Freitag, 13. Mai 2016

Wie bestellt

Kolumne Bürgerblick Mai

Abgewatscht und angeschüttet                          

Lieber Tölpel!

Wenn man sich an einem Wochenende die letzten zehn von insgesamt  83 Walking-Dead-Folgen angesehen hat, träumt man schon mal schlecht. Wenn man dann noch am 1. Mai leicht verkatert aufwacht und um elf Uhr aus dem Fenster runter zur Donau sieht, bleibt einem kurz das Herz stehen und man hört sich rufen: „Beißer! Hunderte! Tausende. Sie sind da!“ Spaß beiseite – der Maidultumzug war sehr schön, aber manche hatschen schon arg schief und krumm.

Gleich nach den Goaßlschnoizern (üben!) und der Stadtkapelle kam unser Bürgermeistertraumpaar (also der Ober und die Erika, dem spinatähnlichem Gemüse war die Veranstaltung dann wohl doch zu heiter), daneben zwei grinsende Buben in Tracht (ich glaube, die sind irgendwas bei der Staatspartei) und ziemlich wenig Stadträte. Also ich kenne zwar von den jungen (ha ha!) kaum mehr einen, aber ein paar habe ich erkannt. Warum werden eigentlich in der Heimatschutzzeitung jedes Jahr die Stadträte geoutet und gedisst (seit ich merke, dass ich alt werde, benutze ich gerne solche Worte), die nicht auf diesem Happy-Kadaver-Fahnenappell teilnehmen, aber die Dult-Demo-Verweigerer bleiben ungerügt? Wahrscheinlich, weil man für ersteres Vergehen in die Hölle kommt, für zweiteres nur ins Fegefeuer.

Den Steiner Georg habe ich übrigens auf dem Maidult-Umzug nicht gesehen. Der hatte wohl Angst, dass er sich eine Watschn vom Ober abholt, nachdem er in der am gleichen Tag erscheinenden AmSonntag schon wieder so frech war. Er hat nämlich gesagt, dass „Defizite des Oberbürgermeisters in mangelnden Kontakten nach München und Berlin zum Wohle der Stadt durch den Einsatz der CSU-Akteure ausgeglichen werden konnten.“ Da mag ein Teil Wahrheit drin stecken, fraglich bleibt nur das „zum Wohle der Stadt“. Meinen tut er nämlich unter anderem die Nordtangente und da ist seine Schlussfolgerung ziemlich falsch. Tatsächlich ist es nämlich so, dass die CSU-Entscheider an den Schlüsselstellen in München und Berlin nach folgender Logik handeln: „Wenn Ihr Passauer weiterhin keinen schwarzen OB wählt, scheißen wir Eure Landschaft mit Beton zu – bis Ihr’s lernt.“

Politik der verbrannten Erde...

Deine Kathi


Liebe Kathi!

Der Steiner Georg hat weiterhin gemeint: „Die Bürger haben kein Verständnis mehr, dass man mit der Ablehnung einer Brückenlösung über die Ilz auch das Problem der Anbindung des nördlichen Landkreises Passau sowie die damit verbundenen Verkehrsprobleme (...) in der Stadt Passau weiter ignoriert.“ Welche Bürger denn? Welche Bürger meint Ihr Nordtangentophilen immer, wenn Ihr so etwas behauptet? Ich kenne keinen. Also keinen Bürger. Es mag ein paar Hauptgeschäftsführer von Kammern, CSU-Politiker (ein paar!) und Wegscheider geben, die den Weg nach Aicha nicht kennen, aber Bürger?

Haben nicht in Passau mehr als tausend Leute gegen diesen Wahnsinn demonstriert, während bei Podiumsdiskussionen im Wegscheider Land ein paar Handvoll aufgetaucht sind – und das wahrscheinlich auch nur, weil endlich mal was los ist in dem Kaff. Ich beobachte beim eifrigen Lesen der Heimatschutzzeitung überhaupt ein sonderbares Phänomen. Die Leute wohnen am Arsch der Welt, weil sie sich da für 80.000 Euro ein kotzhässliches Toskanahaus hinstellen können und wollen gleichzeitig eine Uniklinik, eine Autobahn und einen Flughafen in Spuckweite. Aber ich sage Euch: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss überbrückt, die letzte Flussperlmuschel ausgerottet ist, werdet Ihr merken, dass es im Westen keine billigen Prostituierten, keine billigen Drogen und keine billige Softgun-Munition gibt.“

Vielleicht hat die AmSonntag den Steiner aber auch nur falsch zitiert. Eine „Zeitung“, die in der Bildunterschrift einen Bully zum Mops macht, tut sich halt schwer mit exakten Aussagen. Aber nahe dran ist auch daneben. Im Probleme Konstruieren seid Ihr aber (oft mangels echter Probleme) nicht schlecht bei der AS. „Gefährlicher Fahrdienst“ habt Ihr getitelt und dann im Artikel geschrieben, wie gefährlich es ist, dass junge Leute ohne Taxi-Lizenz Dultbesucher quasi schwarz heimfahren und sich damit was dazu verdienen. Das wenn ich einem Inder, einem Kambodschaner – ach was sag ich – einem Süditaliener erzähle, versteht der das Problem gar nicht. Und wenn er es versteht, glaubt er es nicht. Manch bayerischer Spitzenpolitiker versteht es übrigens auch nicht. Der hält sich ein Auge zu und fährt selber heim.

Tu felix Bavaria bibe!

Dein Tölpel


Montag, 9. Mai 2016

Auf mehrfachen Wunsch

Die Kolumne aus dem April-Bürgerblick

Aufgefahren und abgedriftet                          

Lieber Tölpel!

Die bedauerlicherweise immer kleiner werdende Christenheit beging jetzt in der Woche vor Ostern die Karwoche, die der Christenmensch auf der ganzen Welt als stille Trauerzeit bis zum Karsamstag gestaltet. Auf der ganzen Welt? Nein. Eine von unbelehrbaren Groupies bevölkerte Kleinstadt am äußersten Ende des zivilisierten Mitteleuropas hört nicht auf, der Aufklärung Widerstand zu leisten und huldigt – von tatkräftiger Propaganda der Kampfzeitung des Katholischen Staates gehirngewaschen – dem Narzissten vom Domplatz.

