Sonntag, 16. Februar 2020

Mit Mannschaftsgeist zum Ziel

Teil 2 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Siegfried Kapfer, FWG (Fahrradfahrer, Wichtel, Gartenzwerge)

Steile Stufen führen zum FWG-Fraktionszimmer unters Rathausdach, zu einem Raum, den nicht einmal alle Verwaltungsmitarbeiter finden – und den auch niemand sucht. Unter der gewölbten Zimmerdecke reihen sich fein säuberlich beschriftete Aktenordner. Fußschellen, Elektroschocker, eine .357 Magnum und der Jungpolizistinnen-Kalender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) schmücken die Schreibtischecke, in der Siegfried Kapfer (63), Fraktionsvorsitzender, ehemaliger Kriminalbeamter und FWG-OB-Kandidat sein Dasein bei Wasser und Brot fristet.

Seinen abgewetzten Gummiknüppel – ein Geburtstagsgeschenk zum Vierzigsten – hat der Grubweger auf dem Konferenztisch in der Mitte des Raumes abgelegt. „Ich bin manchmal schon ein Hektiker, der Menschen schnell überzeugen möchte“, gibt er zu verstehen, gleichzeitig könne er ein „elendiger Sadist“ sein, sagt er lächelnd.

Schon als Kind spielte Kapfer, der schlanke Brillenträger mit der hohen Stirn, den raspelkurzen Haaren und dem Passauer Wolf am Revers, Fußball und Tischtennis, während seiner Zeit bei der Polizei kamen Handkanten- und Faustschlag hinzu. Bekannt ist er als Leichtathlet. Vor allem im Sprintbereich betrieb er Leistungssport und erreichte eine Bestzeit von 10,5 Sekunden auf 100 Meter – "oder auf 50, das weiß ich jetzt nicht mehr genau."

„Familie ist das Wichtigste für mich“, sagt Kapfer und schlägt ohne Vorwarnung mit dem Gummiknüppel einen Stuhl kurz und klein.

Geboren in Passau, wuchs er mit fünf Geschwistern in eher bescheidenen Verhältnissen in Thyrnau auf. Zurück aus russischer Kriegsgefangenschaft wählte Siegfried Kapfer die Polizeilaufbahn, wurde in Passau Kriminalbeamter. Jahrzehnte engagiert er sich in der Polizeigewerkschaft, mittlerweile wurde er zum Ehrenvorsitzenden im Kreis und im Bezirk ernannt. Die Ehrenurkunde von Letzterem hat ebenfalls einen prominenten Platz im FWG-Fraktionszimmer gefunden. „Ich habe mich für das Personal eingesetzt, etwa, .... Sagen Sie mal, sind Sie jetzt eingeschlafen? Das gibts doch nicht", ruft Kapfer und schlägt mir sanft mit dem Gummiknüppel auf die Schläfe. "Zuhören und mitschreiben – jetzt wirds erst interessant."

Er tritt als OB-Kandidat für die FWG an, weil man mit einem OB-Kandidaten in der Öffentlichkeit nun mal präsenter sei, flüstert Kapfer zögerlich. "Das hat aber gar nichts mit unserem hervorragenden Oberbürgermeister zu tun. Ich wähle natürlich nicht mich, sondern den Jürgen. Das können Sie ruhig schreiben. Nein, schreiben Sie das auf jeden Fall."

Die Fade-Winsler-Gemeinschaft ist Passaus älteste parteifreie Vereinigung – und nicht zu verwechseln mit Hubert Aiwangers Partei „Freie Wähler“, wie der OB-Kandidat betont. 1977 trat er der Gemeinschaft bei. 2008 wurde er erstmals in den Passauer Stadtrat gewählt. 2009 wurde er FWG-Vorsitzender, nachdem es aus geriatrischen Gründen bei der FWG keine Alternative gab.

Wieso er sich politisch engagiert? Kapfer überlegt, beugt sich über den Tisch, faltet die Hände, legt dann doch die rechte über die mit der silbernen Armbanduhr. „Wissen Sie wie fad Polizeiarbeit ist? Und was Langweiligeres als Leichtathletik gibts ja auch kaum. Da waren doch der Feuerer und der Schürzinger noch spannender. Gibts den eigentlich noch? Ja, früher wars schöner. Jetzt haben wir auf einmal Leute bei uns, die sind noch nicht einmal in Rente. Einen haben wir dabei, der sieht aus wie der Pumuckl, nachdem ihn ein Postauto überfahren hat, der plakatiert mir die ganze Stadt zu."

Die politische Arbeit mache ihm trotzdem noch Spaß. Nicht immer gehe es dabei allerdings um weltbewegende Themen. „Für manche Bürger ist es wichtig, einen eigenen Laufschlauch zu bekommen oder einen Kunstrasenplatz. Das kriegen die dann auch von mir.“

Und so äußert sich Kapfer öffentlich auch nur dann zu Themen, wenn er dazu auch wirklich etwas zu sagen hat. So hat es zumindest Oberbürgermeister Jürgen Dupper formuliert, als er zum 60er gratulierte, erinnert sich Kapfer und lacht. "Ich sag einfach immer das, was der Jürgen sagt – da liegst Du nie verkehrt."

„Es ist aber immer wichtig, alle Bürger mitzunehmen und niemanden abzuhängen. Die, die uns wählen, können nämlich meistens nicht mehr so gut laufen“, sagt er, seit seiner Kindheit selbst Mitglied im Seniorenbeirat.


Freitag, 14. Februar 2020

Die Ruhe selbst

Teil 1 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Urban Mangold, ÖDP

Die Schokoladenseite der Stadt mit Dom und Innpromenade kann er beim Blick aus dem sogenannten „Ruhezimmer“ genießen, Kloster Mariahilf, wenn er aus dem Küchenfenster schaut. „Ja, wir wohnen gern hier“, stellt Urban Mangold fest, der nicht nur ein "Ruhezimmer", sondern im Keller auch noch ein "Lachzimmer" hat. "Da gehe ich zwei- bis dreimal im Jahr runter und kichere vor mich hin – zum Beispiel wenn ich im Rathaus wieder mal den Chef geärgert oder beim Mensch-Ärgere-Dich-Nicht gegen meine Frau gewonnen habe."

So gern, dass der 57-Jährige, der seit 2008 2. Bürgermeister der Stadt Passau ist, kein Bedürfnis hat, groß zu verreisen. „Ich saß noch nie in einem Flieger“, erzählt er ohne Umschweife. „Das ist mir viel zu kompliziert – wann muss man sich anschnallen, wann muss man klatschen, was macht man, wenn man angekommen ist? Außerdem gibts im Flieger keine Bio-Milch, sondern nur Tomatensaft“, schickt er hinterher und blickt fragend zu seiner Frau, die am antiken Esstisch Platz genommen hat. „Wann waren wir das letzte Mal weiter weg? Ich glaube, es war 2015 in Freinberg. Da wollte ich eigentlich nach Hals, aber habe mich verlaufen“, gibt er sich selbst die Antwort. „Dass mich niemand falsch versteht“, ergänzt Mangold, während er die randlose, akkurat geputzte Brille zurechtrückt: „Ich will keineswegs den Zeigefinger erheben, niemanden maßregeln, der mal mit der Bahn 2. Klasse ins Allgäu fährt. Aber ich persönlich brauche das eben nicht. Vergnügungen, Spaß oder Horizonterweiterungen waren noch nie mein Ding.“

Wie schaut der Alltag eines 2. Bürgermeisters aus? „Ich komme wegen der vielen Veranstaltungen und Sitzungen meist erst gegen 15 Uhr nach Hause. Deshalb gehe ich es morgens ruhiger an. Aber spätestens um elf heißt es: raus aus den Federn“, erzählt Mangold. Ruhiger bedeutet: Frühstück um halb zwölf und dann ab ins Rathaus. Natürlich zu Fuß. "Ich bin achtmal durch die Führerscheinprüfung gefallen, weil ich mich geweigert habe, den Zündschlüssel umzudrehen. Beim Starten werden nämlich am meisten Schadstoffe hinausgeblasen", weiß Mangold. 

