Samstag, 30. März 2013

Abgeschrieben und auferstanden

Lieber Tölpel!

Als ich kürzlich den SPIEGEL aufgeschlagen habe, hat mich fast der Schlag getroffen. Stieß ich doch beim Durchblättern auf einen Artikel, in dem es um eine Charity-Dame ging, die angeblich Spendengelder unterschlagen hätte. Das gibt es doch nicht, dachte ich schockiert, schon wieder Neider und Missgünstige, die das aufopferungsvolle Lebenswerk unserer großen Wohltäterin mit schmutzigen Lügen besudeln wollen. Die es in ihrem Neid nicht ertragen können, dass eine bescheidene Frau aus der Provinz mit einem großen Herzen jedes Jahr hunderte und aberhunderte von Euro für die Bedürftigsten unter den Bedürftigen einsammelt und das alles, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen. Und bestimmt steckt wieder dieser destruktive Brunner dahinter. Als ich dann bemerkt habe, dass die Geschichte ganz woanders passiert ist, da war ich vielleicht froh!

Froh, ja geradezu fröhlich bis sehr amüsiert war ich auch, als ich den Artikel über die Inszenierung "Rose" im Theater an der Rott gelesen habe. Ich weiß nicht, was mich mehr belustigt hat. Die Tatsache, dass ein Intendant mit Missionierungsdrang in der tiefsten Provinz südlich von Lappland einen transsexuellen Pornodarsteller gibt, der mit mehr Männern schläft als "in der Bibel herumlaufen." (Steht so in der PNP vom 25.03.2013. Aber was heißt das?) Oder habe ich mich noch mehr auf die Leserkommentare gefreut, die teilweise wortwörtlich so ausgefallen sind, wie ich es beim Lesen des Artikels schon gewusst habe? Oder war das Schönste doch der Satz des PNP-Rezensenten, wonach die Tatsache, dass Rottal-Rose in der Szene im Innenraum einer Kirche mit gespreizten Schenkeln auf dem Rücken liegt und einen Koitus imitiert, einen "unnötigen Tabubruch" darstellt? Hä? Wieso Tabubruch? Weil das Auf-dem-Rücken-liegen eine in Kirchen eher ungebräuchliche Sexualpraktik darstellt? Da fällt mir der Witz mit den Ministranten und dem Mittelscheitel ein. Aber lassen wir das.

Es ist halt alles eine Geschmacksfrage. Der eine mags von vorn, der andere von hinten. Einer bevorzugt Cannabis, mancher trinkt gern fünf Mass Bier. Manche stehen auf Sichtbeton und manche mehr auf Selbstkasteiung. Jeder wie er's mag, alles menschlich. Jetzt darf natürlich auch ein Aushilfsbürgermeister der Meinung sein, dass Sichtbeton im öffentlichen Raum nicht so schön ist. Das darf er sogar sagen. Was er eigentlich nicht machen sollte, ist, so zu tun, als spräche er als Repräsentant der Stadt Passau und zu suggerieren, er, also die Stadt, würde zukünftig keine Sichtbetonbauten mehr genehmigen. Da übernimmt er sich nämlich ein bisschen. Warum mich das nervt? Weil die in die Kritik geratenen Bauwerke aber ganz bestimmt nicht zu den hässlichsten in Passau gehören. Und wenn wir schon beim Stammtisch-Populismus sind: Ich finde die Skulpturen am Europaplatz und am Anfang der Fußgängerzone seit Jahren scheußlich. Kann man die bitte mal wegmachen?

Was ich auch scheußlich finde und schon seit Jahren anprangere, ist, dass weder ein Teil des PNP-Journalisten-Nachwuchses noch die AmSonntag-Redaktionsleitung die unterschiedliche Anwendung von "das" und "dass" beherrschen sowie auch sonst regelmäßig erhebliche Grammatikschwächen aufweisen. Eher drollig finde ich dann schon wieder manche Formulierungsskurrilitäten. So übertitelt eine junge Redakteurin den Artikel über ein Verlinkungsproblem auf passau.de mit "Von der städtischen Homepage direkt zu leichten Mädchen". Leichte Mädchen, so so. Sagt man das jetzt wieder? Und wenn sie an der Straße stehen – Bordsteinschwalben? Hetären, Kokotten, Kurtisanen? Und was macht man eigentlich mit denen? Liebe? Schlafen? Verkehren? Unzucht? Oder doch: bumsen? Ich finde letzeres. Wer "leichte Mädchen" sagt, muss auch "bumsen" sagen. Und hundertmal den Satz schreiben: "Ich darf nicht verklemmt sein, wenn ich eine große Journalistin werden will." 

Hauptsache, wir schnackseln gern, gell, mein Tölpel!

Deine Kathi

Liebe Kathi!

Jetzt hast Du mir so viele Stichworte gegeben, dass ich gar nicht mehr weiß, wo ich anfangen soll. Ein kluger Mann und begnadeter Schreiber hat mir erst vor ein paar Tagen gesagt, er wolle nicht immer auf seine Sexualität reduziert werden. Aber worauf soll ich denn z.B. die Rammerschen Tölpeleien in der PNP sonst reduzieren als auf schlechten Sex? Was kann der Grund sein, dass man sich über Sichtbeton aufregt oder über ein paar gefällte Bäume an der Ilz (wo man ansonsten den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht?) außer schlechter Sex? Oder anders: Wenn man das neue Foto vom Danninger sieht und dann noch seine abgefahrenen Kommentare liest, weiß man sofort – dieser Mann hat nicht nur außergewöhnlich guten Sex, sondern er kann sich auch aussuchen, mit wem. Und dann gibts da noch diese Dame, deren Name sich ein bisschen so anhört wie Cuckold-BDSMinger. Aber lassen wir das.

Zum Thema skurrile Formulierungen. In einem PNP-Artikel über den Aufgriff eines Mannes, der fünf Gramm Marihuana (also nicht 500 Gramm Heroin!) mit sich führte, an der Autobahn durch Schleierfahnder, fand sich der Satz: "In einer Zigarettenschachtel und in seiner Hose befand sich das Rauschgift." Das Rauschgift! Geht's denn nicht eine Nummer kleiner? Auf einem einzigen Tisch beim Starkbieranstich findet sich in den Masskrügen mehr Rauschpotenzial als in der Hosentasche des Marihuana-Verbrechers. Da passt auch noch sehr gut eine andere PNP-Überschrift dazu: "Regionale Fahnder teils 'atypisch' eingesetzt". Da fragt sich dann nur, was "atypisch" ist. Wenn vom Steuerzahler bezahlte Polizisten in vom Steuerzahler bezahlten Autos auf der Autobahn herumstrolchen und fünf Gramm Marihuana beschlagnahmen oder wenn sie mal was Vernünftiges machen.

Die Passauer CSU hat ja eine Blitzumfrage gemacht, bei der sie zum einen endlich einmal herausfinden wollte, wofür sie überhaupt steht und zum anderen mit der Frage nach geeigneten OB-Kandidaten die intern und inoffziell schon designierte Kandidatin Buhmann gleich wieder absägen wollte. Blöderweise hat man aber die Umfrageteilnehmer nicht gefragt, wer es denn machen solle, sondern nur, wer denn ihrer Meinung nach gegen Amtsinhaber Dupper eine Chance hätte. So waren dann auch die am häufigsten genannten Namen F.J. Strauß, Emil Brichta, Brutus und Charles Manson. Aus wahrscheinlich nur ihm nachvollziehbaren Gründen fabuliert der PNP-Tölpel heute schon zum zweiten Mal von irgendeinem Brauereidirektor, der es machen könnte und bringt wahrscheinlich demnächst den Schraml ins Spiel. Bei diesem Kasperltheater wird es sich der einzig ernstzunehmende Wunschkandidat Steiner sicherlich noch eine Zeit lang überlegen, ob er sich das antut mit dieser Gurkentruppe. 

