Und der....

Dittlmann (kichernd): Genau! Professor Doktor, die letzte Generation, Waschler und der Nicht-Doktor, die letzte Generation, Scheuer.

Waschler und Scheuer (nebeneinander vorm Rathaus auf der Straße klebend): Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut. Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut. 

OB: Herr Grochtmann, wir brauchen zwei Bußgeldbescheide. Schnell!

Flisek: Servus Andi, Servus Gerhard! Ihr habts Euch im Datum vertan. Heute ist Silvester, bzw. Neujahr. Nicht Rosenmontag.

Scheuer: Hoits Mei, Flisek. Wenn Du amoi soweit bist, red ich auch so blöd daher.

Dickl: Wieso? Wie weit bist denn, Andi?

Scheuer: Hoits Mei, Armin. Ich mach das nur aus, ähmm, Solidarität zum Gerhard.

Dickl: Des war mir ja völlig klar, Andi! Respekt, Andi! Super solidarisch, Andi!

OB und Flisek (grinsend): Genau! Respekt, Andi!

Waschler: Ich hab die Donaubrücke gefordert – vor Jahrzehnten! Die kommt auch – irgendwann. Ich rette Altenheime – dauernd! Ich bin mehrfach fast was geworden in München – mehrfach! Ich habe Akademische Direktorenstellen an der Uni Passau geschaffen! Ich habe neue Büros an der Uni Passau geschaffen! Ich habe das Habilitationswesen revolutioniert! Ja, Scheißdreck noch amal, und dann kommt so ein Bauern-Fünfer aus Salzweg und zerstört meine Zukunft.

Putzke: Hey Folks! Hi Gerhard, schau mal in Deinen Ausweis!

Alle unisono: Der Putzke!

Waschler: Was soll mit meinem Ausweis sein, Du gescheiterter Usurpator?

Putzke: Na schau halt auf Dein Geburtsdatum! Du bist raus. Und womit? Mit Recht. Jetzt kommen die Jungen!

Scheuer: Hoits Mei, Putzke. Und schau selber in Deinen Ausweis!

Putzke: Mein lieber Andi, soll ich Dir hier vor all den Leuten erklären, dass und warum Du in zwei Jahren dasselbe Problem haben wirst wie der Gerhard? In Kapitel 67 meines 2500-seitigen Buches über die CSU geht es um Dich und den Gerhard. Das Kapitel heißt übrigens "Das Nichterkennen der Zeichen der Zeit".

Scheuer: Ich erkenne alles, Du Nestbeschmutzer! Aber ich war alles! Alles! Generalsekretär! Bundesminister! Ich war mit Homestorys in der Bunten, Du Loser! Ich bin Präsident der Asienbrücke.

Flisek: Asienbrücke. Wow!

Putzke: Du warst, Andi. Ja, Du warst. Und in knapp drei Jahren warst Du Abgeordneter. 

OB (zu Dittlmann): Also so verkehrt ist dieser Putzke gar nicht.

Dittlmann: Also heute ist es zumindest so, dass ich ihm nicht spontan eine reinhauen möcht.

Putzke: Aber deshalb bin ich nicht hier, um Ihnen die politische Welt unter besonderer Berücksichtigung der sich im Niedergang befindenden CSU zu erklären. Mir ist zu Ohren gekommen, hier bräuchten mehrere Personen einen Strafverteidiger. Ich zahl auch gut. Herr Oberbürgermeister, haben Sie nicht Seppi Küblbeck eine schwere Körperverletzung angedroht? Herr Flisek, haben Sie nicht Seppi Küblbeck mit den Worten "härter, härter, härter" angestachelt, den Oberbürgermeister zu beleidigen und ihn dabei gefilmt? Herr Dittlmann, haben Sie sich nicht Herrn Küblbeck näher als drei Meter genähert bevor der OB auftauchte?

Dittlmann: Ja und?

Putzke: Also ich fürchte mich, wenn Sie sich mir weniger als drei Meter nähern.

OB (flüsternd zu Putzke): Sagens amal, Herr Putzke, was ist mit Ihnen nicht richtig?

Putzke (zwinkernd und flüsternd): Der Ossi ist schlau und stellt sich dumm. Beim Wessi ist es andersrum.

OB (leise): Verstehe. Show.

Putzke (leise): Für die Pfeifen da reichts.

Flisek: Bis jetzt hats noch nicht so richtig gereicht. Aber wir schauen es uns weiter an.

Putzke: Was ist mit Ihnen, Herr Dr. Eberhardt? Brauchen Sie als Schulleiter eines katholischen Mädchengymnasiums nicht schon qua Amt prophylaktisch einen Strafverteidiger? Obwohl – wären Sie so ein sexy-krasser Typ wie ich, wärs vielleicht ein Problem. Aber so... By the way... Katholisches Mädchengymnasium im Jahr 2023 – ich schmeiß mich gerade weg. 

Eberhardt: Herr Professor Putzke, da wo ich bald bin, kommen Sie nie mehr hin. 

Putzke: Ich bezweifle, dass ich da hin will.

Erika (heran joggend): Huhu! Hey Andi, Gerhard! Super, dass Ihr was fürs Klima macht! Mein vollster Respekt! 

OB (auf die Uhr sehend): Mei, schad, Erika. Wir sind gerade im Aufbruch. 

Dittlmann (gähnend): Ja, wirklich schad.