OB für Passau dagegen, das wäre sein Wunschziel. Denn die Arbeit als Bürgermeister macht ihm Spaß, „wenngleich vieles einfach zu langsam vorwärts geht. Da würde ich als Oberbürgermeister sehr schnell einiges ändern. Also "werde" wollte ich sagen. Ich fürchte zwar, dass ich es im ersten Wahlgang nicht packe, aber in der Stichwahl klappts dann ziemlich sicher. Das hat mir die Gottesmutter gesteckt, als ich kürzlich auf dem Bauch die Wallfahrtsstiege hochgerobbt bin."

Bis auf die ausgedehnten Waldspaziergänge, Mikado und Leute nerven bleibt Mangold wenig Zeit für Hobbys. Früher hat er leidenschaftlich gerne Keyboard in verschiedenen Bands gespielt, angefangen von Rockwerk Orange, Total Lokal bis Deep Purple Revival Band. Er war ein sehr guter Keyboarder im Rockbereich von Passau, wissen Zeitzeugen. "Irgendwann kam eine Anfrage von Ritchie Blackmore. Ich sollte Jon Lord ersetzen. Aber da hätte ich ja fliegen müssen", zuckt er mit den Schultern.
Er atmet tief durch und meint: „Wenn ich Zeit habe, entspanne ich am liebsten.“ Gerne zieht er sich dazu ins „Ruhezimmer“ zur Zeitungslektüre zurück. Na ja, mit der Ruhe ist das so eine Sache. Denn neben dem roten antiken Sofa steht auf einem knallroten Plexiglas-Tischchen ein Morsegerät und ein Funkgerät. „Wenn ich die Stadtverwaltung anfunke, komme ich schon mal bei einem rumänischen Trucker raus“, erzählt Mangold belustigt.

Aber es hat schon was, der CB-Funk trägt bewusst zum Entschleunigen bei. Ach ja, und wenn es wirklich eilig ist, gibt es ja noch das Handy. Obwohl, noch nicht sehr lange im Hause Mangold. „Bis August 2019 habe ich mich erfolgreich dagegen gestemmt“, denn alle seiner verstorbenen Bekannten sind an Handystrahlung gestorben. „Das gibt von diesem verbrecherischen Ärzte-Mobilfunkanbieter-Kartell bloß keiner zu", hat Mangold feststellen müssen.


Sonntag, 9. Februar 2020

Exklusiv auf Wahlinfo-Passau: Die nächsten AS-Titelthemen

16. Februar:

Schrecklicher Verdacht. Ist Putzke Sachse?

23. Februar:

Foto beweist: Putzke hilft Oma von AfD-Wähler über die Straße.

01. März:

Jetzt reichts! Putzke verteidigt Kriminelle vor Gericht.

08. März:

Schäbig! Steiner und Putzke werden Dickl nicht wählen (wahrscheinlich).

15. März:

Jetzt ist es raus: Steiner und Putzke planen Angriffskrieg.

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Wen Sie in fünf Wochen wählen wollen und sollen und wen Sie auf keinen Fall wählen dürfen, erfahren Sie demnächst ausschließlich auf Wahlinfo-Passau und natürlich in der Am Sonntag. Und auf Facebook natürlich.

Donnerstag, 16. Januar 2020

Medizinische Fakultät: Entscheidung pro Waldkirchen verärgert Grafenau

Ein neuer Regierungsbezirk und Behörden verteilt auf den ganzen Freistaat: Mit überraschenden Strukturplänen wartete Ministerpräsident Markus Söder am Mittwoch in Seeon auf. Konkret handelt es sich um eine neue Medizinische Fakultät in Waldkirchen.

Waldkirchen - "Das ist der Hammer"

Die Stadt hat sich unter anderem gegen Passau durchgesetzt – die Uni-Stadt war des Öfteren für eine Medizinische Fakultät im Gespräch gewesen, gerade auch, weil es dort mehrere Ärzte gibt. Selbst Waldkirchens Bürgermeister Heinz Pollak hatte einst beim Frühstück mit seiner Frau Passau als Sitz für eine Medizinische Fakultät erwähnt. Dass die Fakultät nun sogar in "seine" Stadt kommen soll, kann er kaum fassen, als die PNP ihn gestern telefonisch erreicht und die freudige Botschaft überbringt: "Das ist ja der Hammer, dann wird mein Hausarzt Ordinarius!"

Passau: "Waldkirchen eine nachvollziehbare Wahl"
OB Jürgen Dupper würdigte in einer kurzen Stellungnahme die Entscheidung: "Es ist schön, dass es künftig auch eine Medizinische Fakultät für den Regierungsbezirk Niederbayern gibt. Wir finden, dass Waldkirchen unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten eine nachvollziehbare Wahl ist."

Freude in Waldkirchen, Verärgerung in Grafenau
Was in Waldkirchen Freude auslöste, sorgte in Grafenau für Verärgerung: Die Grafenauer Bürgermeister reagieren "sehr verärgert und mit Unverständnis", wie sie in einer gemeinsamen Pressemitteilung schrieben: "Wenn wir jetzt nicht mindestens einen Forschungsreaktor oder die Dritte Startbahn kriegen, dann staubts."

Samstag, 4. Januar 2020

Der Felsen

1. Januar 2020, 0 Uhr 55. Der Passauer Oberbürgermeister serviert seinen Gästen in seinem Wohnzimmer gerade erlesenste Digestifs, als das Telefon klingelt.

Telefon: Ring, ring.

OB (schaut auf die Uhr): Same procedure as every year. Das ist sicher der Dittlmann, weils Rathaus brennt. (lacht laut)

Telefon: Ring, ring.

OB (zu seiner Frau): Geh Du hin.

Dem OB seine Frau: Dupper, hallo?

Stimme: Dittlmann, Frau Dupper, entschuldigens die Störung. Ich müsste – ja tatsächlich auch diese Nacht – dringend den Oberbürgermeister sprechen.

Dem OB seine Frau: Jürgen, der Dittlmann ist dran.

OB: Ha?

Dem OB seine Frau: Der Dit – tell – mann.

OB: Sog amoi, hat der a Rauchvergiftung? Gib her... Ja, Herr Dittlmann, ich weiß schon – das Rathaus brennt. Ha ha. Seit wann sind Sie witzig? Das ist übrigens überhaupt nicht witzig. Nur weil Ihnen fad ist, müssen Sie nicht Andere in der Silvesternacht inkommodieren.


Dittlmann: Ihnen auch die besten Wünsche, danke. Darf ich jetzt?

OB: Wenn nicht mindestens das Rathaus brennt – nein, dürfen Sie nicht. Eine schöne Nacht noch, lassen Sie sich Ihren Kamillentee schmecken.

Dittlmann: Felssturz. Anger. Der Fels blockiert komplett den Anger und die Nordseite Hängebrücke. Vollsperrung B 12 und B 388.

OB: Ja, dann räumts ihn halt weg. Wenn Sie es mit Ihren Leuten selber nicht schaffen, holts halt das THW dazu. Oder nehmts a paar Chinaböller – da drüben darf man ja. Herrgott, Dittlmann, bin ich der Stadtbranddings oder Sie?

Dittlmann: Sagen wir so. Der Felsen hat geschätzt 50 Kubikmeter. Wenn man jetzt die ungefähre Dichte von so einem Felsen kennt, dann reden wir da von schlappen 140 Tonnen. Ich würde mir das anschauen als Oberbürgermeister... Vor allem zweieinhalb Monate vor der Wahl.

OB: 15 Minuten.

1. Januar 2020, 1 Uhr 25. Zahlreiche Schaulustige haben sich auf der Hängebrücke und am Anger rund um einen riesigen Felsen versammelt, der mitten zwischen Hängebrücke und Ludwigsteig liegt.

OB: Habe die Ehre, Herr Dittlmann. Ich nehm alles zurück. Danke für den Anruf.

Dittlmann: Passt scho.

OB: Personenschaden?

Dittlmann: Seh ich das, wer da alles drunter liegt?

OB: Hörens jetzt mal auf, witzig zu sein. Dafür hab ich jetzt die Nerven nicht.

Steiner (zu einem Feuerwehrmann): Jetzt lassen Sie mich endlich durch, ich bin OB-Kandidat. (zum OB:) Haben Sie es mit den Nerven, Herr Oberbürgermeister?

OB: Oh mei. Sie sind auch überall, gell. Hab gar nicht gewusst, dass Sie bei der Feuerwehr oder beim THW sind... Oder sonst irgendeine wesentliche Position hätten...