Jetzt regen sich wieder alle (sogar der Austragsintendant Freibier) auf, weil die Stadt Passau in den letzten Jahren tonnenweise Bilder von Passauer Künstlern gekauft hat, die jetzt anscheinend im Keller vergammeln. Eine vielgelesene Forderung ist nun, die Dinger irgendwo aufzuhängen. Naja, meinetwegen, aber wo? Wir haben halt hier im strukturschwachen Raum das Problem, dass von knapp (!) 50.000 Einwohnern, abgesehen von den paar Hanseln, die bei der Zahnrad oder als Stadtführer arbeiten, 10.000 Kabarettisten, 15.000 kirchliche Würdenträger und 20.000 Kunstmaler sind. Erstere werden in der Starkbierzeit von der Brauerei/Kirche bezahlt, zweitere werden vom Steuerzahler bezahlt und die Künstler...? Mei, irgendwer muss halt mal ein Bild kaufen. Aber muss man die alle auch gleich aufhängen? Vorschlag zur Güte: Die kommen vollständig in das neue Konzerthaus. Dann bleibt's auch gleich im richtigen Milieu.

L'art pour l'art!

Dein Tölpel      

Mittwoch, 27. Februar 2013

Passau in Trauer

Bud Spencer will aufhören

Wie man heute der Lokalpresse entnehmen konnte, möchte Bud Spencer, alias Hand Gottes, alias Der Seiler Max, aus gesundheitlichen Gründen sein Stadtratsmandat niederlegen.

Als wäre das noch nicht schlimm genug, hat die ÖDP angedroht, Jörn Rüther nachfolgen zu lassen. Rüther lebt mit seiner Amish-Familie in einem Waldkindergarten und wird sogar von anderen Amischen gemieden, weil ihm nicht einmal ein Bart wächst. Mit Rüther erreicht die ÖDP einen neuen Grad an Skurrilität, der nicht einmal mit Frankenberger möglich war.

Wahlinfo-Passau fordert: Bud Spencer, bleib da! Mach's wie der Pell und lach' sie alle aus.

Und erspare der Stadt die Prüfung Rüther. Danke.

Montag, 11. Februar 2013

Passau in Vorfreude: WIR WERDEN PAPST!

Hier die aussichtsreichsten Kandidaten

    Wastl I.
    Qualifikation: Unberührt und empfänglich
    Motto: Quamquam sum sub aqua...

    Urbanus Aurantiacus Ultimus
    Qualifikation: Bremst auch für Tiere
    Motto: Urbi sum orbi

    Andreus Mobilis I.
    Qualifikation: Viele Jünger
    Motto: Gerne jünger

    Superdupper Principatus Unicus
    Qualifikation: Schwimmt sogar in Milch
    Motto: Sie sind alle so dumm und ich bin ihr Chef.

______________________________________

Nachtrag

Kommentar von pnp.de zum Thema:

Jetzt drehen alle durch: Die Bilder vom Faschingswochenende


Samstag, 26. Januar 2013

Huhu, PNP!

Nur weil wir uns in letzter Zeit nicht mehr so ausführlich mit Eurem journalistischen Schaffen auseinandergesetzt haben, heißt das nicht, dass wir nicht genauestens beobachten, was Ihr so treibt.

Eure etwas sonderbare Verknüpfung von Anzeigenschaltungen und redaktioneller Berichterstattung ist uns in letzter Zeit etwas gehäuft aufgefallen (die Anzeige eines Flusskreuzfahrtbetreibers hat man z.B. in der gleichen Ausgabe noch mit dem Foto eines Schiffes aus dessen Flotte auf der ersten Seite des Lokalteils unterstützt), aber vielleicht ist das bei Euch ja gängige Praxis und wir merken es nur nicht immer.

Aus diesem Grund haben wir uns heute einmal ganz ausgiebig Eurer Samstagsausgabe gewidmet, also insgesamt ungefähr 17 Minuten. Unser Umgang mit der Heimatzeitung ist ja wahrscheinlich ähnlich dem der restlichen PNP-Leser. Mindestens der erste Teil wird sofort entsorgt und dann widmet man sich zunächst oder ausschließlich dem Lokalteil.

Heute allerdings sind wir auf der Titelseite über ein Foto gestolpert, auf dem Verlegerin Angelika Diekmann und Anna Netrebko bei einer Scheckübergabe zu sehen sind. Auf dem Foto starrt die Netrebko wie ein hypnotisiertes Kaninchen in die Kamera und sagt oder denkt sich dabei (wenn man der Bildunterschrift glauben darf): "Danke, danke, danke." Betrachtet man jedoch das Bild, auf dem Frau Diekmann die fast gelähmt wirkende Hand der gequält aussehenden Sopranistin zusammenquetscht, würde man eher vermuten, sie denkt sich: "Bitte, bitte, bitte, lass mich gehen."

Ein Quell der Freude ist natürlich seit jeher der Lokalteil. Auch heute wieder gespickt mit journalistischen Großtaten. "Nie wieder Innstadt" lautet eine fette Überschrift gleich auf der ersten Seite und bis auf die Tatsache, dass uns noch ein Ausrufezeichen fehlt, möchten wir laut ausrufen: "Genau, weg damit!"

Die Tölpeleien sind dämlich wie immer. Die Fake-Kathi fabuliert über die Gefahren des Musikhörens am Innkai sowie das Nichteinhalten einer generellen Helmpflicht im Freien und belästigt uns ein weiteres Mal mit ihrem Zirkus-Fetisch. Der PNP-Tölpel-Imitator berichtet aufgeregt (zum gefühlt zehnten Mal) über Querelen im Heininger Kirchenchor, was außer ihn und den Heininger Kirchenchor wirklich überhaupt niemanden (wahrscheinlich noch nicht einmal den Dr. Simmelbauer) auch nur ansatzweise interessiert. 

Manchmal – wie auch heute – wenn wir bei den Geburtsanzeigen des Standesamtes leider keine lustigen Namen gefunden haben, wenden wir uns noch der allerletzen Seite der PNP zu, die unfreiwillig komisch den Rubriktitel "Unterhaltung" trägt. Ein junger Mann aus Burghausen darf sich hier als Volontär versuchen und debütiert in einem Artikel über Roy Black gleich sehr gelungen mit einem Deppen-Plusquamperfekt: "Roy, so nannten ihn hier alle, war immer sehr ausgelassen gewesen."

Vom Allerletzten zum Allerallerletzten. Menschen, die gern schreiben, aber noch nicht einmal von der PNP als richtige Redakteure gebraucht werden können, dürfen sich jeden Samstag unter der Überschrift "Zletzt" als sogenannte "freie Journalisten" blamieren. Muss man sich für die Ergüsse von Rammer & Co noch regelmäßig fremdschämen, kommt hier meist nur Mitleid auf. Die Kolumne ist das Dschungelcamp der PNP. An Selbstbewusstsein mangelt es den Dschungelcamp-Schreibern aber nicht. Wie erklärt sich sonst die heutige "Zletzt"-Beschreibung von Erich Kästner, dieser sei "seinerzeit ein gewitzter Mann" gewesen? Heißt das, er könnte heutzutage mit dieser noch gewitzteren "Unterhaltungs"-Kolumne nicht mehr mithalten?

Aber tröstet Euch, Ihr Tagelöhner-Journalisten von der letzten Seite. Für die PNP schreiben immerhin auch ein Kain und ein Fuchs. Und gegen die seid Ihr allesamt gewitzte Männer und Frauen. Na ja, zumindest witzig.

Der Präsident der Journalistischen Nachhilfe-Akademie Wahlinfo-Passau



Mittwoch, 16. Januar 2013

Montag, 31. Dezember 2012

Statt Jahresrückblick

Exklusiv auf Wahlinfo-Passau

Das Abhörprotokoll der geheim mitgeschnittenen Weihnachtsfeier des Passauer Stadtrats

Oberjürgen: ... und so danke ich vielen Kolleginnen und Kollegen für die vertrauensvolle Zuarbeit und wünsche manchen Kolleginnen und Kollegen einen guten Appetit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und einigen wenigen wünsche ich noch ein glückliches und erfolgreiches Neues Jahr.