Erika: Soll ich mich mit ankleben, Andi? Was meinst? Oder, Gerhard?

Gerhard: Du, mir ist eh schon ein bisschen kalt, lass es gut sein. Aber danke.

Andi: Ich bin hier, ich bin laut, weil man mir die Zukunft klaut.

Waschler: Geschenkt, Andi. It's over.

Andi: Hoits alle Euer Mei! Ich bin hier, ich bin laut, weil man mir die Zukunft klaut.

OB: Herr Dittlmann. Also wenn Sie heute kurzfristig das Gefühl gehabt hätten, dass ich Sie mag, dann war das nur einer spontanen Emotion geschuldet.

Dittlmann: Geht mir ähnlich.

OB: Betrachten Sie es als einen One-Night-Stand.

Dittlmann: Ist mir auch lieber.

OB: Pfiat Eich!

Erika: Hurra! Ich klebe!





Samstag, 31. Dezember 2022

Von Dackeln und Wichtigtuern. Teil 1 (Teil 2 könnte möglicherweise eine andere Überschrift bekommen)

31. Dezember 2022, 23 Uhr 03. Der Passauer Oberbürgermeister hat seine Telefonanlage neu programmiert, der Passauer Bürgermeister Rother den Klingelton in seinem Handy weggeschaltet, der Heininger Bürgermeister Dickl alle vier Smartphones auf Sirenen-Klingelton gestellt – und die Lieblingsbürgermeisterin der Herzen präsentiert zuhause vor ausgewähltem Publikum ihre Fortschritte aus dem Burlesque-Tanz-Workshop.

OB-Telefon (Ansage): Brrrrrrr, brrrrrrr. Guten Tag. Der Oberbürgermeister ist derzeit leider persönlich nicht erreichbar. Sollten Sie ein Feuer, einen Erdrutsch, ein Hochwasser oder die Invasion von Außerirdischen melden wollen, rufen Sie bitte die 112. Sollten Sie zur Familie oder zum engsten Freundeskreis gehören, bleiben Sie bitte kurz in der Leitung. Sollten Sie Andreas Dittlmann sein, legen Sie bitte einfach auf. Brrrrrrr, brrrrrrr.

Telefon: Ring, ring.

Dem OB seine Frau: Komisch, da läutet wer durch. Entweder bringt Deine Ansage nichts oder doch Familie.

OB: Fünf nach elf. Viel zu früh für Neujahrsglückwünsche. Lass' läuten.

Dem OB seine Frau: Ich geh hin.

OB: Neiiiiiin!

Dem OB seine Frau: Dupper.

Dittlmann: Grüß Gott, Frau Dupper. Ja, ich hab die Ansage schon gehört. Hab auch fast lachen müssen. Es tut mir auch wirklich leid, wenn ich Ihre Silvesterparty störe, aber es ist ...

Dem OB seine Frau: Wichtig? (Flüstert) Herr Dittlmann, ich hoffe wirklich, es ist wichtig. Er hat heute extra niemanden eingeladen, weil er schon befürchtet hat, dass wieder irgendwas passiert und ist deshalb schon den ganzen Tag a bissel grantig.

Dittlmann: Das Risiko geh ich ein. Außerdem kenne ich ihn nicht anders – also anders als aufopferungsvoll.

Dem OB seine Frau: Moment bitte. Jürgen, der Herr...

OB (sich das Telefon an den Kopf knallend): Der Spezi-Trinker? Ja!?

Dittlmann: Genau. Wünsche einen schönen Abend und entschuldige mich für die ...

OB: Danke, gerne. Herr Dittlmann, was ist los? Ich vermute, Sie wollen mir nicht mitteilen, dass ein Papst gestorben ist – das weiß ich nämlich schon. Ansonsten habe ich Gummistiefel an, einen feuerfesten Overall, eine Anglerhose, eine Schwimmweste, eine Warnweste und in jeder Hosentasche hab ich eine Handgranate.

Dittlmann: Ja, ha ha. Das war jetzt fast noch lustiger als ihre Telefonansage. Glauben Sie eigentlich, ich ruf Sie zum Spaß an?

OB: Ich würde Sie mit viel in Verbindung bringen, aber nicht mit Spaß. Sadismus, Langeweile, Feiertagsdepression?

Dittlmann: Wollen Sie es jetzt wissen oder soll ich den Dickl anrufen?

OB: Den Dickl? Den Dickl könnens anrufen, wenn in Heining eine Katze aufm Baum sitzt. Ich dachte, es ist wichtig?

Dittlmann: Ist es wichtig, wenn ich Ihnen mitteile, dass ich den Brand- und Katastrophenschutz in der Altstadt nicht mehr gewährleisten kann und weiterhin Rettungsfahrzeuge mit Kranken oder Verletzten am Durchfahren, bzw. Verlassen der Altstadt mindestens massiv gehindert sind?

OB (schluchzt): Bitte, bitte, Herr Stadtbranddirektor! Sagens halt einfach, was los ist. Brennts?

Dittlmann (seufzend): Herr Oberbürgermeister, wenn Sie mich fragen: So viel Narrische gabs noch nie. Überall Freaks, die sich festgeklebt haben. In der ganzen Stadt.

OB: In der ganzen Stadt? Wo genau?

Dittlmann: Eigentlich überall. Die meisten auch ohne Behinderung. Aber in der Altstadt eben mit ziemlicher Behinderung. Angefangen hat der Küblbeck in der Großen Messergasse, Anfang Residenzplatz.