Steiner: Das ist wieder typisch für Ihre Politik und Ihr Krisenmanagement. Wir haben hier einen Katastrophenfall und Sie pöbeln rum.

OB: Der Stadtbranddings und ich entwickeln gerade Lösungen – wenn uns die ganzen Gaffer dabei nicht stören.

Steiner: Ich bin ganz Aug und Ohr.

Junge Frau: Lassen Sie mich durch, ich bin OB-Kandidatrix. Sehr gut, jetzt haben Sie es endlich geschafft mit Ihrer brutalen Abholzerei.

OB: Wer isn des? 

Dittlmann: Keine Ahnung. Trixi oder so hats gesagt.

Steiner: Das spricht wieder für Ihre Überheblichkeit, Herr Oberbürgermeister. Dass Sie Ihre Gegenkandidaten nicht kennen, bzw. vorgeben, nicht zu kennen. Das ist die OB-Kandidatin der Grünen, Frau ... äh...

Junge Frau: Auer. Stefanie Auer.

OB: Freut mich, grüß Gott. (zu Steiner:) Darf ich Ihnen Frau Auer vorstellen, Herr Steiner?

Mann mit Glatze: Lassen Sie mich durch, ich bin OB-Kandidat.

OB sieht Dittlmann fragend an.

Dittlmann (zuckt mit den Schultern): Schrägi oder Schrägli oder so. (flüstert:) AfD.

OB winkt mitleidig ab.

Kräftiger Mann mit Brille: Lassen Sie mich durch, ich bin OB-Kandidat. 

Dittlmann (zischt): Der Linke. Ilzdampfer oder so.

Mann mit Glatze: Typisch für diese BRD GmbH. In China wär der Stein schon weg.

Ilsanker: Ja genau. Da würden jetzt die vielen Kinderchen mit den kleinen Hämmerchen kommen.

Tumult an der Absperrung. Bei einem Handgemenge geht ein Feuerwehrmann zu Boden.

Tausch: Loß mi durch, Du Krischperl, sonst leg i Da oane auf. I bin OB-Kandidatin. 

OB: Um Gottes Willen. Mir bleibt nichts erspart.

Tausch: Oh leck, wia schaudsn do aus? Is des a Meteorit? 

Dittlmann: Ein Felsen. (flüstert:) Christa, hau halt nicht immer gleich zu. Es ist Wahlkampf.

Tausch: Ja, scheiß drauf. Und der Herr Oberbürgermeister? Steht do und warnt vor Aktionismus, oder? Schaut ned so aus, als wenn hier wos passiert.

Steiner: Sehr gut, Frau Kollegin, ich bin jetzt seit geraumer Zeit hier und der Herr Oberbürgermeister wartet ab, bis der Fels – ja was? – erodiert wahrscheinlich.

Koopmann: Jetzt lassen Sie mich sofort durch. Ich bin OB-Kandidat und Ruinen-Retter. 

Mangold: Und mich auch. Ich bin OB. Also noch nicht, aber ist ja nicht mehr lang hin. Ich verlange eine sofortige Zählung der in Mitleidenschaft gezogenen Bäume und eine unverzügliche Wiederaufforstung im Hang. Außerdem ist das Haus da bei der Ampel beim Felssturz beschädigt worden und hat meiner Meinung nach Denkmalcharakter. 

Koopmann: Sehe ich genauso. Absolut schützenswert. Ich beantrage ein sofortiges Gutachten.

OB: Sagens amal, Herr Dittlmann – das sind wirklich alles OB-Kandidaten?

Dittlmann: Ja. Und noch nicht einmal alle.

OB: Was???

Kapfer: Grüß Gott beinand, servus Jürgen. Was machen wir? Soll ich ein paar Leute von der LG holen? Dann rollen wir den Kiesel weg.

Dittlmann (zu Dupper): Der ist auch OB-Kandidat.

OB: Wie viele sind das jetzt?

Steiner: Genug, Herr Oberbürgermeister. Genug für Sie, bzw. genug für die Stichwahl.

Mangold (strahlend): Genau.

Steiner (lächelt): Die Bürger wählen bestimmt einen in die Stichwahl, dessen Hauptthemen zwei verfallene Häuser, ein Klohäusel an der Ortspitze und Biomilch für die Passauer Schulkinder sind.

OB (grinst): Na dann, dann wünsche ich Euch allen viel Erfolg. Wenn der Sozialist und der Reichsbürger miteinander 20 Prozent holen, dann klappts auch sicher mit der Stichwahl. Und wenn jetzt zu den unzähligen OB-Kandidaten noch sämtliche Passauer Ehrenring- und Bundesverdienstkreuzträger hier auftauchen, können wir locker das Steinderl in die Donau schmeißen.

AS-Mann: Lassen Sie mich durch, ich bin Journalist.

Steiner: Was ist der?

AS-Mann: Journalist bei der AmSonntag.

Steiner: Ach so, AmSonntag. Erst hab ich Journalist verstanden.

AS-Mann: Herr Oberbürgermeister, wie ich sehe, haben Sie die Lage absolut im Griff.

OB: Ja klar, vielen Dank im Voraus für die Berichterstattung. (flüstert:) Und noch mal herzlichen Dank für das Interview nach Weihnachten. Top!

AS-Mann: Kann ich nur zurückgeben. Tolle, fundierte Antworten.

OB: Ah na. Ich hab das gesagt, was ich immer sage. Ihre Fragen waren super. So viele Angriffe gegen den politischen Gegner machen wir im ganzen Wahlkampf selber nicht. Aufrichtigen Dank.

Steiner: Da können Sie sich wirklich bedanken. Dass ein (zeichnet mit je zwei Fingern beider Hände zwei Anführungszeichen in die Luft) JOURNALIST bei einem Interview in einer (hebt den rechten Zeigefinger hoch) FRAGE die Politik der Passauer CSU als Steilvorlage für Kabarettisten und als unseriös bezeichnet, ist schon Journalismus vom Feinsten.

Tausch: Leck, ja. Des war der Abschuss. Und in einer anderen Frage hat er die Thunberg ein "armes, bedauernswertes Mädchen aus Schweden, das stets betont, man habe ihr die Kindheit gestohlen" genannt. (Boxt dem AfDler in die Rippen) Gell, Schrägi, nach der Machtergreifung gibts nur noch solchen Journalismus.

Ilsanker: Wo ist denn eigentlich der Obersturmbannführer? Oder sitzt der schon?

Mann mit Glatze: Ach, haltets doch den Mund, Ihr Systemlinge. Herr Oberbürgermeister, Herr Dittlmann, Sie haben das gehört. Das war eine schwere Beleidigung gegen einen Kameraden.

OB und Dittlmann winken ab.

Ilsanker: Das ist interessant, dass Sie glauben, zu wissen, wen ich gemeint habe.

Träger: Lassen Sie mich durch, ich bin Bürgermeisterin.

Mangold, Koopmann, Grüne: Noch.

Mann mit Glatze (singt): Unsre Erika fliegt mitm Flieger nach Südfrankreich und Spanien und noch weiter. Unsre Erika fliegt mitm Flieger nach Südfrankreich, unsre Erika ist ne alte Umweltsau.

Träger: Wer isn der Depp?

Alle: Egal.

Träger: Servus, Jürgen. Weil wir in der Vergangenheit so gut zusammengearbeitet haben, wie auch hoffentlich zukünftig, hab ich mir gedacht, ich komm vorbei und helf Euch ein bisserl.

OB (nickt): Danke, Erika. Wie denn?

Träger: Ich könnt den Verkehr regeln.

Dittlmann: Hier kommt doch keiner vorbei.

Ein kleiner durchtrainierter Mann mit einem Baseball-Cap mit Aufdruck EMU springt auf einem Skateboard über die Absperrung und kommt direkt zwischen den OB-Kandidaten zum Stehen.

OB: Ah, noch ein OB-Kandidat. Oder – nein, doch nicht.

Steiner: Servus Holm, seit wann fährst Du Skateboard? 

Putzke: Ich habs mir gestern in zwei Stunden selbst beigebracht. (Grinst) Street Credibility – Du verstehst. Ist außerdem ein schöner Ausgleich zu Iron Man, MMA und der Vorbereitung meiner Sammelklage für die Indianer, Aborigines und Herero.

OB: MMA? Mann mit Aufmerksamkeitssucht?

