Montag, 25. September 2017

So schauts aus

Holm Putzke wird heute in der PNP zitiert mit dem Satz, es wäre falsch gewesen, "AfD-Sympathisanten pauschal als Nazis zu bekämpfen." Na gut. Und was ist mit den AfD-Politikern? Das sind ja auch nicht nur Nazis. Es sind schon auch ein paar Verschwörungstheoretiker, Reichsbürger, Euro-Hysteriker, Lügenpresse-Schreier und ganz viele Schwachsinnige mit dabei. Und natürlich schon auch genug Nazis.

Irgendwo habe ich in den letzten Tagen gelesen – ich glaube, es war sogar auf Spiegel Online – der durchschnittliche AfDler wäre gar nicht arm, ungebildet und saudumm, sondern ganz anders. Abgesehen davon, dass natürlich auch ein Jurist oder ein Volkswirtschaftsprofessor Rassist und/oder Nazi und/oder einfach nur bösartig sein können, ist mir aber bei meiner Recherche auf der Facebook-Seite der Passauer AfD dann doch fast ausschließlich der Klischee-Sympathisant als Kommentator begegnet: Menschen, deren Weltbild geprägt ist durch eine Bildungsferne nahe an der Geschäftsunfähigkeit. Menschen, die ob ihrer eigenen Armseligkeit einen Hass auf alles haben, was sie nicht verstehen. Menschen, die aufgrund ihrer unermesslichen Dummheit jede noch so absurde Verschwörungstheorie glauben und Menschen, die offen aussprechen (schreiben), dass andere Menschen weg gehören. Kurz: Genau der Bodensatz der Gesellschaft, der schon vor 75 Jahren die Drecksarbeit für die intelligenten Psychopathen gemacht hat. 

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Nicht jeder, der gestern AfD gewählt hat, ist ein Nazi oder ein böser Mensch. Aber er hat halt nicht kapiert oder – das macht die Sache noch mal schlimmer – in Kauf genommen, dass eine große Zahl gefährliches Gesindel in den Bundestag einzieht, das in den nächsten Jahren kein einziges Problem lösen wird.

Schuld daran, liebe CSU, ist auch sicher nicht alleine Merkels CDU oder die SPD, weil die keine Obergrenze wollten. Die Obergrenze war, genau wie die Maut, ein pubertäres Machtspielchen eines egozentrischen und an Selbstüberschätzung leidenden Ministerpräsidenten. Ein großer Teil der Bürger kann sicherlich Empathie für Kriegsflüchtlinge aufbringen und will aber gleichzeitig keinen Extremismus und zwar keinen rechten, keinen linken und auch keinen religiösen. Wir leben allerdings in dem völlig absurden gesellschaftlichen Paradoxon, dass wenn ich das Wort Student ausspreche, reihenweise weibliche Studierende ins Koma fallen, weil ich ein sexistisches Chauvi-Schwein bin und gleichzeitig Familienväter ihre 10-jährigen Töchter mit Kopftuch in die Schule und mit Burkini zum Schwimmunterricht schicken.

Das ist aber okay und zwar für alle. Für die Roten, die Schwarzen, die Grünen. Und warum? Weil es Religionsausübung ist. Kein Verhalten, kein Ritus, keine Einstellung kann steinzeitlich und krank genug sein, dass sie nicht von der hochheiligen Religionsausübung geschützt wird. Im Gegenteil: Irgendwelche durchgepeitschten Katholen veranstalten bei uns sogar noch Wir-haben-uns-alle-lieb-Abende, wo dann Studentinnen erzählen dürfen, dass sie ihr Kopftuch tragen, weil das ein Ausdruck ihres selbstbewussten Feminismus ist. Und die ganzen Frauenbund-Tanten und Bergpredigt-Gitarristen lächeln verzückt und rufen lauthals aus: Halleluja, Gott ist groß.