Wir sprechen von Passau, wo die Karwoche bereits mit dem Ostermittwoch endet und zwar dergestalt, dass der Osterbischof, unterstützt von seinem pseudo-journalistischen Stichwortgeber von kath.net der PNP, wieder einmal allerhand krudes Zeug über die Welt, aber vor allem auch über sich erzählen durfte. Das Ostermittwochs-Interview war für einen ganz normalen Menschen harte Kost bis unerträglich und wirft die eigentlich entscheidende Frage auf, wie viel Prozent (selbst) der PNP-Leser auf eine solche Peinlichkeit nicht mit fassungslosem Kopfschütteln reagieren.

Da ist zum einen die Arroganz des Kirchenfürsten, der nicht akzeptieren kann und will, dass es Menschen gibt, die sich frei gegen seine Kirche und für ein selbstbestimmtes Leben entschieden haben. Wenn jeder, der unbedingt religiös sein will, das einfach alleine oder mit seinen Kumpels gemeinsam betreiben und andere damit in Ruhe lassen würde, dann sähe die Welt derzeit ganz anders aus. Aber ganz ganz anders.

Zum anderen gibt es in besagtem Interview auch wieder ausreichend Homestory-Elemente, die den ganzen Artikel fast noch gruseliger machen. „Ich war, sagen wir mal, eine Mini-Berühmtheit“, darf der ehemalige Moderator eines ziemlich uncoolen Radiosenders da verkünden. Und außerdem: „Die Liebe zu meiner Freundin war tief und groß und fest.“ Bestimmt. Wahrscheinlich sogar die tiefste, größte und festeste. Bis zum „Ruf“ respektive „Blitz“, wobei wir leider im Unklaren gelassen werden, wer oder was da gerufen oder geblitzt hat.

Ratlos...

Deine Kathi


Liebe Kathi!

„Die Kirche braucht Menschen, die brennen.“ Das hat er auch noch gesagt, Deine Mini-Berühmtheit. Wahrscheinlich hat er nicht unrecht. Schließlich hat das vor ein paar hundert Jahren ganz gut funktioniert. Je mehr sie verbrannt haben, desto gottesfürchtiger wurden die Überlebenden. Sein Selbstbewusstsein steckt übrigens auch seine Jünger an. Am Ostersonntag Vormittag haben die gläubigen Osteristen wieder einmal kreuz, quer und rücksichtslos den Domplatz zugeparkt. Macht aber nichts – kann man beichten.

Stadtentwicklung, Innovation und innerstädtische Lebensqualität sind ja derzeit (obwohl gar kein Wahlkampf ist) wieder großes Thema. Da bleiben wir doch bitte gleich beim Domplatz. Wer kann mir eine vergleichbar schöne und touristisch frequentierte Altstadt in Deutschland oder ganz Europa nennen, wo jeder Besucher mit seinem Auto bis mitten vor die Kathedrale fahren und dort auch noch parken kann? Kann der Gottesdienstbesucher, der Tagesgast oder Spaziergänger nicht unterm Schanzl oder sonst wo parken? Vorschlag: Unverzüglich die Parkschein-Parkplätze abschaffen und mittelfristig eine vertretbare Alternative für die Anwohner schaffen. Doch, das geht – wenn man will.

Ein Tunnel durch den Georgsberg geht scheinbar nicht, eine Nordtangente brauchts dafür jetzt doch irgendwie. Also brauchts natürlich nicht, aber das Dobrindtsche Kasperlministerium hat aus klassisch-bayerischen Gründen (Filz, Beton und Nicht-CSUler ärgern) nun einen vordringlichen Bedarf festgestellt. Man weiß zwar nicht für wen, warum und überhaupt, aber das zeichnet Beschlüsse aus dem Verkehrsministerium ja generell aus. Außerdem ist es grad wurscht. Oder, wie der Wegscheider Bürgermeister meint: „Dass bei der Umsetzung der Umgehungsstraße um die Stadt über die Ilz eine große Brücke drübergeht, das kann eigentlich kein großes Dilemma sein.“ Genau! Und außerdem sparst Dir das blöde Spazierengehen, wenn Du von oben runter schauen kannst.

Zum Thema Grenzzaun-Halbe für 88 Cent, haltbar bis zum 9. November, hat einer einen Leserbrief geschrieben, in dem er die Forderung, die verantwortliche Brauerei deshalb vom Gäubodenfest auszuschließen, verglich mit dem Boykott jüdischer Geschäfte im Dritten Reich. Geschrieben hat er wortwörtlich, dass es schon damals hieß: „Kauft nicht bei Juden.“ Wer so was abdruckt?

Ich lese bloß eine Zeitung.


Dein Tölpel

Montag, 25. April 2016

Ich weiß nicht...

... was hier los ist und wo die Kommentare sind. 

Habe noch die meisten in den E-Mails zur Freigabe. 

prä

Nachtrag: Keine Ahnung, ob das da unten alle Kommentare sind. Ich habe rein kopiert, was ich noch in den Mails hatte. Auf Blogger sind sie verschwunden.

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Anonym hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Kein großes Dilemma" hinterlassen: 

ERSTER TEIL: 

Ich versuche es mal mit einer sachlichen Analyse eines Problems, das gelöst werden muss:

Die Idee einer Nordtangente ist auch deshalb noch nicht zu den Akten gelegt worden, weil durch die PNP über Jahre hinweg ein verzerrtes Bild gezeichnet worden ist. Dies geschieht seitens der PNP weit überwiegend nicht durch bösen Willen, sondern durch einen Konstruktionsfehler. Dieser ist der unterschiedliche Produktionsprozess der Seiten des Landkreis- und des Stadtteils, der trotz der Zusammenlegung der Redaktionen (ehemals A-Land und A-Stadt genannt), noch immer fortbesteht.