Putzke: Mixed Martial Arts. (Boxt mit der blanken Faust gegen den Felsen, dass ein fußballgroßes Stück herausbricht.) Das geht alles über Ihren Horizont hinaus, Herr Oberbürgermeister.

OB (schlägt mit der Handkante gegen den Felsen, dass sich ein langer Riss bildet): Vorsicht, Bürscherl.

Putzke: Ich komme übrigens gerade aus der Innstadt. Ich bin über eine Stunde von der Polizei aufgehalten worden und durfte die Brücke nicht passieren. Wenn ich herausfinde, dass Sie da dahinterstecken, zeige ich Sie an. Nötigung, möglicherweise Freiheitsberaubung, weil es sich bei der Innstadt im Falle einer Brückensperrung faktisch um eine deutsche Exklave handelt.

Flisek: Jetzt lassts mich halt durch. So wichtig wie die da alle bin ich auch grad noch. Spitzen-Idee, Herr Putzke. Sie haben überhaupt viele gute Ideen zur Zeit. Das siebzehnmalige Nachtarocken im Skater-Streit – so was mögen die Leute, das bringt Stimmen. Wobei – das mit der Emerenz-Meier-Universität war jetzt Ihr Meisterstück als Kommunalpolitiker.

Steiner: Nur weil Ihr nie, wirklich nie, irgendwelche Ideen habt. Was wird hängenbleiben? Dass man diskutiert, dass die Passauer Uni nach einer Frau benannt wird. Und wer hat die Idee gehabt? Professor Holm Putzke. Ihr Kleingeister.

Putzke: Danke, Georg, man muss provozieren, sonst passiert nichts.

Flisek: Wie wärs denn mit Helene-Fischer-Universität? Die hat zwar auch nicht studiert, war aber immerhin mit einem Tiefenbacher zusammen. Oder wir nennen sie einfach Medizin-und-Medien-Universität. Self fulfilling prophecy – wenn zwei, drei Leute hier verstehen, was das heißt.

Putzke: Und was hat das jetzt mit meiner Frauennamenidee zu tun, wenn ich fragen darf?

Tausch (prustet): MUMU! Ich brech zamm, ist des geil.

Flisek: Dito.

Träger: Seids amal stad. Alle!

Alle schweigen und schauen Erika an.

Träger: Merkts Ihr was?

Alle schauen sich schweigend um.

OB: Der Verkehrsminister ist leider nicht da.

Träger: Des mein ich nicht.

Dittlmann: Ziemlich leise ist es. Und das mit dem Felsen hat sich wohl rumgesprochen, weil kein einziges Auto mehr herfährt.

Träger: Genau. Den Felsen schickt uns der Himmel. Lass man liegen.

Mangold: Von mir aus.

Koopmann: Gern.

OB: Also lass man liegen, den Felsen. Was meint der Herr Stadtbranddings?

Dittlmann: Welchen Felsen?

Alle ziehen lächelnd und schweigend von dannen.


Dienstag, 31. Dezember 2019

Liebe Leser!

Leider verzögert sich die Weihnachts-/Jahreswechselgeschichte wegen Erkrankung des Präsidenten noch ein wenig. Sollte er die Erkrankung überstehen, erscheint die Geschichte sicherlich in den nächsten Tagen.

Wir wünschen einen schönen Abend und ein gutes Neues Jahr!

Freitag, 27. Dezember 2019

Vielen Dank ...

... für die zahlreichen Besuche.

Die Weihnachtsgeschichte dauert noch ein bisschen – aber sie kommt.

Freitag, 20. Dezember 2019

Kolumne au dem aktuellen Bürgerblick

Aufaddiert und abgezogen

Lieber Tölpel!


Heute mal ein bisschen Mathematik. Wenn zu einer OB-Wahl zwei Kandidaten antreten, dann hat der mit den meisten Stimmen – wenn jetzt nicht gleich zehn Prozent ungültig wählen – normalerweise die absolute Mehrheit. Wenn es drei Kandidaten sind, müssen schon zwei gemeinsam unter 50 Prozent bleiben, damit es keine Stichwahl gibt. Frage: Wenn neun Kandidaten zu einer OB-Wahl antreten, senkt oder erhöht das die Wahrscheinlichkeit einer Stichwahl? Na gut, das ist so einfach, das kann sogar der durchschnittliche Bürgerblick-Leser beantworten.

Wenn jetzt Georg Steiner das Rosemariesche 2014-Ergebnis von 18,4 Prozent erreichen sollte (ruhig bleiben, Professor Steiner, geht nur um Mathematik), brauchen sieben Kandidaten gemeinsam noch 31,6 Prozent und zack – haben wir eine Stichwahl. Und weiter gesponnen: Wenn Urban Mangold sein damaliges Ergebnis von 8,98 Prozent um nur lächerliche zehn Prozent verbessert, stehen Dupper oder Steiner und Innerregierungs-Opposition Mangold in der Stichwahl. Geht man allerdings davon aus, dass die grüne OB-Kandidatin die 22 Prozent der bayerischen Grünen in der aktuellen Sonntagsfrage erreicht, ist sie in der Stichwahl.

Streng mathematisch betrachtet, kommt es also im März zu einer Stichwahl zwischen dieser jungen Grünen und Urban Mangold. Da kann ich jetzt gar nichts dafür, lieber Jürgen, lieber Georg, das war jetzt reinste Empirie. Obwohl – der Koopmann reißt doch auch locker 20 Prozent!? Dann würden ja vielleicht Dupper und Steiner nicht mal mehr aufs Stockerl kommen? Da solltet Ihr jetzt wirklich langsam mal mit dem Wahlkampf anfangen, statt Euch nachts am ZOB rumzutreiben oder einfach entspannt abzuwarten. Schaut auf Agent Orange! Der hat sich den Wahlspruch Urbi pro Orbi zu eigen gemacht und rettet die Stadt und den Erdkreis mit Anträgen.

Prognose?


Deine Kathi

Liebe Kathi!

Ich glaube nicht, dass es der Kapfer wird. Ich glaube gar nicht, dass es ein Mann wird. Und auch keine Grüne. Ich finde auch die Frage viel spannender, wer, wenn es der Jürgen doch noch mal schafft, seine Stellvertreter werden. Die Erika ist freilich als unser aller Bürgermeisterin der Herzen gesetzt. Und sonst? Den Mangold tut er sich sicher noch nicht einmal sechs Jahre lang an. Einen von der CSU? CSU: Putzke. Dupper: Alle außer Putzke. CSU: beleidigt. Irgendwie habe ich gerade ein Déjà-vu. Wenn der Steiner OB wird, braucht er gar keine zwei Stellvertreter – bei dem Elan, den der hat.

Mich treibt eigentlich was ganz Anderes um. Seit Jahrzehnten beobachte ich jetzt (aus Masochismus?) diese Kommunalwahlen und ich weiß jetzt schon, was ich in einem Jahr wieder schreiben werde. Wo, zum Teufel, sind die Wahlkampfthemen geblieben? Schublade, Schredder, Wiedervorlage? Ich erlaube mir, ein aktuelles Thema, beispielhaft für zig andere, zu benennen.

Bereits lange vor der letzten Wahl wurde darüber diskutiert, dass mehr bis alle Donauschiffe an Landstromanlagen angeschlossen werden sollen. Dann fragt ein Reporter des BR in einem Fernsehbeitrag von 2019 (sic!) den Passauer Wirtschaftsreferenten, ob denn die Nichtnutzung von Landstrom kontrolliert und sanktioniert wird, woraufhin der lächelnd mit den Schultern zuckt. Dann stellt unser Urban einen seiner berüchtigten Anträge, dass alle Schifferl versenkt, pardon, zu Jutetaschen recycelt werden müssen und es kommt zumindest heraus, dass zukünftig schärfere (sic!) Kontrollen durchgeführt werden sollen.

Was ist schärfer als null Kontrollen? Eine? Zwei? Drei? Pro Woche? Pro Jahr? Bis zur nächsten Wahl? Wie wird sanktioniert? Den Kapitän ausschimpfen? Den Kapitän über die Planke laufen lassen? Oder kontrollieren das die Parküberwacher und hängen ihm einen 15-Euro-Strafzettel ans Schiff?

Dein Tölpel

Samstag, 2. November 2019

Kolumne aus dem aktuellen Bürgerblick

Aufgestellt und abserviert

Lieber Tölpel!

