Samstag, 31. Januar 2026

Aktuelle Kolumne aus dem Bürgerblick Februar 2026

Hängt sie höher                                                                     

 

Es traf sich ganz gut, dass die Niederschrift dieser Zeilen, ein paar Stunden vor Redaktionsschluss, mit dem ersten Tag der Plakatierung für die Wahl im März zusammenfiel. So beschloss der Verfasser dieser Zeilen, einen vormittäglichen Spaziergang durch die Stadt zu unternehmen, um ebendiese Plakate zu betrachten und zu begutachten. Wer regelmäßig oder gelegentlich an einem bestimmten Termin einen bestimmten Text abgeben muss, der an Brillanz alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt, weiß, wie dankbar man für Inspirationen aller Art sein kann – selbst für derlei.

 

Und was soll ich sagen? Fassungslosigkeit kann inspirierend sein. Auch im Jahr 2026 bleibt festzuhalten: Die Plakate sind fast ausnahmslos misslungen bis katastrophal und handwerklich schlecht gemacht, was wirklich alle Bereiche betrifft – Bild, Text, Gestaltung, einfach alles. Hat sich eigentlich einer der verantwortlichen Plakatprofis schon einmal mit wahrnehmungs- und kognitionspsychologischen Phänomenen beschäftigt? Offensichtlich nicht, sonst fände man auf den Plakaten keine Erlebniserzählungen oder Manifeste, während man sich, selbst im Schritttempo vorbeifahrend, schwertut, Name und sogar Partei oder Gruppierung zu identifizieren. 

 

Um die Validität meiner vormittäglichen Einzelbeobachtungsstudie so qualitativ und ökologisch (umweltbezogen, kontextnah) wie möglich sicherzustellen, bin ich die Regensburger Straße nicht nur zu Fuß abgegangen und habe die Plakate fotografisch dokumentiert, sondern habe die Strecke dann auch mit dem Auto zurückgelegt. Ergebnis: erschütternd. Das Lob vorweg: Die einzigen Plakate, die den elementarsten wahrnehmungspsychologischen Anforderungen genügen, stammen von den Linken. Rote Schrift auf weißem Hintergrund, vier Worte und Parteilogo, sonst nichts: „Mieten runter, Löhne rauf.“ So funktionieren Wahlplakate. Populistisch, aber es knallt. Das kann die AfD jedoch auch: „Wir halten, was die CSU verspricht.“ Ist zwar Quatsch, aber bleibt hängen.

 

Die Regeln für Plakate von Spitzenkandidaten sind eigentlich sehr simpel: gutes Bild, Name groß, Botschaft minimalistisch. Aber selbst das scheint die meisten zu überfordern. Dickls Foto ist dunkel, düster und farblos, während der Kopf mit zwei Textbalken vom Rumpf abgetrennt wird. Das ist nicht nur störend, sondern auch sinnlos, weil aufgrund der Schriftgröße unlesbar. Wer auf die Idee kam, ein 10-Punkte-Programm auf ein Großflächenplakat zu drucken (und es dann auch noch dort zu platzieren, wo es nahezu keine Fußgänger gibt), kann bestimmt auch Kühlschränke an Eskimos verkaufen. Rothers Bildsprache ist dafür nahezu genial. Wie auf einem Suchbild verschwimmt sein Gesicht mit dem Rathaus im Hintergrund zu einer Einheit. Aber den Namen kann man immerhin lesen.

 

Während bei Dickl und Rother der Parteiname schon sehr klein ist, taucht er bei Stefanie Auer erst gar nicht auf. Selbst das Grün auf dem Plakat sieht nicht so aus wie das Grünen-Grün. Riskant, aber ein Lob: Der Name steht oben links, wo er hingehört. Für das Grünen-Plakat habe ich heute lustigerweise mindestens die ersten zehn Minuten meines Spaziergangs eines gehalten, das absurderweise das Grünen-Grün verwendet, aber ansonsten ziemlich ungrün ist. Den Preis für das bislang schlechteste Wahlplakat verleihe ich hiermit „Zukunft Passau“, weil ich an mindestens zehn dieser Plakate vorbeigehen musste, bis ich erkannte, dass es sich nicht um die Grünen, sondern um „Zukunft Passau“ handelt. Respekt! Das muss man erst einmal schaffen.

 

An den ÖDP-Plakaten gibt es wenig auszusetzen, Putzke und Kapfer wurden leider vor Redaktionsschluss nicht gesehen, aber bis zur Wahl sind es ja noch einige Wochen und es gibt eine weitere Bürgerblick-Ausgabe. Ansonsten besuchen Sie gerne in den nächsten Wochen meinen Blog, wo ich unter anderem exklusiv verraten werde, welche Kandidaten der festen Überzeugung sind, in die Stichwahl zu kommen. Versprochen.





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