Es ist mir übrigens scheißegal, wenn sich 21-jährige Mädels einreden, sie würden ihr Kopftuch freiwillig tragen. Mich stört allerdings massiv, wenn ein Vater seine 10-jährige Tochter mit Kopftuch auf die Straße schickt. Mich stört auch, wenn 16-jährige Mädchen um ihr Leben fürchten müssen, weil sie den falschen Freund haben und wenn sich Parallelgesellschaften bilden, die alles ablehnen, was wir an einer doch einigermaßen liberalen Gesellschaft seit 50 Jahren schätzen.

Vielleicht sollte man anfangen, religiösen Fundamentalismus (übrigens nicht nur bei den Muslimen) genauso zu ächten wie politischen Extremismus, und zwar quer durch alle Parteien – mit oder ohne C. Dann erledigt sich das mit der AfD ganz schnell wieder. Kürzlich habe ich in der PNP gelesen, dass der Antisemitismus wieder zunimmt. Ich wette, bei der AfD gibt es viele Antisemiten. Ich würde aber auch um viel Geld wetten, bei welcher Bevölkerungsgruppe es die meisten Antisemiten gibt.

Bin ich vielleicht Nazi?

Kommentare:

Nagel auf den Kopf hat gesagt…

Herr Präsident,

Sie sind sicher kein Nazi. Sie sind ein exzellenter Beobachter und Kolumnist.
Was sich jetzt anhört wie Schleimerei ist aber tatsächlich die Bewunderung, dass Sie es geschafft haben große Zusammenhänge in relativ wenigen Zeilen zusammen zu fassen. Und das auch noch logisch und nachvollziehbar, ohne Analyse mit persönlicher Überzeugung zu verwechseln.

Die Aussage von Herrn Putzke ist eine typische Politikeraussage und kräftig politisch eingefärbt. Wie bei den anderen Politikern auch, geht es hier nach der Wahl nicht darum Zusammenhänge tatsächlich zu benennen, sondern darum Meinung für die eigene Lösung zu bilden und Stimmung für die eigenen Überzeugung zu machen um die eigene Ausgangposition für die nächste Zeit zu verbessern und um von eigenen Fehlern ab zu lenken.

Die Meinung von Spiegel Online zum typischen AFD Wähler kann ich nicht nachvollziehen.
Schaut man sich an wo die AFD besonders viel Zuspruch bekommen hat, dann sind das genau die abgehängten und armen Landstriche. Der Osten Deutschlands und der Bayerische Wald. "Saudumm" weiß ich jetzt nicht, aber "arm" und vergleichsweise "ungebildet" trifft doch hier durchaus zu.




Königstreuer hat gesagt…

"Holm Putzke" ist das der mit dem Sandstrand an Donau, Inn und Ilz? Bei den Grünen ist der nicht, oder? ÖDP?

Zukunftsrat hat gesagt…

Keine Ahnung bei welcher Partei der ist. CSU kanns nicht sein, der kommt ja aus der DDR.

Cromwell hat gesagt…

@Königstreuer: der ist Inder CSU. Sogar Kreisvorsitz-Inder: http://www.pnp.de/lokales/stadt_und_landkreis_passau/passau_stadt/2673667_Diskussion-um-Stadtstrand-CSU-Kreisvorsitzinder-kritisiert-Stadt.html


Königstreuer hat gesagt…

Wie bitte, der ist in der CSU? Mit dem Namen? "Holm" - in Niederbayern? Das glaube ich nicht! Das klingt doch stark nach Nordosten. ...

Ja habs gelesen ... oh Gott. Stellt Euch vor der wird Oberbürgermeister ... in Passau, Holm Putzke. Kann man das nicht verbieten?

Cromwell hat gesagt…

@Königstreuer: Warum denn nicht? Kann ja nicht jeder Josef, Franz-Xaver oder Anton heissen. Man muss ihn ja nicht wählen.

