Mittwoch, 31. Dezember 2025

Götterdämmerung, fast. (Teil 1)

31. Dezember 2025, 23 Uhr 04. Der Passauer Bürgermeister und OB-Kandidat Armin Dickl steht vor seinem Schminkspiegel und macht sich zurecht. 


Dem Dickl seine Frau: Du, OBärli, wo hast denn Du mein Make-up und den Concealer hin getan?

BM Dickl: Brauch ich nur noch ganz kurz, mein First Baby, just a second.

Dem Dickl seine Frau: Was machst denn da damit, OBärli? Des Foto von der KI hat doch voll geil ausg'schaut.

BM Dickl: Des Foto von der KI ist vielleicht mega-mega-fresh, aber des kann ich leider nicht zum Silvesternacht-Spezialeinsatz rausschicken, oder First Baby?

Dem Dickl seine Frau: Wie rausschicken, was rausschicken, wen rausschicken? Magst Du heut' noch mal raus?

BM Dickl: Mei... Wollen, müssen, dürfen... That's our business now. Wenn's brennt, kommt der Chef. Und zwar der richtige Chef, ned nur so a Feuerwehrwehr-Kasperl.

Dem Dickl seine Frau: Brennt's leicht? Wo brennt's denn?

BM Dickl: Irgendwo brennt's immer, Baby. Und an Silvester sowieso. Die letzten Jahre war doch immer was. Und als OB, also, na ja, zukünftiger OB, musst halt da bereit sein. 

Dem Dickl seine Frau: Boah, OBärli, des is alles total aufregend. Aber des wird sicher a total anstrengend, oder OBärli?

BM Dickl: Ah geh, ich hab mir das gut überlegt: Ich glaub, ich mach auch keine 24 Jahr'. Nach 18 Jahren hör ich auf und dann lass ma's uns gut gehen.

Dem Dickl seine Frau: Voll, oder OBärli? Aber in den nächsten 18 Jahren lass ma's uns schon auch gut gehen, oder?

BM Dickl: Safe. Ich brauch ein Jahr, dann checken die Verwaltungs-Fuzzis, woher der Wind weht. Denen richt' ich die Wadl vire, bis ihnen die Augen tropfen. Und wenn der Laden wieder läuft, dann suchen wir zwei uns eine richtige mega-geile Partnerstadt für Passau, weil wir zwei haben ja keine Flugangst; oder haben wir Flugangst, First Baby?

Dem Dickl seine Frau: Null, OBärli. Irgendwas auf den Seychellen oder in der Südsee oder so?

BM Dickl: Seychellen easy. Südsee negativ – saukalt und stinkt nach Pinguin.

Dem Dickl seine Frau: Boah, wird des cool. Aber wo musst Du jetzt eigentlich noch hin, OBärli?

BM Dickl: Eigentlich scheiß geheim, aber egal. Ich hab zum Dittlmann gesagt, er soll mich anrufen – egal was passiert. Wenn eine Mülltonne brennt: anrufen. Wenn ein Baum umfällt: anrufen. Wenn ein Oachkatzl überfahren wird: anrufen. Wir haben Wahlkampf, First Baby, da ist alles Chefsache. Und der Chef bin...?

Dem Dickl seine Frau: Ich!

BM Dickl: Na ja, fast, Baby. Der Chef bin immer noch...?

Dem Dickl seine Frau: Du!

BM Dickl (seufzt): Is' ja wurscht. Der zukünftige Oberbürgermeister der Stadt Passau heißt jedenfalls...

Dem Dickl seine Frau: OBärli!

BM Dickl: Armin Dickl.

Dem Dickl seine Frau: Wow, sehr geil. Und da kann jetzt nix mehr schief gehen?

BM Dickl: Negativ. Jeder, den ich frag', sagt, er wählt mich. Des is brutal. Hätte ich mir noch vor einem halben Jahr nie träumen lassen. Wir haben eine Umfrage bei uns gemacht, da lieg ich bei fast 90 Prozent. Ok, die war nicht repräsentativ, aber wenn ich des noch interpolier' und ich im ersten Wahlgang bei 60 bis 70 Prozent lieg', soll's mir auch recht sein.