Scheuer (flüstert zu Dickl): Du mich auch.

Dickl (flüstert zu Scheuer): Hi hi hi. Super, Andi!

Waschler: Herr Oberbürgermeister! Ich verlange eine sofortige namentliche Auflistung derer, denen Sie explizit kein gutes Neues Jahr gewünscht haben. Sonst verlasse ich umgehend den Raum.

Alle: Oooooohhhhh.

Dittlmann: Wer zahlt denn das hier eigentlich alles?

Oberjürgen: Wer hat denn den eingeladen?

Dittlmann (zu Pell): Manchmal hab ich fast das Gefühl, der mag mich nicht.

Sturm: Verehrter Kollege Dittlmann! Wie Ihnen vielleicht bekannt ist, gibt es jedes Jahr eine große Tschärity-Gala in Passau. Aus dem Erlös dieser wunderbaren Veranstaltung wird in diesem Jahr unser Weihnachtsessen bezahlt.

Krautstorfer: Oh leck. Wos gibts denn dann? A Brotsuppn?

Heindl: Pfui Deifi.

Feuerer: Thomas Bernhard hat gesagt: „Menschen, die ein Gespräch führen wollten, waren mir schon immer verdächtig. Gut reden kann man mit einfachen Leuten.“

Werts: Ja, aber Sie sind mir zu einfach.

Damberger: Ach, jetzt streits doch ned scho wieder.

Heindl: Scheiße, hä.

Ortner: Sei staad, Sigi.

Heindl (grunzt): Brrrrpffffgrrrr.

Buhmann: Wir könnten ein Spiel machen.

Reischl: Strippoker.

Träger: Au ja!

Mangold: Oder wir singen was. Ich hab mein Gotteslob dabei.

Jungwirth: Oder wir zapfen ein Fass an. Ich hab letztes Mal nur 17 Schläge gebraucht.

Oberjürgen (zu Sturm): Wer ist denn er?

Sturm: Bürgermeister.

Oberjürgen: Echt? Gibts da mehra?

Der erste Gang wird serviert. Auf jedem Teller liegen ein Apfel und eine Orange.

Heindl: Scheißdreck, hä! Wos isn des?

Zehner: Na ja, lieber Herr Heindl, eine Spende von der Tschärity-Gala halt. Und da sollten wir alle dankbar sein. Andere Menschen, gerade aus Ihrer Gesellschaftsschicht, haben noch viel weniger.

Bauer, S.: Fuck! Die Orangen is ja g'spritzt.

Bauer, H.-J.: Apropos orange und g'spritzt. Da fällt mir ein Film ein, den ich kürzlich gesehen hab. Was mit Asiatinnen.

Faßbender: Jetzt reichts dann langsam. Das ist ja ekelhaft.

Oberjürgen (zu Sturm): Wer ist denn sie?

Sturm: Stadträtin. ÖDP.

Oberjürgen: Hä?

Sturm: Egal.

Alle außer dem Grünen Bauer (der mittlerweile einen Mundschutz trägt) widmen sich nun ihrem verschrumpelten Apfel und ihrer Orange. 

Scheuer (zu Dickl): ... und dann sag ich zu den zwei Bunnies auf der Rückbank: Freilich darf mein Chauffeur mit 220 auf dem Standstreifen überholen. Allein dafür zahl ich 400 Euro extra im Monat.

Dickl: Boah! Super, Andi!

Faßbender: Das würde mich jetzt schon mal interessieren, Herr Dr. Scheuer. Sind Sie jetzt für oder gegen die Nordtangente?

Scheuer (zu Dickl): Wer ist denn sie?

Dickl: Egal.

Synek: Jetzt geh, Verkehrsexperte, bist jetzt für oder gegen die Nordtangente?

Scheuer: Ja, mei. Je nachdem, wo grad Wahlkampf ist.

Dickl: Ha ha. Super, Andi!

Waschler: Warum fragt eigentlich mich keiner?

Alle: Gähn....

Heindl: Des Bauerngschwerl soi außenrum fahrn.

Der Hauptgang wird serviert. Es handelt sich um eine Asiapfanne, die von einem Parockfest-Standbetreiber für die Tschärity-Gala gespendet wurde.

Heindl: Ja, Scheißdreck, hä. Des kennts seiba fressen.

Buhmann: Hmmm, lecker. Vor allem der Wasabi.

Scheuer: Des is Schimmel, Babe.

Koopmann: Ich glaube nicht. Das Essen von Pferden ist in Asien nicht so sehr verbreitet. Wohingegen die Passauer Pferdemetzgereien eine schon geradezu historisch zu bezeichnende Rolle einnehmen. Zu Geins: Du bist jetzt der Pferdemetzger aus der Höllgasse. Zu Seiler: Und Du bist sein Bernhardiner.

Seiler: Wau. 

Koopmann: Jetzt müsst Ihr Euch alle vorstellen...

Alle: Nein.

Oberjürgen: Sie sind alle so dumm und ich bin ihr Chef.

Waschler: Herr Oberbürgermeister! Ich fordere Sie auf, Ihren Ausspruch sofort zurückzunehmen, weil der Begriff "Chef" nicht mit der Gemeindeordnung vereinbar ist und somit einen Titelmissbrauch darstellt.

Scheuer (tritt Waschler gegens Schienbein): Sag das Wort nicht, Du Irrer.

Dittlmann: Apropos Asiapfanne. Herr Oberbürgermeister! Sind Sie der Meinung, dass das diesjährige Passauer Parockfest in dieser Art und Weise auch eine zukünftige Daseinsberechtigung hat? Dass dieses Fest eine Chance hat, sich als Marke, vergleichbar mit der Landshuter Hochzeit, zu etablieren und dass die Organisation dieses Festes in den richtigen Händen liegt?

Oberjürgen (zu Sturm): Der schon wieder. Ich mag den nicht. Wer ist das?

Sturm: Stadtrat. Fraktion weiß ich gerade nicht.

Feuerer: Ich finde ja, wir bräuchten eine Passau-Beilage in der Süddeutschen. Das wäre prestigeträchtig.

Bauer, S.: Wäre toll, ja. Aber sowas kostet sicher eine Milliarde oder eine Million oder so.

Oberjürgen (zu Sturm): Kostet sowas eine Milliarde oder eine Million?

Sturm: Keine Ahnung. Gutachten?

Oberjürgen: Was kostet das Gutachten?

Sturm: Höchstens 60.000.

Oberjürgen: Ok. Des schaun ma uns an.

Haydn: I hätt gern a Heining-Beilage. Untertitel: Die schönsten Kreisverkehre im Passauer Westen.

Feuerer: Meiner Meinung nach ist dieser Westen komplett überbewertet. Intellektuell null Substanz. Thomas Bernhard hätte gesagt: "Ich scheiß auf den Westen." 

Werts: Da fällt mir noch ein Stadtteil ein. Geht mit "I" an.

Damberger: Ilzstadt!

Werts: Die ist doch schon lang tot. Dachte an Innstadt.

Waschler: Für die Innstadt braucht es eine ganzheitliche Lösung.

Werts: Genau. Fluten. Da erwischt es, wenn ich an die hier Anwesenden denke, keinen verkehrten.

Heindl: Genau. Schwoabts es weg. Scheiße, hä!

Ortner: Sei staad jetzt. Sonst kimmst a Woch lang nimma aus der Waschhalle raus.

Krautstorfer: Apropos schwoam. Gibts leicht heit koan Schnaps?

Heindl: Genau, hä! Kreizsakkra.

Buhmann: Leider nicht. Dafür haben uns die Tschärity-Verantwortlichen ihre gesamten Getränkespenden vollumfänglich weitergespendet.

Alle: Zicke zacke zicke zacke hoi hoi hoi!

Buhmann: Zwei Kubikmeter Leitungswasser. Das gute von den Stadtwerken.

Heindl: Ja Scheißdreck, a Wasser. I muaß speim.

Pell: Jetzt hamma doch no immer an Blädn gfunden, der a Rundn Schnaps zoiht.

