Was finden Sie an Ihrem Kontrahenten gut?
Andreas Rother: Gut ist, dass wir miteinander reden können. Also vor allem der Armin kann wahnsinnig gut reden, ganz besonders Geschichten erzählen. Da staune ich oft – und nicht nur ich.
Armin Dickl: Das kann ich nur unterschreiben. Wenn ich was erzähle, hört mir der Andi immer ganz andächtig zu. Ich glaube, ein bisschen bewundert er mich insgeheim.
Warum sind Sie trotzdem besser für das OB-Amt geeignet als Ihr Gegenüber?
Dickl: Mit 43 Jahren bin ich als Familienvater in der Gesellschaft und in Passau verankert. Das sind Attribute, die für uns beide zutreffen. Also das sage ich jetzt zumindest mal aus Fairnessgründen so. (grinst) Aus meiner enormen beruflichen Erfahrung heraus habe ich viel mit den Themen Mitarbeiterführung und -motivation zu tun. Ich darf viele Unternehmen im öffentlichen Dienst und in der Privatwirtschaft in genau diesem Bereich begleiten. Das ist meine berufliche Passion.
Rother: Bei mir ist der Vorteil, dass ich das alles in der Praxis und wirklich mache.
Dickl: Hä, was? Ich doch auch! Vollgas! Safe!
Rother: Ja, ja, Du auch, safe. Ich führe wirklich ein Unternehmen, ich habe wirklich jeden Tag mit Menschen zu tun, mit denen ich gemeinsam etwas entwickeln und den Betrieb gestalten will. Ich habe mir das nicht von ChatGPT zusammenschustern lassen. So ist es im Rathaus auch. Netzwerken ist etwas, was ich lebe. Und ich kenne keine Berührungsängste, ich kann und möchte mit jedem reden, der Passau vorwärtsbringt. Und ich bin kein typischer Parteipolitiker. Ich will möglichst viele unter einen Hut bringen.
Dickl: Eine Stadtverwaltung und das Personal in einem privatwirtschaftlichen Unternehmen kann man aber nicht wirklich vergleichen. Es wäre schön, wenn man privatwirtschaftliche Strukturen einführen könnte. Ich bin ja auch Unternehmer und betreibe mit dem Papst eine Herrenboutique in Wuppertal. Dort beschäftigen wir 28 Mitarbeiter, mindestens – glaube ich. Ich bin wirklich der Chef von denen, so richtig voll der Chef.
Rother: Ich dachte, Du machst gar nichts? Wegen der Wahl? Also Urlaub oder stempeln oder was weiß ich.
Dickl: (stampft vor Wut mit dem Fuß auf dem Boden auf) Das hat Dir der Teufel gesagt! Und es ist eine Lüge! Du glaubst mir wohl auch nicht, dass ich einmal auf einer Kanonenkugel nach München geflogen bin und dass ich mich damals an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen habe?
Ist ja gut, ruhig jetzt! Wo sehen Sie die gravierendsten Unterschiede zwischen Ihren Positionen?
Rother: Die Achleiten-Brücke ist Nonsens. Ehrlicherweise muss man sagen, dass die Brückenvariante, die jetzt zur Diskussion steht, auf beiden Seiten 2013 im Hochwasserbereich gewesen wäre. Grundsätzlich wäre es natürlich nicht schlecht, wenn man so eine Brücke hätte. Aber sie kann uns im Moment nicht beschäftigen, weil wir andere Baustellen haben. Und wir können uns so eine Brücke aktuell definitiv nicht leisten.
Dickl: Das sehe ich anders. Ich glaube, dass man sie sich leisten können muss. Wir sollten uns in Zukunft mehr darüber unterhalten, wie wir zusätzliche Euros einnehmen, und nicht darüber, was wir uns nicht leisten können. Die paar Millionen hole ich mir bei meinen Buddies an den Schaltstellen der Macht. Ich bin vernetzt. München, Berlin, Brüssel, New York, Rio, Tokio. Ich bin Unternehmer, ich bin Unternehmensberater, ich bin Unternehmensberater-Chef.