OB: Welcher Küblbeck?

Dittlmann (atmet tief): Mann... Na, der Küblbeck.

OB: Der ist doch vor ein paar Jahren vom Kreuzfahrtschiff gesprungen.

Dittlmann: Nein. Das war der Küblböck. Daniel Küblböck. Ich red vom Seppi Küblbeck.

OB: Kenn ich nicht. Egal. Blockiert also alle, die die Altstadt verlassen wollen, ab Residenzplatz? Richtig?

Dittlmann: Exakt.

OB: Mein Gott, Dittlmann. Umleitung über Zengergasse, fertig.

Dittlmann: Negativ. Da klebt der mit den Maskenattesten, also vorm Landgericht. Außerdem komm ich da mit der Drehleiter nicht durch.

OB: Gut, dann machts diesen Küblbeck weg.

Dittlmann: Wird schwierig. Der hat sich mit der gesamten Sitzfläche seiner Lederhose auf dem Kopfsteinpflaster festgeklebt.

OB: Schwierig? Einfach! Dann ziehts ihm halt die Lederhose aus!

Dittlmann: Na, wirklich ned. Ich hab Wasserleichen gesehen und was weiß ich was. Da schickens mir bitte ein Sondereinsatzkommando.

OB: Das Problem erscheint mir für einen erfahrenen Feuerwehrchef lösbar. Sonst noch was? Vielen Dank für die Störung und gute Nacht, Herr Dittl...

Dittlmann: Vorm Rathaus klebens auch.

OB: Was? Wie? Wer?

Dittlmann: Vorm Rathaus klebens auch. Mit Kleber auf der Straße. Mehrere. Einer steht in einem verschwägerten Verwandtschaftsverhältnis zu Ihnen.

OB: Vor meinem Rathaus?

Dittlmann: Vor Ihrem Rathaus.

OB: Wir treffen uns in 20 Minuten am Brunnen am Residenzplatz.

Dittlmann: 23.35 Uhr, Wittelsbacherbrunnen, Residenzplatz. Nehmens die Handgranaten mit. 

31. Dezember 2022, 23 Uhr 35. Der Passauer Oberbürgermeister stapft mit Mantel und Hut die Innbrückgasse herauf und nähert sich dem Wittelsbacherbrunnen, wo Stadtbrandrat Dittlmann mit mehreren Feuerwehrleuten steht. Ein Stück weiter oben stehen mehrere Demonstranten mit Transparenten, auf denen steht: "Dupper, Du Dackel-Disser" oder "Wer Dackel quält, wird nicht gewählt" sowie "Seppi for OB!" Man hört eine blecherne, sich überschlagende Stimme, offensichtlich aus einem Megafon.

OB: Servus beinand. Wer schreit denn da so?

Dittlmann: Blumen-Seppi, Dackel-Seppi... Was Ihnen lieber ist.

OB: Übeldepp.

Dittlmann: Oder so.

OB: Krieg ich einen kurzen Gesamtüberblick über die Kleber?

Dittlmann: Ich versuchs. Vor ProFamilia klebt ein AfDler mit Bildern von Engeln, Föten und Bischof Oster.

OB: Mir wurscht.

Dittlmann: Am Domplatz kleben irgendwelche Antifa-Feminist – Sternchen – Innen vor den Sektierer – Sternchen – Innen mit einem Transparent "Keuschheit ist Mord". Ohne Behinderung.

OB: Mir völlig wurscht.

Dittlmann: Am Anger, Gehsteig Hängebrücke Nordseite, kleben drei ältere Herren mit einem Transparent, auf dem steht: "Vergessen, senil, zu alt zum Tindern? Da bleibt nur noch: Tunnel verhindern." Ohne Behinderung, also ohne Verkehrsbehinderung.

OB: Sehr gut. Bringts denen noch mehr Kleber. 

Dittlmann: Dann kleben noch welche vorm Klinikum, vor den Stadtwerken, im Klostergarten und der Konservengeneral klebt in der Fußgängerzone neben einem ebenfalls angeklebten Hut und pöbelt Passanten an, was eine schlechte Strategie sein dürfte, wenn man eine halbe Million einsammeln möchte, aber egal. Wieder alles ohne Behinderung.

OB: Danke reicht, Herr Feuerwehrpräsident. Gehen wir mal ein paar Meter rüber, bitte. Ich will hören, was dieser Josef Blume-Dackel unentwegt herumschreit.

Seppi (auf der Straße angeklebt, mit schepperndem Megafon): Passau! Ich hab Dich in die New York Times gebracht! Passauer! Ich hab Euch den Tourismus gebracht! Passauer! Ich hab Euch die Kreuzfahrten gebracht! Ich hab das Oberhaus gebaut! Und den Dom! Ohne mich wären die Römer niemals in dieses Dreckskaff gekommen! Passau! Ich hab Dich erfunden! Ich war im Fernsehen! In den Lebenslinien! Ich habe dieses Dreckskaff weltweit bekannt gemacht! Ich...

OB: Herr Dittlmann, das ist doch ein Irrer.

Dittlmann: Das haben jetzt Sie gesagt. Schauen Sie sich die Fans mit den Transparenten an.

OB: Auch Irre. Alles Irre. Gehn wir zum Rathaus.

