Mittwoch, 19. September 2012

Aufgekreuzt und angekratzt

Lieber Tölpel!

Wir müssen uns bei einem unserer zahlreichen Kommentatoren bedanken, der einen Link zu einer ZDF-Kultur-Gesprächsrunde veröffentlicht hat, die vor ein paar Tagen stattgefunden hat. Da darf sich unser Passauer Fremdschäm-Export Fränki mit Leuten unterhalten, denen er allesamt intellektuell nicht gewachsen ist. Erst schimpft er auf den Passauer Bischof, um sich irgendwie zu profilieren und dann kapiert er nicht, dass sich die Mitdiskutanten für seine Jesus-Geschichten null komma null interessieren. Und immer dieses gequälte Lachen, wenn er ansatzweise bemerkt, dass er nicht für voll genommen wird. Recht viel schöner kann man sich nicht mehr als verkrampfter, verklemmter Spießer outen. Prädikat: sehenswert.

Wenigstens leben wir (noch) in einer Gesellschaft, in der man über Frankenberger lächeln und sich für Religion wenig bis gar nicht interessieren kann. Wenn man sich allerdings ansieht, was derzeit wieder mal auf der ganzen Welt abgeht, fragt man sich schon, in welche Richtung wir driften. Henryk Broder hat schon 2006 in seinem Buch "Hurra, wir kapitulieren!" gut beschrieben, wie nahezu alle Gesellschaften ihre Meinungsfreiheit aufgeben, weil sie Angst vor diesem islamistischen Brandstifter-Pack haben. Vor 70 Jahren kam man hierzulande ins KZ, wenn man die falschen Witze erzählt hat und heutzutage muss man weltweit Angst haben, dass man dafür in die Luft gesprengt wird.

Das Appeasement (wie Broder es nennt) nimmt in der gesamten westlichen Welt und so auch in Deutschland immer groteskere Züge an. Wenn ein Mann zu seiner Sekretärin "Fräulein" sagt, dann ist er ein sexistisches Arschloch, das man wegen Diskriminierung verklagen muss. Wenn ein Mann seine Tochter nicht am Schwimmunterricht teilnehmen lässt, weil sonst ihr Kopftuch nass wird, muss man das tolerieren, weil es handelt sich ja schließlich um Religionsausübung. Wenn ich meinen Hund kupiere, bekomme ich eine Anzeige wegen Tierquälerei. Wenn ich einem Vieh die Kehle durchschneide und es ohne Betäubung ausbluten lasse, ist das natürlich völlig ok, weil mir das meine Religion vorschreibt. Und wenn einer zu Recht die Frage stellt, ob es sich denn bei der Beschneidung von männlichen Babys möglicherweise um Körperverletzung handeln könnte, muss er sich von der Kanzlerin als Komiker beschimpfen lassen. Von ganz links bis erzkatholisch – wenn es ums Einfordern von Toleranz für die Intoleranten geht, sind sich komischerweise fast alle einig.

Das wäre doch einmal wieder ein Thema für eine Resolution der Stadt Passau. Wenn es nach der ÖDP geht, müssen wir uns hier in Passau ja von Temelin bis zur dritten Münchner Startbahn um alles kümmern. Apropos kümmern. Was Kommunalpolitiker tun, wenn Ferienzeit ist, hat uns dankenswerterweise die PNP in ihrer informativen Serie "Politikfrei" wissen lassen. Leider erfahren wir von vielen Politikern niemals, was sie so treiben, wenn keine Ferien sind. Gut – der Mangold schreibt Resolutionen zum Weltfrieden, der Heindl pöbelt im Straßenverkehr, der Scheuer variiert Haar- und Barttracht und trägt neuerdings gerne Jeans, der Dupper erklärt uns, dass es im Passauer Klinikum keine Bevorzugung von Privatpatienten gibt, der Feuerer erklärt uns regelmäßig die Welt, die Buhmann lächelt, der Höber grinst, der Dickl dicklt und der Bauer (Stadtrat, SPD) möchte CO2-Messgeräte mit Ampelfunktion in Passauer Klassenzimmern installieren.

Erst letztes Schuljahr sind wieder 14 Schüler erstickt. Hast Du es gelesen?

Deine Kathi

Liebe Kathi!

Natürlich. Außerdem habe ich mir auch die Talkshow mit dem Pharisäervertreiber der Neuzeit angeschaut. Unsäglich. Der hat übrigens unlängst auch gefordert, das Einkommen aller Politiker (also auch unserer Politikfrei-Komiker in Passau) öffentlich zu machen. Wahrscheinlich hofft er auf milde Gaben, wenn er seines publiziert. Oder hat er mittlerweile gar schon den Busführerschein gemacht?

Beim Bassauer Parockfest© (Auf sowas kommt Ihr nicht, gell!) waren übrigens 10 Millionen Menschen. Das Folk war fergleited und auf dem Bassauer Tomblatz gab es original parocke Asiapfanne. Alle sind übrigens der Meinung, dass man das Spektakel jetzt mindestens jährlich, wenn nicht monatlich, wiederholen sollte. Zu kurz gedacht! Warum machen wir denn nicht im Wechsel verschiedene historische Feste? Das Passauläolithikum z.B. Da ziehen sich dann alle an wie Fred Feuerstein und Barney Geröllheimer. Und Frau Tausch und Frau Kickum reiten auf einem Brontosaurus zum Domplatz auf eine leckere Asiapfanne. Oder die Passauionsspiele. Alle lassen sich einen Bart wachsen und Frau Tausch und Frau Kickum reiten auf einem Esel zum Domplatz und kreuzigen den Frankenberger. Anschließend gibt es Asiapfanne. I have a dream.

DIE Veranstaltung in Passau heißt ja weder EW noch Tschärity-Gala noch Passauer Pankfest (Da ziehen sich alle an wie Sid Vicious und pissen in die Asiapfanne), sondern MiE – Mitmachen ist Eingekauft. Wie der Name schon sagt, werden (durchaus auch) A- bis B-Prominente mit wahrscheinlich viel Geld erpresst, sich in einer Kleinstadt im südöstlichen Zipfel der Republik einen Preis abzuholen, von dem außer der Verlagsgruppe Passau und ihren Lesern keiner weiß, dass es ihn gibt. Dieses Mal erhält den MiE-Award in der Kategorie "Danke, dass Sie nach Passau kommen" Anna Netrebko. Nächstes Jahr kommen übrigens Obama und Putin und boxen als Rocky Balboa und Ivan Drago verkleidet um den MiE-Award in der Kategorie "Superhero". Mindestens.

