Donnerstag, 28. Mai 2020

Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte

Hallo, PNP! "... spalten sich die Meinungen"? Muss man jeden Irren als relevanten Meinungsäußerer wertschätzen? Bitte unten die FB-Kommentare lesen, wenn der Gestörte sie noch nicht gelöscht hat.

pnp.de

Passau
Bierzelt-Sexismus? Beim "Donaulied" spalten sich die Meinungen


Petition gegen Bierzelt-Hit findet Befürworter, provoziert aber auch Gegenwind in den Sozialen Medien

Eine Petition gegen das "Donaulied" hatte Corinna Schütz gestartet, um das Lied auf Volksfesten verbieten zu lassen (PNP berichtete). Ein "Vergewaltigungslied" sei es, weshalb es nicht mehr auf der Passauer Dult gespielt werden solle – deshalb schrieb ihre Gruppe sogar an Oberbürgermeister Jürgen Dupper. Ihr Ziel: Auf Sexismus im Bierzelt aufmerksam machen. Das gelang ihr auch: Sie erreichte viele Unterstützer, bekam aber ebenso Gegenwind – vor allem auf Social Media. Unter anderem von Walter Kandlbinder, Betreiber der Arena Hundsdorf, auf Facebook: Er macht in einem Post auf seinem öffentlichen Profil seinem Unmut Luft. Unter dem Post kam es zu Kommentaren, die Schütz mitunter persönlich angreifen. Auch der stellvertretende Passauer Landrat Hans Koller (CSU) hat Kandlbinders Post kommentiert.

Über 600 Befürworter hat die Online-Petition gegen das "Donaulied", die noch keine zwei Wochen läuft. Ein Zuspruch, über den sich Schütz freut. Auch unter Kandlbinders kritischen Facebook-Post gab es Zustimmung zur Aktion: "Das Lied ist so Affenkacke, dass ich die Petition unterschreiben würde. Da brauchst’ 7 Maß und 14 Jäger, damit’s den Kaas aushoitst", schreibt ein Nutzer. (Anm. d. Red.: Facebook-Kommentare sind im Original wiedergegeben und können orthografische Fehler beinhalten.)

Doch auch die Abneigung gegenüber Schütz’ Idee ließ nicht lange auf sich warten. "Plötzlich, weil momentan Sexismus und Feminismus trendy sind, sich über Lieder aufzuregen, die drei Minuten eines Abends einnehmen, und eine Vergewaltigung zu kritisieren, an die keiner auf der Bierbank denkt, ist lächerlich", schreibt PNP-Leserin Marie Groß aus Hutthurm in ihrem Leserbrief. "Wenn man ein solches Lied für problematisch hält, kann man kurzzeitig das Bierzelt verlassen oder die Ohropax auspacken, oder am besten mit etwas Alkohol die eigene Stimmung wieder heben", findet sie.

Arena-Chef Kandlbinder kritisiert im Post auf seiner persönlichen Facebook-Seite: "Wirte kämpfen grod ums überlem und a Studentin kimmt mit so an ‚sch.....‘ daher." Seine Aussagen sorgten für eine Diskussion in der Kommentarspalte, einige wenden sich persönlichen gegen Corinna Schütz. "Walter des Lied ist geistreich, aber de Drutschn eha ned", schreibt ein Nutzer. Ein anderer: "Brutal wos fia a Zeug rumlaft bei uns. Und a solche wird vielleicht a no wos in Bayern wenns fertig is mitm Master oder mitm Bachelor. I wünsch neamt wos schlechts aber der wünsch i daß später Kaugummi verkaufen muas in der Tankstelle. Vielleicht soi de aber erstmoi mit Ihren interlektuellen Freunden a Demo gegen die Niederbayerische Kultur organisieren und durch die Fuzo rennen. Vorausgesetzt der Hr. Corona hod eana s Hirn net scho zamgfressn." Unter einem Kommentar sah sich Kandlbinder dann sogar veranlasst, darauf hinzuweisen, bitte keine Beleidigungen zu posten.

"Einige Kommentare gingen gegen mich als Person und als Studentin", sagt Corinna Schütz, die grundsätzlich für den Austausch von Meinungen ist, auf Nachfrage der PNP. "Ich weiß nicht, was das in der Diskussion zu suchen hat. Inhaltlich kann man gerne diskutieren." Die Aussagen von Walter Kandlbinder habe sie indes nicht persönlich genommen: "Der Post an sich war nicht beleidigend. Dadurch habe ich mich nicht angegriffen gefühlt." Ohnehin richte sich ihr Anliegen nicht gegen Gastwirte, sondern an die Öffentlichkeit und die Politik.

Mit ordentlich Widerstand habe sie schon im Vorfeld gerechnet, sagt Schütz. Nach den diffamierenden Facebook-Posts habe sie aber trotzdem darüber nachgedacht, ob es klug ist, weiterzukämpfen. Auch ihren Mitstreitern habe sie gesagt, dass keiner weitermachen muss, wenn er nicht will. Letzten Endes habe sie aber entschieden: "Deswegen werde ich jetzt nicht leiser werden." Das Schreiben an Dupper – der sich noch nicht dazu geäußert habe – sei bereits beim Dult-Beauftragten der Stadt. Als nächsten Schritt wolle sie allen Stadträten und den Festzelt-Bands schreiben.