Im Stadtteil werden die Artikel weit überwiegend von Redakteuren verfasst. Das bedeutet – bei zweifellos vorhandenen Einschränkungen – ein gewisses Grundniveau. Journalistische Mindestmaßstäbe (Sachlichkeit, Überprüfen von Informationen, Setzen von Behauptungen in die indirekte Rede, Anführen von Gegenpositionen) werden gewahrt. Die Berichterstattung im Stadtteil zum Thema Nordtangente war so über die Jahre hinweg mal ärgerlich, mal erfreulich, mal fundierter, mal oberflächlicher. Ein Redakteur ist Profi, folglich nach Jahren mit wesentlichen Argumenten vertraut. Weil die Nordtangenten-Gegner aber einfach die besseren Argumente haben, kann man mit Wohlwollen eine gewisse Tangenten-Skepsis aus der Mehrzahl der Berichte herauslesen. Außerdem: Wer über eine Stadt schreibt, in der die Gegner die Mehrheit sind, kann nicht Blatt gegen diese Mehrheit machen.


Im Landkreisteil werden die Artikel überwiegend von freien Mitarbeitern verfasst. Die Redaktion montiert die Zeitung daraus. Die A-Land-Redakteure waren seit jeher weniger als die A-Stadt-Redakteure, mussten aber mehr Seiten produzieren. Dass dies gelang, lag an dieser anderen Vorgehensweise. Die Folgeprobleme sind offensichtlich (und – ich betone dies nochmals ausdrücklich – nicht vorrangig Schuld der Redakteure): Die Qualität ist schlecht. Dorffürsten halten Hofschreiberlinge, denen sie Artikel diktieren. Interessenkonflikte (Beispiel: Heisl sen. schreibt über Heisl jun.) schreien zum Himmel. 

Anonym hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Kein großes Dilemma" hinterlassen: 

ZWEITER TEIL:

Während in einer Phase der Professionalisierung in der Stadt vernünftige Maßstäbe zur Einordnung von Veranstaltungen eingeführt wurden, sind die Ansprüche der im öffentlichen Raum agierenden des Landkreises nach wie vor ungut hoch. Was ich damit meine: Ein Vereinsfuzzi in der Stadt weiß eben, dass er für seine beknackte Minderheitenveranstaltung nur wenige Zeilen Platz erhält. Dieser Realitätssinn wurde den Menschen in harten Kämpfen anerzogen. Ein Lobbyist im Landkreis ist es jedoch noch immer gewohnt, seine Mini-Veranstaltung in epischer Breite in der Zeitung wiederzufinden.

Im Fall Nordtangente bedeutet dies: Wenn Herr Anetzeder den Heisl anruft, ihn in sein Hotel bestellt und eine Stunde zulabert, dann ist dies für die PNP weder eine Nichtnachricht, noch eine kleine Meldung; nein, es war und ist Anlass für einen langen Bericht. Und ich übertreibe nicht, wenn ich ein anderes Beispiel nenne: Wenn sich eine einstellige Anzahl an JUlern in Untergriesbach für die Nordtangente ausspricht (wohlgemerkt ohne jede Ahnung vom Thema, ohne überhaupt auch nur annähernd sagen zu können, wo diese Straße verlaufen würde, ohne auch nur die Basisinformationen wie die sinkenden Verkehrszahlen am Anger vom Bauamt zu kennen), dann erhalten diese JUler einen satten Fünfspalter. Der Landkreisredakteur muss a) sich seinen freien Mitarbeiter gewogen halten, b) das Blatt füllen und c) anerkennen, dass jenseits der Wahnvorstellungen der acht JUler an diesem Tag in Untergriesbach nichts Interessanteres passiert ist.

Über Jahre hinweg kamen so – betrachtet man Stadt- und Landkreisteil insgesamt – die Tangentenbefürworter mehr Raum für ihre einfache Botschaft. Eine Spirale wird so in Gang gesetzt. Themen, mit denen man gut ins Blatt kommt, werden von den Landkreis-Größen bevorzugt bespielt, deshalb wieder mehr Zeilen, deshalb wieder neue Tangenten-Initiativen usw. Die veröffentlichte Meinung entkoppelte sich von den Sachargumenten und setzte sich als vermeintliches Stimmungsbild und – noch mehr – als abwegige Sachanalyse in den Köpfen wichtiger Akteure fest.

Deshalb bin ich so unendlich dankbar über Veranstaltungen wie die gestrige Kundgebung der Nordtangentengegner. Ich hätte es den 8 JUlern aus Untergriesbach stellvertretend für viele anderen gewünscht, dass sie der grandiosen Zahl der Teilnehmer, deren Fantasie und deren Entschlossenheit vor Ort begegnet wären. Es waren mindestens 1000. Die größte politische Veranstaltung des Jahres! 

Und eigentlich wollen diese Leute Herrn Meyer und Herrn Scheuer und anderen Lobbyisten etwas Gutes tun: Sie wollen verhindern, dass diesen Politiker – und sei ihre Lebensleistung in anderen Bereichen noch so respektabel – ihr Leben lang und Jahrzehnte nach ihrem Tod der Makel der Heimatzerstörer anhaftet. Denn das schwöre ich: Sollten die Brücken jemals gebaut werden, werde ich Portraits von Herrn Meyer, Herrn Waschler und Herrn Scheuer aufhängen. Oben wird „WANTED“ draufstehen, unten „HEIMATZERSTÖRER“. 

Kein Ökospinner, nur hier dahoam hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Kein großes Dilemma" hinterlassen: 

Die Analyse zur PNP ist einleuchtend. Ich wäre allerdings nicht so gnädig mit den Redakteuren. Mich ärgert es, wenn ich deren Kommentare zum Thema Nordtangente lese. Überall (PNP, AS…) das Gleiche: Jetzt müssten beide Parteien endlich miteinander reden bzw. Stadt und Landkreis müssten zueinander finden. 