In eigener Sache: Ich habe eine tolle Website gefunden. Da kann man (naja, angeblich) herausfinden auf welchem Rang die eigene Homepage in Deutschland und sogar weltweit liegt. So schlecht stehen wir gar nicht da. Die AmSonntag hat übrigens bereits den Kommunalwahlkampf ausgerufen. Das heißt wohl, unsere Besucherzahlen werden demnächst wieder ins Unermessliche explodieren. Die einzige Wahlinformationsseite für Passau ist nämlich nach wie vor diese hier. Obwohl – zwei andere, ganz neue, habe ich auch noch entdeckt. Bayern2014.de und passauerzeitung.de – wir sind gerüstet.

Von mir aus kann der Spaß bald losgehen!

Dein Tölpel




Wahlinfo-Passau FÜR Meinungsfreiheit: Wir zeigen IHN!

Neulich beim Druidentreffen: Mohammed (2.v.l.), Dalai Lama, der liebe Gott, Urbi und Orbi (v.l.n.r.)


Kolumne folgt...

Samstag, 18. August 2012

Hallo Frau Metzger (Isabel) von der PNP!

Wenn man eine Titelstory schreiben darf, dann gibt man sich ja normalerweise immer wahnsinnig viel Mühe, oder?

Und man versucht zumindest, journalistischen Standards zu genügen, oder?

Und außerdem kann man davon ausgehen, dass so einen Artikel auf der Titelseite mehr Leute lesen als einen Artikel über die Karnickelzüchter im Hauzenberg-Teil, oder?

Und nicht zuletzt hat man ja die leise Ahnung, dass nicht alle Leser der PNP komplett verblödet sind – stimmt auch, oder?

Ok, so weit, so gut, so einigermaßen unumstritten.

Warum, um alles in der Welt, übertitelt man dann einen Artikel, in dem steht, dass die Oberstaatsanwältin sagt, "es konnte nicht hinreichend sicher festgestellt werden, dass mit der Darlehensgewährung eine vergangene Dienstausübung von Landrat Wölfl honoriert oder auf eine zukünftige Dienstausübung Einfluss genommen werden sollte" und überdies die Ermittlungen weiter laufen, was ja durchaus impliziert, dass die Staatsanwaltschaft derzeit nichts beweisen kann, es aber zumindest ausreichend Indizien, ergo: Hinweise für eine Bestechlichkeit gibt, mit dem Satz "Wölfl-Ermittler: Keine Hinweise auf Bestechlichkeit" ?

Das, Frau Metzger, verstehen wir nicht.

Das Institut für Journalistenausbildung von Wahlinfo-Passau




Donnerstag, 9. August 2012

Abgestimmt und zugesperrt

Lieber Tölpel!

Also abgesehen davon, dass ich, wie Du weißt, dieses furchtbare Facebook aus evidenten Gründen schon von Haus aus nicht leiden kann, kann ich, ehrlich gesagt, dieser so gepriesenen Seite "Du kommst aus Passau, wenn..." auch nicht viel abgewinnen. Gut, die Idee mag grundsätzlich ganz charmant sein, aber die Tatsache, dass dieses Facebook ja besonders auch Leute anzieht, bei denen ihr großes Mitteilungsbedürfnis nicht unbedingt mit adäquat kognitiv-intellektuellen Fähigkeiten einhergeht, macht die Seite schon wieder extrem unlustig.

Ich will ja nicht immer nur nörgeln und es sind auch wirklich nette "Wenns" dabei, aber erstens wird das durch diese "Gefällt mir"-Scheiße nicht schöner, zweitens nerven mich die inhaltsfreien "Ich bin auch da"-Kommentare, am besten noch in einem schlechten Deppen-Bairisch und drittens fehlen die wichtigsten "Wenns". Warum gibts denn eigentlich fast nur "Du kommst aus Passau, wenn Du immer alles supertoll findest"-Kommentare? Oder schlägt da die Voltairesche Erkenntnis durch: "Gewohnheit, Sitte und Brauch sind stärker als die Wahrheit."

"Du kommst aus Passau, wenn Du als männlicher Leopoldiner damals vom dritten Schulleiter ein Duplo (oder auch eine Einladung nachhause) bekommen hast, weil er Dich so süß fand." Gefällt mir! "Du kommst aus Passau, wenn Dir ein Religionslehrer, der immer 'Es kommt heraus und berichtet uns' gesagt hat, erklärt hat, dass ein Atomschlag gegen den Ostblock durchaus vertretbar wäre, weil dort ja über 90% Kommunisten lebten." Gefällt mir auch! "Du kommst aus Passau, wenn Dich eine Innstädter Mietwagen- und Bestattungsunternehmerin schon einmal beschissen hat." Gefällt mir sehr gut!

"Du kommst aus Passau, wenn Klosterschwestern, die Kindern Hundemaulkörbe umbinden, trotzdem die allernettesten und beliebtesten Kindergärtnerinnen waren, die gesamte Passauer Priesterschaft samt ihres Bischofs kurz vor der Seligsprechung steht, an der Uni nur Koryphäen, bei der Justiz nur Spitzenjuristen und am Klinikum nur Starmediziner beschäftigt und gleichzeitig bei Rotary und im Pfarrgemeinderat sind und Du das alles aus der Passauer Neuen Presse weißt." Ja – dann hat die jahrelange Gehirnwäsche funktioniert und Du kommst so richtig aus Passau. 

Apropos. Viel los ist ja nicht zur Zeit, aber die Heimatzeitung ist trotzdem oft ganz witzig. Nachdem ja leider die Serie "30 Minuten" nach der ersten Folge schon wieder eingestellt wurde, weil der Danninger Franz zuviel von seinem psychiatrischen Status preisgegeben hat, gibt es jetzt die Serie "24 Stunden Passau", in der beispielsweise Jörg "Tatütata" Klotzek über die Autobahnpolizei schreiben darf. Das ist jetzt für Dich wiederum praktisch, mein Tölpelchen, weil in dem Bericht hat man nämlich erfahren, dass die Schleierfahnder nur 220 PS unter der Haube haben.

Gelesen?

Deine Kathi

Liebe Kathi!