Geäußert hat sich hingegen der stellvertretende Passauer Landrat Hans Koller – und zwar ebenfalls als Kommentator von Kandlbinders Post: "Sehr guter Kommentar Walter ... Die Dame ist eine Aktivistin bei den Grünen – mehr sog i ned." Dies wiederum hatte Kollers ehemaligen Kreistagskollegen, den Grünen-MdL Toni Schuberl, veranlasst, an ihn einen Brief zu schreiben: "Wenn Du Dich schon im Rahmen eines solchen Shitstorms äußerst, dann erwarte ich entsprechend Deiner Stellung als stellvertretender Landrat und damit zumindest in politischen Angelegenheiten auch offizieller Repräsentant des Landkreises Passau, dass Du solche Ausfälle zurückweist und Du seriös und sachlich argumentierst", so Schuberl, der fragte, wie er Kollers Kommentar verstehen müsse.

"Mir gefällt das Lied auch nicht", sagt Koller, der den Song nicht verteidigen wolle, auf PNP-Anfrage. Im Angesicht der Corona-Krise gebe es jedoch wichtigeres, als sich um derartige Lieder zu kümmern, meint er. Das Thema Sexismus habe durchaus Relevanz, allerdings müsse man sich eher darum kümmern, wie leicht Menschen an gewaltverherrlichende und pornografische Seiten im Internet kommen. "Das fördert Gewalttaten eher als ein Bierzeltlied", sagt Koller. Kandlbinders Post habe er "als Freund und Nachbar kommentiert" und sich nicht als Funktionär geäußert. "Das muss man sich in Zukunft besser überlegen", gibt er zu. Zwar stehe er zu seiner Meinung, von den Beleidigungen in den Nachbar-Kommentaren distanziere er sich jedoch.

"Ich finde es schade, dass ein stellvertretender Landrat, der alle Bürger vertreten sollte, meine Anliegen nicht ernst genommen und mich als grüne Aktivistin abgestempelt hat", sagt Schütz, die sich durch Kollers Post "unsachlich angefeindet" fühle. "Wir sind eine überparteiliche Aktion. Wir sprechen als 45-Mann-Gruppe."

Von der Aktion "im weitesten Sinne spontan angesprochen gefühlt" hatte sich Walter Kandlbinder, weil er auch Festwirt sei. "Ich würde es nicht mehr so derb schreiben", sagt er nun über seinen Post, der nicht gegen Schütz gerichtet gewesen sei. Bei seiner Kernaussage bleibe er aber: "Dupper hat andere Probleme, als dass er sich mit sowas befassen muss." Außerdem sei das Lied so "übertrieben und realitätsfremd", dass er sich nicht vorstellen könne, dass sich eine Frau davon sexuell belästigt fühlt. Von den 29 Kommentaren sind mittlerweile nur noch 17 zu finden.

https://www.pnp.de/lokales/stadt-und-landkreis-passau/passau-stadt/Bierzelt-Sexismus-Beim-Donaulied-spalten-sich-die-Meinungen-3693822.html

https://www.facebook.com/walter.kandlbinder

Dienstag, 26. Mai 2020

Rubrik: Leserbrief des Monats

Leserbrief PNP, Lokalteil Passau, 26.05.2020

Zum „Nachgefragt“ vom 23. Mai:

Nach über 30 Jahren Bierzeltkultur und sowieso aktuell nur noch geringer Vorrangigkeit von typisch bayrischen Liedern auf Volksfesten, finde ich, dass diese Kritik am Donaulied, ja sogar der Wunsch es abzuschaffen durch eine Petition, völlig übertrieben ist.

Die Musik in den Bierzelten hat sich ohnehin in den letzten Jahren von typischen Schlagern zu Disco-/Pop-Songs gewandt, zu denen man auf der Bierbank stehen soll und zwischen einer Maß und Käse mit Breze feiern. Die typischen Schlager wie der „Haberfeldtreiber“ und eben jenes „Donaulied“ werden auf der Passauer Dult ohnehin nur noch von hiesigen Bands gespielt, weil die Showbands, z.B. aus Oberbayern, den Dialekt nicht einmal aussprechen können und deshalb auf englische Partyhits aus dem Radio zurückgreifen müssen. Natürlich finde auch ich als aktive Volksfestbesucherin, dass eine gute Mischung aus alten und neuen Hits durchaus in Ordnung ist, aber jeder Niederbayer freut sich, wenn man auf der Bierbank steht und ein typischer Bierzeltsong, zu dem schon die Eltern gesungen haben, gespielt wird.

Plötzlich, weil momentan Sexismus und Feminismus trendy sind, sich über Lieder aufzuregen, die drei Minuten eines Abends einnehmen, und eine Vergewaltigung zu kritisieren, an die keiner auf der Bierbank denkt, ist lächerlich. Wenn man ein solches Lied für problematisch hält, kann man kurzzeitig das Bierzelt verlassen oder die Ohropax auspacken, oder am besten mit etwas Alkohol die eigene Stimmung wieder heben. Außerdem kann ich einen Besuch auf einem anderen Volksfest außerhalb der Donauregion empfehlen oder in Zukunft einfach daheim zu bleiben.