Robl (stößt Seiler den Ellbogen in die Rippen): Max, heb Dei Hand.

Seiler reißt den rechten Arm hoch.

Alle: Olé, olé! Super, Max!

Stadler: Apropos Supermax. Kennt Ihr schon die Geschichte, wo ich kürzlich in Brüssel den ungarischen...

Dittlmann: War gestern in der Zeitung.

Stadler: Echt? Toll, was die immer alles wissen von mir.

Dickl: Vom Andi wissen sie sogar, dass seine Dienst-Limousine 400 PS hat.

Scheuer: 750 PS. Und das noch ohne die Lachgaseinspritzung. Kostet 1.000 Euro extra im Monat.

Dickl: Wahnsinn. Spitze, Andi! Darf ich da mal mitfahren?

Scheuer (grinsend): Wennst mal Oberbürgermeister bist.

Wösner (laut lachend): Oder Fraktionsvorsitzender.

Fischer und Damberger klatschen sich lachend ab.

Oberjürgen (zu Sturm): Wer ist denn bei denen Fraktionsvorsitzender?

Sturm: Egal.

Oberjürgen und Sturm klatschen sich lachend ab.

Dickl: Die werden sich noch wundern, wenn wir das Bürgerbegehren gewinnen. 

Damberger (flüstert): San mir da jetzt dafür oder dagegen?

Scheuer (flüstert): Das wissen wir noch nicht.

Dickl: Und wann wissen wirs?

Scheuer: Wenn abgstimmt is.

Dickl: Boah, Du bist so ein Hund, Andi.

Die Nachspeise wird serviert. Es handelt sich um Lebkuchen einer Passauer Konditorei mit der Aufschrift aus Zuckerguss "Hochw. Bischof Eder zum 75. Geburtstag".

Heindl: Kreizsakkrament, jetzt hob i mir an Zahn ausbissen. Wos isn des?

Buhmann: Die diesjährige Spende des Ordinariats für die Tschärity-Gala. 

Heindl: Seit wann spenden denn die Kuttenbrunzer?

Buhmann: Letztes Jahr haben sie sogar einen Segen gespendet.

Mangold: Toll. Mein neuer Toyota fährt übrigens mit Babywindeln und Weihwasser.

Kastner: Meiner braucht 18 Liter Super verbleit. Aber ich fahr eh nur zum Metzger damit.

Dickl: An Andi seiner braucht bestimmt mehr. Oder Andi?

Pell: A Wahnsinn, hey. Ihr seids alle so dermaßen unter meim Niveau.

Brummer: Ich auch, Peter-Bub?

Pell: Na, Du ned, Tante Hilde.

Brummer: Jetzt müssts Euch nächstes Jahr a bissel mehr um meine Kirche kümmern, gell Buben?

Scheuer, Dickl und Wösner (unisono): Ja freilich, Tante Hilde.

Oberjürgen (zu Sturm): Wie heißt jetzt unser Spitzenjurist noch mal? Schreib dem a SMS! Der soll dem Brummerl a Sondersperrzeitverordnung für ihr blöde Kirch ausarbeiten, dass' der Schlag trifft.

Wagner: Hoaßt der ned Gevatter?

Oberjürgen: Wer isn des?

Wagner: Na unser Spitzenjurist.

Oberjürgen: Nein! Di hob i gmoant.

Sturm: Der gehört zu uns. Name ist mir entfallen. Egal.

Oberjürgen: Des is überhaupt komisch. Wenn i durch unser schöne Stadt geh, dann kenn i an jeden. Aber do herin... Höchstens die Hälfte. 

Waschler: Das liegt an Ihrer unerträglichen Überheblichkeit, Herr Oberbürgermeister! Und an der Arroganz Ihrer Amtsführung.

Sturm: Das ist Dein...

Oberjürgen (winkt ab): I woaß scho.

Die Stadträte verlassen nach und nach den Raum. Ein kleiner, armseliger Haufen sitzt noch gelangweilt herum.

Dickl: Du, Andi...

Scheuer (starrt auf sein Mobiltelefon): Ja, äh, Armin.

Dickl: Moanst, dass mia des packan 2014?

Scheuer (SMS schreibend): Eh klar, äh, Armin.

Dickl: Moanst echt?

Scheuer (SMS schreibend): Wos jetzt eigentlich genau?

Dickl: Na de Wahl.

Scheuer (SMS schreibend): Ah, is 2014 leicht a no a Wahl?

Dickl: Na, de OB-Wahl!

Scheuer (SMS schreibend): Ah so, de, genau. Ja, bestimmt.

Dickl: Du moanst echt, i kannt de gwinna? Moanst, mia ham do echt a Chance?

Scheuer: A Chance hot ma immer, ähhhh, Armin. I hob scho Sachan gwonna und i bin scho Sachan wordn  – des verstäh i heid no ned. Du, aber, ähhhhh, Armin, i muass jetzt weg. I vertrog des vuie Wasser ned. Tschauhau.

Dickl: Servus, Andi! Danke! Super! 

Dienstag, 27. November 2012

Abgeklotzt und angedannert

Lieber Tölpel!

Die FTD ist tot, die Frankfurter Rundschau ist tot und der PNP ist auch schon ganz schlecht. Quatsch – ist ja gar nicht wahr. Schlecht wird natürlich nur dem, der die PNP liest. Und am schlechtesten wird mir immer, wenn ich das samstägliche Plagiat unserer Kolumne, nämlich "Hingeschleimt und Angebiedert" im Lokalteil lese. Kürzlich haben sie es geschafft, gleich zwei "Anekdoten" vom Pottfett Fischer in eine Ausgabe zu bringen. Die Anekdötchen waren gleich so berichtenswert, dass sie noch nicht einmal eine Sau in China interessieren, der gerade ein Sack Reis auf den Kopf gefallen ist.

Und zwar wusste Frau Plagiatoren-Kathi zu erzählen, dass sie sich als "alte Bekannte" im Scharfrichterhaus mit dem unlustigen Pottwal unterhalten hat. Worüber, war so banal und so blöd, dass ich es leider schon vergessen habe. Der Fake-Tölpel kannte dann natürlich gleich noch eine "fettere" Story. Die ist auch fast schon wieder lustig. Und zwar hat Stadtrat Geins - so lautet die Geschichte - sich anscheinend uneingeladen in die Geburtstagsgesellschaft vom Fettfisch eingeschlichen und unaufgefordert "ein Geburtstagsständchen angestimmt". Jetzt frage ich mich: Wer hat da den größeren Vogel? Der singende Stadtrat oder der darüber berichtende Tölpel-Redakteur?

Unser großes Satire-Vorbild, Jörg "das schreibende Blaulicht" Klotzek, hat man dafür jetzt, zu meinem großen Bedauern, in den Bayerischen Wald abgeschoben. Ersetzt wird er wahrscheinlich wieder durch irgendwelche zugezogenen Jungredakteure, deren Kenntnis der Passauer Befindlichkeiten sich auf die Lektüre der letzten zehn "Hingeschleimt und Angebiedert" beschränkt. Kennst schon den neusten Witz: Die einzigen Passauer, die der Oberjürgen nicht persönlich kennt, schreiben für den Lokalteil der PNP. Tja, der Klotzi. Requiescat in Bayerwald. Jetzt muss der Danninger jeden Tag doppelt so viele Pillen einwerfen, damit die PNP lustig bleibt.

Lustig sind auch gelegentlich die Anzeigen im Heimatblatt. So teilte uns letzten Samstag ein neueröffnetes Lokal namens "Passauer Speck-Keller" per Anzeige mit, dass künftig (ich zitiere wörtlich) "mediterrane Köstlichkeiten wie Südtiroler Speck, knackiges Schüttelbrot, luftgetrocknete Würste und Salami, herzhafter Bergkäse und andere Spezialitäten angeboten" werden. Und dann schreibt das Lokal, das in seinem Untertitel noch den Begriff "Südtiroler Spezialitäten" trägt, dass es damit das "Flair Passaus als 'Bayerisches Venedig' eindrucksvoll" unterstreichen würde. Ich war übrigens in diesem Jahr schon sowohl in Venedig als auch an der linken Stiefelseite am Meer. Schüttelbrot habe ich nirgends gesehen. Passau ist halt auch gastronomisch Avantgarde.

