Freitag, 15. Mai 2009

Sensation! Ein Lob für die Lokalredaktion...

Da reibt Ihr Euch jetzt vermutlich erstaunt die Augen. Wir meinen es tatsächlich ehrlich! Es gibt doch wirklich erfreuliche Entwicklungen im Lokaljournalismus zu beobachten. Kaum haben wir lange genug rumgepöbelt (wenn Ihr wieder einen Promi durch den Lokalteil getrieben habt) und schon ändert Ihr Eure Berichterstattung. Der Stadtrat mit dem Gewerbeschein für den Handel mit anzüglichen Waren wurde diesmal nicht mit vollem Namen, Passbild, Schuhgröße und Bankverbindung im Lokalteil an den Pranger gestellt. Also habt Ihr entweder etwas gelernt (unseren vollen Respekt dafür) oder aber der betroffene Stadtrat ist Mitglied der CSU. Hmmm...

Na ja! Mit dieser Nebensächlichkeit wollen wir uns nicht weiter aufhalten. Der Artikel über die höchst erfreuliche Anfrage der FWG (normalerweise sind das ja nicht unsere ausgesprochenen Lieblingspolitiker) bezügl. einer Bewerbung der Stadt für das bayerische Geschichtsmuseum war schon fast qualitativ hochwertiger Lokaljournalismus. Toll!
Zu einer Provinzposse verkommt die Geschichte allerdings seitens des Kulturamtes der Stadt. So haben sich bereits 50 bayerische Städte als Standort beworben. Passau hat es noch nicht getan. Warum nicht? Die Bedenkenträger im Kulturamt führen zugkräftige Argumente an: So würden den anderen Museen Besucher abgezogen... oder: Der Freistaat wird bestimmt nicht alles zahlen, da kommen zusätzliche Kosten auf die Stadt zu. Fehlt eigentlich nur noch, daß vorgetragen wird, Passau ist ja erst achtzehnhundertirgendwann zu Bayern gekommen, deshalb sind wir nicht zuständig.

Hier, liebe Lokalredaktion, wäre einmal die Frage aufzuwerfen, was da im Kulturamt eigentlich gemacht wird. Spielen die den ganzen Tag Beamten-Mikado? ("Wer sich als erster bewegt, hat verloren..."). Die haben doch auch eine A16 Stelle, oder? Diese Beamtenbesoldungsstufe ist ja in Passau mittlerweile schon zu trauriger Berühmtheit gelangt.

Vielleicht legt Ihr Euch die Angelegenheit mit dem bayerischen Geschichtsmuseum auf die Wiedervorlage für das Sommerloch. Ein Eintrag im altmodischen Tischkalender (oder meinetwegen auch im Outlook) und schon habt Ihr eine tolle Story mitten im August.

Tolle Idee?

Finden wir auch. Die gab es gratis. Wir waren ja auch nie bei der Bild...

;-)

cassiel

Kommentare:

Antaia hat gesagt…

"So haben sich bereits 50
bayerische Städte als Standort(für das bayerische Geschichtsmuseum) beworben. Passau hat es noch nicht getan. Warum nicht?"

Da muss ich der Stadt recht geben, denn wie es scheint hat Passau ja eh keine Chancen. Sich hier mit einer Bewerbung in unnötige Arbeit zu stürzen muss ja nicht sein.

"Passau ist ja erst achtzehnhundertirgendwann zu Bayern gekommen", dass ist wahr, wenngleich viele Passauer das offensichtlich verdrängt haben. Ich habe einmal in einer größeren Runde erwähnt, dass meine Stadt schon ein paar Jahrhunderte länger zu Bayern gehört, daraufhin sind ein paar Passauer sehr sauer geworden. Warum ist sowas hier nicht bekannt?
Kompliment an cassiel!

cassiel hat gesagt…

Hochverehrte Antaia,

da bin ich aber entschieden anderer Meinung: Nur weil etwas möglicherweise chancenlos erscheint, heißt das noch lange nicht, daß dies eine Rechtfertigung für ein Nichtstun wäre. Mir fehlt da ein wenig das Visionäre in der Arbeit der Stadt. Dafür leistet sich die Gemeinschaft den Luxus einer Verwaltung - oder um es deutlicher zu sagen: Eines Kulturreferates.

Schönes Wochenende...

c.

Antaia hat gesagt…

Lieber cassiel,

Ihnen als Kreativer "fehlt da ein wenig das Visionäre in der Arbeit der Stadt", da mögen Sie rechthaben, die Stadt hat ja schon mehr als eine Chance vertan. Aber wie heißt es so schön:
"Zäume den Esel, wie du willst, du machst doch kein Reitpferd daraus."

Alles Gute
Antaia

Anonym hat gesagt…

Armes Passau!
Mancher Politiker ist halt geistig mit einer Einbauschale am Armaturenbrett verhaftet und wenn dann der Schwenkarm nicht lang genug ist…

Anonym hat gesagt…

Du meinst die Einbauschale fürs Händy?
Nunja, wenn man sich immer selbst beobachtet verliert man den Blick für seine Umwelt.