Hui, war das eine Aufregung im Lebensschützer-Mikrokosmos. Die PNP hat nämlich einen echten Skandal aufgedeckt. Eine Frau hat einen Termin für eine Abtreibung, sagt ihn in letzter Sekunde ab und weigert sich aber, das dem Arzt wegen der Kurzfristigkeit wohl zustehende Ausfallhonorar zu bezahlen, woraufhin dieser klagt. So weit, so unspektakulär. Man kann aber auch eine reißerische Story draus machen, in der zwischen den Zeilen irgendwie subtil insinuiert wird, dass der Arzt unzufrieden damit ist, dass er das Kind nicht abtreiben darf und deshalb klagt. Die Perfidie endet hier noch nicht. Natürlich weiß man bei der Heimatzeitung, dass das für ihre selbstgerechte und moralistische Leserschaft ein gefundenes Fressen ist und so nehmen die Dinge ihren Lauf.

Unzählige Leserbriefe werden abgedruckt – wie zu erwarten: Empörung, Entsetzen, „ja wo leben wir denn?“, großteils Themaverfehlungen, die mit der Sache nichts zu tun haben. Wie kann so ein Halbteufel in Weiß eine wieder auf den rechten Pfad Gekommene nur verklagen? Schlimm, pfui, ich heul gleich. Der eigentliche Skandal ist aber ganz ein anderer. Dass Frauen im letzten Zipfel der Republik zwischen Tschechien und Oberösterreich, die abtreiben wollen, auf einen einzigen Arzt angewiesen sind, der eigentlich schon längst im Ruhestand wäre, wenn er nicht gebraucht werden würde. Sonst macht‘s nämlich keiner – auch nicht unsere zukünftige Uniklinik.

Gibt’s da eigentlich niemanden im Stadtrat, der das Thema mal wieder aufgreift? Das wäre doch wirklich was für die Grünen, eigentlich sogar ein ur-grünes Thema. Mein Bauch gehört mir, Selbstbestimmung der Frau, usw. usf. Wenn jetzt dann nächstes Jahr diese vielen jungen Weltretter in den Stadtrat einziehen, könnten sie sich ja freundlicherweise nicht nur der Verhinderung des Weltuntergangs, sondern auch solch trivialen Stadtthemen widmen.

Deine Kathi


Liebe Kathi!

Die Grünen haben ja jetzt wider Erwarten einx Volljährigx zux OB-Kandidatx nominiert. Der Synek Charly musste ihnen wahrscheinlich stundenlang erklären, dass ein drohender Weltuntergang nicht das Wahlrecht außer Kraft setzt und 14-Jährige einfach nicht OB werden können. In sechs Jahren vielleicht, wenn der Notstand sicherlich schon lange gilt. Dann ist der Charly aber vielleicht gar nicht mehr dabei und muss nicht in der Sitzungspause seine Fraktionskollegen wickeln. Dieser Junge von den Grünen hat übrigens gesagt, dass sie lauter spitzenmäßige Kandidierende haben. Und was sind die dann, wenn sie gewählt werden? Stadtratende?

Hurra, Freddy ist wieder da! Dr. Frederik Weinert, der uns schon vor vielen Jahren so viel Wahlkampf-Freude gemacht hat, plant eine eigene Stadtratsliste. Der Buchautor, Digitalexperte und Vortragsredner plant eine „konservative Liste mit den Schwerpunkten Christlichkeit, Werte und Soziales.“ Das ist ja schon mal ein Alleinstellungsmerkmal! Außerdem ist das Multitalent tierlieb und will ein Wirtshaus in Schalding. Freddy, toi toi toi!

Hab ich wen vergessen? Ah, die SPD und die CSU z.B. Die SPD beteiligt sich nicht an irgendwelchen Abwerbeversuchen und ist rundweg zufrieden mit ihrer noch zu präsentierenden Liste. Da ist dann der Oberjürgen drauf – und die Anderen halt. Bei der CSU läuft‘s – sagen wir mal – noch nicht ganz rund. Prussian Pitbull Putzke (PPP) muss aufpassen, dass er sich politisch nicht bald im Partizip Perfekt Passiv (PPP) von „sein“ befindet. Die „Am Sonntag“ schreibt etwas von einer „brutalen Wahl-Watschn für Steiner“, aber das bringen halt Revolutionen mit sich: dass nicht alle begeistert sind von der Liste. Sehen wir es doch positiv: Feindliche Übernahme der Passauer CSU – einstweilen – geglückt.

Dass mir übrigens, wenn es um Holm Putzke geht, immer diese Spitzenwortspiele einfallen? Inspirierend, der Mann.

Dein Tölpel

Mittwoch, 3. Juli 2019

Ähm

Ich muss das erstmal verarbeiten, bis ich zu allem was schreiben kann.

prä

Samstag, 20. April 2019

Believe and pray

Ich habe mir die Mühe gemacht, die gestrige Online-Publikation des Passauer Bischofs von vorne bis hinten durchzulesen.

Abgesehen davon, dass der Text vom Aufbau her, sprachlich und inhaltlich vollkommen verschwurbelt, konfus und quälend redundant ist (wie immer), möchte ich versuchen, einzelne mir halbwegs verständliche Behauptungen zu kommentieren.

Da verteidigt ein noch nicht so alter Mann, der die Welt nicht versteht, weil er sich schon vor langem in seine Scheuklappen-Religiosität hinein geflüchtet hat, einen ziemlich alten Mann, der die Welt noch nie verstanden hat, weil er noch nie in der richtigen Welt gelebt hat. Der eine glaubt, dass "Believe and Pray" die Menschen besser macht. Womöglich glaubt er es wirklich. Der andere stellt Behauptungen auf, die man wohlwollend als seinem Alter geschuldet wahrnehmen könnte, wüsste man nicht ganz genau, dass dem Austrags-Papst wohl bekannt ist, dass Übergriffe und Prügelorgien bei den Domspatzen und anderswo nicht von irgendwelchen 68ern begangen wurden. Notfalls könnte er seinen Mittäter-Bruder fragen.

Worum geht es also in Osters Karfreitags-Depesche? Möglicherweise wäre der Text verständlicher, wenn man irgendetwas Pseudowissenschaftliches wie Theologie oder Parapsychologie studiert hätte – aber nicht einmal da bin ich mir sicher. 


Zitat Oster: "Macht, Sex und Geld sind zu allen Zeiten die großen und bleibenden Herausforderungen des Menschen gewesen und das Evangelium ist in allen diesen Punkten sehr klar und sehr ausdrücklich: diejenigen, die an Jesus glauben, sind herausgefordert und eingeladen Ihm zu folgen in der Absage an eine Macht, die andere beherrschen will, in der Absage an ein Besitzen, das hinderlich ist für den Eintritt in das Reich Gottes, und in der Einladung die Kraft und Schönheit von Sexualität dort zu leben, wo sie der Liebe und dem (neuen) Leben dient und nicht, wo sie sich zuerst von egozentrischer Triebhaftigkeit bestimmen lässt." Abgesehen davon, dass kein Mensch, der nicht in Osters, sondern in der richtigen Welt lebt, versteht, in welchen Fällen Oster Sexualität für schön hält und wann egozentrische Triebhaftigkeit beginnt, verstehe ich ihn so, dass Macht, Sex und Geld ein Problem darstellen. Dann, Bischof Oster, schaffen Sie sofort die Katholische Kirche samt Vatikan, Papst, Kardinälen, Glaubenskongregation etc. ab und fangen noch einmal bei Null nach Christus an. Macht, Sex und Geld waren seit jeher tragende Säulen Ihres Vereins – neben Sklaverei, Folter, Völkermord usw.

Oster schreibt weiter: "Der Märtyrer glaubt: „Es gibt eine Wahrheit, die größer und tiefer ist als ich selbst. Und sie ist da. An ihr misst sich mein Leben und mein Verhalten. Für diese Wahrheit allein kann ich leben – und sterben!“ Genau das hat sich Anis Amri wohl gedacht, als er den Sattelzug in den Weihnachtsmarkt gelenkt hat. 