Marie Groß, Hutthurm

Liedtext "Donaulied", häufige Variante

(1)
Einst ging ich am Strande der Donau entlang, ohooo olalala
Ein schlafendes Mädel am Ufer ich fand, ohooo olalala
Ein schlafendes Mädel am Ufer ich fand,
Ein schlafendes Mädel am Ufer ich fand.

(2)
Sie hatte die Beine weit von sich gestreckt.
Ihr schneeweißer Busen war halb nur bedeckt.

(3)
Ich machte mich über die Schlafende her.
Wir hörten das Rauschen der Donau nicht mehr.

(4)
Du schamloser Jüngling, was hast Du gemacht ?
Du hast mich im Schlafe zur Mutter gemacht !

(5)
Du elende Schlampe, was denkst Du von mir ?
Ich trage doch immer Pariser bei mir !

(6)
Ich steh auf der Brücke und schwenke den Hut.
Machs gut, alte Nutte, die Nummer war gut.

(7)
Hier hast Du zehn Pfennig und geh jetzt nach Haus.
und wasch Dir die Votze mit Schmierseife aus.

(8)
Jetzt hat sie zwölf Kinder und noch keinen Mann.
Und fängt g'rad die dreizehnte Schwangerschaft an.


Dienstag, 12. Mai 2020

Kolumne aus dem aktuellen Bürgerblick

Abgeschmiert und angekommen

Lieber Tölpel!

Hast Du Dich nicht auch schon immer gefragt, wie das Jahrzehnte funktioniert hat? Dass eine Stadt von der Größe Passaus mit einem Oberbürgermeister und nur zwei Stellvertretern auskommt? Bei dieser Vielzahl an 100. Geburtstagen, Feuerwehrfeiern und Spatenstichen – das muss ja eine geradezu unmenschliche Belastung sein. Psychisch und physisch – da leidet das Hirn und die Leber. Und Sitzungen gibt’s auch noch ab und zu: grausam! Deshalb wird auch jeder Bürger verstehen, dass man „die Aufgaben auf ein Schulterpaar mehr verteilen“ muss – so Markus Sturm. Also haben wir jetzt dann drei Stellvertreter.

Da werden aber andere vergleichbare Städte bald nachziehen müssen. Vom Passauer Modell wird man sprechen. München hat zum Beispiel nur zwei Stellvertreter, Hamburg einen, Berlin zwei. Allerdings hat New York immerhin fünf stellvertretende Bürgermeister – hallo? Sollte man da nicht die Frage stellen, ob wir nicht mindestens vier brauchen? Die Hundertjährigen werden jedenfalls immer mehr. Außerdem muss man die Sache ja auch einmal von der anderen – der wesentlich wichtigeren – Seite sehen. Wie kann man denn bitte als Stadtrat von 450 Euro monatlich und 20 Euro Sitzungsgeld leben? Aus humanitärer Sicht bräuchten wir mindestens sechs Bürgermeister – wenn‘s reicht.

Der Geschäftsverteilungsplan dürfte auch noch interessant werden. Der Rother macht alle wichtigen Veranstaltungen, die der OB nicht schafft, die Erika macht alle wichtigen Veranstaltungen, die der Rother nicht schafft und der Dickl kriegt die Hundertjährigen und den Stiftungsausschuss. Da kann er sich jetzt sechs Jahre lang durchprofilieren. Kleiner Tipp: Überlegt Euch doch beizeiten, wer dann schuld ist, wenn die CSU 2026 nur noch sieben Sitze hat. Baut Euch frühzeitig einen Watschenmann auf.

Deine Kathi


Liebe Kathi!

Ich stelle mir das so vor. Dupper zu Sturm: „Wir haben folgende Ausgangssituation – wir haben zwei Aspiranten, die wollen unbedingt Bürgermeister werden.“ Sturm: Die Erika ist ja ok, aber doch nicht der Dickl.“ Dupper: Doch, unbedingt.“ Sturm: „Warum soll der Dickl unbedingt Bürgermeister werden?“ Dupper: Erstens fressen die uns aus der Hand, wenn der Dickl Bürgermeister wird und zweitens setzen wir ihm den Rother vor die Nase und passen auf, dass er nichts anstellt.“ Sturm: „Dann muss nur noch die Buhmann Fraktionsvorsitzende werden.“ Dupper (schenkelklopfend): „Jetzt übertreib‘s mal nicht. Das ist ja kein Wunschkonzert.“ Großes Gelächter.

Die Chancenlosigkeit der CSU bei der OB-Wahl 2020 hat sich erst so richtig in den letzten Monaten vor der Wahl abgezeichnet, die Chancenlosigkeit der CSU bei der OB-Wahl 2026 zeichnet sich bereits jetzt ab. Sollte der Kandidat nicht mindestens Markus Söder heißen – keine Chance. Wenn man sich als Mehrheitsbeschaffer an einen übermächtigen SPD-Oberbürgermeister verkauft, dann landet man bald da, wo die SPD in der Großen Koalition im Bund gelandet ist.