Eine Kommentierung zur Sache? Fehlanzeige. Das ist eine bequeme Ausflucht, um das Offensichtliche nicht aussprechen zu müssen. Alle, die sich mit der Materie beschäftigen, und alle, die ein gewisses Mindestvermögen haben, auch fremde Meinungen zur Kenntnis zu nehmen, wissen: Die Nordtangente ist Wahnsinn. Auch mit ihr wird sich in Wegscheid nicht das nächste BMW-Werk ansiedeln. Breitenberger werden auch dann nicht in 2 Minuten an der Autobahn sein (aber weiter günstig Baugrund kaufen können). Aber schreiben traut sich das keiner, weil sonst vielleicht ein paar Landkreisler mit den Zähnen knirschen. Ich bitte um Mut!

Ist die Nordtangente im Bundesverkehrswegeplan verankert, kann der Bund auch gegen den Willen der Kommunen Passau, Salzweg und Tiefenbach bauen. Viele glauben, dass der Bund diese rechtliche Option nicht ausreizen wird, dass die Nordtangente deshalb nicht gebaut wird, dass man sich deshalb weiter wegducken kann. Ich wäre mir da nicht so sicher. Deshalb, liebe Redakteure: Zur eigenen Meinung stehen! 

Anregungen? Gerne! Im folgenden Kommentar.

Kein Ökospinner, nur hier dahoam hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Kein großes Dilemma" hinterlassen: 

Kommentar:


Die Nordtangente ist ein unsinniges Projekt. Sie zerstört Heimat. Ihr Nutzen ist zu gering. Um diese Erkenntnisse kommt nicht herum, wer sich mit dem Projekt beschäftigt. Diese Erkenntnisse sind schmerzhaft für nicht wenige Menschen im nordöstlichen Landkreis. Leider hat es die Politik über Jahre versäumt, diese Menschen mitzunehmen. Statt die Menschen sachlich aufzuklären, statt sie einzuladen, sich vor Ort ein Bild zu machen, wurden ihnen unrealistische Träume präsentiert. Deshalb wird das Aus für die Nordtangente zu Verletzungen führen. 

Klar ist aber spätestens seit der Großdemonstration vom Samstag: Wer die Pläne zum Bau der Straße weiter forciert, wird ungleich schwerere Verletzungen zu verantworten haben. Noch ist es geordneter Protest wütender Bürger. Es droht jedoch eine politische Hickhack ohne gleichen, ein juristisches Gemetzel, gar eine Schlacht am Bauzaun, pures Chaos, maximales Drama. Und sage niemand, diese martialische Sprache wäre hier unangemessen.

Wird es daher eine öffentliche Kehrtwende der Nordtangenten-Lobby geben? Nein, das wäre auch zu viel verlangt.

Was soll man sich also für die Region wünschen? Es wäre zu wünschen, dass der sachliche Protest der Stadtspitze dazu führt, dass die Nordtangente aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen wird. Still und heimlich. Dass die mächtigen Befürworter vor Ort ihre noch mächtigeren Parteifreunde überorts nicht animieren, dies zu verhindern. Sie müssten nicht einmal öffentlich ihre Position revidieren. Sie könnten hinterher wehklagen und auf die böse Stadt, auf Salzweg und Tiefenbach schimpfen. Insgeheim müssten sie zugeben, dass sie Glück gehabt hätten: kein Gesichtsverlust bei Wählern im Nordosten, vor allem aber: keine Brandmarkung als Heimatzerstörer. Die Schande einer gebauten Nordtangente würde die Verantwortlichen ewig verfolgen. 

Soweit das politische Spiel. Bliebe das Problem an sich: der Verkehr. Die Wahrheit ist: 

1. Das Problem ist keine Katastrophe. Der Verkehr läuft meist. Zu Stoßzeiten wartet man am Anger 10 Minuten. Ganz, aber auch nur ganz selten länger. Ein Kollaps sieht anders aus. Eine Stadt hat nun einmal einen gewissen Ziel- und Quellverkehr.

2. Eine Wunderheilung gibt es nicht. Kein Projekt taugt als „deus ex machina“.
a) Nordtangente? Bitte nicht wieder anfangen! 
b) An der bestehenden Nordumfahrung bei Hutthurm Richtung Osten weiterbauen? Politisch und praktisch kaum möglich.
c) Tunnellösungen? Unrealistisch.
Dreimal Nein. Das erscheint bitter. Aber es hilft nicht: Verweigern wir uns nicht den Tatsachen.

3. Realistische Maßnahmen vorantreiben! Nur ein Beispiel: Verbesserungen rund um die Strauß-Brücke. Wer von Hutthurm zur Autobahn Richtung Deggendorf will, hat eine gute Straße, die freilich zu Stoßzeiten keine Rennstrecke ist. Wer von Hutthurm zur Autobahn Richtung Linz will, hat eine hervorragende Strecke bis zur Donau hin. Danach braucht es eine Erweiterung, so dass man ohne Wartezeiten zur Autobahn kommt.

Schritte wie dieser sind vielen zu kurz, ich weiß. Aber Zaubereien gibt es nicht. Unsere Region ist stark, ist lebenswert. Das dürfen wir nicht vergessen. Das dürfen wir uns nicht selbst schlecht reden. Das dürfen wir aber auch nicht aufs Spiel setzen.



Anonym hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Kein großes Dilemma" hinterlassen: 

Hier wird zu viel psychologisiert. Es führt in die Irre, vermeintlich raffinierte Motive bei den politischen Befürwortern der Nordtangente hineinzugeheimnissen. 
Herr Meyer und Herr Scheuer wollen die Nordtangente. So einfach ist das. 

Deshalb muss man sich wehren, wenn man damit nicht einverstanden ist. 


Anonym hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Kein großes Dilemma" hinterlassen: 

Diese Welle an teilweise hoch reflektierten und differenzierten Kommentaren ist ein sehr angenehmer Beleg dafür, dass diese Seite doch noch von Leben erfüllt ist - selbst wenn sich zwischenzeitlich ein anderer Eindruck einstellt.
Und das ist enorm wichtig, immerhin fehlt trotz des mitunter recht braven "Bürgerblicks" immer noch ein Korrektiv zur Monokultur der effektiv 'alten' Presse (selbst wenn sich die in den letzten Jahren ein wenig aufgelockert hat).
So gesehen wäre dies auch ein Signal an den 'Präsidenten' und seinen 'Praktikanten' diese Fackel der ironischen Vernunft nicht ausgehen zu lassen.
Die massive Bedrohung für das Gefüge dieser Stadt (die Neue Mitte war ja harmlos im Vergleich) macht dies umso notwendiger. Abgesehen von den Umtrieben des Osterhasen und aller anderen Schildbürger.