Was ich aus Osters verschwurbeltem Text aber tatsächlich herauslesen kann, ist seine sektiererische, immer wieder vorgetragene Behauptung, der Mensch kann Gut und Böse nicht unterscheiden, wenn er nicht an Gott glaubt. Nein, er kann es noch nicht einmal dann, wenn er die dauerhafte Anwesenheit Gottes nicht erkennt. Das ist nicht nur eine Beleidigung aller Menschen, die diesen Religionsquatsch überwunden haben, sondern eigentlich bereits Hassrede – Hate Speech.

Dass diese Behauptung vollkommener Unsinn ist – um das zu sehen, braucht es keinen theologischen oder sonstigen Diskurs. In der Welt, in der ich lebe, begingen und begehen Menschen Terroranschläge, Morde, Völkermorde und alles Böse, was man sich vorstellen kann, obwohl sie an die dauernde Anwesenheit eines Gottes glauben und ganz oft auch, WEIL sie an ihren Gott glauben – und das sind nicht nur Islamisten. 

Vielleicht ist es ja anders herum – wer immer nur an irgendetwas glaubt ohne nachzudenken, verliert das Urteilsvermögen dafür, was gut und was böse ist. 

Frohe Ostern!

Freitag, 8. März 2019

Heute in einem Passauer Lebensmittelmarkt

Durchsage: "Liebe Kundinnen, heute ist Weltfrauentag. Aus diesem Grund erhalten Sie das Netz Speisekartoffeln für 1,99 statt für 2,49."

Genialer kann man die Situation nicht auf den Punkt bringen.




Samstag, 2. März 2019

Bistum Passau erlässt Verhaltenskodex für alle Mitarbeiter (PNP)

Das Bistum Passau hat einen Verhaltenskodex für alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter erlassen. Die im neuen Amtsblatt der Diözese veröffentlichten Regeln sollen ein achtsames Miteinander mit Minderjährigen sicherstellen. Der Verhaltenskodex wurde auf Anweisung von Bischof Stefan Oster von der Stabsstelle Prävention verfasst. Ziel ist die Verhinderung von Grenzverletzungen, sexuellen Übergriffen und Missbrauch in der kirchlichen Arbeit. Die Vorschriften gelten für rund 10.000 Beschäftigte in Einrichtungen von Kirche und Caritas sowie mindestens noch einmal so viele Ehrenamtliche.


Untersagt sind diesen künftig unter anderem gemeinsame Urlaube mit Minderjährigen oder regelmäßige private Einladungen. Vor jeder Berührung muss nach dem Einverständnis gefragt werden. (Darf ich mal Deinen Piepmatz anfassen, bitte?) Körperkontakt ist nur erlaubt, wenn es um Trost (Mmmh, das tut gut, gell?), Erste Hilfe (Ich bin Priapismus-Therapeut.) oder Pflege (Da schmieren wir jetzt einfach ganz viel Babyöl drauf.) geht. Einzelne Minderjährige dürfen von Kirchenmitarbeitern keine finanziellen Zuwendungen, Belohnungen (Such mal, wo ich das Mon Chéri für Dich versteckt habe!) oder unangemessenen Geschenke (Und nach den Ferkeleien einfach mit dieser Peitsche selbstkasteien – dann drückt der liebe Gott ein Auge zu.) erhalten. Mutproben sollen unterbunden werden, auch wenn die Schutzperson dieser zugestimmt hat. (Tut mir leid, wir dürfen keine Flasche Wodka mehr exen – das hat uns der Herr Bischof verboten.)

Übernachtungen von Kindern und Jugendlichen in Privatwohnungen von Seelsorgern sowie anderen haupt- und ehrenamtlichen Kirchenmitarbeitern sind verboten. (Wir müssen jetzt leider immer ins Hotel, Süßer.) In Ausnahmen müssen stets mindestens zwei Erwachsene präsent sein (Dafür nehmen wir heute mal den Herrn Kaplan mit.) und die Erziehungsberechtigten zugestimmt haben. (Wir lernen dem Buben das Pokern.) Der alleinige (Immer zwei oder drei Buben gleichzeitig!) Aufenthalt mit einer minderjährigen Schutzperson in Schlaf- und Sanitärräumen ist zu unterlassen, gemeinsame Körperpflege (Nur noch gegenseitig, nicht nur gemeinsam!) nicht erlaubt. Anvertraute dürfen unbekleidet weder beobachtet noch gefilmt oder fotografiert werden. (Lesen Sie hierzu einen Kommentar von Karl Birkenseer.) Vermieden werden sollen im Umgang mit jungen Menschen Kosenamen, Fäkaliensprache, Zynismus oder Verniedlichungen. (Wo sind denn meine versauten Altar-Schlampen?)


Übers Ziel hinaus geschossen. Ein Kommentar von Karl Birkenseer


Bischof Oster hat einen Verhaltenskodex für alle Mitarbeiter im Bistum Passau erlassen. Das ist grundsätzlich zu begrüßen.


Erzwungener, möglicherweise gefesselter Geschlechtsverkehr hat in einer moderner werdenden Kirche nichts verloren. So ist es sicher richtig und wichtig, dass der Minderjährige vorher immer um sein Einverständnis gefragt werden muss. Dass sexuelle Praktiken mit Kindern nur noch zum Trost oder aus pflegerischen Gründen erlaubt sind, ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.


Wenn allerdings nackte, sich neckende, scherzende Ministranten nicht mehr gefilmt werden dürfen, fragt man sich, wer dann noch Priester werden soll. Wenn einem zölibatären Seelsorger überhaupt kein Spaß mehr gegönnt wird, wird der Priestermangel wohl noch zunehmen.


Lassen wir doch die Kirche im Dorf. Vergewaltigungen, harte SM-Praktiken und Prügelorgien: nein. Schmusen, Kuscheln, Knutschen, einvernehmliche zärtliche Praktiken und Filmaufnahmen müssen weiterhin möglich sein.

Montag, 31. Dezember 2018

Der Untergang der Stadt Passau? (Teil 2)

Teil 1 der Geschichte lesen Sie unter diesem Beitrag.

OB: Sind Sie neuerdings bei der Staatsanwaltschaft, weil Sie mir solche Fragen stellen oder mittlerweile einfach nur komplett abgehoben, Herr Professor Putzke?

Putzke: Ich bin ein interessierter und informierter Bürger – nebenher politischer Funktionär – und frage mich schon, wem ein Rathausbrand am meisten nützt.

OB: Und was schließen Sie da in ihrem Scharfsinn?

Putzke: Nun... jemandem, der sich zum einen im Katastrophenfall profilieren will und zum anderen Spuren verwischen muss.

Dittlmann: Der Mangold.

Putzke: Hä? Wieso der?

Dittlmann: Der Mangold ist da. Gute Nachricht gibts im Moment keine.

Mangold: Hallo, Grüß Euch! Schrecklich. Dieser ganze Feinstaub. Kohlenmonoxid, Kohlendioxid. Schrecklich.

Dittlmann: Wahnsinn. Unser schönes Rathaus fällt gleich zamm und er faselt was von Feinstaub. Was machen Sie eigentlich die ganze Zeit mit Ihrem Smartphone, Herr Putzke? Filmen Sie mich? Hören Sie auf, mich zu filmen.

Putzke: Quatsch mit Soße. Ich google mich.

Dittlmann: Warum?

Putzke: Na, um zu sehen, ob es was neues über mich gibt.

Dittlmann: Sie stehen gerade in Passau vorm brennenden Rathaus. Breaking News.

Putzke: Das verstehen Sie nicht. Sie haben ja keine Ahnung, wie berühmt ich bin.

Polizist: Können Sie sich ausweisen?

Putzke: Wer? Ich? Warum?

Polizist: Sie ähneln der Personenbeschreibung eines Verdächtigen.

Putzke: Guter Mann, schlimm genug, dass Sie mich nicht kennen. Professor Doktor Holm Putzke, Professor, Strafverteidiger und bald... aber lassen wir das.

Polizist: Holm Putzke? Haben Sie vielleicht einen Künstler- oder Spitznamen? Hompelputzchen oder so?

Putzke: Woher...

Flisek: Servus beinand.

Polizist: Ich nehme jetzt mal alle Personalien auf. Können Sie sich ausweisen?

Flisek: Ich hab nichts dabei. Ich wohn gleich um die Ecke.

Polizist: Name?

Flisek: Christian Flisek. Abgeordneter des Deutschen Bundes... Schmarrn. Abgeordneter des... Mannomann... Wie heißt das Scheißding, wenn man nach der Maxbrücke Richtung Haidhausen fährt?