Freilich habe ich es gelesen und mich schon auf ein potenzielles Verfolgungsrennen gefreut. Auch sonst habe ich in letzter Zeit ein paar schöne Stilblüten gefunden. So konnte man in der PNP lesen, dass der Stadtwerkechef sich "Handgelenke" gebrochen hat (wie viele denn, um Gottes Willen?), Freddy Weinert wieder schreibt und dann gleich über den Passauer Piratenkapitän, Bad Birnbach Hochschulstandort wird (im Ernst!) und das Passauer Bio-Wirtshaus "Zum Fliederbauer" heißt. Ansonsten gibt es noch die Sommerlochserie "Politikfrei", in der Kommunalpolitiker berichten, was sie in den Stadtratsferien machen.

Der Mangold hat sich einen Bugatti Veyron gekauft und will den in den Ferien "mal volle Presse ausfahren", sein Bürgermeisterkollege Jungwirth fährt zwei Wochen zum größten europäischen Swingerspot nach Cap d'Agde, Evi Buhmann und Hildegunde Brummer werden Pawo-Sommergirl, Feuerer macht "irgendwas Bewusstseinerweiterndes mit Drogen", Synek und Träger fahren auf Leopardenjagd nach Afrika, Scheuer macht auf RTL 2 bei "Frauentausch" mit, Stadler lässt sich ein "Pussy Riot"-Tattoo stechen, Dickl sein Stoiber-Tattoo entfernen und der Seiler Max will endlich "Shades of Grey" zu Ende lesen. Nein, stimmt natürlich alles nicht. In Wahrheit erfährt man, dass die alle genau so langweilig sind, wie man es immer schon befürchtet hat. 

Wie hat eigentlich der Seiler Max bei der Sperrzeitabstimmung votiert? Hatte er sein Restless-Arms-Syndrom unter Kontrolle? Ich war ja einer der wenigen Interessierten, die in den Livestream gekommen sind. Typisch Stadt Passau. Wenn man was macht, dann macht man es halbscharig. Livestream ja, aber nicht für zu viele. Wahrscheinlich hat wieder irgendein Verwaltungsbeamter oder Stadtrat gesagt, "wenn mehr als 50 Leute zuschauen, dann spiel ich nicht mehr mit." Traurige Geschichte, wenn die Übertragung nicht einmal für ein paar hundert Zuseher reicht.

Zum unseligen Sperrstundenthema will ich gar nicht mehr allzu viel sagen. Nur soviel: Die Studenten, die sich zur Causa exponiert haben, haben sich ja wirklich so richtig blamiert. Und zwar mit einem offenen Brief, der in der PNP veröffentlicht wurde und sehr viel über die Geistesverfassung der Schreiber verraten hat. Da wurde schwadroniert über wegbleibende Studenten, die wegen der neuen Sperrzeiten nicht mehr nach Passau kämen und ähnlicher hanebüchener Unsinn. Sehr schön fand ich auch diese subtilen Drohungen. Wenn wir in der Kneipe nicht mehr Party machen dürfen, dann sind wir zuhause in den Wohnungen noch lauter als bisher. Gehts noch? Kindergarten!

Ich finde die neue Regelung auch nicht ideal, aber schuld daran sind zu einem Gutteil die Wirte selbst. Ein Gastronom reißt jetzt die Klappe auf und stellt frech in Aussicht, dass man seinen Laden mit Sonderkräften der Polizei räumen müsste. Dabei haben es eben die Wirte versäumt, ihre großspurigen Ankündigungen auch umzusetzen und durch geeignete Sicherheitskräfte für Ruhe auf den Straßen zu sorgen. Das hätte wahrscheinlich mehr gebracht als eine Sperrzeitverlängerung. Und zum Abschluss noch ein Satz an die Stadträte, die in der Diskussion tatsächlich mit der wirtschaftlichen Situation der Wirte argumentiert haben. Die kann Euch wirklich völlig egal sein. Darum geht es bei dem Thema in allerletzter Priorität.

Gaudeamus igitur!

Dein Tölpel

Montag, 30. Juli 2012

Stümper! Over license connection limit.



Übrigens kann man auf passau.de in die Zukunft sehen. Screenshot von 17 Uhr 33.



Samstag, 21. Juli 2012

Gegendarstellung zum PNP-Artikel "Gefragte Passau-Videos auf youtube" vom 21.07.2012

Die PNP schreibt: "So firmiert eine Persiflage auf Chrissi della Rosas Dreiflüssewalzer aus der Feder des Passauer Werbefachmanns Karl-Heinz Hasenöhrl unter dem Begriff "Passau Lied".

Hierzu stellen wir fest: 
Das Passau Lied von Carlo Rosetta ist das einzige offizielle und originale Passau Lied, das es gibt. Das Machwerk von Herrn della Rosa ist der Versuch einer Persiflage.

Die PNP schreibt: "Fast 25 000 Zugriffe schaffte der unter dem Pseudonym Carlo Rosetta singende und textende Kleinkünstler mit einer lächerlichen Lammfellkappe am Kopf."

Hierzu stellen wir fest: 
1. Carlo Rosetta ist kein Kleinkünstler. Carlo Rosetta ist ein großer Künstler, der auf der ganzen Welt berühmt und beliebt ist.
2. Die Lammfellkappe ist nicht lächerlich. Im übrigen stammt diese sehr schöne Lammfellkappe von Barneys, New York, Madison Ave, wo Carlo Rosetta, wie auch seine Künstlerkollegen Madonna oder Al Pacino, gerne und regelmäßig einkauft.

gez. Das Management von Carlo Rosetta

Mittwoch, 18. Juli 2012

Angezeigt und schöngelogen

Lieber Tölpel!

Es gibt Sternstunden des lokalen Boulevard-Journalismus, wo die Zeitungsmacher es schaffen, dass ich einen Artikel nicht nur konzentriert und Wort für Wort durchlese (was selten ist), sondern fast den ganzen Artikel nochmals laut meinem Sonntagsfrühstück-Gegenüber vorlese. Die Lesung wurde letzten Sonntag mehrfach mit "Das erfindest Du jetzt," oder "Das steht da nicht, oder?" bzw. sonstigen Fassungslosigkeits-, Begeisterungs- und Ungläubigkeitszwischenrufen unterbrochen. "Doch," habe ich jedes Mal gejuchzt, gekreischt oder gestammelt, "das steht da genau so!"