Zum Schluss noch ein Witz. Dupper, Rother, Dickl und Träger sitzen in einem Flugzeug. Das Flugzeug hat einen Triebwerksausfall und trudelt nach unten. Leider stehen nur drei Fallschirme zur Verfügung. Dupper schnallt sich einen Fallschirm um, sagt: „Ich bin der Oberbürgermeister der schönsten Stadt der Welt, ich muss überleben“ und springt. Dickl schnappt sich den nächsten und ruft im Sprung: „Ich bin der beste Bürgermeister der Welt und zukünftiger OB. Ich muss überleben.“ Sagt Rother zu Träger: „Erika, ohne Dich geht in Passau nichts. Nimm Du den Fallschirm.“ Träger: „Nein, alles gut, wir haben noch zwei.“ Rother: „Wie? Zwei?“ Träger: „Na, der beste Bürgermeister der Welt ist gerade mit meinem Rucksack gesprungen.“

Dein Tölpel


Dienstag, 7. April 2020

Wissenschaftliche Sensation

Neue Studie der Passauer Polizei beweist: Ein mehrstündiger Aufenthalt auf Aussichtsbänken führt zu Corona-Infektionen.

Deshalb: Erstatten Sie bitte umgehend Anzeige gegen Parkbanksitzer bei der zuständigen Dienststelle oder dem Blockwart Ihres Vertrauens.

Samstag, 28. März 2020

Heute mal ohne Satire

Nachdem ja jetzt zum Einen die drei Hochbegabten von der AmSonntag beschlossen haben, Satire zu produzieren und der Präsident zum Anderen von vielen Lesern gebeten wurde, eine Wahlanalyse abzugeben, soll nun einmal so etwas in der Art versucht werden.

Was ist passiert? Vor einem halben Jahr hätte sich wohl kaum ein Passauer – der Oberbürgermeister und seine SPD eingeschlossen – vorstellen können, dass es im März ohne Stichwahl abgeht. Nicht wenige liebäugelten mit einem Wechsel und Steiner war nach der ursprünglichen Belustigungspersonalie Dickl ein immerhin ernstzunehmender Herausforderer. Steiner war entschlossen, geradezu enthusiastisch und entwickelte eine ziemliche Dynamik. Selbst Leute, die noch nie im Leben CSU gewählt haben, dachten mal kurz über Georg Steiner als Oberbürgermeister nach.

Wenige Monate später war Game over – und zwar nicht erst am 15. März, sondern schon einige Wochen vorher. Also – was ist passiert? Natürlich sollte man kurz erwähnen, dass OB Dupper so ziemlich alles richtig gemacht hat. Steiner und seine Sekundanten haben hingegen – sagen wir mal – nicht alles ganz richtig gemacht. Aber was wirklich alle – auch langjährige Politikbeobachter – brutal unterschätzt hatten, war die Bösartigkeit und die Macht der Parteifreunde und des Schmierenjournalismus. Insofern braucht man sich, will man das Wahlergebnis verstehen, nicht mit der SPD beschäftigen. ÖDP, Mangold – geschenkt, war klar. Für die Grünen gilt zur Zeit, was früher für die CSU galt: Hätten sie 44 Salatgurken aufgestellt, wären es auch nicht weniger Sitze geworden. Also sollte man sich mit der CSU beschäftigen.

Steiner hatte – wenn wir wieder an die anfänglich aufkeimende Wechselstimmung zurückdenken – kein gutes Ergebnis. Die CSU holte neun Sitze, drei weniger als vorher: ein ziemlich schlechtes Ergebnis – vorsichtig formuliert. Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die CSU bayernweit mit minus 5,4 % (in Passau minus 5,7 %) das schlechteste Kommunalwahlergebnis seit kurz nach dem Krieg hatte, die Passauer CSU allerdings 2014 vier Sitze (minus 7,8 %) verlor, während die CSU bayernweit nahezu keinen Verlust hatte. Somit ist der ungeschlagene Wahlverlierer in Prozentpunkten immer noch der damalige Kreisvorsitzende Waschler. Soviel mal zu den harten (sehr harten) Fakten.

Ich mache das jetzt mal wie die AmSonntag und behaupte ohne Namens- und Quellenangabe: Viele langjährige und eingeweihte Beobachter sind sich einig, dass diese Wahl wieder (ohne die Fehler von Steiner und Putzke unter den Tisch zu kehren) großteils von Waschler und seinen willigen, gedemütigten, auf Rache sinnenden Helferlein verloren wurde – und zwar mit System und voller Absicht. Das aktivste Wahlkampfteam für den amtierenden OB waren der Strippenzieher und Dickl and Friends. Steiner hat verloren, die CSU hat verloren, Waschler hat wieder einmal gewonnen und Dickl wahrscheinlich auch. Dem Scheuer ist das zwar alles ziemlich wurst, was in diesem Provinzkaff passiert, er unterschreibt aber vorsichtshalber mal einen Brief – weil eins kann er, der Andi: immer wissen, auf welcher Seite man gerade stehen muss.