Apropos Gastronomie. Wird man eigentlich von nikotinfreier Luft noch blöder als man vorher schon war? Unserem, auch von uns oft böse mitgespielten, Freund Frankenberger wird weiterhin regelmäßig der Zutritt in bayerische Wirtshäuser verweigert. Niederer geht's nicht mehr. Das ist im reinsten Wortsinne antidemokratisch bis totalitär, um es freundlich auszudrücken. Der dünne Lack der Zivilisation ist offenbar bei manchen Wirten noch dünner. Ich mache einen Vorschlag. Stellt Buttons her, auf denen steht: "Ich habe für das Rauchverbot in bayerischen Lokalen gestimmt." Steckt sie Euch alle an und geht ins Wirtshaus. Wenn Ihr dann kein Hausverbot kriegt – Ihr 2,2 Millionen.

Was sagst Du dazu, einziger echter Tölpel des venediggleichen, mediterranen Schüttelbrot-Passaus?

Deine Kathi

Liebe Kathi!

Ich kenne überhaupt keinen Raucher, der ein Problem damit hat, zum Rauchen nach draußen zu gehen. Im Gegenteil. Viele Raucher sind froh, dass man im Speiserestaurant jetzt eine bessere Luft beim Essen hat. Aber über einen solchen Unsinn muss man sich eh nicht mehr unterhalten.

Um bei Deinem Gastronomie-Thema zu bleiben. Die AmSonntag entblödet sich nicht, es zu einem Titelthema inkl. Kommentar zu machen, dass zwei WnwwW-Wirte (hat's jeder kapiert?) zum nächsten Stadtrat kandidieren wollen. Und zwar deshalb, weil wir keine wichtigeren Themen als diese verschissene Sperrzeit haben. Und weil sie nämlich dann von jedem gewählt werden, der nachts lieber schreien als schlafen möchte. Mein Kommentar: Ich bin sooo müde.

Manche unserer Kommentatoren schreiben übrigens, dass ihnen das im Bau befindliche Oberhaus-Restaurant nicht gefällt. Na, ich weiß nicht. Ich freue mich durchaus, dass ich im nächsten Sommer mal da oben sitzen und runterschauen kann. Und ob das jetzt so hässlich oder doch ganz schön wird, kann man doch derzeitig noch gar nicht beurteilen, oder? Mir fehlt halt nach wie vor die Seilbahn oder sonst eine schnellere Hinkommmöglichkeit. Da kann sich die Denkmalschutz-Taliban aufplustern wie sie will – i muass do nauf, nauf aufn Berg. Und zwar pronto.

Dafür muss kein Mensch durch den Berg. Also zumindest nicht durch eine neue Röhre. Erst gestern habe ich dieses Begehrens-Dingsbums unterschrieben. Ich habe mir sogar die Präsentation des Stadtentwicklungsreferates zum Tunnel vorher durchgelesen. Alles heiße Luft. Der neue Durchstich ist sinnlos wie der Blaumilchkanal. Eigentlich sollte man das Vorhaben schnellstens beerdigen. Spätestens beim Bürgerentscheid - ich lege mich fest - ist das Ding eh gestorben.

Timeo investores et dona ferentes. Das Siemens-Areal wird neu entwickelt. Das schauen wir uns an, wie unser aller Oberjürgen immer so schön sagt. Noch etwas, wo ich mich festlege: WnwwB. Wer nichts wird, wird Bauträger. Aber warten wir mal ab. Ich täusche mich gerne.

In Papua-Neuguinea bauen sie Schmuck aus Plastikabfällen und in Passau gehen sie in die Stadtgalerie. Hartes Urteil? Stimmt aber. In Passau gibt es nichts. Nichts, nichts und noch mal nichts. In Passau kannst Du, gastronomisch gesehen, eine Meeresfrüchtevorspeise mit 40% Surimianteil für 10,50 Euro verkaufen und die Gäste sind begeistert. In Passau kannst Du eine "Stadtgalerie" aufmachen, wo DER Modeausstatter C&A heißt und alle sind begeistert. Vielleicht liegt es an dieser verblödenden Religiosität? Sagt der Fürst zum Bischof: "Halt Du sie dumm, ich halt sie arm."

Diese ganze Provinzialität zeigt sich auch gerne mal in der überbordend-monoperspektivisch-egozentrischen Sichtweise der eigenen Leistungsfähigkeit. Hallooo! Was läuft denn da? Nur weil ein paar arme Waidler, die im Dunklen leben, sich ab und zu nach Passau verirren, weil beim XXX-Lutz-Hiendl (Pottsau, Pottsau – mit rotem Stuhlgang) verkaufsoffen ist oder weil ein paar Oberösterreicher aus Gattern zur Asiapfanne auf den Domplatz kommen, hat man schon seine Marketing-Ziele erreicht? Ziemlich armselig und gleichzeitig ausbaufähig eigentlich.

Und morgen erzähle ich Euch, wie man einen Hochstapler enttarnt.

Schlaft gut – Bussi!

Euer Tölpel




Freitag, 23. November 2012

Also, dass...

... der Rückbau des Querweges am Domplatz, eine neue Linde und noch irgendwas 600.000 Euro kosten, von denen im übrigen die Kirche keinen einzigen Cent bezahlt, darüber sollten wir noch mal sprechen.

Die Kolumne erscheint leider erst Anfang nächster Woche, weil das Wahlinfo-Passau-Team bereits unter Vorweihnachts- und Vorurlaubsstress leidet.

Im nächsten Jahr wird alles besser – bestimmt!

Der Präsident
______________

Ergänzung, 10 Uhr 56:

Geht es eigentlich hier um ein Bürgerbegehren gegen Kommasetzung und Grammatik? 

______________

Ergänzung, 11 Uhr 01:

Ja, und jetzt seh ich es erst! Wozu brauchen die Spenden? Das würde uns wirklich interessieren. Wir bitten um Aufklärung.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Rubrik: So schreibt der PNP-Nachwuchs

Ist das noch deutsch? Bei der PNP schon!




Montag, 22. Oktober 2012

Ausgeruht und ausgeteilt

Lieber Tölpel!

Wer wird jetzt eigentlich der neue Bischof von Passau? Der Frankenberger vielleicht? Der ist zumindest maßgeblich dafür verantwortlich, dass der alte rausgeschmissen wurde und jetzt Austragsbischof ist. Oder etwa nicht? Ich vermute, dass Fränki in einem seiner regelmäßigen Telefonate mit dem Papst solange rumgenervt hat, bis der schließlich den Schraml seines Amtes enthoben hat.

Oder der Frickinger hat einen Brief geschrieben ("...fordere ich Sie, Herr Papst, eindringlich auf, unverzüglich den Bischofsstuhl zu räumen und mit mir zu besetzen..."), der den Heiligen Vater derartig verwirrt und beunruhigt hat, dass er vor lauter Konfusion wiederum einen Brief an den Chef der Glaubenskongregation geschrieben hat: "... bitte ich Dich, lieber Gerhard Ludwig, zu prüfen, ob wir auf unserer Seligenliste einen gewissen Frickinger haben..." Der hat prompt geantwortet: "... ist mir zwar bekannt, dass besagter Frickinger mehrere Weltmeistertitel im Stabhochsprung, Synchronschwimmen und Elefantenpolo sowie eine Goldmedaille im Angeben hat. Allerdings ist er für eine Seligsprechung derzeit noch nicht vorgesehen."

Jetzt wirds wahrscheinlich doch der Frankenberger und zwar wegen der jüngst im Vatikan eingeführten Sozialauswahl. Wenn nämlich diese sonderbare Frömmlerpartei ÖDP demnächst ihren Bundesvorsitzenden zum Teufel jagt, hat der als schwer Vermittelbarer sonst gar keine Chance mehr, einer halbwegs einträglichen Beschäftigung nachzugehen. Da kommt ihm ein vom bayerischen Steuerbürger bezahltes B6-Bischofsgehalt gerade recht. Dafür muss er aber dann seinen wöchentlichen Schriftverkehr mit dem Frickinger regelmäßig im Bistumsblatt veröffentlichen. Dafür bekommen dann beide noch den deutschen Kabarettpreis. Oder sie kommen in die Klappse. Oder beides.