Anonym hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Arroganz der Städter" hinterlassen: 

Ignorante Schlaumeier sind die Nordtangenten-Gegner also. Aha.

Und was ist der Brandl? 


Königstreuer hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Arroganz der Städter" hinterlassen: 

Der "Kommentator" palavert und schwadroniert ohne was wirklich Neues zu erzählen.

""Wer für unsere Heimat ist, der soll konstruktiv miteinander nach einer Lösung suchen, die beider Heimat-Begriffe gerecht wird, anstatt auf Demos den Graben noch tiefer aufzureißen.""

Dieser abschließende Satz drückt all die Hilflosigkeit des Schreibers aus. Er will was sagen, will was zum Problem beisteueren und verliert sich in einem grandiosen Allerweltsplacebo.

Hinter solchen Aussagen steckt Hilflosigkeit. Da hilfst selbt die zitierte heimat nicht mehr. 


Anonym hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Arroganz der Städter" hinterlassen: 

Jemand, der als fügsamer Bürger an die "die da oben in Berlin" (früher sagte man dazu 'König, Kaiser, Führer') glaubt, die Gott sei's gedankt über allen "emotionalen... Argumenten" schweben.



Anonym hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Arroganz der Städter" hinterlassen: 

Ich erinnere an einen Kommentar in der Passauer Woche vom 28. April 2004:
Kluft zwischen Stadt und Land
Von Stefan Brandl
Was wurde die Ilz, seit sie zur Flusslandschaft des Jahres gekürt wurde, nicht über alle Maßen besungen. Es gab Feiern, Hymnen und Gedichte, Bildbände und zuletzt einen großen Festakt in Tittling – ihr zu Ehren, der schwarzen Fluss-Perle aus dem Bayerischen Wald. Und immer vorneweg die Politiker aus dem Landkreis um ihren Landrat Hanns Dorfner, die nicht müde wurden, das Naturdenkmal zu preisen. Alles bloß Sonntagsreden! Jetzt zeigen sie ihr wahres Gesicht. Denn das idyllische Flusstal ist ihnen schnurzegal, der Landkreis mit seinen Bürgermeistern und CSU-Kreisräten will es auf dem Altar des Molochs Verkehr opfern. Die Nordtangente muss her, damit man schneller zum Golfplatz kommt oder zum Granitmuseum oder an die Sprungschanze oder sonstwohin. Alle dachten, das Thema sei längst gegessen – doch der Landrat zerrt es jetzt wie Kai aus der Kiste auf die politische Tagesordnung (…).


Marsmännchen und rosa Elefanten hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Arroganz der Städter" hinterlassen: 

Nach der Zeitungslektüre heute morgen hätte ich vier Anmerkungen:

1. Ständig wird behauptet, es stünde noch keine Trasse fest. Das ist irreführend. Natürlich ist die Straße nicht auf den Zentimeter genau geplant. Aus einem Gespräch mit einem Mitarbeiter des Staatl. Bauamt weiß ich, dass genau die Trasse "Mitte lang" aus dem Seib-Gutachten Grundlage der Anmeldung ist: die Nordtangente. Nochmals: Der Bauamtler konnte mir nicht bestätigen, dass die Straße genau dort verläuft, "sie könnte auch 20 Meter daneben verlaufen". Ich fragte dann, ob denn die Straße, wenn sie so nahe an meinem Haus verläuft, eingegraben werde. Da konnte er mir genau die Böschungshöhen sagen: Hier 50 cm, dort nichts, dort liegt die Straße knapp über der Wiese usw. So viel zu: Es steht noch nichts fest.

2. Wenn man manche Meinungen liest, dann bleibt nur Kopfschütteln. Heute lässt sich ein Wegscheider namentlich zitieren, dass seine (offenbar noch kleinen) Kinder wegziehen müssten, wenn die 30 km entfernte Nordtangente nicht gebaut würde. 
Sachliche Anmerkung: Die Nordtangentenlobby hat mit ihrem Mantra "Wirtschaftsboom durch Tangente" offenbar eine völlige Gehirnwäsche herbeigeführt. 
Unsachliche Anmnerkung: Vielleicht sollte man als Argument zukünftig einführen: "Wenn die Nordtangente nicht gebaut wird, können die leidgeplagten Wegscheider im Falle eines Alien-Angriffes nicht schnell genug flüchten." Das wäre kaum irrationaler.

3. Die Nordtangenten-Lobby schwankt zwischen "Brücke über die Ilz ist doch gar nicht schlimm." und einem gnädigen "Brücke tut uns leid, muss nun aber nun mal sein." Tatsache ist: Eine 300 m lange Brücke (und so lange wird sie, siehe Punkt 1) ist monströs. Im Bundesverkehrswegeplan ist jedoch nicht nur eine Brücke angemeldet, sondern eine über 8 km lange Straße. Das ist eine gewaltige Schneise. Bei der Debatte kommt mir zudem die 580 m lange Brücke über das Gaißatal stets zu kurz.

4. Den Vogel schießt eine Minderheitenfraktion im Stadtrat ab: die CSU. Die PNP-Berichte von Herrn Waschler im Kreise seiner Freunde von der Tangentenlobby sind Legion. Nun merkt er und seine Combo, dass sie falsch gelegen sind. Blöde Situation: Sich weiter mit dem Wegscheider Bürgermeister ins Bett zu legen? Geht nicht. Dem Landrat die Wahrheit sagen? Trauen sie sich nicht. Also faseln sie von Dialog, neuen umweltfreundlichen Trassen, von Tunneln usw. Als ob es niemals Seib gegeben hätte. Als ob sie überhaupt nicht mit der Geographie der beiden Täler vertraut wären. Als ob sie die Bürger für blöd halten würden. Wer glaubt, es gäbe eine "Nordtangente light", der glaubt auch an rosa Elefanten. 