So viel Obstruktion und Zerstörung schafft man allerdings nicht, wenn man nur im Haustürwahlkampf Stimmung gegen Steiner macht, da braucht man schon noch die Medien dazu. Und die waren nicht nur willig, die waren richtig heiß. Also zumindest die drei Wortakrobaten, die jetzt im sechswöchigen Corona-Zwangsurlaub mit Dartpfeilen auf Putzke-Fotos werfen. Da war kein Mittel zu schmutzig, kein Thema zu primitiv und keine Ehrverletzung zu abstoßend. Tenor: Der hinterlistige Zuagroaste hat bei uns nichts verloren. Nur für die Chronik: Solche Sachen haben die echt geschrieben. Selbst nach der Wahl konnte man sich das Nachtreten nicht verkneifen und bildunterschriftete: "So sehen Verlierer aus." Wer über ein solch ethisches Grundgerüst verfügt, scheut sich auch nicht, Hetzleserbriefe mit Fake-Namen (Ja, Du, Samuel) zu veröffentlichen. Hinrichtungsjournalismus at its best.

So war das also. Und kaum ist das Ganze mit der neuen CSU vorbei, scharren schon die von der ganz neuen CSU mit den Hufen. Ein Hybrid aus Gewerkschafter und CSUler, ein politisch Diverser also, namens Zwacklmann, der bis dato nur durch Peinlichkeiten auffiel, erklärt heute in der PNP allen die Welt. Aufgepasst, Dickl, der positioniert sich. Kreisvorsitzender von irgendeiner Sekte ist er auch schon. Zwacklmann, geh Du voran.








Sonntag, 15. März 2020

Newsticker zur Kommunalwahl in Passau

Achtung! Der Newsticker aktualisiert sich nicht automatisch. Bitte aktualisieren Sie über Ihren Browser.

20.52 Uhr

Hiermit verabschieden wir uns von unseren Lesern. Das ist uns zu langweilig. Küsschen.

20.25 Uhr

Interessant: Die beiden Kandidaten, die am häufigsten durchgestrichen wurden, haben gemeinsam dreimal den Buchstaben "O" im Nachnamen. Mehr Informationen sind aus Gründen des Wahlgeheimnisses nicht erlaubt.

20.03 Uhr

Dupper bleibt Oberbürgermeister in Passau. Mangold hat sich im Weinkeller eingeschlossen.

18.46 Uhr

Mangold wird Oberbürgermeister. Söder verhängt Ausgangssperre für Passau.

17.47 Uhr

Die ersten Auswertungen der von der CSU-Altstadt entwendeten Stimmzettel liegen vor. Bemerkenswert ist zunächst, dass selbst erfahrene Kommunalpolitiker am komplizierten Wahlsystem scheitern.

So hat ein amtierender Stadtrat ungültig gewählt, weil  er sich selbst 44 Stimmen gegeben, bei zwei Kandidaten seiner eigenen Liste in Druckbuchstaben Schimpfworte notiert und den Stimmzettel mit Vor- und Zunamen sowie der Bezeichnung "Bürgermeisteranwärter" unterschrieben hat.

17.37 Uhr

Wir begrüßen Sie aus dem Wahlstudio von Wahlinfo-Passau. Im Moment ist es in der Innenstadt von Passau ziemlich ruhig. Es laufen lediglich ein paar Untote herum und fressen Spaziergänger.






+++ Eilmeldung +++ Eilmeldung +++ Eilmeldung

Exklusive Einblicke und Ergebnisse demnächst auf Wahlinfo-Passau

(Passau) Nachdem uns von der "WhatsApp-Gruppe CSU-Altstadt" die von ihr heute Nacht aus dem Rathaus entwendeten Briefwahl-Stimmzettel zugespielt wurden, wird Wahlinfo-Passau im Laufe des Abends exklusiv Hochrechnungen und Ergebnisse veröffentlichen. Der Präsident hat mittlerweile natürlich alle gestohlenen Stimmzettel wieder im Rathaus abgegeben.

Eine Warnung der Internet-Polizei:

Achtung! Eine gefährliche Betrügerorganisation versucht als Trittbrettfahrer von der Berühmtheit des Präsidenten zu profitieren. Sie nennt sich wahl.info. Meiden Sie unbedingt diese Website. Es handelt sich um Phishing. Man will Ihren Verstand und Ihre Seele stehlen.


Wahlinfo-Passau erklärt: Wie geht Humor? Teil 2

Heute: Satire

Definition: Kunstgattung (Literatur, Karikatur, Film), die durch Übertreibung, Ironie und [beißenden] Spott an Personen, Ereignissen Kritik übt, sie der Lächerlichkeit preisgibt, Zustände anprangert, mit scharfem Witz geißelt.

Bekannte Publikationen: Simplicissimus, Titanic, AmSonntag

Beispiel (Eberle, AS): "Verkehrs"-Experte, ha ha ha, (Sex-)Tourismus, ha ha ha, Pipi Kacka, ha ha ha! Huren! Huren! Ha ha ha! Ficken! Ficken! Zuagroaster!!! Bruahaha!!!



Dienstag, 10. März 2020

Wahlinfo-Passau erklärt: Wie geht Humor?

Heute: Die Zote (auch AS-Humor)

Beispielswitz:

Warum schreibt in der AS die Artikel über Puffs der Eberle und nicht der Daiminger?

Weil der Daiminger die Nationalität der Nutten nicht kennt.

Bruahaha!

