Teil 1 der Geschichte lesen Sie bitte zunächst unter diesem Beitrag.
Der Mann im zu kleinen Anzug befindet sich nun in der Mitte der Brücke und schreitet langsam und anmutig auf die Schaulustigen am Römerplatz zu.
Auer: Schauts amoi genau. Der schaut aus wia da, ..., oiso wia da, ..., wia da Tom Cruise. Wia da Tom Cruise in Mission Impossible.
BM Dickl: Schmarrn. Der hat nur dieselbe scheiß Frisur wia der Tom Cruise in Mission Impossible. Des is der Putzke, des Ar..., der Angeber.
Auer: Des sogt ausg'rechnet der, der bei seine Feiertagsglückwünsche auf Facebook von der KI a Foto hot basteln loss'n, wo a ausschaut wia da Leonardo DiCaprio für Arme.
BM Dickl: Dir sog i jetzt amoi wos. Du brauchst...
Alle Gespräche werden unterbrochen, weil der Mann im zu kleinen Anzug, der sich mittlerweile für alle erkennbar als Holm Putzke identifizieren lässt, zu einem ohrenbetäubend lautem Finale der Star Wars Musik die Altstadtseite der Brücke erreicht hat und lächelnd in die Menge blickt. Mit einem Fingerschnippen von Putzke verstummt die Musik und es herrscht für einen Moment gespenstische Stille.
Mangold (von hinten heran tretend): Großer Auftritt. Also für den, dem sowas gefällt. Ich hoffe, es handelt sich nicht um Kunstnebel. Der ist sehr gesundheitsschädlich und ich bin da hypersensibel. (Hüstelt)
Putzke: Keine Angst Urban, der Nebel ist im Gegensatz zu manch anderen Effekten echt. Selbst der Armin ist heute echt und hat kein KI-Hologramm geschickt.
BM Dickl: Wer ist hier der Armin? Herr Putzke, ich sag es Ihnen gerne wieder einmal. Für Sie gibt es hier keinen Armin, sondern nur einen Herrn Dickl.
Putzke: Geschenkt. Ich werde jedenfalls...
Dittlmann: Sagt's einmal, Kindergarten, reichts jetzt wieder? Herr Putzke, haben Sie eigentlich nicht bemerkt, dass die Hängebrücke nach unten durchhängt und dass Ihr etwas bizarrer Auftritt möglicherweise sehr gefährlich war?
Putzke: Ach, tut sie das und war er das? Ich denke nicht. Manchmal sehen die Dinge anders aus als sie sind. Wenn Herr Dickl mit Künstlicher Intelligenz ein Foto hinkriegt, auf dem er aussieht wie DiCaprio nach einer Hautpigment-Transplantation, werde ich doch wohl ein paar optische Täuschungen mittels Nebelzauber und Illusionsmagie hinbekommen, nicht wahr?
Putzke schnippt wieder mit den Fingern. Im selben Moment sieht man zu sphärischen Klängen im Nebel auf der Brücke teils bekannte, teils weniger bekannte Gesichter als Hologramme auftauchen. Die Gesichter bewegen sich auf der Brücke hin und her, finden sich in Gruppen zusammen und entfernen sich wieder voneinander. Alle betrachten ergriffen das Schauspiel.
Putzke: Darf ich vorstellen? Die Kandidaten meiner Liste für die Stadtratswahl am 8. März 2026 – voilà.
Mangold: Das ist die FDP-Liste?
Putzke: Jawoll, so ist es. FDP – Für Den Putzke!
Mangold: Da war ja der Dings dabei, der...
Putzke: Ja, der war dabei, Urban, aber pssst, lass doch den anderen auch noch ihren Spaß beim Leute erkennen.
Vilsmeier (von hinten heran tretend): Ja, Du bist ein wuida Hund, Holm. Dann ist des, dass die Brückn durchhängt a nur Illusion?
Putzke (lächelnd): Könnte sein Andreas, nicht wahr?