Apropos Klappse. Da sagt dieser halbsenile Thomas Gottschalk einmal was Richtiges und zwar, dass dieser Tiefenbacher Schleimbatzen Florian Silbereisen der größte Irrtum der Fernseh-Geschichte sei (was ja noch ein Kompliment darstellt, nachdem dieser Silbereisen eigentlich der größte Irrtum der Evolution ist) und prompt meint die PAWO, sie müsse dem Schleimbatzen aus falsch verstandenem Lokalpatriotismus beistehen und hackt darob auf dem Gottschalk rum. Die PAWO hatte ja unlängst den wunderbaren Beitrag "Diese Nationen haben den Längsten". Die Deutschen waren im guten Mittelfeld. Was mich aber wundert, ist die Tatsache, dass das Passauer OB-Büro nicht umgehend eine Presseerklärung rausgelassen und festgestellt hat, dass selbstverständlich die Passauer und allen voran die Passauer Stadtverwaltungsbediensteten den Längsten haben.

Was die Passauer Medien für eine Prioritätensetzung haben, erstaunt uns ja schon seit Jahrzehnten. Symptomatisch kann man das an zwei Beispielen festmachen. Da nimmt eine Hundemasseuse aus der Region mit der bescheuerten Wette, sie könne jeden Hund aus ihrer Bekanntschaft mit verbundenen Augen am Mundgeruch erkennen, bei dieser bescheuerten Sendung "Wetten dass" teil und erschreckt dabei einen bescheuerten Pudel zu Tode. Dieser schreckliche Todesfall wird tagelang quer durch alle Passauer Medien gehypt und jeder normale Mensch fragt sich: Was interessiert mich dieser blöde Pudel?

Wenn aber ein Passauer bei einer polizeilichen Festnahme massiv verletzt, dann auch noch angeklagt und noch nicht einmal ordentlich freigesprochen wird, während die verantwortlichen Polizisten sich selbst und gegenseitig widersprechen und irgendwie nicht den Eindruck vermitteln, dass es bei der Festnahme ganz hasenrein zugegangen ist, wird das in der Diekmann-Presse nicht so richtig ausdiskutiert. Die Passauer Polizei ist nämlich genauso wie die Justiz, die Kirche, die Uni, das Klinikum usw. usf. sakrosankt und unfehlbar. Komisch nur, dass die überregionale Presse der mysteriösen Verhaftung etwas kritischer gegenüber steht. Sogar der Spiegel berichtet heute von dem sonderbaren Verfahren in Passau.

Hast Du es gelesen?

Deine Kathi

Liebe Kathi!

Freilich habe ich es gelesen. Und auch wenn ich dem Spiegel und seiner traditionellen Negativberichterstattung zum Thema Passau sehr kritisch gegenüber stehe, so muss ich doch auch anmerken, dass die Zurückhaltung der PNP, wenn es um Fehlverhalten der Staatsgewalt geht, durchaus augenfällig ist. Dafür entblödet man sich nicht (und zwar ganz ohne ironischen Kommentar), eine Pressemitteilung der Polizei ins Blatt zu heben, in der stolz berichtet wird, man hätte ein "Pärchen" (Ab wann ist man eigentlich ein Paar? Wenn man keinen Sex mehr hat?) beim Geschlechtsverkehr im Auto erwischt. Ich dachte immer, wir hätten zu wenig Polizisten in Passau. Haben die sonst nichts zu tun, als angetrunkene Radler umzuschmeissen oder sexuell aktive "Pärchen" zu inkommodieren?

Dafür, krakeelenden, prügelnden und/oder sachbeschädigenden Kneipengängern Einhalt zu gebieten, reicht es auf jeden Fall personell nicht mehr aus. Ich würde natürlich auch lieber die Personalien einer nackten, postkoitalen jungen Frau aufnehmen als ein paar besoffene Studenten aus Dortmund in mein schönes Polizeiauto zu setzen. Aber warum hat man eigentlich noch nie davon gelesen, dass einmal vandalierende Feierkultur-Protagonisten zumindest mit auf die Wache genommen wurden? Würde das diese Mülltonnen umtretenden Milchgesichter nicht ein bisschen abschrecken? Dazu noch eine Wette: Ich wette, dass wir es mit diesem skurrilen kommunalpolitischen Hin und Her zur Sperrzeitverlängerung/-verkürzung/-verwirrung auch bald wieder in den Spiegel schaffen.

Oder mit dem Tunnel. Also dem für Radfahrer. Nicht dem für die Innstädter. Der wird erst später noch mal lustig. Beide wären auf jeden Fall Anwärter auf das Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes. Der Innstadttunnel, weil er 100 Trilliarden kostet und der Radfahrertunnel, weil er zwar bloß ein paar Millionen kostet, aber keine Radfahrer durchfahren. Jetzt gibt es dann ein Bürgerbegehren dagegen und das bringt einige Kommunalpolitiker ganz schön in die Bredouille. Weil eigentlich waren sie ja dafür und jetzt sind sie auf einmal gar nicht mehr so sehr dafür und dann kommen auch noch bald diese blöden Wahlen. Vielleicht wird ja der Schmöller Willi der CSU-OB-Kandidat? Man hat schon Pferde kotzen sehen.

Noch was zur PNP. Ich habe mich ja schon lange nicht mehr aufgeregt, aber zwei Dinge muss ich jetzt mal abschließend sagen. Erstens: Die Berichterstattung zur CSU-Nominierung des Landtagskandidaten war nachgerade peinlich bis journalistisch ungenügend. Jeder, ich wiederhole, jeder, der sich in Passau und im Landkreis nur ein ganz kleines bisschen für Politik interessiert, weiß, was da abgelaufen ist. Die Stadt-CSU hatte einen Kandidaten, den eigentlich keiner will - und zwar weder in der Stadt noch auf dem Land. Auf diesen Kandidaten hat noch vor ein paar Monaten keiner einen Pfifferling gegeben. Dann ist etwas Drolliges passiert. Die Landkreis-CSU hat einen Kandidaten dahergebracht, von dem jeder wusste, dass man sich mit dem nur lächerlich machen kann. Und nur und zwar ausschließlich nur deshalb, um sich nicht gänzlich der Lächerlichkeit preiszugeben, ist jetzt der Professor für Legislaturperiodenüberbrückung Landtagskandidat der CSU. Frage: Warum steht davon so rein gar nichts in irgendeinem Kommentar der Heimatzeitung?

Zweitens: Thema Donauausbau. Warum suggeriert die PNP, es gäbe diesbezüglich eine Meinungsvielfalt in Niederbayern? Natürlich mag es den ein oder anderen Hafenbetreiber, den ein oder anderen Staatsparteisoldaten oder den ein oder anderen Verkehrsstaatssekretär geben, der pro großen Donauausbau ist. Aber warum sollte sonst ein Niederbayer für die Zerstörung seiner Donau sein? Aus Masochismus? Aus Sadismus? Oder vielleicht noch aus Nihilismus? Nein, Schmarrn. Weil er jeden Tag brav die PNP liest und glaubt, das wäre Journalismus.

Jetzt hammas

Euer Tölpel




Mittwoch, 19. September 2012

Aufgekreuzt und angekratzt

Lieber Tölpel!

Wir müssen uns bei einem unserer zahlreichen Kommentatoren bedanken, der einen Link zu einer ZDF-Kultur-Gesprächsrunde veröffentlicht hat, die vor ein paar Tagen stattgefunden hat. Da darf sich unser Passauer Fremdschäm-Export Fränki mit Leuten unterhalten, denen er allesamt intellektuell nicht gewachsen ist. Erst schimpft er auf den Passauer Bischof, um sich irgendwie zu profilieren und dann kapiert er nicht, dass sich die Mitdiskutanten für seine Jesus-Geschichten null komma null interessieren. Und immer dieses gequälte Lachen, wenn er ansatzweise bemerkt, dass er nicht für voll genommen wird. Recht viel schöner kann man sich nicht mehr als verkrampfter, verklemmter Spießer outen. Prädikat: sehenswert.