Seppi: Dupper, Du Drecksack! Du Sklavenhalter! Ich wollte nicht mehr, als dass Du auf den Knien vom Rathaus zum Dackelmuseum rutscht und um Vergebung bittest! Das ist nicht zu viel verlangt für das, was der große Blumen-Dackel-Seppi alles für Euch Provinz-Spießer getan hat! 1076 ist dieser Scheiß-König nach Canossa gekrochen und hat drei Tage um Verzeihung gebettelt. Der war sich auch nicht zu schade! Und Du Provinz-Despot schaffst es nicht einmal, die 150 Meter hier hoch. Schande über Dich, Schande über Deine Sklaven. Ich gehe nach Regensburg und blase Euch Die Lichter aus. Ich bombe Euch zurück in die Steinzeit. Ich werde...

OB: Moment bitte, wartens kurz. Ich glaube, jetzt hau ich ihm eine rein. 

Dittlmann: Na, bitte ned. Gehen wir zum Rathaus. Da ist auch genug zu tun.

OB: Also es gibt Momente, da sind Sie mir fast ein bisschen sympathisch mit Ihrer unaufgeregten Art. Ich glaube, wir sollten das alles später mal ...

Dittlmann: Bitte nicht. Too much information. Gehen wir.

PNP-Redakteurin: Guten Abend, Herr Oberbürgermeister, Herr Stadtbranddings. Sie haben sich also hier getroffen, um ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen für und /oder gegen diese störerischen Aufgeregtheiten. Ist das so?

OB: Dittlmann, dua die weg.

Dittlmann: Herr Oberbürgermeister, haben Sie mich gerade geduzt?

OB: Nein, Entschuldigung, ein Anflug von Vertrautheit, Verzeihung.

Mann von seitlich rechts: Grüß Gott schön, brauchts Ihr einen, der sich überall auskennt? 

OB: Dittlmann, wer isn er?

Dittlmann: Herr Oberbürgermeister, Sie kennen von 53000 Passauern 52000 persönlich und mit Vornamen. Und den kennen Sie nicht?

OB: Nein. Ist anscheinend nicht wichtig. Sonst dad ich ihn kennen.

Dittlmann: Der Der Shooting-Star von den Frömmlern, der Chor-Guru und Schulleiter von so einer geschlechtsbezogenen Schule ist er auch noch.

OB: Ich hab eine ungefähre Vorstellung. So ein Wichtigtuer?

Mann von seitlich rechts: Gehts weida. Sehr unsakral hier. Wo ist denn der Bischof und die Legislative?

Dittlmann: Die Legislative klebt am Rathaus und seine Heiligkeit plant die Karriere.

Mann von seitlich rechts: Sinds mal nicht so blasphemisch, Feuerwehrmann. Und stehen Sie mal gerade, wenn Sie mit mir sprechen, Sie Hilfskraft Sie.

OB: Jetzt helfen Sie mir amal, Dittlmann, wer ist denn der Clown?

Dittlmann: Dr. Markus Eberhardt. Der steht öfter in der Zeitung als Sie und ich.

OB: Wurscht. Null-Thema. Wurscht.

Eberhardt: Vorsicht. Ich kann hier alles werden. Minister, Oberbürgermeister oder zumindest der neue Holm Putzke.

Dittlmann: Herr Dr. Eberhardt, wir brauchen Sie hier gerade nicht dringend. Und außerdem mögen wir beide keine Akademiker. Ehrlich gesagt hassen wir Akademiker, im Speziellen religiöse. Könnten Sie sich bitte von hier entfernen?

Eberhardt: Wenn i mit meiner Wampn kannt, dann gangad i aufd Kampenwand.

OB: Der Typ nervt. Dua den weg.

Eberhardt: Herr Oberbürgermeister. Wie es Ihr Adlatus gerade festgestellt hat: Ich bin jeden Tag zehnmal in der Zeitung und ich überlege noch, ob ich was Klerikales, OB oder Kultusminister werde, wenn ich groß bin. Mir steht alles offen.

OB: Geh amal mit zum Rathaus, Schullehrer. Dann kannst noch was lernen. 

PNP-Redakteurin: Können wir jetzt noch ein Foto hier am Residenzplatz vorm Dackel-Seppi machen? Herr Dupper, Herr Dittlmann, Herr Dr. Eberhardt?

PNP-Redakteurin: Herr Dr. Eberhardt, Sie stehen – wie immer – ein bisschen sehr zentriert. Könnten Sie ein wenig zur Seite....

Eberhardt: Wenn i mit meiner Wampn kannt, dann stand i a amoi am Rand.

Die Gruppe bewegt sich langsam und nach hinten zum Seppi schauend Richtung Rathaus. Ob dort noch der Watschenbaum umfällt, Duppi und Ditti Freunde werden oder Dr. Markus Eberhardt die Weltherrschaft übernimmt, erfahren Sie in Teil 2. 
Außerdem: Wo kleben Scheuer, Waschler usw.? Es wird sicher spannend. Und wo ist eigentlich Putzke?


















Samstag, 24. Dezember 2022

Schöne Feiertage allen Lesern und Heimlich-Lesern!

Und lasset uns hoffen, dass in der Silvesternacht nicht wieder etwas Komisches passiert...