Der ÖPNV hängt auch davon ab, ob die Stadtwerke wieder auf die Füße kommen. Sind Sie sich über die Vorgehensweise einig?
Dickl: Für mich ist das so sicher wie das Amen in der Kirche: Einen für die Versorgung zentralen Dienstleister kann man nicht ausschalten. Der muss erhalten bleiben.
Rother: Definitiv. Die Stadtwerke gehören zu Passau. Wenn man die zwei defizitären Bereiche „ÖPNV“ und „peb“ ausklammert, dann schreiben die Stadtwerke nach wie vor positive Zahlen.
Dickl: Andi, Andi, wie immer zu kurz gedacht, Ihr Sozis. Da vergisst du aber den Investitionsstau, Andi. Das kann man so nicht sagen. Die Stadtwerke werden extrem viel investieren müssen, um alles aufrechtzuerhalten. Ich kenn mich da aus. Da werden zwar Tankgutscheine nicht reichen, aber ich wuppe das. Ich habe mich selbst schon mehrfach an den Haaren aus dem Sumpf gezogen – der Asenbauer war dabei, der ist Zeuge.
Müsste dafür also mindestens eine der beiden defizitären Sparten ausgegliedert werden?
Rother: Man muss beide optimieren. Und der ÖPNV muss schon deshalb überdacht werden, weil er ein Defizit von 8 Millionen aufweist. Das können wir uns auf Dauer nicht leisten. Also müssen wir optimieren.
Dickl: Du musst nicht nur die fragen, die mit dem Bus fahren, sondern auch die, die bisher nicht mit dem Bus fahren. Also ich zum Beispiel. Ich bin ja Unternehmensberater-Chef. Ich fahr doch nicht mit dem Bus. Da fahren ja nur Grattler. Der Asenbauer fährt übrigens auch nicht Bus.
Rother: Was heißt das?
Dickl: Ich mach das jetzt in den ersten sechs Monaten gleich mit Smart City. Dann flutscht das mit den Ampelschaltungen. Ich und meine Freunde, wir haben nicht so viel Zeit, wir sind alle Unternehmer oder Unternehmensberater oder beides. Grüne Welle für alle, verstehst? Egal ob Audi, BMW oder Mercedes. Den Bus wird dann kaum mehr jemand brauchen. Punkt zwei: Es sollten nur Leute in den Aufsichtsrat der Stadtwerke, die eine entsprechende Qualifikation haben. Also nur Unternehmensberater, hilfsweise Leute, die eine kaufmännische oder juristische Fachausbildung haben. Keine Brillenverkäufer oder sowas. Sonst kommen wir da nicht weiter.
Rother: Das wird mit jetzt bald zu blöd.
Eine Seilbahn?
Rother: Ja gern, wenn ein Privater sie baut und betreibt.
Dickl: Ihr seid leider alle keine Visionäre. Das Geld ist ja nicht weg, es ist halt nur noch nicht da. Lasst mich mal machen, ich habe Kontakte und Netzwerke.... (Bullshit Bingo, Bullshit Bingo, Bullshit Bingo) Unternehmensberater... (Bullshit Bingo, Bullshit Bingo, Bullshit Bingo)
Rother: Da fällt mir jetzt leider gerade nichts mehr ein.
Herr Rother, Herr Dickl, vielen Dank fürs Gespräch!
4 Kommentare:
Treffend beschrieben. Hätte mir gewünscht Rother hätte das auch im PNP Interview so rausgestellt.
„Das Geld ist ja nicht weg, es ist halt nur noch nicht da.“ Mit dem Satz qualifiziert sich Dickl zum Bundeswirtschaftsminister.
Was arbeitet der Dickl eigentlich jetzt wirklich?
Wuppertal, Tankgutscheine oder doch Stempeln?
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