Was war passiert? Ein Stadtrat, der den älteren Semestern noch am ehesten als Blumenliebhaber bekannt ist und dessen Stadtratswirken am besten damit beschrieben ist, dass er in Sitzungen sinnlos und ohne Bezug zur Sache, dafür aber eine halbe Ewigkeit herumkrakeelt, während die restlichen Sitzungsteilnehmer im Herumkrakeelten weder Relevanz noch Substanz oder Tenor erkennen können, bewegte sich mit einem Kraftfahrzeug im straßenverkehrsordnungsgeregelten Verkehr. Dort kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung mit einem Ehepaar aus dem Landkreis.

So weit, so gut, so alltäglich. Außergewöhnlich, befremdlich und doch unterhaltsam wird es erst, wenn sich das sich beleidigt fühlende Ehepaar mit durchaus massiven Vorwürfen an das Sonntagsblatt wendet und der beschuldigte Kommunalpolitiker praktisch all diese Vorwürfe und sogar noch mehr Verfehlungen zugibt. Dies allein wäre schon lustig genug. Zum Brüller wird die Geschichte aber erst durch den Versuch, sich mit einer zurechtgebogenen Sachverhaltsdarstellung, die irgendwo zwischen der Egozentriertheit eines Vorschulkindes und Altersstarrsinn rangiert, zu rechtfertigen.

Der Politiker, der immerhin die Geschicke der Stadt Passau mitbestimmt, gab dem Redakteur (wenn man diesem glauben darf) jedenfalls folgendes zu Protokoll. Er sei bei "Orange" (welche anderen zwei Farben hatte denn die Ampel noch? Braun und Blau?) über die Ampel gefahren. Im übrigen "habe er neulich gelesen," dass man auch bei Rot über die Ampel fahren darf, wenn "man nicht mehr rechtzeitig bremsen kann." Außerdem habe er dem Paar den Vogel gezeigt, was "aber eigentlich sein gutes Recht" sei. Ebenfalls gibt der Stadrat zu, dass er den Kontrahenten als "kleinen Scheißer" bezeichnet habe, was aber keine Beleidigung sei. Eine Beleidigung wäre es nur, wenn er "Was willst du denn, du blöde Sau?", gesagt hätte. Das hat er ja jetzt wenigstens im Sonntagsartikel nachgeholt.

Der Stadtrat Siegfried Heindl ist nämlich nicht auf der Brennsupp'n dahergeschwommen - der weiß, was man darf und was nicht. Ob das die Passauer Verkehrsplaner auch wissen? Dass man nämlich immer brav die Wahrheit sagen muss? "Der neue Geh- und Radfahrertunnel ist ausdrücklich nicht für die Verkehrsführung der Radtouristen gedacht, da diese bekannterweise andere Wege − die andere Tunnelröhre stadtauswärts − benutzen," kann man heute als Darstellung der Stadt Passau der PNP entnehmen. Hat sich das nicht vor einiger Zeit noch ganz anders angehört? Hat man die Donauradwegtouristen nicht sogar ausdrücklich mitgezählt, um die Notwendigkeit des Tunnels zu rechtfertigen? Oder erinnere ich mich da falsch? Ich bitte um Aufklärung.

Wir erinnern uns alle noch an die groteske Berichterstattung der Heimatzeitung zum Thema Fronleichnamsprozession. Da wurde uns vor ein paar Wochen sogar die Ehre angetan und der falsche Tölpel der PNP zitierte wortwörtlich einen Kommentar von Wahlinfo-Passau. Ich habe allerdings fast die Vermutung, dass er sich da drolligerweise selbst zitiert hat. Stimmts? Erwischt, Herr Redakteur?

Ich bin nämlich auch nicht auf der Brennsupp'n dahergeschwommen, gell Tölpelchen.

Deine Kathi

Liebe Kathi!

Ich weiß nicht, wen ich bei diesem Katholiken-gegen-Katholiken-Manager-Streit schräger finde. Die Kritiker, die dem Bischof einen Brief schreiben, in dem steht, dass ihn keiner mag? Den Bischof, den ja scheinbar wirklich keiner mag? Oder die PNP, die alles - wie seit Urzeiten - durch Jubel- oder Nicht-Berichterstattung unter den Teppich kehrt und so tut, als wäre der Bischof ein volksnaher und beliebter Mann? Die Parallelen zum Neuen Deutschland (DDR), zur Prawda (UdSSR) oder zu Rodong Sinmun (Staatszeitung Nordkorea) stellen wir ja immer wieder fest und verwundern mich nicht mehr übermäßig. 

Was aber wollen diese kritischen Katholiken alias "besorgte Christen", die nächsten Samstag am Domplatz demonstrieren? Da macht sich ein Pfarrer strafbar und zwar immerhin wegen Betrugs, wird - wie es wahrscheinlich bei jedem weltlichen Arbeitgeber mindestens auch wäre - versetzt und seine Gemeinde versucht eine kleine Revolution. Sie wollen ihren Pfarrer behalten und nebenbei noch Reformen und mehr Demokratie in der Kirche. Die katholische Kirche ist aber sui generis kein demokratischer Verein. Es würde ja auch kein Mafiamitglied auf die Idee kommen, gegen den Paten zu demonstrieren, um weniger Gewalt und mehr Mitbestimmung zu fordern. Aus der Kirche kann man übrigens - im Gegensatz zur Mafia oder zu Nordkorea - einfach austreten. Kostet 25 Euro.

Schön ist übrigens, dass die Passauer Fußgängerzone eine "Top-Einkaufsadresse" ist. Sagt zumindest die PNP, die wiederum das City-Marketing Passau, das wiederum ein "Immobilieninstitut" zitiert. Was die Passantenfrequenz betrifft, liegt Passau in einer Studie nämlich auf Platz 4 der untersuchten Städte unter 100.000 Einwohner. Frequenz ist gut. Man muss halt irgendwo durch, wenn man zur Stadtgalerie zum Einkaufen oder zum Domplatz zum Demonstrieren will. Vor Passau liegen noch Top-Szene-Cities wie Gießen oder Flensburg. Wer wohl ab Platz 5 folgt? Hof, Hoyerswerda und Salzwedel?

