Ich habe in den letzten Tagen ein paar schöne Politikerinnen-Zitate in der PNP gesammelt. Der Wahlsonntag soll zum Beispiel zum „Wählt-Frauen-Tag“ werden. „Votes for Women“, sagt Ilse Aigner. „Passauer Politikerinnen wünschen sich mehr Stadträtinnen.“ Der 8. März sei eben auch Weltfrauentag, deshalb „sollten Frauen auch Frauen wählen.“ Genau. Frauen sollen Frauen wählen und Männer sollen Männer wählen. Dann passt’s ja wieder. Ich habe übrigens auch schon einmal Frauen gewählt, aber nicht, weil sie Frauen waren. Den Witz mit der dringlichen Quote für Nonbinäre spare ich mir heute, sonst werfen mir die Anti-Alte-Weiße-Männer-Aktivisten wieder virtuell die Fensterscheiben ein.
Bleiben wir politisch korrekt. Es fanden in den letzten Wochen mehrere Podiumsdiskussionen mit OB-Kandidaten statt, wobei ich gleich bei der ersten den unverzeihlichen Fehler machte, sie zu besuchen. Eine Moderation fand trotz Anwesenheit eines sogenannten Moderators nicht statt. Der besser so zu bezeichnende Fragenvorleser versuchte nicht einmal zu moderieren und ließ die Kandidaten ungestört inhaltsleere Worthülsen und oftmals wahrheitsferne Aussagen vortragen. Nachfrage: Fehlanzeige. Frage: Was ist Ihr Lieblingsbuch? Antwort: Schweinsbraten. Ah, danke, sehr interessant.
Auch wenn mir berichtet wurde, dass die beiden Schülerinnen in Niedernburg ihre Moderatorinnen-Sache wesentlich besser machten als der „Profi“ von der Heimatzeitung, musste man bei der einzigen Veranstaltung, die nicht in kirchlichen Räumen (warum eigentlich?), sondern im Wirtshaus stattfand, feststellen, dass man auch als Wirtschaftsprofessor nicht unbedingt dazu befähigt sein muss, kommunalpolitische Themen zu moderieren. Auch hier habe ich nämlich wieder den Fehler gemacht, das Ganze im Livestream zu betrachten und der einzige Höhepunkt, der mir in dreieinhalb qualvollen Stunden in Erinnerung blieb, war der Moment, als Siegfried Kapfer die Linken-Kandidatin „Frau Kolik“ nannte.
Von der ist mir übrigens in Erinnerung geblieben, dass außer den Löhnen alles billiger werden muss, vom Kapfer Siegi, dass wir eh keine Kohle haben und er von allen Kandidaten sowieso der einzige Checker ist. Vilsmeier hätte gerne mehr Bänke in der Fuzo. Mangold hat die Wälder, die Brücken und die Innenstadt vorm Untergang gerettet. Frau Auer wird definitiv Bürgermeisterin – Ranking, Partei und Fraktion noch unklar. Der Holm vom „Team Putzke“ wird in den ersten 100 Tagen alle Passauer Probleme beseitigen und dann geht’s erst richtig los. Dickl macht im Fall eines Wahlsieges ChatGPT zum zweiten Bürgermeister und Andi Rother will auf einmal nicht mehr den Jürgen-Dupper-Ähnlichkeitswettbewerb gewinnen.
Am schönsten allerdings ist – und ich weiß nicht, ob es das sonst irgendwo gibt oder schon einmal gegeben hat –, dass von unseren acht Kandidaten mindestens sechs der felsenfesten Überzeugung sind, in die Stichwahl zu kommen. Vielleicht sind es sogar alle acht. Was passiert eigentlich, wenn Kapfer die meisten Stimmen hat, dabei die absolute Mehrheit aber knapp verfehlt und Kolitz und Vilsmeier jeweils exakt 4.321 Stimmen haben und damit auf einem gemeinsamen Platz 2 landen? Bekommen wir dann eine Dreier-Stichwahl? Nein, dann entscheidet tatsächlich das Los. Das Los entscheidet interessanterweise auch bei Stimmengleichheit in der Stichwahl, was allerdings eher selten vorkommen dürfte.
Im nächsten Bürgerblick wissen wir dann tatsächlich schon, wer neugewählter Oberbürgermeister von Passau ist, können uns mit der spannenden Frage beschäftigen, wie seine Stellvertreter heißen werden, mit der noch spannenderen, wie viele derer es für eine Gestaltungsmehrheit wohl bedarf und mit der spannendsten überhaupt: Muss nach Scheuer dann auch Waschler über Nacht die Stadt verlassen? Gehen Sie wählen – dann wird alles gut!
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