Wenigstens leben wir (noch) in einer Gesellschaft, in der man über Frankenberger lächeln und sich für Religion wenig bis gar nicht interessieren kann. Wenn man sich allerdings ansieht, was derzeit wieder mal auf der ganzen Welt abgeht, fragt man sich schon, in welche Richtung wir driften. Henryk Broder hat schon 2006 in seinem Buch "Hurra, wir kapitulieren!" gut beschrieben, wie nahezu alle Gesellschaften ihre Meinungsfreiheit aufgeben, weil sie Angst vor diesem islamistischen Brandstifter-Pack haben. Vor 70 Jahren kam man hierzulande ins KZ, wenn man die falschen Witze erzählt hat und heutzutage muss man weltweit Angst haben, dass man dafür in die Luft gesprengt wird.

Das Appeasement (wie Broder es nennt) nimmt in der gesamten westlichen Welt und so auch in Deutschland immer groteskere Züge an. Wenn ein Mann zu seiner Sekretärin "Fräulein" sagt, dann ist er ein sexistisches Arschloch, das man wegen Diskriminierung verklagen muss. Wenn ein Mann seine Tochter nicht am Schwimmunterricht teilnehmen lässt, weil sonst ihr Kopftuch nass wird, muss man das tolerieren, weil es handelt sich ja schließlich um Religionsausübung. Wenn ich meinen Hund kupiere, bekomme ich eine Anzeige wegen Tierquälerei. Wenn ich einem Vieh die Kehle durchschneide und es ohne Betäubung ausbluten lasse, ist das natürlich völlig ok, weil mir das meine Religion vorschreibt. Und wenn einer zu Recht die Frage stellt, ob es sich denn bei der Beschneidung von männlichen Babys möglicherweise um Körperverletzung handeln könnte, muss er sich von der Kanzlerin als Komiker beschimpfen lassen. Von ganz links bis erzkatholisch – wenn es ums Einfordern von Toleranz für die Intoleranten geht, sind sich komischerweise fast alle einig.

Das wäre doch einmal wieder ein Thema für eine Resolution der Stadt Passau. Wenn es nach der ÖDP geht, müssen wir uns hier in Passau ja von Temelin bis zur dritten Münchner Startbahn um alles kümmern. Apropos kümmern. Was Kommunalpolitiker tun, wenn Ferienzeit ist, hat uns dankenswerterweise die PNP in ihrer informativen Serie "Politikfrei" wissen lassen. Leider erfahren wir von vielen Politikern niemals, was sie so treiben, wenn keine Ferien sind. Gut – der Mangold schreibt Resolutionen zum Weltfrieden, der Heindl pöbelt im Straßenverkehr, der Scheuer variiert Haar- und Barttracht und trägt neuerdings gerne Jeans, der Dupper erklärt uns, dass es im Passauer Klinikum keine Bevorzugung von Privatpatienten gibt, der Feuerer erklärt uns regelmäßig die Welt, die Buhmann lächelt, der Höber grinst, der Dickl dicklt und der Bauer (Stadtrat, SPD) möchte CO2-Messgeräte mit Ampelfunktion in Passauer Klassenzimmern installieren.

Erst letztes Schuljahr sind wieder 14 Schüler erstickt. Hast Du es gelesen?

Deine Kathi

Liebe Kathi!

Natürlich. Außerdem habe ich mir auch die Talkshow mit dem Pharisäervertreiber der Neuzeit angeschaut. Unsäglich. Der hat übrigens unlängst auch gefordert, das Einkommen aller Politiker (also auch unserer Politikfrei-Komiker in Passau) öffentlich zu machen. Wahrscheinlich hofft er auf milde Gaben, wenn er seines publiziert. Oder hat er mittlerweile gar schon den Busführerschein gemacht?

Beim Bassauer Parockfest© (Auf sowas kommt Ihr nicht, gell!) waren übrigens 10 Millionen Menschen. Das Folk war fergleited und auf dem Bassauer Tomblatz gab es original parocke Asiapfanne. Alle sind übrigens der Meinung, dass man das Spektakel jetzt mindestens jährlich, wenn nicht monatlich, wiederholen sollte. Zu kurz gedacht! Warum machen wir denn nicht im Wechsel verschiedene historische Feste? Das Passauläolithikum z.B. Da ziehen sich dann alle an wie Fred Feuerstein und Barney Geröllheimer. Und Frau Tausch und Frau Kickum reiten auf einem Brontosaurus zum Domplatz auf eine leckere Asiapfanne. Oder die Passauionsspiele. Alle lassen sich einen Bart wachsen und Frau Tausch und Frau Kickum reiten auf einem Esel zum Domplatz und kreuzigen den Frankenberger. Anschließend gibt es Asiapfanne. I have a dream.

DIE Veranstaltung in Passau heißt ja weder EW noch Tschärity-Gala noch Passauer Pankfest (Da ziehen sich alle an wie Sid Vicious und pissen in die Asiapfanne), sondern MiE – Mitmachen ist Eingekauft. Wie der Name schon sagt, werden (durchaus auch) A- bis B-Prominente mit wahrscheinlich viel Geld erpresst, sich in einer Kleinstadt im südöstlichen Zipfel der Republik einen Preis abzuholen, von dem außer der Verlagsgruppe Passau und ihren Lesern keiner weiß, dass es ihn gibt. Dieses Mal erhält den MiE-Award in der Kategorie "Danke, dass Sie nach Passau kommen" Anna Netrebko. Nächstes Jahr kommen übrigens Obama und Putin und boxen als Rocky Balboa und Ivan Drago verkleidet um den MiE-Award in der Kategorie "Superhero". Mindestens.

In eigener Sache: Ich habe eine tolle Website gefunden. Da kann man (naja, angeblich) herausfinden auf welchem Rang die eigene Homepage in Deutschland und sogar weltweit liegt. So schlecht stehen wir gar nicht da. Die AmSonntag hat übrigens bereits den Kommunalwahlkampf ausgerufen. Das heißt wohl, unsere Besucherzahlen werden demnächst wieder ins Unermessliche explodieren. Die einzige Wahlinformationsseite für Passau ist nämlich nach wie vor diese hier. Obwohl – zwei andere, ganz neue, habe ich auch noch entdeckt. Bayern2014.de und passauerzeitung.de – wir sind gerüstet.

Von mir aus kann der Spaß bald losgehen!

Dein Tölpel




Wahlinfo-Passau FÜR Meinungsfreiheit: Wir zeigen IHN!

Neulich beim Druidentreffen: Mohammed (2.v.l.), Dalai Lama, der liebe Gott, Urbi und Orbi (v.l.n.r.)


Kolumne folgt...

Samstag, 18. August 2012

Hallo Frau Metzger (Isabel) von der PNP!

Wenn man eine Titelstory schreiben darf, dann gibt man sich ja normalerweise immer wahnsinnig viel Mühe, oder?

Und man versucht zumindest, journalistischen Standards zu genügen, oder?

Und außerdem kann man davon ausgehen, dass so einen Artikel auf der Titelseite mehr Leute lesen als einen Artikel über die Karnickelzüchter im Hauzenberg-Teil, oder?

Und nicht zuletzt hat man ja die leise Ahnung, dass nicht alle Leser der PNP komplett verblödet sind – stimmt auch, oder?

Ok, so weit, so gut, so einigermaßen unumstritten.