Spaß beiseite. Passau braucht sich wirklich nicht zu verstecken. Passau ist immerhin die einzige Ansiedlung in Niederbayern, die man guten Gewissens als Stadt bezeichnen kann. Klein, aber doch Stadt. Und das auch wegen der Universität und der Studenten. Dass diese Studenten jetzt nicht mehr kämen, wenn wir eine Sperrstunde um zwei Uhr hätten, kann getrost bezweifelt werden. Nach Regensburg wollen sie ja auch. Nerven tun mich übrigens nicht die Studenten, die gerne feiern wollen (das ist völlig normal und legitim), sondern diejenigen, die völlig rücksichtslos und egoistisch erklären, wem der nächtliche Lärm nicht passe, könne ja woanders hinziehen. Und man sollte sich auch nicht von den Partymeile-Wirten verarschen lassen, die erst großspurig eine Security-Regelung angekündigt und dann aus Kostengründen zurückgezogen haben. Das würde nämlich - eine perfekte Umsetzung vorausgesetzt - am meisten helfen.

Wie sagt der New Yorker, wenn er ausdrücken möchte, dass er nicht auf der Brennsupp'n dahergeschwommen ist?

I'm not from Hackensack

Dein Tölpel




Dienstag, 17. Juli 2012

Heissa!

Nur noch einmal schlafen, dann ist das Frühsommerloch vorbei.

Einstweilen bitte oben rechts abstimmen.


Samstag, 9. Juni 2012

Katholiban!

Habt Ihr schon mitgelesen, was die IM's von der PNP heute wieder brav gepetzt haben?

Der neue Chef der Dombauhütte geht nicht regelmäßig in die Kirche und fühlt sich aber "der christlichen Philosophie verbunden." 

Außerdem war neue Präsident der Universität nicht auf der Fronleichnamsprozession.

Und jetzt verrate ich Euch noch was:

Bei der Fronleichnamsprozession waren dafür Persönlichkeiten dabei, die Fronleichnamsprozessionen für genau das halten, was sie sind: Hokuspokus wie Regentänze oder Voodoozauber. Die aber trotzdem mitgehen, weil sie sonst geoutet werden.

Herr Großinquisitor, übernehmen Sie!

Mittwoch, 30. Mai 2012

Aufgebohrt und aufgeschoben

Lieber Tölpel!

Das glaubst Du nicht, was mir wieder alles für Geschichten erzählt worden sind. Ich glaube sie ja selber nicht. Insofern sei mir ausnahmsweise der Hinweis zu Beginn unseres Briefwechsels erlaubt, dass es sich bei den folgenden Zeilen fast ausnahmslos um Gerüchte handelt, die eigentlich gar nicht wahr sein können. Aber trotzdem so interessant, dass ich sie Dir nicht vorenthalten kann. High-end fiction quasi.

Ein jeder meint ja, der schöne Armin dickelt sich jetzt vom JU-Lausbuben über den Fraktionsvorsitz zum OB-Kandidaten. Weit gefehlt. Wenn man informierten Kreisen Glauben schenkt, wird der nächste Oberjürgen-Herausforderer von der CSU erstens eine Frau und zweitens ein "Knaller". Tja, gut, Knaller haben sie ja genug, aber Frauen? Haben die überhaupt Frauen dabei, die noch im bewährfähigen Alter sind? Doch, stimmt! Die eine, die immer so lieb lächelt. Aber die kann es ja wohl nicht sein. Nein, nein, sagen da die Informanten - keine aus dem Stadtrat, eine Quereinsteigerin. Ich kann hierzu mein Brainstorming aber gar nicht richtig beginnen, weil immer, wenn mir wieder eine einfällt, die vielleicht in Frage käme, muss ich so lachen, dass ich nicht mehr denken kann.

Weniger aussichtslos, was das Abstauben politischer Ämter betrifft, steht derzeit diese neue "Partei" da, die meine ohnehin schon massive Orange-Allergie noch ins Unermessliche steigert. Deren exponierte Köpfe denken nun wohl auch in Passau schon laut darüber nach, ob sie lieber in den Landtag oder in den Bundestag gehen. Schließlich könne man es sich ja aussuchen. Und weißt Du, was das Schlimmste ist? Wahrscheinlich stimmt das auch noch. Freibier et circences. Wenn die, die solches fordern, tatsächlich ein bisschen an die Macht kommen, hat die Ochlokratisierung wieder einen großen Schritt gemacht. 

Zu den schönen Dingen. Servus, Gruezi und adieu, Du schöne blaue Donau, könnte es vielleicht bald heißen, wenn es stimmen würde, was man sonst noch so herumflüstert. Der Neue habe jetzt schon keine Lust mehr, heißt es. Er möchte gar hinschmeissen, sagt man. Es gelinge ihm nicht, genügend Geld einzusammeln, kolportiert man. Außerdem stelle er die Gottgleichheit der Vorgänger-Lichtgestalt in Frage, tuschelt man. Ich habe ja schon länger nicht mehr das Anagramm-Orakel befragt, aber wenn man den Vor- und Zunamen der besprochenen Person als Anagramm liest, kann man schon so eine Ahnung kriegen. ERB GRAM – PUTT! ADE!

Ich weiß nicht, wie oft ich es jetzt schon in der Heimatpresse lesen durfte, dass Nina Hagen zu Los Wochos kommt. Ich kann Dir gar nicht sagen, wie schrecklich ich diese Frau finde.

Was meinst Du?

Deine Kathi

Liebe Kathi!

Ich kann ja mit meinem Steinhirn das künstlerische Niveau von Los Wochos nicht einschätzen. Wenn man aber in Passau sozialisiert wurde und all das glaubt, was einem die letzten Jahrzehnte über diese Festspiele erzählt worden ist, könnte man ja durchaus vermuten, es handele sich um die größte kulturelle Errungenschaft der abendländischen Welt. Dass diese abgewrackte, unangenehm schrille, multireligiöse und von Außerirdischen entführte Irre mittlerweile Gospels singt, kann ja noch als stringente Entwicklung einer Profilneurose gesehen werden. Dass aber der mir nicht erklärbare Menschentypus des Gospelliebhabers die mir nicht erträgliche Musikrichtung "Gospel" ausgerechnet von Nina Hagen hören will, ist mir ein ähnliches Mysterium wie der Erfolg der Piratenpartei. Aber warten wir es ab. Wahrscheinlich war es dann wieder gaaanz toll. 