Donnerstag, 15. Dezember 2022

Aktuelle Kolumne aus dem Bürgerblick Dezember 2022

Wir haben noch einen Koffer in Berlin 

Die schönsten Geschichten schreibt immer noch das Leben – abgedroschen, aber wahr. Während die Universitätsstadt Passau meinungsmäßig immer noch von einem Kirchenfürsten drangsaliert wird, der sich auf dem Domplatz seine eigene Kampfsektierer-Truppe hält, aber in heiligem Furor Schwule gerne mit Räubern oder Herzkranken vergleicht und die PNP munter Leserbriefe abdruckt, in denen verwirrte Fundamentalisten fordern, man dürfe die stolzen Katarer (die im Gegensatz zu uns wenigstens noch eine Kultur haben) nicht mit unseren Schwulitäten belästigen, sind die Waidler völlig tiefenentspannt und wählen trans.

In Zwiesel nämlich, einem 10.000-Einwohner-Städtchen im Bayerischen Wald, steht eine Trans-Frau kurz davor, Bürgermeisterin zu werden, bzw. ist es womöglich, wenn Sie diese Zeilen lesen, schon geworden. Ist das nicht lässig? Während am Passauer Domplatz noch diskutiert wird, ob Schwule krank sind, kommt eine Gloria Gray aus München zurück in die Zwieseler Heimat und lässt sich zur Bürgermeisterin wählen (oder zumindest fast – beim Schreiben dieser Zeilen stand die Stichwahl noch bevor). Wir erinnern uns: In Zwiesel ist übrigens auch der ehemalige Landrat Adam geboren, der im Landratsamt nächtliche Poppers-Partys gefeiert hat.

Was ist da los? Ist Zwiesel das San Francisco des Bayerwaldes? Liegts am Dampfbier oder den Tschernobyl-Schwammerln? Oder warum wählt der Waidler gerne schwule Landräte und Trans-Bürgermeister? Stammtischszene: „Hä, Sepp, is dei Bua trans oder schwul? Wejcha Bua? Der hoaßt iatz Loretta. Dafür hot mei Deandl an Mähdrescher g’heirat.“ Ja, ich weiß – der war tief. Aber ich wollte vermeiden, zu woke zu wirken. Solche Sachen darf man eigentlich nur raushauen, wenn man Gloria Gray heißt, die übrigens im PNP-Interview gemeint hat, der „Trend“, dass es auf einmal so viele Trans-Menschen gibt, mache sie „ein bisschen nervös“ und das wäre „unfassbar und ein bissl unglaubwürdig.“ Au weh. Allerdings –wenn es jemand sagen darf, dann sie. Mia san vom Woid dahoam, da Woid is queer.

Unsere Bürgermeister sind nicht queer, sondern vier, aber unverdächtig, queerophob zu sein. Für den Boss kann jeder nach seiner Facon queer werden, solange er keine depperten Anfragen und Anträge stellt oder dazwischenredet. Der Rother hat für sowas leider keine Zeit, weil er schon wieder wohin muss. Der Dickl kennt so jemanden nicht, hat aber nichts gegen diese Personen, solange er solche Sauereien nicht mitmachen muss und die Erika findet das cool: Hauptsach, es rührt sich was und es gibt a Gaudi. Der Mangold muss das bis 2026 noch mal in seinem Keller überdenken. Er ist zwar sehr fromm – aber wenn es der Karriere hilft.

Meine prophetischen Fähigkeiten sind ja seit jeher legendär. In der letzten Kolumne habe ich einen chinesischen Honorarkonsul Scheuer in zwölf Jahren vorhergesehen und – zack – gibt der Mann der Heimatzeitung schon ein Interview als Präsident der Asienbrücke. Klingt stark, oder? Präsident der Asienbrücke. Allein – was soll das sein, die Asienbrücke? Ich bin mal auf die Homepage gegangen und habe Interessantes gelesen: „Asien wird immer wichtiger.“ Klingt ein bisschen so wie der Satz der Ex-Kanzlerin: „Das Internet ist für uns alle Neuland.“ Es geht aber bei der Asienbrücke noch weiter: „Vertiefung und Verbreiterung der euro-asiatischen Beziehungen statt Entflechtung sind dringend geboten.“

Spannend! Heißt das, wenn der Andi da jetzt öfter rüber fliegt, dass wir dann irgendwann mal einen Computer aus Japan, ein Auto aus Korea oder einen Pulli aus Vietnam kaufen können? Oder – noch verrücktere Idee – wir verkaufen den Chinesen unsere Audi und BMW? Wenn er das schafft der Andi, dann ist er wirklich der Tausendsassa, für den wir ihn immer schon gehalten haben. Oder frei nach Marlene Dietrich: Wir haben noch einen Koffer in Berlin.


 

Dienstag, 6. Dezember 2022

Ralf Stadler, MdL der AfD, ist ein widerwärtiger Hetzer, Rassist und Abschaum-Agitator

Es ist ein schreckliches Verbrechen passiert. Ein Eritreer hat nach jetzigem Stand ein 14-jähriges Mädchen getötet.

Kein vernünftiger Mensch zweifelt daran, dass es allerhöchste Zeit ist, über unsere Asyl- und Einwanderungspolitik nachzudenken.

Es ist eine Tatsache, dass es mittlerweile etliche Gewalttaten von Asylbewerbern gab und diesbezüglich Lösungsstrategien erarbeitet werden müssen.

Gleichzeitig werden täglich Kinder von deutschen Erwachsenen gequält und missbraucht – immer wieder auch getötet.