Marsmännchen und rosa Elefanten hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Arroganz der Städter" hinterlassen: 

Ach ja: Weil man sich hier ja als medienkritischer Blog sieht, wollte ich noch anfügen, dass der PNP-Bericht mir o.k. erscheint. 


Anonym hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Arroganz der Städter" hinterlassen: 

Am Nettesten finde ich die Passage "im Herzen Europas". Wo sollte der östliche Landkreis Passau auch sonst liegen? 


Anonym hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Arroganz der Städter" hinterlassen: 

Die Stadt-CSU und insbesondere Herr Waschler hatten es über Jahre in der Hand, Herrn Meyer zu bremsen. Stattdessen hat Herr Waschler abseitige Hoffnungen im Nordosten geschürt, die jetzt nicht nur ihm, sondern der ganzen Region auf die Füße fallen. Jetzt muss die klare Ablehnung der Tangente ohne Hintertürchen klargemacht werden. Im CSU-Antrag für das Stadtratsplenum am Montag heißt es unter anderem: "Die im bisherigen Entwurf des Bundesverkehrswegeplans bewertete Trassenführung "Mitte lang" mit Brückenschlägen ist in dieser Form abzulehnen. Es sind umweltverträglichere Varianten hinsichtlich der Trassenführung mit Tunnellösungen als neuer Diskussionsentwurf vorzulegen." Das wäre einerseits bemerkenswert, wenn Herrn Waschlers und Herrn Scheuers Hände dafür hochgehen würden. Andererseits ist klar, dass es keine tragfähigen Varianten gibt. Deshalb müsste der Antrag ergänzt werden: "Die Ablehnung bleibt auch dann bestehen, wenn man sich auf keine Alternativen einigen kann."

Ansonsten spielt man Herrn Meyers Taktik in die Hände: Erst den Bedarf feststellen lassen, dann die alternativlose Variante "Nordtangente" wählen. 

Ohnehin: Gespräche wie im CSU-Antrag zu fordern ist für die Stadt nicht akzeptabel. Erstens gibt es genügend Treffen zwischen OB und Landrat (auch mit dem Bauamt). Dabei haben sich Herr Meyer und Herr Wufka als in der Sache kompromissunfähig bewiesen. Zweitens kann die Stadt aufgrund des Verrats durch die CSU-Connection samt manipulierter Daten den Herren nicht trauen.


Schraml hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Arroganz der Städter" hinterlassen: 

Wahlinfo vom 15. Juli 2010:
Zum Einstieg heute ein Sujet, das sich unverständlicherweise ganz viele Leute in Passau zum Lieblingsthema auserkoren haben: Der Verkehr unter besonderer Berücksichtigung des Straßen- und Brückenbaus. Unverständlicherweise deshalb, weil diese angeblich ganz vielen Leute unbedingt eine Nordtangente und/oder eine Innbrücke brauchen. Also ich bin ja nicht immer in Passau, aber wenn ich da bin, fahre ich täglich auf der Freyungerstraße und dem Anger und in letzter Zeit auch öfter mal in die Innstadt und zurück. Abgesehen davon, dass die armen Anwohner in der Ilzstadt und der Innstadt wirklich mit einem hohem Verkehrsaufkommen geplagt sind, komme ich praktisch immer problemlos und ohne Stau durch. Ich weiß nicht, ob die Nordtangenten- und Brückenbefürworter schon einmal in München waren oder auch in anderen Kleinstädten wie Landshut oder Freising oder was weiß ich - da stehe ich jedenfalls eher mal im innerstädtischen Stau und zwar länger als in Passau. Ich gehe jedenfalls mit jedem jede Wette ein, dass nach dem Bau einer Nordtangente die Fassaden in der Freyungerstraße genauso oft gestrichen werden müssen wie bisher und sich nach einem Brückenbau genauso viel Verkehr durch die Schmiedgasse plagt wie ohne Brücke. Und wegen irgendwelcher Politiker, die sich in das Thema verrannt haben und sich gerne mal wieder profilieren wollen, brauchen wir schon gar keine Brücke.


Anonym hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Arroganz der Städter" hinterlassen: 

Respekt vor dem Thyrnauer Bürgermeister! Er hat heute in der PNP wie zuvor auch schon die Hauzenberger Bürgermeisterin deutlich gemacht, dass er kein Anhänger der Nordtangente ist. 


Zukunftsrat hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Arroganz der Städter" hinterlassen: 

Liebe Mitkommentatoren,

ihr denkt bitte alle daran, über die Seite www.bvwp2030.de eine Stellungnahme zum Projekt N-OU Passau (B388-G050-BY) abzugeben? Argumente brauche ich ja keine mehr zu nennen, sind alle bekannt hier.

Und dass die BI Nordtangente eine online-Petition über change.org am laufen hat, weiß auch jeder?

Die Frist für die Stellungnahmen endet am 2.5., also jetzt zackig bitte...

Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende
Euer Zukunftsrat 


Hingehen hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Arroganz der Städter" hinterlassen: 

Huch, was ist da los? 
Heute, Montag, 25.4.: Stadtratsplenum: Mal schauen, wie sich die Stadträte in Sachen Nordtangente schlagen. Bin besonders gespannt, wie Herr Waschler seine Wegscheider Freunde vertritt.

Dienstag, 19. April 2016

Arroganz der Städter

So tief kann "Journalismus" sein.

Die PaWo druckt einfach unkommentiert das Gestammel des Wegscheider Bürgermeisters ab, inkl. aller schönen Ausrufezeichen und macht sich noch nicht einmal die Mühe mit Satz- oder Formatierungsarbeiten.

Den Vogel schießt aber der Kommentator ab, der die Initiative der Nordtangentengegner Arroganz der Städter nennt.

Honi soit qui mal y pense.

Mittwoch, 13. April 2016

Kein großes Dilemma

(Bitte vor allem auch die Kommentare lesen. Die sind wesentlich interessanter als unser Beitrag.) 

