Samstag, 20. April 2019

Believe and pray

Ich habe mir die Mühe gemacht, die gestrige Online-Publikation des Passauer Bischofs von vorne bis hinten durchzulesen.

Abgesehen davon, dass der Text vom Aufbau her, sprachlich und inhaltlich vollkommen verschwurbelt, konfus und quälend redundant ist (wie immer), möchte ich versuchen, einzelne mir halbwegs verständliche Behauptungen zu kommentieren.

Da verteidigt ein noch nicht so alter Mann, der die Welt nicht versteht, weil er sich schon vor langem in seine Scheuklappen-Religiosität hinein geflüchtet hat, einen ziemlich alten Mann, der die Welt noch nie verstanden hat, weil er noch nie in der richtigen Welt gelebt hat. Der eine glaubt, dass "Believe and Pray" die Menschen besser macht. Womöglich glaubt er es wirklich. Der andere stellt Behauptungen auf, die man wohlwollend als seinem Alter geschuldet wahrnehmen könnte, wüsste man nicht ganz genau, dass dem Austrags-Papst wohl bekannt ist, dass Übergriffe und Prügelorgien bei den Domspatzen und anderswo nicht von irgendwelchen 68ern begangen wurden. Notfalls könnte er seinen Mittäter-Bruder fragen.

Worum geht es also in Osters Karfreitags-Depesche? Möglicherweise wäre der Text verständlicher, wenn man irgendetwas Pseudowissenschaftliches wie Theologie oder Parapsychologie studiert hätte – aber nicht einmal da bin ich mir sicher. 


Zitat Oster: "Macht, Sex und Geld sind zu allen Zeiten die großen und bleibenden Herausforderungen des Menschen gewesen und das Evangelium ist in allen diesen Punkten sehr klar und sehr ausdrücklich: diejenigen, die an Jesus glauben, sind herausgefordert und eingeladen Ihm zu folgen in der Absage an eine Macht, die andere beherrschen will, in der Absage an ein Besitzen, das hinderlich ist für den Eintritt in das Reich Gottes, und in der Einladung die Kraft und Schönheit von Sexualität dort zu leben, wo sie der Liebe und dem (neuen) Leben dient und nicht, wo sie sich zuerst von egozentrischer Triebhaftigkeit bestimmen lässt." Abgesehen davon, dass kein Mensch, der nicht in Osters, sondern in der richtigen Welt lebt, versteht, in welchen Fällen Oster Sexualität für schön hält und wann egozentrische Triebhaftigkeit beginnt, verstehe ich ihn so, dass Macht, Sex und Geld ein Problem darstellen. Dann, Bischof Oster, schaffen Sie sofort die Katholische Kirche samt Vatikan, Papst, Kardinälen, Glaubenskongregation etc. ab und fangen noch einmal bei Null nach Christus an. Macht, Sex und Geld waren seit jeher tragende Säulen Ihres Vereins – neben Sklaverei, Folter, Völkermord usw.

Oster schreibt weiter: "Der Märtyrer glaubt: „Es gibt eine Wahrheit, die größer und tiefer ist als ich selbst. Und sie ist da. An ihr misst sich mein Leben und mein Verhalten. Für diese Wahrheit allein kann ich leben – und sterben!“ Genau das hat sich Anis Amri wohl gedacht, als er den Sattelzug in den Weihnachtsmarkt gelenkt hat. 

Was ich aus Osters verschwurbeltem Text aber tatsächlich herauslesen kann, ist seine sektiererische, immer wieder vorgetragene Behauptung, der Mensch kann Gut und Böse nicht unterscheiden, wenn er nicht an Gott glaubt. Nein, er kann es noch nicht einmal dann, wenn er die dauerhafte Anwesenheit Gottes nicht erkennt. Das ist nicht nur eine Beleidigung aller Menschen, die diesen Religionsquatsch überwunden haben, sondern eigentlich bereits Hassrede – Hate Speech.

Dass diese Behauptung vollkommener Unsinn ist – um das zu sehen, braucht es keinen theologischen oder sonstigen Diskurs. In der Welt, in der ich lebe, begingen und begehen Menschen Terroranschläge, Morde, Völkermorde und alles Böse, was man sich vorstellen kann, obwohl sie an die dauernde Anwesenheit eines Gottes glauben und ganz oft auch, WEIL sie an ihren Gott glauben – und das sind nicht nur Islamisten. 

Vielleicht ist es ja anders herum – wer immer nur an irgendetwas glaubt ohne nachzudenken, verliert das Urteilsvermögen dafür, was gut und was böse ist. 

Frohe Ostern!

Kommentare:

Kirche ist irgendwie Scheiße. Wie scheiße, das weiß ich leider nicht so genau. hat gesagt…

Und ich hatte schon die Befürchtung, der Hasenöhrl könnte sich langweilen. Zu früh befürchtet. Auf die Kirche, auf Oster ist Verlass: Oster rsp. die Kirche triggert, und mit Pawlowscher Sicherheit läuft der Sabber beim Blog-Betreiber.