OB: Hofbräukeller.

Flisek: Ja, schon. Mein ich aber nicht. Da warst Du auch mal.

OB: Weinhäusl.

Flisek: Ja, auch. Mein ich aber auch nicht. Landtag heißts, genau. Christian Flisek, Abgeordneter des Bayerischen Landtags. 

OB: Reicht auch für eine Immunität, gell Herr Strafrechtler. Im Gegensatz zum Hompelputzchen. Was machen Sie eigentlich schon wieder mit Ihrem Smartphone? Filmen Sie mich?

Putzke: Ich veröffentliche einen Aufsatz zur Strafbarkeit von Knabenbeschneidungen und lade gleichzeitig einige Fotos von Auslandsreisen auf Facebook hoch. Warum?

OB: Nur so. Ich dachte, Sie korrespondieren mit dem Justizminister, ob das Passauer Verwaltungsgericht pünktlich zur OB-Wahl 2020 kommt.

Flisek: Ha! Der war gut.

Dittlmann: Nein, das kommt gleichzeitig mit den diversen Stadtstränden an Donau und Inn, also nie.

Putzke: Herr Flisek, Herr Dittlmann, es kommt auf jeden Fall vor Ihrer lachhaften Medizinischen Fakultät. Spätestens wenn ich... wenn die CSU wieder den Oberbürgermeister stellt, passiert da was. Und Sie können dann in fünf Jahren zur nächsten Landtagswahl das nächste Hirngespinst entwickeln. Vielleicht eine Veterinärmedizinische Fakultät? Am Schlachthof? 

Flisek: Eher beschließe ich im Landtag eine Uniklinik und ein Verwaltungsgericht, als dass Sie im Umkreis von 300 Kilometern Oberbürgermeister werden.

Dittlmann: Die Erika kommt.

OB: War das jetzt eine gute oder eine schlechte Nachricht?

Dittlmann: Eine komische.

OB: Dass die Erika kommt, ist ja jetzt per se noch nicht komisch.

Dittlmann: Doch. Sie hüpft, lacht, klatscht in die Hände und ist total ausgelassen.

Erika: Boah, Ihr Knaller. Wieso hat mir das keiner gesagt? Das ist ja total geil.

OB, Dittlmann, Flisek: Was ist geil?

Erika: Das ist noch geiler als die Lichtinstallation am Dom kürzlich. Schaut total echt aus. Und warm wirds auch.

Dittlmann: Das ist echt. Deshalb schauts so echt aus und wird warm. Ich schätze mal, gute 1000 Grad.

Erika: Oh, Mist. Ich hab noch Weihnachtsplätzchen im Fraktionszimmer. Also wenn Du jemand reinschickst, denkts bitte an die Plätzerl.

Dittlmann: Mach ich sofort, Erika. Persönlich.

Erika: Ja, der Andi und der Armin sind auch da. Was tuschelts Ihr denn dauernd?

Scheuer: Meine liebe, geschätzte Frau Bürgermeister. Wir tuscheln nicht. Im Gegensatz zu den anderen Spaß-Politikern hier unterhalten sich ein Bundesminister und ein aufstrebender Politiker, der bald eine wichtige Rolle spielen wird, über die Aufgaben, die uns nach dieser Nacht beschäftigen werden. Und das, während andere Anwesende hier erst noch erklären müssen, was sie gegebenenfalls mit dem Brand zu tun haben.

Dickl: Super, Andi. Wichtige Rolle – genau.

Flisek: Vorsicht, Herr Minister, ganz vorsichtig sein mit falschen Verdächtigungen.

Scheuer: Vielleicht habe ich ja wen ganz anderes gemeint... Da brauchst jetzt nicht gleich mitschreiben, Holm.

Putzke: Ich schreibe nicht mit. Ich schreibe gerade mein Schluss-Plädoyer in einem Völkermord-Prozess und kommentiere nebenbei Facebook-Posts meiner 17.000 Freunde. Derweilen könnte ja der wichtige CSU-Fraktionsvorsitzende eine wichtige Rolle spielen und einen Fragenkatalog zum Rathausbrand an den OB vorbereiten.

Dickl (flüstert): Hast des ghört? Des war schon wieder so gehässig. Der muss jetzt endlich mal meinen Führungsanspruch akzeptieren.

Scheuer: Das wird er, Dicki, das wird er. 

Dickl: I woaß ned. Der ist so gscheid und Doktor und Professor. Da kann ich ja gar nicht mithalten.

Scheuer: Erstens, Dicki. Wir zwei – machen wir zwei uns was aus akademischen Titeln? Nein wirklich nicht. Das ist was für Angeber. Zweitens: Will die Basis und will der Wähler einen sächsischen Professor, der sich für Vorhäute interessiert, als OB?

Dickl: Nicht?

Scheuer: Nein.

Dickl: Und mich schon?

Scheuer: Ähhh, ja, das ist jetzt eine gute Frage. Da reden wir noch mal drüber.

Dickl. Aber ehrlich?

Scheuer: Klar.

OB: Ich geh jetzt dann rüber und hau denen alle zwei eine rein.

Flisek: Wem?

OB: Den zwei Flüsterern da drüben.

Flisek: Dem Wolf im Wolfspelz und dem Schaf im Schafspelz?

OB: Genau denen. 

Putzke: Ich films.

OB: Jetzt pass amal auf, Scheuer. Wenn Du noch einmal Fake News über die Passauer Verkehrsprobleme verbreitest, dann lernst mich kennen.

Scheuer: Ich kenne Sie besser, als mir lieb ist, Herr Oberbürgermeister.

OB: Wenn Du sagst, eine Bundesstraße ist eine Bundesstraße und da kann man leider nichts machen und gleichzeitig behauptest, der SPD-OB ist schuld, dass auf Deinen Scheiß-Bundesstraßen der Verkehr steht, dann ist das...

Flisek, Dittlmann: Schizo. 

Scheuer: Har har har. Das ist politische Argumentation. Klappt ja in der Diesel-Geschichte auch, diese politische Dialektik. Da wirds für Euch Provinzkasperl auch reichen. Außerdem: Die PNP druckts ja unkommentiert. 

Erika: Also ist jetzt der Andi schuld an unseren Verkehrsproblemen?

Dittlmann: Da sind schon mehrere schuld. Zwei gute Nachrichten: Der Brand ist praktisch gelöscht und das LKA ist schon drin.

Dickl: Wieso drin? Der Täter ist doch hier draußen.

OB, Flisek, Putzke: Wer?

Dickl: Na ja, könnte ja einer von uns sein, oder?

Polizist: Zum Beispiel einer, der dann einen anderen angezeigt hat, um von sich selbst abzulenken?

Dickl: Ich hab keinen Brand gelegt, ich schwörs. Außerdem hab ich Zeugen. Ich hab die E-Mail mit dem Andi beim Gerhard im Wohnzimmer geschrieben. Die sind beide Zeugen.

Scheuer: Depp.

Dittlmann: Also die Sache ist geklärt. Jemand hat in einem Fraktionszimmer einen Heizlüfter laufen lassen und eine Tüte Plätzerl daneben gestellt. Gehts heim, Leut. Wir räumen jetzt auf.

Erika: Die Plätzerl sind hin, oder?

Dittlmann: Ja, Erika, tut mir sehr leid. Gut Nacht.

Sonntag, 30. Dezember 2018

Der Untergang der Stadt Passau? (Teil 1)

1. Januar 2019, 0 Uhr 55. Der Passauer Oberbürgermeister serviert seinen Gästen in seinem Wohnzimmer gerade erlesenste Digestifs, als das Telefon klingelt.

Telefon: Ring, ring.

OB: Scheißdreck. Des is sicher wieder einer von den Fraktionsschleimern, der mir mitten in der Nacht a gutes Neues Jahr wünschen will.

Telefon: Ring, ring.

OB (zu seiner Frau): Geh Du hin.

Dem OB seine Frau: Dupper, hallo?

Stimme: Dittlmann, Frau Dupper, entschuldigens die Störung. Ich müsste dringend den Oberbürgermeister sprechen.

Dem OB seine Frau: Jürgen, der Dittlmann ist dran.

OB: Ha?

Dem OB seine Frau: Der Dit – tell – mann.