Passauer Ärzte, aufgemerkt! Der Bund Katholischer Ärzte, ein Verein fundamentalistischer Hardliner sucht auf seiner Homepage Passauer Mediziner zur Gründung eines regionalen Ärztekreises. Die drollige Truppe zeichnet sich durch interessante Ansichten zu Sexualität (gegen Sexualkundeunterricht, gegen jegliche Form von Verhütung), Homosexualität (ist eine heilbare Krankheit) oder zur Stellung der Frau (bleibt zuhause beim Kind, keine Kindergrippen) aus. Ich denke, in einer Stadt, in der Stadtratsausschüsse nicht mehr beschlussfähig sind, weil ein Großteil der Mitglieder am hellichten Nachmittag in die Kirche muss, kann man doch sowas locker auf die Füße stellen. 

Ein Hardliner anderer Art, nämlich ein Verkehrs-Fundi aus Thyrnau, hört nicht auf, sich lächerlich zu machen. Immer wieder schaltet er Anzeigen pro Nordtangente, die ob ihrer Rechtschreib-, Grammatik-, Formulierungs-, Inhalts- und Logikschwächen derartig armselig wirken, dass er einem in seiner Verbohrtheit fast schon wieder leid tut. Aber egal. Wir kriegen ja jetzt einen Tunnel. Und zwar von Hai- bis Auerbach. Unterm Inn durch. Eigentlich nicht schlecht. Ziemlich reizvolle Idee sogar. Meint die Bürgerinitiative. Sagt der Oberjürgen. Und freut sich wie ein Schnitzel. Warum? Die Innstadt-Wutbürger halten erstmal die Klappe, es wird eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben und irgendwann (ich vermute schwer, nicht vor März 2014) wird das Ergebnis präsentiert, in dem es dann heißt: technisch machbar, aber leider nicht unter einer halben Milliarde Euro. Klappe zu, Affe tot, Status quo ante.

Panta rhei

Dein Tölpel


Mittwoch, 9. Mai 2012

Angezählt und abgeschrieben

Lieber Tölpel!

Quidquid agis, prudenter agas et respice finem. Nach diesem Motto habe ich jetzt wieder mal viel nachgedacht und das Nachgedachte aber erstmal nicht publiziert. Ich glaube nämlich, ich werde langsam alt und entwickle mich zu einer Hysterikerin mit intermittierend auftretenden Misanthropie- und Zukunftsangstattacken. Und in einem solchem Stadium sollte man besser nicht schreiben, sonst macht man sich gemein mit diesen Berufsnörglern und Besserwissern. Nachdem ich aber kürzlich von einem Stammleser gefragt wurde, ob Wahlinfo-Passau jetzt stirbt, habe ich meinen Horror vacui überwunden und werde nun seit langem wieder einmal versuchen, Dir und unseren treuen Lesern die Welt zu erklären.

Wenn es einer schafft, mich gelegentlich aus meiner Lethargie und meiner Schreibblockade heraus zu reißen, ist es unser alter Freund Jörgi "Dirty Talk" Klotzek. Ebendieser hat in einem seiner wunderbaren Artikel letzte Woche folgendes kundgetan: "Doch die Zuhälter und Nutten sind hartnäckig." Nutten! Jörgi hat wirklich "Nutten" geschrieben. Fuck ey - eine geile Sau, der Typ! Aber Jörgi, scheiße Mann, wenn - dann konsequent! Nicht nur die beleidigen, die sich wahrscheinlich eh nicht beim Lampeldingsbums oder bei Simone beschweren - sondern schon auch die anderen Wixer. "Bauernfünfer aus dem Landkreis greift Bullenschweine an" oder "Katholische Schweinepriester entfernen Kunstinstallation" oder vielleicht "Geiler Bock von Kuttenbrunzer-Schule hat Cyber-Sex mit naturgeilen Teenie-Schlampen". Sowas wollen die Leser, diese Pisser. 

Bleiben wir bei Tourette. Dass ich die schwere Befürchtung habe, dass es sich bei den Piraten auch (man beachte dieses "auch") um ein Sammelbecken für Gescheiterte, Soziopathen und Extremisten handelt, habe ich ja schon mehrfach so angedeutet. Ein Prototyp, der diese Befürchtung weiter nährt, ist ein gewisser Mario C. Sachs aus Dachau. Dieser Mensch wurde zum ersten Mal abseits von seinen sonstigen Koprolalie-Stammtischen auffällig, als er auf einer Demo in Passau ausfällig wurde. Als unser lieber Hubsi darüber berichtet hat und auch darüber, dass der hiesige Ober-Pirat Reidel diesen Sachs lobenswerter Weise auch für nicht ganz sauber hält, hat der nicht nur beide angezeigt (Querulantenwahn - auch typisch für solche Menschen), sondern auch in nächtlichen E-Mails wiederholt den Hubsi beleidigt. Warum ich so einem überhaupt die Ehre antue, hier erwähnt zu werden? Ganz einfach. Googel ihn doch mal, lies was er so absondert - und dann hoffen wir alle gemeinsam, dass es bei den Piraten nicht noch mehr solche gibt.

Ich kann ja nicht immer alles erklären, sondern kenne mich bei manchen Themen auch nicht aus. Wie ist das jetzt eigentlich mit dem Thema Breitband-Telekom-Telepark? Wer hat da recht? Der Kastner oder die AmSonntag? Und noch was. Gibts eigentlich in Passau auch Salafisten und wenn ja, müssten die nicht auch einen Sitz im Kulturbeirat bekommen?

Ich bitte um Aufklärung.

Deine Kathi

Liebe Kathi!

Das weiß ich doch nicht. Das sollen Dir unsere klugen Kommentatoren erklären. Im übrigen habe ich meine Schreibblockade noch lange nicht überwunden. Ich muss mich wirklich dazu quälen, regelmäßig die PNP zu lesen. Wenn Du mal gut 50 % kirchliche Nachrichten und 20 % Dultberichterstattung weglässt, bleibt wirklich nicht mehr viel übrig. Die PNP hat übrigens den Leserbrief eines Herrn Glotz-Faßbender abgedruckt, der sich wie der ÖDP-Fraktionskollege seiner Frau, Paul Kastner, in obig erwähnter Angelegenheit pro Telekom ausgesprochen hat. Diesen Brief bezeichnet die AmSonntag jetzt als fingierte Zuschrift und Pamphlet. Jetzt frage ich mich schon: Was ist daran fingiert, wenn ein ÖDP-Sympathisant einen Leserbrief pro ÖDP-Mann schreibt? Und ist Pamphlet nicht eher der Begriff für das, was die AmSonntag allsonntaglich so macht?