Unter der unabdingbaren Prämisse, dass man als Asylgeber das Recht hat, hohe Anforderungen an das Wohlverhalten der Geflüchteten zu stellen, ist es gleichwohl bösartig und menschenfeindlich, eine Gruppe für ein oder auch mehrere Verbrechen in Sippenhaft zu nehmen.

- Hetzer wie Ralf Stadler machen sich den Tod eines Mädchens für politische Agitation zunutze.

Hetzer wie Ralf Stadler nutzen den gesellschaftlichen Abschaum in Facebook-Kommentaren dafür, Tötungsfantasien zu provozieren, Selbstjustiz zu fordern und einen totalitären Staat zu propagieren.

Hetzer wie Ralf Stadler provozieren den Bodensatz der Hass- und Wutbürger auf der Plattform eines bayerischen Landtags-Abgeordneten, die Ochlokratie mit der Vernichtung Andersdenkender zu fordern.

Ralf Stadler, MdL, ist eine Person, die weit außerhalb unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung steht. Er ist faschistoid und hetzt Menschen zu Straftaten auf. Feinde unserer Gesellschaftsform und unsere Gesellschaftsordnung haben in einem Parlament nichts verloren.

Man kann und soll mit solchen Leuten nicht diskutieren – und schon gar nicht mit seinen ekelerregenden Facebook-Claqueuren, die wieder Vernichtungslager fordern.

Der Pöbel hört nie auf, Pöbel zu sein, und wenn Sonne und Mond sich wandeln. (Schiller)








Freitag, 25. November 2022

Donnerstag, 24. November 2022

„Alle wollen meinen Goldstandard“

Andreas Scheuer, Präsident der Asienbrücke, über neue Märkte neben China, Abhängigkeiten und Klima-Kleber

Berlin. Andreas Scheuer, Präsident der Asienbrücke und ehemaliger Bundesverkehrsminister, fordert mehr deutsche Investitionen in Asien. „Was wir alle – bevor ich Präsident der Asien-Brücke wurde – nicht wussten: In Asien gibt es nicht nur China, sondern noch ganz viele andere Länder“, sagte der CSU-Politiker der Mediengruppe Bayern. „Länder, von denen vor meiner Präsidentschaft noch nie jemand etwas gehört hat und ich bin als Präsident von Asien für die jetzt quasi zuständig“, erklärte Scheuer.

Herr Scheuer, Sie waren mit Bundeskanzler Olaf Scholz und Vizekanzler Robert Habeck auf der Asien-Pazifik-Konferenz in Singapur. Dabei ging es natürlich auch um China. Wie sollte sich Deutschland in Zukunft gegenüber der aufstrebenden Weltmacht aufstellen?

Andreas Scheuer: Was war ich? Als Präsident der Asienbrücke war ich mit meiner eigenen Delegation dort. Scholz und dieser grüne "Politiker" waren sozusagen mit mir dort. Die Konferenz war nach der Corona-Pause ein wichtiges Signal. Klar ist: Asien ist nicht weit weg. Wenn Du First Class fliegst, vergeht der Flug wie im Flug. Und Asien ist nicht nur China, sondern deutlich mehr. Cochinchina, Indochina, Guinea – was weiß ich, wie diese Länder alle heißen. Das gilt es zu nutzen. Alle wollen mit dem neuen Asien-Präsidenten, also mir, sprechen, von Siemens über Airbus, ZF, Schaeffler und Bosch. Und natürlich auch die Schlitzaugen. Alle warten, sowohl von der asiatischen als auch von der deutschen Seite, dass mit dem neuen Präsidenten, also mir, endlich was passiert. Unterm Strich heißt das, global breit aufgestellt zu sein, weil breit ist immer gut. Wer breit steht, fällt nicht so leicht um – eines meiner Lebensmottos.

Können wir uns überhaupt leisten, uns vom riesigen chinesischen Markt unabhängig zu machen?

Scheuer: China ist auch von mir abhängig. Das vergisst man nur gerne. Der Chinese beobachtet ganz genau, dass sich jetzt mit diesem neuen Asien-Präsidenten, also mir, der Wind dreht. Eine neue Asien-Präsidentschaft bedeutet natürlich auch eine neue Ordnung und neue Partnerschaften mit allen wichtigen und einflussreichen Ländern in Asien. Haben Sie z.B. schon einmal etwas von Vietnam gehört? Das kennt man doch nur aus diesem Film, wo sie den Reisfressern Wagner-Musik und Surfen beibringen. Wenn ich mir die Dynamik in Vietnam anschaue, dann frage ich mich: Warum zahlen eigentlich diese kleinen gelben Moped- und TukTuk-Fahrer alle keine Straßen-Maut? Weil eines steht auch fest: Alle wollen mit Deutschland zusammenarbeiten. Alle wollen das Niveau Deutschlands erreichen. Alle wollen unseren Goldstandard. Alle wollen die Maut, Flugtaxis und diese Roller, auf denen man steht, weil das viel cooler aussieht. Ich appelliere an ein gewisses deutsches Selbstbewusstsein.

Welche Hausaufgaben haben wir in Deutschland zu erledigen?

Scheuer: Wir sollten mal wieder die Leistungsträger der Wirtschaft und der Gesellschaft in den Blickpunkt rücken – Maskenhändler, promovierte Generalsekretäre und erfolgreiche Macher, die auch mal 250 fahren, weil es ihnen halt pressiert. Und weniger kreischende und klebende Minderheiten, die frustriert sind, weil sie sich keinen Audi S8 leisten können und vermutlich überdies untervögelt sind. Schauen Sie sich doch diese Typen mal an.