OB: Jetzt übertreibt ers langsam mit seiner Appeasement-Politik. Gib her... Ja, Herr Dittlmann, des is aber eine schöne Überraschung. Ihnen auch ein gutes Neues Jahr.

Dittlmann: Negativ.

OB: Ha?

Dittlmann: Wie käme ich dazu, Ihnen ohne Not mitten in der Nacht ein gutes Neues Jahr zu wünschen? Ich habe Nachrichten. Wollens erst die gute oder erst die schlechte hören?

OB: Oh mei, Dittlmann, was wird denn des? Sie nerven mich am Tag schon so viel – aber nachts... Also die gute zuerst.

Dittlmann: 1662 wars schlimmer.

OB: 1662... 1662... 1662 war Stadtbrand.

Dittlmann: Respekt. Im Moment beschränkt sich der Brand auf das Rathaus. Ein Übergreifen des Brandes auf Nachbargebäude kann derzeit noch vermieden werden. Es wär vielleicht nicht schlecht, wenn sie sich das vor Ort anschauen.

OB: 15 Minuten.

1. Januar 2019, 1 Uhr 25. Der Rathausplatz ist hell erleuchtet, weil der westseitige Teil des Rathauses samt Turm in Flammen steht. Unzählige Bürger und Am-Sonntag-Prominente betrachten das Unglaubliche.

Polizist: Grüß Gott, Herr Oberbürgermeister.

OB: Servus. Was wissen wir?

Atzinger (von der Seite herantretend): Das waren sicher die Kommunisten. Wie 1933.

OB: Komm, schleich di!

Polizist: Ob der Brand mit dem Feuerwerk zusammenhängt oder ob es sich um Brandstiftung handelt, kann aktuell noch nicht eingeschätzt werden. 

Dittlmann: Es kann sich ja aber auch einfach um einen technischen Defekt handeln.

Polizist: Allerdings – und das ist schon erstaunlich – liegen uns bereits drei anonyme Anzeigen vor, die unmittelbar nach Ausbruch des Brandes bei uns eingegangen sind.

OB: Und was sagen die?

Polizist: Eine Anzeige geht gegen den... ähm... (flüstert, weil der Bischof und der Generalvikar herantreten) Passauer Bischof. Der hat wohl in seiner letzten Predigt folgendes gesagt: "Rettet Euch, verlasst diese Stadt; denn der Herr wird sie vernichten. Der Herr wird Schwefel und Feuer vom Himmel herabfallen lassen." 

Bischof: Dominus vobiscum.

OB und Generalvikar: Et cum spiritu tuo.

Polizist (flüstert): Ham Sies ghört, Herr Dittlmann? Die sprechen zwar in einer Geheimsprache, aber ich hab eindeutig "Spiritus" verstanden. Brandbeschleuniger!

Dittlmann (seufzt): Genau. So wirds sein. Ich geh jetzt wieder zu meinem Brand. 

Bischof: Herr Kommissar. Abgesehen davon, dass einigen hier ein bisschen Schwefel und Feuer nicht schaden würde, habe ich unlängst nur die Geschichte von Sodom und Gomorra erzählt. Wenn ich demnächst von Noah und der Sintflut predige, bin ich dann schuld am nächsten Hochwasser?

Generalvikar: Ha ha, der war gut Exzellenz.

Polizist: Hochwürdigster Herr Bischof, Sie sind natürlich an gar nichts schuld. Es handelt sich nur um eine anonyme Anzeige. Höchstwahrscheinlich irgendein Neider.

Bischof (streicht sich durchs Haar und nickt lächelnd): Davon gibts viele. Gott sei Dank.

Generalvikar: Exzellenz. Gehen wir doch zu den Menschen und spenden Trost. Oder verrichten ein Wunder?

Bischof: Wunder hatte ich heute schon. Gruß an die Familie, Herr Oberbürgermeister. 

OB: An Ihre, ähhh, diverse auch, danke.

Metzl: Auch von mir Gruß an die Familie.

OB: Auch an Ihr... ähhh... Danke ebenso.

Bischof: Ite, missa est.

OB (leise): Hauptsache: Ite! (zum Polizisten:) Und die zweite Anzeige?

Polizist: Das ist schon heißer. Entschuldigen Sie den Ausdruck. Die Anzeige richtet sich gegen einen sogenannten Präsidenten von einem sogenannten Wahlinfo-Passau. Der hat bereits gestern auf seinem Blog von einem Rathausbrand geschrieben. Das kann ja gar kein Zufall sein.

OB: Oh leck. Der a no. Könnens trotzdem vergessen.

Polizist: Vergessen? Wie kommens da drauf? Der ist meines Erachtens hauptverdächtig.

OB: Negativ. Der ist zwar ein Querulant und von Neid und Missgunst zerfressen, weil er weder Oberbürgermeister noch Bischof geworden ist, hat aber erstens hellseherische Fähigkeiten und würde zweitens sicher nicht das Rathaus, sondern ganz was anderes anzünden. Außerdem raucht er nicht mehr und hat deshalb gar kein Feuerzeug. Wer hat denn den angezeigt?

Polizist: Keine Ahnung. Unterschrieben ist die E-Mail mit: "Sed libera nos a malo." Spanisch wahrscheinlich.

OB: Absender?

Polizist: pontifex2030@kath.net

OB: Oh mei. Da haben sich zwei gegenseitig angezeigt. Einfach löschen. Und die dritte?

Polizist: Die ist ganz komisch. Da hat um 0 Uhr 30 einer eine E-Mail geschickt, dass er um Mitternacht folgendes beobachtet hat. Ein kleiner Mann in einem zu engen Anzug hätte Chinaböller gegen die Rathausfenster geworfen und dabei in einem sonderbaren Dialekt folgendes gerufen: "Heute brenn ich, morgen ernt ich. Übermorgen hol ich dem König seinen Stuhl. Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Hompelputzchen heiß." Dabei hat er sich wohl gefilmt und das Video sofort auf Facebook gestellt.

OB (lacht): Sehr gut, alles klar. Absender?

Polizist: Unterschrieben ist die Mail mit: "Einer, der es gut meint". Adresse: ob@armin2020.de

OB (lacht noch mehr): Da fällt mir nichts mehr ein.

Polizist: Gell, mir auch nicht. Das werden schwierige Ermittlungen.

OB: Ja, unlösbar geradezu.

Dittlmann (von der Seite): Wieder eine gute und eine schlechte Nachricht.

OB: Erst wieder die gute, bitte.

Dittlmann: Wir haben das Feuer jetzt einigermaßen im Griff.

OB: Sehr gut. Und die schlechte?

Dittlmann: Der Scheuer und der Dickl kommen grad.

Scheuer (von schräg hinten, laut): Lassen Sie mich durch, ich bin Minister.

Dittlmann (zu OB und Polizisten): Seids mir nicht bös, ich muss zu meinem Brand.

Scheuer: Guten Morgen, die Herren. Was ist hier los?

OB: Schaut fast so aus, wie wenns brennt.

Dickl: So eine Antwort ist wieder typisch für Sie, Herr Oberbürgermeister. Wahrscheinlich...

OB (drohend): Was ist wahrscheinlich, Herr Dickl?

Dickl: Ich hab nix gsagt.

Scheuer: Na ja, Krisenmanagement sieht anders aus. Aber das kennen wir. 

Von der Donau her nähert sich ein Mann in einem eng sitzenden Anzug. In der Hand trägt er einen Selfie-Stick mit Smartphone.

Putzke: Lassen Sie mich durch. Ich bin Professor. 

Putzke läuft an der OB-Gruppe vorbei Richtung Rathausturm, dreht sich um und macht triumphal lächelnd mehrere Selfies in verschiedenen Posen. Dabei hebt er mehrfach die linke Hand zum Victory-Zeichen. Anschließend geht er zur OB-Gruppe.

Putzke: Herr Oberbürgermeister, wo waren Sie zwischen 23 Uhr und Mitternacht?



Wer hat das Passauer Rathaus angezündet? Wer ist das geheimnisvolle Hompelputzchen? Wer ist Armin2020 und warum war der Bischof so früh am Tatort? Wo ist Urban und was macht eigentlich Erika in der Silvesternacht? Gibt es diesen Präsidenten wirklich und besitzt er tatsächlich kein Feuerzeug?

Antworten darauf und auf alle Fragen, die 2019 wichtig werden, erfahren Sie demnächst in Folge 2.