Anonym hat gesagt…

Grüß Gott ! Werter Herr Präsident, manchmal habe ich das Gefühl, daß Polemik hier hauptsächlich geschätzt wird, wenn sie sich gegen anders denkende richtet, was mich wundert, da ich Sie bisher für ausgesprochen souverän und kritikkfähig gehalten habe. Oder täusche ich mich ?(Ich bin etwas piquiert, weil Sie meinen letzten Kommentar nicht veröffentlicht haben, obwohl dieser definitiv auf dem Boden des Grundgesetzes stand und sich auch in keiner Weise gegen irgendjemandes Menschenwürde gerichtet hat, eher im Gegenteil. Ein bisserl lustig war er auch.) Ist ja alles schön und gut, was Sie geschrieben haben, auch ziemlich unterhaltsam, nur ist die Frage der Zukunft unser Demokratie zu wichtig, um Teilwahrheiten einfach so stehen zu lassen. Man muß die AFD nicht mögen, muß sie wohl aus verschiedenen Gründen auch inhaltlich "bekämpfen", nur halt nicht so, wie das geschehen ist und geschieht. Oft zeugt das nämlich von der eigenen (unerkannten) Bigotterie. (Bitte einmal über den Wortsinn nachdenken!) Fragen zu stellen und offen über mögliche Probleme nachzudenken, verletzt niemanden in seinen Rechten, sondern ist eher eine Pflicht des aufgeklärten Menschen und Demokraten. Nur die (auch stillschweigenden) Antworten auf die Fragen können hetzerisch sein und gegen die Menschenwürde und unsere rechtsstattlichen Prinzipien verstoßen. Es ist ebenso ein Menschenrecht, eine andere Meinung zu haben, als die eigene, es verstößt ebenso gegen demokratische Prinzipien, wenn Politik relevante Fragen nicht anzusprechen erlaubt und Staatsbürger und Nachbarstaaten nicht wenigstens anhört oder an der Entscheidungsfindung beteiligt. Darüber müßte weit mehr diskutiert werden, als beim eifernden Kampf gegen die AFD insoweit den Wald vor lauter Bäumen aus den Augen zu verlieren. Ein weites Feld !
By the way, der Bayernpatriotismus und der niederbayerische Holm: Liegt hier nicht auch ein Keim der Fremdenfeindlichkeit und der (rassistischen) Überheblichkeit verborgen ? Die Bayerntümelei ist doch nichts anderes als die Deutschtümelei im Kleinen, aber lustig ist es schon, wenn einer anders heißt als Franz oder Sepp, nicht?
Nichts für ungut, nur mal was für weitere Diskussionen und Selbstrefelexionen.

wahlinfo-passau hat gesagt…

Wenn hier ein Kommentar nicht veröffentlicht wurde, dann versehentlich.

Hannes Schober hat gesagt…

Liebe CSU,
Deine Probleme möchte ich haben. Während die Innstadt im Verkehr ertrinkt und seit Jahren um einen sinnvollen Hochwasserschutz gekämpft wird, setzt Du deine ganze Kraft für Sandstrand, Stelzenlokale und Brückenpartys ein. Wann findest Du endlich zu den Themen, die den Bürgern wirklich unter den Nägeln brennen. Und gibts in der Union niemand mehr, der dem Holm erklärt, wie der Niederbayer tickt.

Königstreuer hat gesagt…

Lieber Hannes Schober,

es war schon immer so. Was wichtig ist bestimmt die CSU! Kapiert?
Und überhaupt, Niederbayern "ticken" nicht, die granteln.
Sowas kann man nicht lernen, das ist angeboren!

Momentan ist die CSU indisponiert um nicht zu sagen verzweifelt.
Besserung nicht in Sicht.
Das Einzige was denen momentan "unter den Nägeln brennt" sind die 38%.