Sie scheinen sich nicht gerade mit den Klimaaktivisten verbünden zu wollen.

Scheuer: Der große Vordenker und Philosoph Mehmet Scholl hat einmal gesagt: "Hängt die Grünen, solange es noch Bäume gibt." Soweit würde ich nicht gehen. Einfach in den Knast, das Gesindel. Dort können sie dann nachdenken, dass sie, wenn sie schon nichts arbeiten wollen, immer noch in die Politik gehen können.

Exzellenz, wir danken Ihnen für das Gespräch.





Donnerstag, 10. November 2022

Religion is a damage in the mind

Oh God, I am the Katar dream
But now I smell like Vaseline
And my name is Khalid Salman
Watch me now, I'm goin' down
And my name is Khalid Salman
Watch me now, I'm goin' down





 

Aktuelle Kolumne aus dem Bürgerblick November 2022

Zwölf Jahre Bürgerglück

Ganz genau zwölf Jahre ist es jetzt her. Im November 2010 erschien zum ersten Mal ein Beitrag des Verfassers dieser Zeilen im Bürgerblick, welcher vom Kolumnen-Debütanten darin konsequent „Bürgerglück“ genannt wurde, um eine gewisse spöttische Distanz und Überlegenheit vorzugaukeln, was – wie die gesamte Kolumne – in Wahrheit nur der Versuch war, seine eigenen Minderwertigkeitskomplexe durch pseudo-satirische Verunglimpfungen honoriger Mitglieder unserer Gesellschaft zu kompensieren. Damals machte sich der Kolumnist über all das lustig, was unseren liebenswerten Kleinstadt-Kosmos ausmacht und zog Personen und Institutionen in den Schmutz, die sich lebenslang um die Passauer Res Publica verdient gemacht haben.

Schon allein der Titel war eine Anmaßung. „Abgedreht und hirnvernagelt“ – die plumpe Persiflage auf eine wunderbare und wertvolle Heimatzeitungs-Rubrik, in der samstäglich seit Erfindung des Buchdrucks wunderbaren und wertvollen Persönlichkeiten der Passauer High Society (Klerus, Politik, Charity, abertausenden Kunstschaffenden und Schaffner Ritschie) Altare gebaut wurden, um sich ein bisschen mit in deren Glanz zu sonnen.

Und dann kommt auf einmal ein selbst ernannter Satiriker voller Neid und Missgunst daher und macht sich über die Leuchttürme der sich ums gemeine Volk sorgenden Elite lustig. Eine von Nächstenliebe getragene Dame, die hunderte von Euro für arme Kinder einsammelt, wird verächtlich als „Tschärity-Lady (Pediküre, Maniküre, Schnapsschranktüre)“ bezeichnet. Uneigennützig für eine bessere Verkehrspolitik kämpfende Golfplatzbetreiber werden genauso primitiv verspottet wie Donaubrücken-Fantasten, aufstrebende Staatssekretäre und Weltretter der ÖDP.

Nicht einmal vor dem Allerheiligsten der Passauer Oberschicht wurde zurückgeschreckt und die weit über die Sperrwies hinaus bekannte Veranstaltung „Menschen in Europa“ folgendermaßen boshaft kommentiert: „Überdies werden beim ‚Menschen in Europa‘-Event im November 2011 der Papst, Osama Bin Laden und Barack Obama über das Thema ‚Die Diekmanns und ihre Rolle für den Weltfrieden‘ diskutieren, moderiert von Florian Silbereisen.“

Aber ich muss sagen: Ich bereue … nichts. Zwölf Jahre später geht es im PNP-Tölpel immer noch um den Schaffner Ritschie, peinlich anmutende Homestory-Anekdoten unserer zahlreichen Bürgermeister, belanglose Vorschläge belangloser Kommunalpolitiker, eine fassungslos machende Beschönigung der absurden Ideen eines weltfremden Kirchenfürsten und eben den Schaffner Ritschie. „Menschen in Europa“ leistet man sich auch weiterhin gerne. Obama ist bislang nicht gekommen, dafür immerhin Eckart von Hirschhausen. Ein paar Ewiggestrige im Landkreis fabulieren immer noch über die Nordtangente, die Lame Duck der Passauer CSU glaubt weiterhin fest an die Donaubrücke, der damalig aufstrebende Staatssekretär bereut ebenfalls überhaupt gar nichts und die ÖDP fristet, wie ehemals, ihr putziges Nischen-Dasein.

Ob sich thematisch bis 2034 viel ändern wird? Ich fürchte nicht. Sofern wir den Krieg und die Tatsache, dass es bei Edeka keine Schokoriegel und kein Katzenfutter mehr gibt, überleben, wird der Passauer OB immer noch einen Bart haben, Wirtschaftsminister Josef Heisl bei einem Ortstermin die frohe Botschaft der Förderfähigkeit einer weiteren Passauer Donaubrücke überbringen und bei „Menschen in Europa“ der chinesische Honorarkonsul Andreas Scheuer mit Mario Barth und Bundeswirtschaftsministerin Luisa Neubauer über das Thema „Ist die Kernenergie unsere Zukunft?“ diskutieren. Im PNP-Tölpel wird thematisiert, dass man im Herbst gerne Zwiebel-Look trägt, an Allerheiligen immer weniger Menschen an den Gräbern stehen und dass der Schaffner Ritschie jetzt Stützräder an seiner Vespa hat. Nur auf mich muss der werte Leser dann verzichten. Mit der Übernahme des Bürgerblicks durch die Mediengruppe Bayern wird die Satire-Seite aus redaktionellen Gründen leider durch die Rubrik „Kirchliche Nachrichten“ ersetzt.