Vislmeier: Dann is des ois nur Dei Show, dass Du Dei Listn vorstellst?
Putzke: Wäre möglich, oder? Wäre doch auch gelungen, die Show, nicht wahr?
Vilsmeier: I sog doch scho immer, dass der Brückn nix feit.
Dittlmann: Darf eigentlich an Silvester da jetzt schon ein jeder mitspielen?
Rother: Ich wollt's nicht sagen, hab mir aber genau dasselbe gedacht.
Dittlmann: Wenn jetzt der a no mitred't, dann kann i ja hoamgeh'.
Rother: I geh sowieso glei hoam. I mach ja ned an Statistn fürn Putzke sei Show.
BM Dickl: Ah, gehst hoam, Andi? Gibst auf, ha ha, oiso für heid?
Rother: Ja, Armin, für heid gib I jetzt dann auf. Bist eh Du do. Da kann ja nix passieren.
Dröhnende Stimme aus dem Hintergrund: Hier geht jetzt und bis ich das sage überhaupt keiner heim. Jeder bleibt an seinem Platz und rührt sich nicht! Das ist eine Allgemeinverfügung.
BM Dickl: Herr Oberbürgermeister, Jürgen, wo kimmst denn Du...
OB: Ruhe, Achim! Jeder spricht nur, wenn er gefragt wird. Einmal, ein einziges Mal bin ich Silvester nicht erreichbar und dann stellen mir diese Haubentaucher die ganze Stadt auf den Kopf. Der Hyperaktive macht an Cirque Du Soleil auf (schreit jetzt) meiner Hängebrücke und meine zwei Spitzenbürgermeister und der Stadtbranddings schauen zu. Fehlt bloß noch die Erika.
Die Erika (über die Hängebrücke hetzend): Huhu, warum sagt mir wieder mal keiner, wenn da so a Gaudi is herüben?
OB: Da geh her, Erika, mir warten scho auf Di.
Die Erika: Echt? Des is aber liab. Habts Ihr des Schild auf der anderen Seitn von der Brückn g'sehn?
OB: Du Erika, wir haben jetzt gerade ganz andere Probleme. Ich fange jetzt hier gerade einmal an.
Die Erika: Aber des is wichtig Jürgen.
OB (seufzend): Oiso?
Die Erika: Da drüben hängt ein Schild. Und zwar steht da was mit 3,5 Tonnen.
OB, Rother, Dittlmann: Mensch Erika, des hängt da schon...
Die Erika: Des woaß i doch selber, dass des da schon länger hängt. Aber unter den 3,5 Tonnen hängt noch eins, und zwar steht da drauf: Max. 3 Passauer Bürgermeister. Was bedeutet denn des?
OB (die Augen verdrehend): Da war einer witzig, Erika, vergiss' einfach.
Putzke: Ich finde das witzig. Also an der Grenze, aber witzig.
OB: Hab ich Sie was gefragt, Herr Putzke?
Putzke: Nein, Herr Oberbürgermeister, aber ich lasse mir von niemandem, auch nicht von Ihnen, den Mund verbieten.
BM Dickl: Jürgen, dieser Putzke meint immer, er is was Besonderes, oder Jürgen?
OB: Herr Professor Putzke, Sie glauben also, Sie können in der Silvesternacht auf unserer schönen Luitpoldbrücke Ihre abgedrehte Wahlkampfshow abziehen und kommen damit durch?
Putzke: Herr Oberbürgermeister, mir wäre keine Vorschrift bekannt, die verbietet, holografische Installationen in den Nebel zu projizieren. Ihnen schon? Und ja, ich halte mich für etwas Besonderes und zwar...
Vilsmeier (einen Winkelschleifer in der Hand haltend): So, das hätten wir jetzt. Aber wenn wir schon einmal da sind, dann schauen wir uns halt auch die Brücke genauer an, über die angeblich kein Bus fahren kann oder vier Bürgermeister drüber laufen können.
Auer (flüsternd zu Mangold): Vier Bürgermeister schon, aber halt nicht vier Passauer Bürgermeister.