Da können sie sich von der SPD eine Scheibe abschneiden.
Die dümpeln um die 16 Prozent herum und trotzdem geht das denen am Arsch vorbei.
Im Landkreis Passau ist die AfD zweitstärkste Kraft und die SPD? ... nein, sie jault nicht auf, sie übt sich in Zurückhaltung. Das nenne ich Selbstbeherrschung!
Wenn es um die Leidensfähigkeit geht, kann die CSU von den Sozen noch eine Menge lernen.

Gegenwind hat gesagt…

R.I.P.

Anonym hat gesagt…

Vielleicht hat auch der Präsident mit Interesse in der Vorwoche den großen PNP-Aufmacher zum Thema „Stau“ gelesen. Ausdrücklich wurde dort zu einer Leserbrief-Debatte aufgerufen. Wer jetzt den großen Frust in einer Leserbrief-Flut erwartete, war dann überrascht: In der Wochenendausgabe erschienen drei magere Leserbriefe, dabei auch differenzierte Abwägungen. Die PNP kann daraus zwei Schlüsse ziehen:
Offenbar ist es mit dem vermeintlichen Dauerchaos auf Passaus Straßen doch nicht so schlimm bestellt.
Die magere Rückmeldungsbilanz auf ein so prominent angeleiertes Leserbrief-Projekt dürfte am Selbstverständnis nagen. Der ehemalige Monopolist verliert an Relevanz und die Fähigkeit, Themen zu setzen.

Dass dort, wo es an einzelnen Stellen Schwierigkeiten gibt, an Lösungen gearbeitet wird, war übrigens kein so großes Thema. Fast versteckt unten wurde am Samstag über eines der wichtigsten Verkehrsprojekte der nächsten Jahre berichtet. Der Verbreiterung nördlich der Straußbrücke. Damit wird die letzte Engstelle beseitigt und der Freyunger, Büchlberger, Hutthurmer etc. kann via Neukirchen v.W. (top-ausgebaute B85) ohne Stau zur Autobahn Richtung Linz.


Anonym hat gesagt…

Es gäbe auch ander zu kommentieren. Dass bei der PNP eine mehrfach geschiedene die Familienseite betreut und Tipps in Beziehungsfragen gibt, das ist nicht neu, dass jetzt aber jemand, der offenbar nicht über die geistige Riefe verfügt, ein Kraftfahrzeug zu führen, ausgerechnet als Autotester unterwegs ist, das wirft irgendwie Fragen auf.

wortport.de hat gesagt…

@Anonym

Ich bin, zugegeben, neugierig: Würden Sie uns freundlicherweise Initialen zur Verfügung stellen?

Da gibt es doch momentan nur zwei Tester, den Mittermaier/Mittermeier/Mittermeir(?) und den Berger. Der Berger ist ein grandioser Journalist. Man mag gar nicht glauben, dass so viel texterischer Dünnpfiff auf 80 bis 100 Zeilen gestampft werden kann. Ich lach mir jedes Mal die Arschbacke wund, wenn ich seinen Windungen folge, mit denen er versucht, originell zu sein und doch nur unverständlich bleibt. Das gehört nun wirklich mal unter die Lupe genommen.

Gruß,

johannes flörsch

Anonym hat gesagt…

In der heutigen Am Sonntag verbirgt sich ein Hinweis.

Anonym hat gesagt…

Herr Präsident! Kommt von Ihnen nochmal was Neues? Oder sind Sie ewiglich verstummt?

Wolfgang Weitzdörfer hat gesagt…

Ja. Das wollte ich auch fragen... drei Monate Funkstille sind ungewöhnlich. Wären Sie mein Nachbar, würden Sie vermutlich schon stinken, mit Verlaub...

wahlinfo-passau hat gesagt…

So ähnlich, ja. Ich glaube, ich schreib mal wieder was. Bald. Vielleicht.

PNP-Leser hat gesagt…

Wenn schon sonst nichts passiert, dann wenigstens frohe Weihnachten für alle