______________

Ergänzung: Auf vielfachen Wunsch der gegenständliche Artikel




Freitag, 6. März 2020

Müsste machbar sein

Teil 8 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Jürgen Dupper, SPD

Was soll ein Oberbürgermeister sein: Macher und Moderator, Erneuerer und Bewahrer, Gestalter, Verwalter, Baumeister, Finanzgenie und noch so viel mehr. Alles und nichts davon ganz will Jürgen Dupper sein: "Es reicht mir, Machiavellist zu sein." Er hat eine ausgeprägte Etiketten-Allergie, wenn er seine Auffassung von diesem Amt erklären soll. Ein Etikett mag er am allerwenigsten: Visionär.

„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen oder nach Linz oder dahin, wo der Pfeffer wächst.“ Noch einmal sagt Dupper diesen seinen Satz, der ihm von Kritikern vorgehalten wird. Ein OB, der partout keine Vision von Passau haben will? „Was für Kritiker? Ich habe keine Kritiker und ich habe keine Gegner“, herrscht er den Interviewer an. "Oder wie mein Ur-Ur-Großonkel Niccolo Machiavelli gesagt hat: 
Die Menschen sind entweder liebenswürdig zu behandeln oder unschädlich zu machen, denn wegen geringfügigen Unrechts rächen sie sich." Er ist überzeugter Anhänger von Zuckerbrot und Peitsche oder wie er es nennt: "Händeschütteln und Einschüchterung." Das allerdings beherrscht er wie kein Zweiter. "Wissen Sie," grinst Dupper, "ich habe da einen Blick, den übe ich zuhause vor dem Spiegel. Da machen sich der Mangold und der Dickl regelmäßig in die Hose. Oderint dum metuant, wie wir Wasserballer sagen. Sollen sie mich hassen, Hauptsache, sie fürchten mich."

Jeder OB, davon ist der Amtsinhaber überzeugt, will das Beste für Passau. "Aber können tut's halt keiner außer mir." Dupper lächelt jetzt zufrieden und verschränkt die Arme. "Schauen Sie sich doch einmal diese sogenannten Herausforderer an. Leichtmatrosen, Wichtigtuer, Claqueure und Weiber. Die ignoriere ich ja noch nicht einmal." Er muss lachen und schlägt sich auf die Schenkel. "Stellen Sie sich doch einmal diese Grüne oder den Strahlenparanoiker mit der Amtskette des Oberbürgermeisters vor. Das ist doch, wie wenn Sie einem Zwergpinscher ein Bernhardinerfass umhängen." Und was hält er von seinem CSU-Herausforderer Steiner? Dupper zuckt mit den Schultern. "Steiner? Nie gehört. Ich kenne keinen Steiner."

Mit Marketingsprüchen ist in der Kommunalpolitik nichts zu bewegen, sagt Dupper. Er formuliert den Ansatz seines politischen Handelns trotzdem plakativ: „Divide et impera! Das ist auch von Onkel Niccolo. Du musst Posten, Löschfahrzeuge und – so weh es mir selber tut – manchmal auch Watschen verteilen, Du musst Gruppierungen spalten – dann kannst du sauber und ungestört durchregieren."

Der Machterhalt liegt Dupper nah, der Machtverlust fern. „Ich stelle mir da Fragen: Was wäre, wenn es ein Anderer macht? Was wird dann aus Passau?" Er rauft sich schnaubend die Haare. "Ja, was wird dann aus Passau? Ein Wald ohne Handyempfang? Eine Innenstadt in Gelsenkirchener Barock? Oder eine hässliche Industriestadt, in der die Leute den ganzen Tag Torte mit Ribiselmarmelade fressen und Almdudler saufen?"

Geboren 1961, verbringt Jürgen Dupper die ersten zwanzig Jahre in der Bronx von Passau. Er hat eine größere Schwester, einen jüngeren Bruder und eine „sehr glückliche, wunderbare Kindheit“, die großteils im Freien stattfindet, weil Jürgen schon damals für Drinnen zu groß war. Im Kindergarten St. Josef gefällt es Jürgen weniger. "Ich habe immer alle Pausenbrote von den Kindergartengenossen aufgegessen und hatte trotzdem noch schrecklichen Hunger."

In der Schule läuft es deutlich besser. Wegen seiner Größe wird er zum Dauer-Tafeldienst, wegen seiner furchteinflößenden Kraft zu allem gewählt, was er wollte – das ist sein Weg in die Politik. Er interessiert sich bereits damals dafür, irgendwann Oberbürgermeister oder wenigstens Bundeskanzler zu werden und geht 1980 zur SPD, dann auch zu den Jusos, weil es bei der Jungen Union einen gab, der noch größer und noch bärtiger war als Dupper.

1990 wird Dupper für die SPD in den Stadtrat gewählt. "Ich habe ziemlich schnell begriffen, wie das hier läuft und dass der Haufen großteils aus Dampfplauderern, Minderbegabten und minderbegabten Dampfplauderern besteht. Da wusste ich endgültig, dass es nicht so schwer sein kann, den Laden irgendwann zu übernehmen." 2008 ist es dann so weit – wegen mehrerer Alkoholvergiftungen bei Wahlhelfern im Wahllokal Sailerwöhr und den damit verbundenen Auszählungsfehlern wird Jürgen Dupper Oberbürgermeister von Passau.