Einer der schönsten Sprüche zur Nordtangente kam – wie so oft – von einem CSUler, in diesem Fall vom Wegscheider Bürgermeister Josef Lamperstorfer und geht so: „Dass bei der Umsetzung der Umgehungsstraße um die Stadt über die Ilz eine große Brücke drübergeht, das kann eigentlich kein großes Dilemma sein.“ 

Dieser Satz sagt so viel über diesen Mann, diese Partei und ihre Einstellung zur Welt und zur Schöpfung (wie der CSUler sagen würde) aus, dass er eigentlich irgendwo eingemeißelt werden müsste.  „Dass bei der Umsetzung der Umgehungsstraße um die Stadt über die Ilz eine große Brücke drübergeht, das kann eigentlich kein großes Dilemma sein.“ Super, oder? Ich kann mich gar nicht sattlesen und möchte nur antworten: Dass es in ein paar Jahrzehnten einige Waidler-Dörfer am äußersten Ende Mitteleuropas und ihre Auto fahrenden Einwohner landfluchtbedingt gar nicht mehr geben wird, das kann eigentlich kein großes Dilemma sein – zumindest nicht fürs Ilztal.


Der Dickl war aber auch wieder nicht schlecht. In der letzten Sitzung zum Thema meinte er, er wolle die Nordtangente so auch nicht, könne sich aber "eine Umfahrung unter der Erde" vorstellen. Interessant, also eine Unterfahrung. Dass darauf noch keiner gekommen ist. Drei Kilometer Nordtangente einfach unter die Erde legen. Das ist bestimmt auch viel billiger.


Die ganze Diskussion "Wo und Wie und Was genau" ist halt so ermüdend dämlich, weil kein Mensch diese blöde Straße braucht. Ich glaube ja nach wie vor, man will mit dem Bundesverkehrswegeplan die Bürger der Stadt Passau disziplinieren, damit sie bei der nächsten OB-Wahl endlich richtig wählen, nämlich: schwarz.


"Atzinger will Scheuer aus Stadtrat werfen", schreibt der Seider heute ziemlich reißerisch. Um mit einem abgewandelten Polt-Zitat zu sprechen: Heute sitzen Leute im Stadtrat, die hätte man noch vor ein paar Jahren aus dem Bierzelt hinaus geschmissen. Aber der Andi macht im Bierzelt, im Stadtrat, in München, in Berlin und überall eine gute Figur. Das hat ihm sogar der Oberjürgen bestätigt und das Vorhandensein vom Andi im Stadtrat (also das gelegentliche) als großen Vorteil bezeichnet. Vermutlich hat er dabei hinter dem Rücken die Finger überkreuzt und sich in die Zunge gebissen, aber er hats gesagt. Für wen die Scheuersche Trilokation den größten Vorteil darstellt, sei einstweilen dahingestellt. Oder, um mit dem Genossen Flisek zu sprechen: "Ich sag es mal so: Ich stehe zwar grundsätzlich zur Verfügung, gebe aber zu bedenken, dass es auch eine Frage der Seriosität ist, inwieweit man neben einem Bundestagsmandat gleichzeitig noch angemessen ein Stadtratsmandat bekleiden kann." (26.02.2013)


Die Innstädter CSU will übrigens den Waschler und den Mangold aus der Innstadt raus schmeißen. Anders kann ich mir zumindest die heutige Überschrift "CSU: Innstadt soll attraktiver werden" nicht erklären. 


Das Syneksche Verständnis von Stadtratstätigkeit könnte übrigens, wenn es Schule macht, noch zu größeren Problemen führen. Der Synek kauft sämtlichen städtischen Grund auf und wird der schärfste Konkurrent vom Kapfinger, die Brummer hat bald einen Käs- und einen Mandelstand auf dem Christkindlmarkt, der Atzinger mietet am Aschermittwoch die Dreiländerhalle für den Reichsparteitag an und der Eibl Franz wird Kulturreferent, weil er alle anderen Bewerbungen versteckt hat. Der städtische Syndikus Dickl hat dazu allerdings bereits ein juristisches Gutachten verfasst und erkennt bei solcherlei Tun "Vorteilsnahme, eventuell Nötigung." Mindestens. Wenn nicht Mord. Also Schluss mit lustig. Schade.


Zur Osterwoche wollte ich ja auch noch was schreiben, habe aber eigentlich mittlerweile gar keine Lust mehr. Beginnen tat ebendiese in Passau schon am Ostermittwoch, denn da durfte die "Miniberühmtheit" (Oster über Oster) in der PNP wieder einmal seine sonderbaren bis verstörenden Gedanken mitteilen. So kann Herr Oster nicht akzeptieren, dass es Menschen gibt, die mit seiner Kirche und/oder der Religion in Gänze nichts (mehr) zu tun haben wollen und schreibt gleich ein Buch darüber. Ferner teilte er mit, dass die Liebe zu seiner Freundin "tief und groß und fest" war. Danke für den Hinweis. Wie man die Menschen in die Kirche zurückholt, weiß Oster übrigens auch: "Die Kirche braucht Menschen, die brennen." Gewiss. Wer Angst hat, verbrannt zu werden, wird lieber wieder fromm. Das weiß man übrigens schon seit Jahrhunderten, dafür braucht man keine Mini-Berühmtheit.


Bei Kirchenende am Ostersonntag ist übrigens wieder einmal der gesamte Verkehr am Domplatz zusammengebrochen, weil die Gottesdienstbesucher rücksichtslos alles zugeparkt hatten. Die Mini-Berühmtheit focht das nicht an, der Oster-Oster schäkerte in Rockstar-Manier mit seinen Groupies mitten in der Auto-Hölle. Als wir uns begegneten, fragte ich ihn, ob das hier eine Auto-Segnung sei. Er sah mich an und antwortete: "Frohe Ostern!" Seitdem meide ich den Domplatz.


Herzlichst


Euer Stefan Rammer



Transparenzerklärung: Dr. Stefan Rammer ist Praktikant bei Wahlinfo-Passau. Er erhält hier die Chance, sich den Frust seines früheren Lebens von der Seele zu schreiben.

Dienstag, 12. April 2016

Zur Überbrückung der Wartezeit

Noch'n Gedicht

Wer praktiziert Alleinherrschaft?