Der grandiose Gerhard Polt wird 70 Jahre alt. Wenn man sich bei uns so umschaut, möchte man aber meinen, die letzten Polt-Jahrzente sind in Passau spurlos vorbei gegangen. Da wird jeder stümpernde Bildermaler als großer Künstler besprochen, jeder Trottel, der sich auf eine der gefühlt tausend Starkbierbühnen stellt, als Komiker oder gar Kabarettist (von denen gibts in Passau mehr als Taxifahrer) gefeiert, jeder Verwaltungsbeamte als Spitzenmann gerühmt, jeder Uniprofessor als Koryphäe und jeder Kotzbrocken, den eigentlich keiner mag, der aber seit 50 Jahren irgendwo 2. Vorstand ist, weil ihn seine Frau zuhause nicht erträgt, wird zum Wohltäter der Menschheit deklariert. Sogar das singende Spanferkel kommt regelmäßig in die Zeitung. Und alle verleihen sich gegenseitig Preise und loben sich über den Schellenkini. Quid pro quo, do ut des, manus manum lavat...

Und jetzt meinen ein paar ganz Schlaue, deshalb müsse man die Piraten wählen - dann wird alles anders. Ja, ha ha, genau! Dass wir noch ein paar von denen in Parlamente und Gremien kriegen, die als erste auf den neuen Karrierezug aufgesprungen sind und am lautesten "hier" geschrien haben. Außerdem will ich niemanden in politischer Verantwortung sehen, der zu jedem "Du" sagt und Sandalen trägt.

Da lobe ich mir den Dickl. Der macht wenigstens eine schnieke Figur und ist außerdem neuer Fraktionsvorsitzender von dieser anderen Passauer Splitterpartei. Der Lampelhuber hat zu diesem Thema heute übrigens einen Kommentar geschrieben, der ausnahmsweise gar nicht so wirkt, als läge der Verfasser im Koma. Richtig Vollgas hat er gegeben. Gute-Laune-Politiker hat er den Damberger genannt, Teflon-OB den Oberjürgen. Sowas will ich öfter lesen. Wie wäre es mit Clark-Gable-Verschnitt für den Scheuer, Personal Jesus für den Mangold, Mister Stadtrat für den Dittlmann oder "Stadtrat" für den Seiler?

Zurück zum Dickl. Freundlich schreibt der Lampelmoser: "Ein Kandidat, der dem 'Teflon'-OB ans Zeug flicken könnte, ist derzeit nirgendwo in Sicht." Man könnte es auch drastischer formulieren: Eher geht ein Dickl durch ein Nadelöhr als durch die Oberbürgermeisterkette. Wer soll also den Kandidaten geben 2014? Der Dickl? Dann ist er womöglich verbrannt. Der Scheuer? Der hat besseres zu tun. Der Waschler? Ok, der war nicht gut. Dann also doch eine Kandidaten-Attrappe. Wie heißt sie noch gleich?

Wo ist Waschler? Oder auch: Quo vadis, Waschler? Donaubrücke, Landesgartenschau - sogar der Lampelmeier hat es ihm heute wieder reingewürgt, dass irgendwie nichts gelingt. Was wird, wenn der Pendler-Populist aus dem Landkreis doch noch mal antritt? Oder noch schlimmer: Wenn ein anderer den Direktkandidaten macht? Fragen über Fragen - aber ganz ehrlich: eigentlich völlig wurscht. Oder wie der Klotzek sagen würde: Leck mich!

Pro multis 

Dein Tölpel

Montag, 16. April 2012

Klotzek, alter Kämpfer!

Dass man mit dieser tagtäglichen Polizeiberichterstattung in einer der brutalsten und gefährlichsten Städte der Welt einer gewissen Wahrnehmungsabstumpfung und Formulierungsverrohung verfällt, nimmt uns ja nicht wunder.

Aber finden Sie die Schlagzeile "Wasserleiche hängt im Rechen: War es der vermisste 83-Jährige?" nicht doch etwas lieblos? Abgestumpft gar?

Wie soll das bloß weitergehen mit Ihnen? Was kommt als nächstes?

"Typ hängt tot im Wald und riecht schon: Wem fehlt wer?"

"Oma ist Matsch: Rollator kein wirksamer Schutz gegen 40-Tonner."

"Patsch, bumm, peng. Schulkind platt wie Flunder."

Kleiner Tipp von uns Sensibelchen: Fahren Sie mal in den Urlaub oder machen Sie irgendwas mit Blumen oder Kaninchen.

Keine Ursache.

Montag, 2. April 2012

Endlich! Der erste Bischof spricht offen über seine Zwangsneurose

Schraml übernimmt Freudsche Religionskritik

PNP, 02.04.2012, Seite 25

" 'Glaube und Freud sind untrennbar miteinander verbunden.' Das betonte Bischof Schraml in seiner Predigt bei der Vesper im Dom."

Freitag, 30. März 2012

Angepisst und ausgespuckt

Lieber Tölpel!

Dem Vernehmen nach wurde bei der Passauer Polizei schon vor geraumer Zeit eine Neuausrichtung der Sicherheitswacht angedacht, welche nun umgehend auf den Weg gebracht wird. (Sehr geehrte Geschäftsführung, sehr geehrte Chefredaktion, mit vorigem Satz als Arbeitsreferenz bewerbe ich mich hiermit um eine gehobene Position in der PNP-Lokalredaktion. Eine ausführliche Reportage über Menschen, die eine halbe Stunde auf den Bus warten, lasse ich Ihnen noch bei Gelegenheit zukommen.) Zurück zur Bürgerwehr, bzw. Sicherheitswacht. Studenten sollen jetzt nächtens durch die Straßen patrouillieren und aufpassen, dass ihre Kommilitonen keine Mülltonnen umschmeißen. Zu diesem Behufe dürfen Sie ein Reizgas mit sich führen, was sie aber nicht benutzen sollen, weil ihren marodierenden Adoleszenzkollegen in der Regel eh schon schlecht ist.

Skeptisch bin ich da aber schon ein bisschen, ob die vernünftigen, braven Milchgesichter den besoffenen Milchgesichtern recht imponieren werden. Pardon, Feierkultur heißt das und ohne die kommt kein Mensch mehr zum Studieren nach Passau, hat uns ein aufgeregtes Mädel vom Typ ewiger Klassensprecher in der legendären Ausschusssitzung zur Sperrzeitsituation wissen lassen. Da hat sich der Seiler Max gedacht, Feierkultur, das hört sich nach Eucharistie, Bier und Schweinsbraten an - das kann nichts Schlechtes sein. Und schwupps hat er sich verstimmt. Bzw. verstimmt waren dann eher seine Kumpels, weil so viel Blödheit bringt zwar erfahrungsgemäß einen Haufen Stimmen bei der Wahl, erschwert aber die ohnehin schon auf unterstem Leistungslevel dümpelnde politische Arbeit.