OB von Passau, der schönste Beruf der Welt also, gibt es denn Schöneres? „Als Bub wollte ich Kaiser von China werden“, sagt Jürgen Dupper. „Aber da musst Du Dich dauernd mit dem Nationalen Volkskongress rumärgern, da hab ich's hier schöner.“






Samstag, 29. Februar 2020

Zeit für eine(n) Tausch?

Teil 7 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Christa Tausch, FDP
Wo sie hintritt, wächst kein Gras mehr. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, spricht ununterbrochen und zusammenhangslos, verdrischt gern Leute, rauft am liebsten im Wirtshaus: Christa Tausch, FDP-OB-Kandidatin und Neustifter Meister im Freistilringen.

Sie bezeichnet sich selbst als recht zufriedenen Menschen. „Das strahle ich auch aus, glaube ich. Bei mir ist das Glaserl immer mindestens halbvoll. Spätestens dann wird nachgeschenkt.“ Sie kann austeilen und einstecken, ist oft impulsiv. „Manchmal bin ich wie..., wie eine Rakete – nein, eigentlich bin ich ein Vulkanausbruch!“, beschreibt sie sich selbst, lacht dann aber so, dass draußen vorm Fenster die Kühe umfallen. Auch ihre Mama kann nicht an sich halten. „Ein Vulkanausbruch“, brüllt sie und schüttelt laut lachend den Kopf, dass die Gläser aus den Regalen purzeln. „Meine Lache habe ich von ihr“, entschuldigt Tausch amüsiert. „Meine Größe vom Papa und die unbändige Kraft, seit ich als kleines Mädchen in ein Fass Zauberstarkbier gefallen bin.“

Der „Tausch-Clan“, wie die hochgewachsene OB-Kandidatin mit der Löwenmähne ihre Familie nennt, hält zusammen. Mit ihrem Bruder wuchs die 49-Jährige in Neustift auf, die beiden finanzierten sich bereits ihre Kindergartenzeit mit Schutzgelderpressung und Bare-Nuckle-Boxkämpfen.

Nach dem Besuch der Volksschule Neustift – sie liegt vom Elternhaus nur einen Hinkelsteinwurf entfernt – und dem Wechsel nach Niedernburg, wo Tausch Abitur machte, absolvierte sie ein Studium für den gehobenen Verwaltungsdienst. "Ich wollte irgendwas Langweiliges machen, weil lustig bin ich selber." 25 Jahre arbeitete sie im Passauer Rathaus als Verwaltungsoriginal, zuletzt schaffte sie es bis zur Ober-Nervensäge des Oberbürgermeisters. Bis, ja bis ihr das „Kompetenzgerangel“ zu viel wurde, sagt sie, "der OB hat einfach meinen Führungsanspruch nicht akzeptiert." Da wechselte Tausch nach Künzing. "Der Bürgermeister dort frisst mir aus der Hand. Wenn ich nur die Augenbrauen hochziehe, fängt er an zu stottern. Wenn ich die Hand hebe, versteckt er sich unterm Schreibtisch." Tauschs Lachen erreicht jetzt Stärke 6 auf der Richterskala.

Parteifrei sitzt sie seit 2014 für die Grünen im Stadtrat. In diesem Jahr dann der überraschende Wechsel zur FDP. "Überraschend? Was soll da überraschend sein? Da muss man ja schon sehr verzweifelt sein, wenn man mich zur OB-Kandidatin macht. So kam nur die FDP in Frage."

Von Grün zu Gelb, geht das so leicht? „Alles geht, wenn man nur das richtige Leck-mich-am-Arsch-Gefühl hat“, findet Tausch. „Und was mich auszeichnet, ist, dass es mir grundsätzlich wurscht ist, was die Anderen denken.“

Als Oide-Dult-Fan und Schatzmeisterin im Goaßmaß-Förderverein bezeichnet Tausch v.a. die Kultur als ihr „Steckenpferd“. „Im Bereich Kultur passiert einfach zu wenig. Wir brauchen viel mehr Dulten. Das zu ändern ist u.a. ein Grund für mich, Oberbürgermeisterin zu werden.“ Sie wäre die erste Frau an der Stadtspitze. Ob dazu schon die Zeit reif ist? „Jawohl. Es ist  Zeit für eine Dult-Bürgermeisterin“, verrät die OB-Kandidatin ihren Wahl-Slogan.

Auf Plakate an den Straßenrändern verzichtet sie. „Nur weil ich von einer Laterne lächle, wählt mich doch niemand. Bevor ich ein Plakat hinbigg’, geh’ ich lieber ins Wirtshaus, setz die Leute unter Druck. Wenn ich im Westen nicht mindestens 50 Prozent kriege, foit der Watschenbaum um“, mahnt sie mit erhobenem Finger.




Dienstag, 25. Februar 2020

Historiker, Stadtfuchs,... Bürgermeister?

Teil 6 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Matthias Koopmann, PaL

In der Wohnung von Matthias Koopmann steht Matthias Koopmann. Frisch ist er nicht mehr, die Arme hängen schlapp herab und verdecken fast den Degen, der an seinem Gürtel baumelt. Kein Wunder, die besten Jahre sind ja schon eine Weile vorbei. Koopmann lächelt und zuckt entschuldigend mit den Schultern. „Ich musste mich heute Nacht mal wieder an ein Haus ketten.“ Denn als Ruinenretter gebe es eben unheimlich viel zu tun.