Mangold: Hi hi.
OB (zu Rother): Wer ist denn der Narrische mit der Flex?
Rother: Vilsmeier, OB-Kandidat.
OB: Wo?
Rother: Bei uns.
OB: Des hätt's früher nicht gegeben.
Vilsmeier (mit laufendem Winkelschleifer auf einen Ankerblock der Brücke kletternd): Jetzt schau'n ma doch amoi, ob diese Tragkabel halten oder ob da der Wurm oder der Käfer drin ist im Stahlseil.
OB: Herr Dittlmann, halten's den Narrischen auf!
Dittlmann (holt Vilsmeier mit einem Griff am Fuß blitzschnell herunter): Hier flext keiner was an außer mir.
BM Dickl: Andreas, jetzt bin ich doch froh, dass Du auf meiner Liste bist.
OB (zu Rother): Wer ist bei wem auf der Liste?
Rother: Der Dittlmann bei der CSU.
OB: Warum?
Rother: Keine Ahnung. Aber die Liste ist eh ziemlich instabil. Ein Kommen und Gehen.
BM Dickl: Ja ja, Hauptsach', wir bringen unsere 12 plus rein und dann passts schon.
OB: Viel Glück, Achim! Wer kandidiert eigentlich bei Euch als OB?
BM Dickl: Sehr lustig, Jürgen. Ich natürlich.
OB: Nix für ungut, aber das weiß man ja bei Euch bis zum Schluss nie so genau.
BM Dickl (leise zu Auer und Mangold): Zeit wirds, dass der aufhört. Der wird immer komischer.
Auer: Und, was glaubst, Armin? Gibts a Stichwahl?
BM Dickl (gequält): Na ja, als fairer Sportsmann und guter Demokrat kann ich auch mit einer Stichwahl leben.
Mangold: Ich habe ein gutes Gefühl. Ich glaube, diesmal habe ich wirklich sehr gute Chancen, in die Stichwahl zu kommen.
Auer: Langsam, bleibts auf'm Teppich. Es wird langsam Zeit für a Frau. Oiso i seh'g mi a in da Stichwahl.
BM Dickl (lachend): Also Euer Optimismus in allen Ehren, ha ha, aber ich glaub schon, dass der Rother Andi in die Stichwahl kommt – also wenn's eine gibt. Ha ha ha.
Mangold (irritiert): Der Rother in die Stichwahl? Ja natürlich ist der in der Stichwahl.
Auer (kopfschüttelnd): Freilich ist der Andi in der Stichwahl, wos moanst'n Du?
BM Dickl: Ich versteh kein Wort. Ihr entschuldigt mich, ich muss mit dem Stadtbrandrat noch was besprechen.
Dittlmann: Was gibts, Armin?
BM Dickl: Du, nur eine einzige Frage. Wie viele Kandidaten kommen denn maximal in die Stichwahl?
Dittlmann: Hä? Was? Ja, zwoa hoid. Wos is'n des für a Frage?
BM Dickl: Äh, nur so. I woit nur no moi sicher geh'. Ich packs. Sag den anderen einen schönen Gruß von mir. Servus!
Dittlmann: Servus. (Zum OB) Herr Oberbürgermeister, Aufbruch? Wir sind fertig, oder?
OB: Sofort. Ich habe noch eine Frage. Warum, Herr Putzke, halten Sie sich für was Besonderes? Also ich kenne das, wenn man so fühlt, aber was ist es bei Ihnen?
Putzke: Ach, das ist so multifaktoriell, wo soll ich da anfangen?
OB: Kenne ich.
Putzke: Vielleicht was Mystisches?
OB: Gern.
Putzke: Kennen Sie irgendwen, bei dem sich in Vor- und Zuname jeder Buchstabe nur ein einziges Mal findet?
OB: Da müsste ich nachdenken.
Putzke: H o l m P u t z k e. (Schnippt in die Finger und ist verschwunden)
OB: Ich glaube, die sind verloren ohne mich.
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