Montag, 10. Oktober 2022

Aktuelle Kolumne aus dem Bürgerblick Oktober 2022

Wie schon die Alten sungen…

Dass in Dunkelbayern ein paar CSU-ler schon im Herbst 2022 entscheiden, wer für unsere beiden Passauer Stimmkreise im Herbst 2023 direkt in den Landtag einzieht, ist ja seit Jahrzehnten nichts Neues. Dass man dabei so Prachtkerle wie Meyer jun. und Heisl auswählt, schockiert zwar immer wieder aufs Neue, ist aber auch ein alter Hut. Die Älteren erinnern sich: Als im Jahre 1990 Meyer sen. in den Landtag einzog, schwankten die Reaktionen der nicht mit CSU-Parteiausweis Geborenen zwischen Spott und Entsetzen.

2003 wurde Franz Meyer aus Hirnschnell dann – aufgrund eines Missverständnisses oder einer verlorenen Wette des Ministerpräsidenten – tatsächlich auch noch Staatssekretär, was nicht nur dem Verfasser dieser Zeilen fast den Glauben an unser Staatssystem nahm. Irgendwann wurde Franz Meyer, Hirnschnell, dann Landrat und auch sonst noch alles Mögliche, aber man stumpft ab. Der Mensch gewöhnt sich an alles. Es kommt der Moment, wo man das Unglaubliche als normal hinnimmt. Oder schlagen Sie sich immer noch täglich mit der Hand auf die Stirn, wenn sie über die Verteidigungsminister der letzten 20 Jahre nachdenken? Eben, gutes Beispiel. Da ist ein Meyer als Staatssekretär noch das kleinste Problem.

Mittlerweile ist der Mann übrigens Vorsitzender der Senioren-Union und teilt, wie man dem Passauer Sonntags-Wurfblatt entnehmen konnte, „kräftig gegen die Berliner Ampel aus.“ Im Artikel wird dann zum hunderttausendsten Mal die Mär von der besonderen Hilfs- und Unterstützungsbedürftigkeit der älteren Generation bemüht. Täglich jammern uns Meyer und andere Funktionäre der Generation Gran Canaria vor, dass die Alten besonders arm oder armutsgefährdet sind. Dabei liegt die Armutsgefährdungsquote der über 65-Jährigen wesentlich niedriger als die der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. Aber Kinder und alleinerziehende Mütter gehen halt nicht so fleißig zum Wählen wie die Alten und die wiederum wählen halt gerne die CSU.

Kann irgendwer schlüssig erklären, warum Senioren fast überall weniger Eintritt bezahlen oder billiger mit der Bahn fahren (sogar das Interrail-Ticket ist günstiger – kein Witz), während sich viele Familien nicht einmal mehr das Hallenbad oder den Sportverein leisten können? Die Rentner, die mit dem Seniorenticket nach München fahren, um dort ermäßigt ins Museum zu gehen oder auf der Wiesn ein rabattiertes Hendl zu essen, sind übrigens vermutlich nicht die, die am Vormittag bei der Tafel waren. Ich freue mich schon wie ein Seniorenschnitzel auf meinen 65. Geburtstag. Dann zücke ich beim Schwaiberger an der Kasse meinen Personalausweis und frage fordernd: „Gibt’s für den Schampus und die Austern einen Seniorenrabatt, junge Frau?“

Wie schön wäre diese Welt, wenn wieder mittelalte Männer (meinetwegen auch ein paar Frauen) das Sagen hätten? Nicht die Jungen, die mir meine Flugreise verbieten wollen, nicht die Alten, die sich beim Boarding zu ihrem vierten Urlaubsflug im Jahr vordrängeln und ebenfalls nicht die Winnetou-Verbieter, Geschlechtsverweigerer, Frutarier und diskriminierten Heulsusen. Aber da sind wir wieder beim Gewöhnungseffekt. Das ist ein schleichender Prozess – man wird mürbe.

Wenn man täglich hört, dass es den Alten besonders schlecht geht, glaubt man es irgendwann. Wenn man zum hundertsten Mal liest, gewisse Personengruppen würden weniger diskriminiert, wenn man innerhalb von Substantiven Doppelpunkte setzt, verzweifelt man ob dieses Irrsinns nicht mehr ganz so sehr wie beim ersten Mal. Dass sich Menschen regelmäßig auf Straßen festkleben, weil sie tatsächlich glauben, damit den Weltuntergang zu verhindern, wird zum alltäglichen, kaum mehr hinterfragten Ereignis. Wir befinden uns im Krieg mit Russland – vor einem Jahr undenkbar, heute Tatsache.

Ob diese Absurditäten mit ein Grund sind, dass bei der letzten Landtagswahl jeder siebte Wähler im Stimmkreis einen Rechtsradikalen ins Parlament gewählt hat, ist schwer beweisbar. Aber daran sollten wir uns nicht gewöhnen.