Dass der gebürtige Gelsenkirchner, der Passau seit 25 Jahren seine Heimat nennt, im malerischen Lindental lebt, passt zu ihm. Der Neubau, in dem er wohnt, eher nicht. Zu Koopmann, Jahrgang 1935, passen doch eher Ruinen. Hartnäckiger und lautstärker als er setzt sich wohl keiner in der Stadt für verfallene Hütten ein. 

Doch in der Wohnung zeigt sich schnell, wes Geistes Kind der Kulturhistoriker ist: Die Wände, die noch nicht von Bücherregalen voll mit Büchern wie "Die drei Musketiere", "Die Jungens von Burg Schreckenstein" oder "Die 120 Tage von Sodom" sind, ziert Kunst. Er zeigt sie gerne her, seine Schätze, und wenn er – hochgewachsen, nackenlange Haare unterm Helm, in seiner Wohlfühl-Ritterrüstung – durch seine Behausung führt, wirkt er wie ein Ritter der Kokosnuss, der gerade von seiner Therapiesitzung kommt. An der Wand steht das erste Wandelbild des Isenheimer Altars, das er erst kürzlich bei einem spektakulären Einbruch aus dem Museum Unterlinden in Colmar entwendet hat.

Seine Liebe zur Kunst und zum Zeichnen habe er mit fünf Jahren entdeckt. Einer seiner vielen Onkel habe ihn einmal zum Spazierengehen ausgeführt, auf eine Burg. Und die hat der kleine Matthias dann gezeichnet. Das Ergebnis fand Gefallen – allerdings nur bei ihm. "Das ist oft so bei mir. Ich finde immer alles ziemlich gut, was ich mache. Nur leider...", bricht er nachdenklich ab.

Heute zeichne er nur noch ab und an, manchmal küsse ihn sogar im Stadtrat die Muse, „wenn ich wieder mal kein Wort von dem verstehe, was die Anderen reden und das ist oft“. Die Liebe für die Kunst aber, die blieb. Genau wie sein Faible für alte Gebäude.

Sein erstes Denkmal habe er als 14-Jähriger gerettet, erzählt er stolz. „Da sollte ganz in der Nähe ein alter Verteilerkasten abgerissen werden.“ Also startet er als Gymnasiast eine Petition und legt sich mit dem Bürgermeister an. „Der war übrigens auch SPD-ler, wie hier“, sagt Koopmann bedeutungsschwanger. Und tatsächlich: Der Verteilerkasten steht heute noch und hat sogar einen Namen bekommen: Fools Memorial.

Nach dem Abitur studiert er in Bochum und Bonn Renitenz und Querulanz. Nach dem Magisterabschluss – „mit Auszeichnung“, betont er – beginnt er 1992 seine Promotion zum Dr. rer. contra. Dann kommt ihm Passau in die Quere. Gekommen war er damals, 1995, eigentlich nur, weil er gehört hatte, in Passau wolle man den Dom abreißen und ein Parkhaus bauen. Das stellte sich aber als ein von der Gelsenkirchener Bürgerschaft gestreutes Gerücht heraus, um ihn loszuwerden. 

Schnell macht sich der junge Kulturhistoriker einen Namen als Nervensäge in der Stadt. 2001 macht er sich als historisch-kultureller Dienstleister mit seinen kostümierten Stadtführungen selbstständig. Der „Stadtfuchs“ war geboren.

2002 kandidiert er für den Stadtrat – und wird versehentlich reingewählt. Seit 18 Jahren sitzt er nun im Gremium rum.

Obwohl er nun schon so lange in der Politik mitmischt, ein „politischer Mensch“ im landläufigen Sinne sei er nicht. „Ich interessiere mich für den ganzen Quatsch eigentlich gar nicht, aber ich kann ja nicht den ganzen Tag nur mit Stulpenstiefeln rumlaufen“, sagt er, im Gegensatz zu denen, die er etwas verächtlich als „Berufspolitiker“ bezeichnet.

Und doch lässt er sich zum OB-Kandidaten der Passauer Liste wählen. Warum? „Keine Ahnung. Fragen Sie mal einen Narzissten, warum er tut, was er tut.“ 

Fühlt er sich denn noch als Gelsenkirchner oder nur noch als Passauer? „Ganz klar: Ich bin Passauer“, sagt Koopmann. „Und zwar schon seit...“ – er blickt auf, fast erschrocken. „Das sind ja jetzt genau 25 Jahre! Silberhochzeit in wilder Ehe!“ 

Er schäumt vor Begeisterung als ihn ein Geistesblitz trifft. Er holt seine Wahlkampf-Visitenkarte, legt sie auf den Tisch und deutet auf den Slogan. „Feindliche Übernahme“ steht da. „Das fällt mir jetzt erst auf. Genau das war ein Buchtitel von Thilo Sarrazin.“ Er muss lachen. „Das wird dem Herrn Dupper sicher gefallen.“ Oder wahrscheinlich eher ziemlich egal sein.