Warum, um alles in der Welt, übertitelt man dann einen Artikel, in dem steht, dass die Oberstaatsanwältin sagt, "es konnte nicht hinreichend sicher festgestellt werden, dass mit der Darlehensgewährung eine vergangene Dienstausübung von Landrat Wölfl honoriert oder auf eine zukünftige Dienstausübung Einfluss genommen werden sollte" und überdies die Ermittlungen weiter laufen, was ja durchaus impliziert, dass die Staatsanwaltschaft derzeit nichts beweisen kann, es aber zumindest ausreichend Indizien, ergo: Hinweise für eine Bestechlichkeit gibt, mit dem Satz "Wölfl-Ermittler: Keine Hinweise auf Bestechlichkeit" ?

Das, Frau Metzger, verstehen wir nicht.

Das Institut für Journalistenausbildung von Wahlinfo-Passau




Donnerstag, 9. August 2012

Abgestimmt und zugesperrt

Lieber Tölpel!

Also abgesehen davon, dass ich, wie Du weißt, dieses furchtbare Facebook aus evidenten Gründen schon von Haus aus nicht leiden kann, kann ich, ehrlich gesagt, dieser so gepriesenen Seite "Du kommst aus Passau, wenn..." auch nicht viel abgewinnen. Gut, die Idee mag grundsätzlich ganz charmant sein, aber die Tatsache, dass dieses Facebook ja besonders auch Leute anzieht, bei denen ihr großes Mitteilungsbedürfnis nicht unbedingt mit adäquat kognitiv-intellektuellen Fähigkeiten einhergeht, macht die Seite schon wieder extrem unlustig.

Ich will ja nicht immer nur nörgeln und es sind auch wirklich nette "Wenns" dabei, aber erstens wird das durch diese "Gefällt mir"-Scheiße nicht schöner, zweitens nerven mich die inhaltsfreien "Ich bin auch da"-Kommentare, am besten noch in einem schlechten Deppen-Bairisch und drittens fehlen die wichtigsten "Wenns". Warum gibts denn eigentlich fast nur "Du kommst aus Passau, wenn Du immer alles supertoll findest"-Kommentare? Oder schlägt da die Voltairesche Erkenntnis durch: "Gewohnheit, Sitte und Brauch sind stärker als die Wahrheit."

"Du kommst aus Passau, wenn Du als männlicher Leopoldiner damals vom dritten Schulleiter ein Duplo (oder auch eine Einladung nachhause) bekommen hast, weil er Dich so süß fand." Gefällt mir! "Du kommst aus Passau, wenn Dir ein Religionslehrer, der immer 'Es kommt heraus und berichtet uns' gesagt hat, erklärt hat, dass ein Atomschlag gegen den Ostblock durchaus vertretbar wäre, weil dort ja über 90% Kommunisten lebten." Gefällt mir auch! "Du kommst aus Passau, wenn Dich eine Innstädter Mietwagen- und Bestattungsunternehmerin schon einmal beschissen hat." Gefällt mir sehr gut!

"Du kommst aus Passau, wenn Klosterschwestern, die Kindern Hundemaulkörbe umbinden, trotzdem die allernettesten und beliebtesten Kindergärtnerinnen waren, die gesamte Passauer Priesterschaft samt ihres Bischofs kurz vor der Seligsprechung steht, an der Uni nur Koryphäen, bei der Justiz nur Spitzenjuristen und am Klinikum nur Starmediziner beschäftigt und gleichzeitig bei Rotary und im Pfarrgemeinderat sind und Du das alles aus der Passauer Neuen Presse weißt." Ja – dann hat die jahrelange Gehirnwäsche funktioniert und Du kommst so richtig aus Passau. 

Apropos. Viel los ist ja nicht zur Zeit, aber die Heimatzeitung ist trotzdem oft ganz witzig. Nachdem ja leider die Serie "30 Minuten" nach der ersten Folge schon wieder eingestellt wurde, weil der Danninger Franz zuviel von seinem psychiatrischen Status preisgegeben hat, gibt es jetzt die Serie "24 Stunden Passau", in der beispielsweise Jörg "Tatütata" Klotzek über die Autobahnpolizei schreiben darf. Das ist jetzt für Dich wiederum praktisch, mein Tölpelchen, weil in dem Bericht hat man nämlich erfahren, dass die Schleierfahnder nur 220 PS unter der Haube haben.

Gelesen?

Deine Kathi

Liebe Kathi!

Freilich habe ich es gelesen und mich schon auf ein potenzielles Verfolgungsrennen gefreut. Auch sonst habe ich in letzter Zeit ein paar schöne Stilblüten gefunden. So konnte man in der PNP lesen, dass der Stadtwerkechef sich "Handgelenke" gebrochen hat (wie viele denn, um Gottes Willen?), Freddy Weinert wieder schreibt und dann gleich über den Passauer Piratenkapitän, Bad Birnbach Hochschulstandort wird (im Ernst!) und das Passauer Bio-Wirtshaus "Zum Fliederbauer" heißt. Ansonsten gibt es noch die Sommerlochserie "Politikfrei", in der Kommunalpolitiker berichten, was sie in den Stadtratsferien machen.

Der Mangold hat sich einen Bugatti Veyron gekauft und will den in den Ferien "mal volle Presse ausfahren", sein Bürgermeisterkollege Jungwirth fährt zwei Wochen zum größten europäischen Swingerspot nach Cap d'Agde, Evi Buhmann und Hildegunde Brummer werden Pawo-Sommergirl, Feuerer macht "irgendwas Bewusstseinerweiterndes mit Drogen", Synek und Träger fahren auf Leopardenjagd nach Afrika, Scheuer macht auf RTL 2 bei "Frauentausch" mit, Stadler lässt sich ein "Pussy Riot"-Tattoo stechen, Dickl sein Stoiber-Tattoo entfernen und der Seiler Max will endlich "Shades of Grey" zu Ende lesen. Nein, stimmt natürlich alles nicht. In Wahrheit erfährt man, dass die alle genau so langweilig sind, wie man es immer schon befürchtet hat. 

Wie hat eigentlich der Seiler Max bei der Sperrzeitabstimmung votiert? Hatte er sein Restless-Arms-Syndrom unter Kontrolle? Ich war ja einer der wenigen Interessierten, die in den Livestream gekommen sind. Typisch Stadt Passau. Wenn man was macht, dann macht man es halbscharig. Livestream ja, aber nicht für zu viele. Wahrscheinlich hat wieder irgendein Verwaltungsbeamter oder Stadtrat gesagt, "wenn mehr als 50 Leute zuschauen, dann spiel ich nicht mehr mit." Traurige Geschichte, wenn die Übertragung nicht einmal für ein paar hundert Zuseher reicht.

Zum unseligen Sperrstundenthema will ich gar nicht mehr allzu viel sagen. Nur soviel: Die Studenten, die sich zur Causa exponiert haben, haben sich ja wirklich so richtig blamiert. Und zwar mit einem offenen Brief, der in der PNP veröffentlicht wurde und sehr viel über die Geistesverfassung der Schreiber verraten hat. Da wurde schwadroniert über wegbleibende Studenten, die wegen der neuen Sperrzeiten nicht mehr nach Passau kämen und ähnlicher hanebüchener Unsinn. Sehr schön fand ich auch diese subtilen Drohungen. Wenn wir in der Kneipe nicht mehr Party machen dürfen, dann sind wir zuhause in den Wohnungen noch lauter als bisher. Gehts noch? Kindergarten!

Ich finde die neue Regelung auch nicht ideal, aber schuld daran sind zu einem Gutteil die Wirte selbst. Ein Gastronom reißt jetzt die Klappe auf und stellt frech in Aussicht, dass man seinen Laden mit Sonderkräften der Polizei räumen müsste. Dabei haben es eben die Wirte versäumt, ihre großspurigen Ankündigungen auch umzusetzen und durch geeignete Sicherheitskräfte für Ruhe auf den Straßen zu sorgen. Das hätte wahrscheinlich mehr gebracht als eine Sperrzeitverlängerung. Und zum Abschluss noch ein Satz an die Stadträte, die in der Diskussion tatsächlich mit der wirtschaftlichen Situation der Wirte argumentiert haben. Die kann Euch wirklich völlig egal sein. Darum geht es bei dem Thema in allerletzter Priorität.

Gaudeamus igitur!

Dein Tölpel