Möcht', dass man Aufklärung abschafft?

Wer ignoriert das Parlament,

bekämpft den Laizismus vehement?

Wer legitimiert Tierquälerei,

ist bei jeder Sauerei dabei?

Wer macht sich den Staat zur Beute,

beschäftigt seine ganze Meute?

Bezahlt sie dann mit Steuergeld,

ohne Gewissen, das ihn quält?

Wer will Gotteslästerung bestrafen,

besoffen mit dem Siebener rasen?

Wer will Flüchtlinge kasernieren

und Despoten gern hofieren?

Wer zerstört das Reservat,

weil er selbst ein Baug'schäft hat?

Wem ist freier Sex verhasst,

weil seine Frau ihn nicht mehr drüber lasst?

Wer macht Witze über Schwule –

war Pfarrers Liebling in der Schule?

Wer hat Frau und Kind privat,

damit er wen zum Hauen hat?

Wer find Tschechien-Ausflüg' nett,

nimmt aber gar kein Crystal Meth?

Wer muss nichts wissen und nichts können,

wird trotzdem jede Wahl gewinnen?

Das ist ganz klar, das weißt auch Du:

Es sind die Herren der CSU.


Ja, ich weiß...

... Ich hab's versprochen. Ein kleiner Kommentar zur Lage der Region kommt spätestens morgen. Außer mein Wahlinfo-Passau-Burnout wird wieder schlimmer.

prä

Samstag, 26. März 2016

Passend zu Ostern – endlich auch in der PNP

Regretting motherhood (oder: Wo Hausfrauen stille Genugtuung finden)

PNP, 26. März 2016, Seite 40, Bauernteil

Hausfrauen-Psychologie

Der Mensch ist ein Jäger und Sammler. Doch in Zeiten, in denen das Beutetier

eingeschweißt in der Kühltheke liegt und die Früchte gepflückt und entsteint in der Obstabteilung, muss er andere Gelegenheiten finden, seine Instinkte auszuleben. Zum Beispiel indem er mit Körbchen bewaffnet durch den heimischen Garten pirscht, im erbitterten Nahrungswettbewerb mit der lieben Verwandtschaft um bunte Eier und Schoko-Hasen.
Nur eine sucht nicht: Mutti. Sie muss sich wieder mal um alles kümmern, denn der moderne Jäger und Sammler lässt sich gern bedienen. Was das ganze Jahr über fürs Kochen, Putzen und Einkaufen gilt, ist auch beim österlichen Event-Suchen nicht anders. So steigt die Mutti in der Dämmerung, während die Familie noch eingemummelt in den warmen Betten liegt, mit Morgenmantel und Stirnlampe durch den Garten und versteckt die Beute-Eier im Gestrüpp, auf dem Baum, hinter der Gießkanne. Und wissend, dass ihre Liebsten, vom Ur-Instinkt gepackt, gar nicht anders können, als mit Feuereifer zu suchen, denkt sie sich heuer ein ganz besonderes Versteck aus.


Wie die Heuschrecken schwärmen die nichts ahnenden Verwandten aus. Mit gierigen Fingern ist der Garten schnell abgegrast, die Körbe sind gefüllt und wer doch vor lauter Ostern die Eier nicht sieht, dem hilft das mütterliche Sonar liebevoll auf die Sprünge: „Warm, warm, wärmer, kaaalt, wärmer, uh heiß, heiß!“ Wenn dann die satte Meute wieder dem Haus zustrebt, zündet Mutti Motivationsstufe zwei: „Ein Nesterl fehlt noch.“ Das Rudel stockt – der Ur-Instinkt von Neuem erweckt. Die Kinder pflügen unter der Thujenhecke entlang, der Vater versinkt bis zur Schulter in der Regenwassertonne, der Onkel steckt kopfüber im Rhododendron, der Opa versucht’s mit Rasterfahndung und schleicht im Karree über den Rasen. Vergeblich. Bald knurren die Mägen nach dem Festtagsessen, doch Mutti legt noch einmal nach – mit umgekehrter Psychologie: „Soll ich euch sagen, wo es ist? Ihr findet es ja nie!“ Das lässt der Stolz freilich nicht zu. Der Mittag verstreicht, die Verwandtschaft irrt immer noch durchs Grün, leise fluchend, auf der Suche nach diesem einen letzten Osternesterl, dass (Schreibweise im Original) Mutti nie versteckt hat. Und so findet auch die Hausfrau an Ostern noch etwas im Garten: stille Genugtuung.  


Sabine Kain
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Ein Kommentar zur Oster-Woche der Kampfzeitung des KS folgt.

 

Samstag, 5. März 2016

Hey, Tölpel-Imitat!

Dass Du wegen Deiner Doktortitelgeilheit und weil Du wahrscheinlich wieder zu lange am Weihrauchfässchen geschnüffelt hast, den Stadler Max posthum in den wohlverdienten Ruhestand geschickt hast – geschenkt!

Aber dass Du folgenden Satz schreibst, "... Heimatschriftsteller Max Matheis, der zwar kein Täter, aber wohl überzeugter Nazi war", lässt uns zwar nicht an Deinem Verstand zweifeln – davon haben wir Dir noch nie übermäßig viel zugetraut –, aber uns durchaus fragen, ob Du mit solchen Personen sympathisierst.

Die Aussage ist aus verschiedenen Gründen kompletter Unsinn. Ist einer, der Schriften verfasst, in denen er seine Leser für Hitler begeistert, nicht allein deshalb schon Täter? Goebbels hat unseres Wissens nach auch keinen persönlich erschossen. 

Außerdem: Einer der 1933 in die NSDAP eintrat und 1937 Truppführer bei der SA wurde – der war kein Täter? Sicher nicht?

Eine Frage zum Abschluss: Wenn einer dann auch noch Lehrer ist und den Kindern so mancherlei erzählt – hätte das vielleicht Täterqualität?

Aber Ihr Frömmler habt halt seit jeher ein großes Herz. Für die Täter. 

Der Präsident der politischen Akademie Wahlinfo-Passau