Immer deutlicher wird Ihre Mission: Sie müssen uns Unbedarften die Welt erklären. Mit nur einem Satz schildern Sie Ihre Erleuchtetheit: „… sondern in der richtigen Welt lebt …“ Ich stimme Ihnen zu: Es gibt nur eine richtige Welt. Ob das ausgerechnet die ist, von der Sie schreiben, entzieht sich meiner Erfahrung.

Wer hätte je gedacht, dass Ihre Weltsicht nur eine, eine einzige Welt erlaubt. Wie arm ist das denn?

wahlinfo-passau hat gesagt…

Schön, dass Sie wieder da sind. Kommentieren Sie beim Welterklärer vom Domplatz eigentlich auch?

Anonym hat gesagt…

@ Troll

Sie kritisieren den Blog-Betreiber, weil er jemandem, der nur aggressiv austeilt, Argumente gegenüberstellt. Sie gehen jedoch auf kein einziges Argument ein, sondern ergehen sich in albernem-themaverfehlendem Zynismus und demonstrieren Ihre Abscheu auf Kirchenkritik. Kann es sein, dass Sie zu dieser Klerus-Connection dazu gehören?

Wie arm ist das denn?

Wer nicht lesen will, muss fühlen hat gesagt…

Juhu, und wieder sind sie da: die Fans!

Ist das wirklich zynisch, was ich schreibe? Ist nicht eher der Blogger zynisch mit seiner zuverlässig hochnäsigen und einäugigen Zwangsreaktion auf Verlautbarungen aus der Kirche? Wie bedauernswert sich das Weltbild hier verengt, da hilft auch keine Afrika-Safari, bei jemandem, auf den wie sonst kaum das Wort vom Splitter und vom Balken zutrifft?

Er hat sein Lebensthema gefunden, der Blogger. Glückwunsch. Bleiben Sie dabei, Meister Blogger, bleiben Sie dabei. Ich schaff’s einfach nicht, mich in einen menschen hineinzuversetzen, der intellektuell tut und tobt und dabei so mäuschenhaft gestrickt ist.

Ein gesegnetes Osterfest zu wünschen verfehlt hier sein Ziel.

Kirche ist irgendwie scheiße. Wie scheiße, weiß ich genau hat gesagt…

Mal zwei Schritte zurück helfen vielleicht: Der Herr Oster ist dem Herrn Ratzinger ach so dankbar für seinen Text „als Ausdruck seines Mitgehens, Mitfühlens und Mitleidens mit der Kirche...“. Mitleiden mit der Kirche wohlgemerkt zuallererst - die Opfer kommen als Randnotiz ganz zum Schluss. Und was ist die Kernaussage des ganzen Mitfühlens und Mitleidens? Dass die 68er und Ihre Sittenlosigkeit Schuld sind an der Verführbarkeit einzelner verirrter Schäfchen. Na hurra - die Hippies waren’s und die Kirche kann gar nix dafür. Dass schon weit vor 1968 massenhaft Missbrauch und Gewalt gegenüber Schutzbefohlenen in der katholischen Kirche stattfanden - geschenkt. Und wer diese Weltferne, diese völlige Realitätsverweigerung satirisch verarbeitet, wird dann konsequenterweise von irgendeinem Kirchenbückling als hochnäsig und einäugig geschmäht ...

Wer nicht wissen will, muss glauben hat gesagt…

Von welchem Balken im Auge des Blogautors spricht der werte Kommentator denn? Scheint ihn ja gut zu kennen ...

Anonym hat gesagt…

Lieber einzig wahrer Tölpel!
Ich weiß, du schaust verächtlich auf die samstäglichen Nachmacher in der PNP. Aber diesmal ist es doch staunenswert.
Du würdest dich wahrscheinlich wieder darüber mokieren, dass haarklein aufgeführt wird, welche Stadträte auf welcher Fronleichnamsprozession dabei waren. Ich glaube allerdings, die Regionalzeitung macht dies durchaus selbstironisch.
Aber die subtile Weise, wie auf das CSU-Chaos hingewiesen wird, ist spitze. Da wird das „staatsmännische“ Auftreten von Herrn Dickl auf der Prozession gelobt, zur Illustration jedoch ein Foto abgedruckt, dass ihn mit eingehängter Sonnenbrille zeigt, also genau das Gegenteil ausweist (dem vorausgesetzten Wertekanon gemäß, den der fortschrittliche Präsident natürlich nicht teilt). Das Witzige ist der Fotohinweis: Foto von Georg Steiner. Also verstehe ich das richtig: Der Herr Steiner schickt der PNP ein Foto, das zeigen soll, wie unmöglich sein Kontrahent Herr Dickl ist; die PNP druckt es mit ironischer Bildunterschrift ab und stellt zugleich den Urheber und Intriganten bloß? Ich staune.

Anonym hat gesagt…

Ich habe mich vertan:
Der Fotograf Georg Steiner ist nicht das Tourismus-Mastermind des lauschigen Linz sondern der Softporno-Theaterfuzzi. Und auf dem Foto ist nicht Herr Dickl sondern ein sizilianischer Eisenflechter im Hochzeitsanzug oder ein Mitglied eines Berliner Libanesenclans (dritte Führungsebene) zu sehen.