Dem Dickl seine Frau: Aber der Dittlmann ist doch so g'schert und macht Dir immer alles z'Fleiß. Der ist im Stand' und ruft wen anders an. Ich mag den ned.

BM Dickl: I doch a ned. Aber den hab' ich in der Tasche. Nützlicher Idiot. Den hab ich mir zur Brust genommen und gesagt: Wenn Du noch einmal ausscherst vor der Wahl, dann kannst beim Arschloch oder den Kommunisten kandidieren und nach der Wahl, wenn ich OB bin, dann is gleich vorbei mit dem Stadtbrandspaß.

Dem Dickl seine Frau: Echt? Mega. Und was hat er g'sagt?

BM Dickl: Mei, g'sagt... Eher g'schaut hat er. Wie einer, der schmerzhaft erkennen muss, dass er seinen Meister gefunden hat. (Deutet auf einen Schokoladen-Nikolaus) So klein mit Helm war der.

Dem Dickl seine Frau: Psst, da brummt doch was.

BM Dickl: Was brummt? I bin's ned.

Dem Dickl seine Frau: Psssssst. Dei Handy.

BM Dickl: Fuck, des war lautlos. Wo is'n des?

Dem Dickl seine Frau: Da liegts doch. Oh, mein Gott, drei Anrufe. Dreimal Dittlmann.

BM Dickl (auf Rückruf tippend, flüsternd): So ein Scheiß.

Dittlmann: Ja, da schau her. So eine Freude. Der Herr Bürgermeister persönlich. Hoffe, wohl gespeist zu haben und hoffe, nicht gestört zu haben. Da wäre ich nämlich untröstlich.

BM Dickl: Ja, is scho recht, sorry. War grad in am wichtigen Gespräch mit München. Streng geheim, sorry. What's up?

Dittlmann: München, geheim, klar, versteh' i doch. I woaß jetzt bloß ned, ob Du Dich mit so unwichtige Sachen a no...

BM Dickl: Andi, jetzt nerv ned. Immerhin bin ich der Ober..., der zukünftige ..., der höchstwahrscheinlich zukünftige Oberbürgermeister unserer Stadt. (Pause) Hallo?

Dittlmann: Ja ja, ich bin da. 

BM Dickl: Und warum sagst dann nix?

Dittlmann: Ich hab gedacht, da kommt noch mehr. Also was Du alles bist...

BM Dickl: So, Herr Stadtbrandrat, jetzt g'langts. Ich erwarte einen sofortigen Lagebericht zur Situation in der Passauer Silvesternacht 2025.

Dittlmann: Erwartest Du? Aha. Interessant. Kleiner Tipp für jetzt und Deine erfolgreiche Zukunft: Der Stadtbrandrat ist weder dem Oberbürgermeister noch und schon gleich gar nicht einem Reservebürgermeister weisungsgebunden. Ich rufe Dich an, weil ich ein besonders netter Stadtbrandrat bin, der das mit Dir so ausgemacht hat und (lauter werdend) ich rufe Dich in meiner unermesslichen Geduld sogar dreimal an, weil Du in der Silvesternacht kurz vor Mitternacht wichtige, geheime Sachen zu besprechen hast und nicht ans Telefon gehen kannst. Und jetzt frage ich Dich einmal und dann erkläre ich Dir alles vor Ort: Wie schnell kannst Du an der Hängebrücke sein?

BM Dickl: 15 Minuten, maximal.

Dittlmann: Roger, over and out.

Dem Dickl seine Frau: So klein mit Helm.

BM Dickl: Lass' einfach gut sein. Ciao, wart' nicht auf mich.


23 Uhr 37. Am Römerplatz herrscht eine gespenstische Kulisse aus Nebel und diffusem Licht. Kleinere Menschengruppen stehen vor der Hängebrücke und betrachten flüsternd die Donauquerung, als Bürgermeister Dickl hektisch sein quer abgestelltes Auto verlässt und zum Brückenkopf hastet.