Schwamm drüber oder besser: schwoam mas owi. Er hat ja gesagt, dass es ihm leid tut und dass das oft so kompliziert ist mit dieser Abstimmerei, weil man sich da immer so konzentrieren muss und außerdem wird er das jetzt genau beobachten, wie sich das entwickelt mit dieser Feierkultur. Na, das wäre doch einer für die Sicherheitswacht. Vor einem, der aussieht wie Bud Spencer, hat doch Thorben aus Dortmund, der im dritten Semester Interkulturelle Sabotage auf Bachelor studiert, viel mehr Respekt als vor einer blutarmen Lehramtsstudentin, die auch mal gern was Ehrenamtliches machen möchte.

Für die gäbe es nämlich auch den Frauenbund, haben wir kürzlich erfahren. Der ist nämlich so cool, so hip und so jung, schreibt die PNP, dass da wirklich jede Frau mitmachen kann - nein: muss. Und ich habe immer gedacht, das sind ein paar gelangweilte Hausfrauen, die beim Zeugungsakt das Licht ausmachen, von ihren Männern nicht zu Stammtisch/Feuerwehr/Lions-, bzw. Tabledance-Club mitgenommen werden, sich deshalb in den Pfarrer verlieben und Anderen mit ihrem Helfersyndrom auf die Nerven gehen. Völlig daneben! Die sind progressiver und lockerer als Lady Bitch Ray, Claudia Roth und die Piratenpartei zusammen.

Apropos Piraten. Die sind zwar ein Bilderbuch-Lehrstück für des Kaisers neue Kleider, haben außer zu kostenlosen Internet-Downloads, Drogenfreigabe und einem klaren Bekenntnis zu schmuddeligem Aussehen keine Meinung und sind trotzdem (oder vielleicht deswegen) jetzt auch in Passau präsent. Der Chef hat bereits große und plurale Parteierfahrung, gründet gerne mal Konkurrenz-Clubs zu solchen, die in singulärer Existenz schon überflüssig sind und wird wahrscheinlich dereinst erster bayerischer Ministerpräsident der Piratenpartei. Und wenn das nichts wird, kann er ja immer noch den Passauer Frauenbund, Sektion II, gründen und sich gleich selbst zum Präsidenten wählen.

Kleine Quizfrage für lokalpolitisch Interessierte: Wer hat folgenden Satz gesagt? "Wenn nicht gebaut wird, spucke ich auf die politischen Vertreter." Der Seiler Max, der Waschler, ein Pirat oder ein Punk?

Deine Kathi

Liebe Kathi!

Ein Punk wars natürlich! Punk Freigeist von Freibier. Er hats aber nicht so gemeint. Er hat es dann sogar mit Bedauern zurückgenommen. Gemeint hat er nämlich folgendes: "Wenn Ihr unterschichtige, imbezile Stadtratsplebs und Euer bärtiger, proletarischer Oberbürgermeister in Vertretung für dieses primitive, subalterne Provinzbürgerpack kein Konzerthaus wollt, dann schlage ich Euch den Schädel ein, pisse in Eure hohlen Köpfe und scheiß Euch ins Grab." Aber sagen würde er sowas nie. Er ist halt ein Begeisterter. Deshalb haben ihn auch alle so lieb.

Natürlich brauchen wir ein Konzerthaus. Ganz dringend sogar. Darüber haben wir ja an anderer Stelle schon oft räsoniert. Genauso wie jeder Einödhof einen Breitbandanschluss braucht, jedes sterbende Dorf im Bayerwald massig Fördergelder braucht (die der böse Zukunftsrat eher den aufstrebenden Regionen zugedacht hätte) und jeder Unternehmer, der seinen Betrieb aus Kostengründen nach Hinterpfuideifi verlegt, eine vierspurige Autobahn vors Werkstor braucht. Und der Vor-Ort-Politiker, der ganz genau weiß (wenn er nicht zu den ganz Dummen gehört), dass manche Orte und Landstriche aussterben werden und dass für neue (und noch dazu sinnlose) Straßen die nächsten hundert Jahre kein Geld da ist, aber trotzdem wiedergewählt werden will, verspricht das natürlich auch gerne alles. Oder er stellt es zumindest in Aussicht. Und er wird sich dafür einsetzen. Ganz bestimmt. Weil wenn einer sagt, "das geht nicht", dann wird er halt von vielen nicht mehr gewählt. Klingt komisch, ist aber so.

In Passau selbst ist es nicht ganz so schlimm. Da will man zwar einen mehr oder weniger sinnlosen Fahrradtunnel bauen, hat aber zumindest klug erkannt, dass eine Brücke zu teuer ist sowie nichts bringt und dass die Nordtangente der größte Quatsch seit dem Blaumilchkanal wäre. Gleichwohl musste man sich jetzt von Grandseigneurseite mitteilen lassen, dass in Passau die Visionen fehlen. Naja, das kann aber auch ganz schön teuer werden, wenn man zu viele Visionen hat. Ein ganz großer Visions-Kombattant verklagt jetzt übrigens seinen Arbeitgeber, die Stadt Passau. Sic transit gloria mundi.

Ein ganz großer Höhepunkt im Live-Stream war kürzlich der Auftritt, bzw. der Redebeitrag vom Heindl Siegi zum Thema "Gibt es genug Taxis in Passau?" Seine Lösung: Man kann auch einmal zu Fuß gehen und außerdem möchte er auch nicht Taxi fahren, wenn ihm die Leute ins Auto speiben. Mein Vorschlag zur neuen Sicherheitswacht-Task-Force: Heindl, Seiler, Freibier. Der Freibier spuckt dem Vandalen ins Auge, der Seiler nietet ihn um und der Heindl brüllt ihn eine Viertelstunde zusammen. Und wenn er dann immer noch renitent ist, kommt der Frankenberger und segnet ihn nieder. Da traut sich keiner mehr nach Mitternacht aus dem Haus.

Quamvis sint sub aqua, sub aqua maledicere temptant.

Euer Tölpel