BM Dickl (sich umblickend): Servus beinand.

Dittlmann und Rother (nebeneinander stehend): Servus Armin.

BM Dickl: Ähm, ja, servus. Du, Andi, kennan mir amoi ganz kurz unter vier Augen... ?

Dittlmann und Rother: Freilich.

BM Dickl (genervt): Na, ähm, bitte nur der Feuerwehr-Andi, ähm, danke.

Dittlmann: Gehen wir mal fünf Meter vor, dann zeig ich Dir gleich noch was.

BM Dickl: Sog amoi, spinnst Du? Was macht denn der Rother do?

Dittlmann: Siehg'st doch. Er steht rum – wia die anderen.

BM Dickl: Nicht lustig. Hast Du den angerufen?

Dittlmann: Eh klar.

BM Dickl: Eh klar? Du weißt schon, auf welcher Liste Du kandidierst – noch kandidierst?

Dittlmann: Eh klar.

BM Dickl: Und warum rufst Du dann zwei Monate vor der Wahl den Rother an, wenn der Dupper schon mal nicht da ist? Oder hast den auch angerufen, um Gottes Willen.

Dittlmann: Erstens: Weil ich Dich nicht erreicht habe und der Andi Rother immerhin auch Bürgermeister und OB-Kandidat ist. Zweitens: Den Dupper hab ich natürlich auch angerufen, aber da geht nur die Mobilbox hin. Und ein Stadtbrandrat ist in erster Linie Stadtbrandrat und in zweiter Linie im Wahlkampf. Host mi?

BM Dickl (mit leiser Stimme): Und warum san mir überhaupt do?

Dittlmann: Schau nach vorn.

BM Dickl: Ja, ich schau. Hängebrücke im Nebel. Krass. Und sonst?

Dittlmann: Schau genau!

Rother (von hinten dazu tretend): Ja, schau amoi genau hi. I hob a kurz braucht.

BM Dickl: Ich sehe die Hängebrücke bei Dunkelheit und Nebel. Kann man das Rätsel jetzt bitte auflösen?

Dittlmann: Die Brücke hängt durch.

BM Dickl: Die Brücke hängt durch?

Dittlmann und Rother: Exakt.

BM Dickl: Super-krass. Die Hängebrücke hängt. Deshalb heißt sie Hängebrücke.

Dittlmann: Durch, Armin. Sie hängt durch. Sie hängt nicht einfach, sie hängt durch. Schau doch hin.

BM Dickl: Wo soll ich hinschauen?

Dittlmann: Die Brücke hängt nach unten durch – sofern der Nebel und die komische Beleuchtung hier uns keinen Streich spielen.

BM Dickl: Aha. Und das darf eine Hängebrücke nicht?

Dittlmann: Negativ. Viele Brücken sind nach oben gewölbt, Hängebrücken eher gerade, aber nach unten durchhängen – nope.

Auer (von hinten dazu tretend): Servus! Schauts amoi hi. Wos is'n des?


Von der gegenüberliegenden Brückenseite hört man lauter werdende Musik. Gleichzeitig werden bunte Farbmuster in den Nebel über der Brücke projiziert. Selbst das beginnende Feuerwerk übertönt die Musik nicht. Man erahnt die Filmmusik aus Star Wars, nun erkennt man auch gegenständliche Hologramme im Nebel. Die Musik wird immer lauter und es lassen sich schemenhaft Figuren und Gesichter wahrnehmen. Erst wie ein Schatten, dann einigermaßen gut erkennbar schreitet ein nicht übermäßig großer Mann in einem zu kleinen Anzug über die Brücke auf die Schaulustigen zu. Ist es Luke Skywalker? Vermutlich nicht.


Was ist mit der Brücke passiert? Wo, um Himmels Willen, ist Jürgen Dupper? Und wann, zum Teufel, geht diese Geschichte eigentlich los? Die Auflösung gibt es natürlich im Teil 2, aber sicher nicht mehr heute. Bleiben Sie dran!





1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Musste drei mal lachen. Kein schlechter Jahresbeginn.