Mittwoch, 19. Februar 2020

Oberbürgermeister für Passau Steiner

... wird sich noch ein bisschen hinziehen...

Dienstag, 18. Februar 2020

Die Schwachen liegen ihm stark am Herzen

Teil 4 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Josef Ilsanker, Die Linken

Er hat enorm abgenommen, argumentiert mit geschliffener Rhetorik, trägt meistens Schwarz, betont den sozialen Schwerpunkt seiner Politik, hat keinen Studienabschluss und schaffte es trotzdem in ein Parlament – Grüß Gott, Herr Dupper?

Nicht ganz. Josef Ilsanker (44) weist viele Parallelen zum amtierenden Oberbürgermeister auf, das stimmt. Aber der Chef der Passauer Linken ist weit davon entfernt, eine Kopie des Ober-Sozialdemokraten zu sein. 

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Das ist lustig genug. Leider nicht zu toppen.




Montag, 17. Februar 2020

Die Marathon-Frau

Teil 3 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Stefanie Auer, Die Grünen
Wenn sie einen Raum betritt, dann fällt sie auf. Im zweiten Stock im Schöffberger, einem kleinen Café nahe des Doms, ist das nicht anders. Als sie die Treppe raufkommt, fallen sofort ihre schlohweiß gefärbten Haare auf, die ihr Gesicht einrahmen wie ein Helm. Ihr roter Wams und die schwarzen Stulpenstiefel lassen die Frisur noch gleißender wirken, genau wie das schwarze Piercing in ihrem Lippenbändchen, das hervorblitzt, wenn sie lacht. 


Hier, zwischen Englisch sprechenden Studenten, Nierentischen und Prozellannippes an der Wand, wirkt die junge Frau zugleich fehl am Platz und genau richtig. Ein benachbarter Gast aus dem Steinweg, der gerade wieder einmal wahllos Leute anpöbelt, mustert sie von oben bis unten: "Hä, Prinz Eisenherz, gehst in Fasching?" Mitleidig sieht sie ihn an: "Mach kein Auge, Oida, Lachkick. Trigger mich nicht." Das ist Stefanie Auer von den Grünen, Passaus jüngste OB-Kandidatin.

Eine waschechte Passauerin ist die 33-Jährige. Das merkt man, wenn sie spricht. Am Donnerstag stand sie bei der großen Podiumsdiskussion mit ihren sieben Kontrahenten am Rednerpult. Auer und Christa Tausch waren dabei die Einzigen, die Bairisch geredet haben. „Das ist für mich ganz normal“, sagt sie. „So reden wir hier eben.“ (Anmerkung des Lektorats: Kann Jürgen Dupper auch Nicht-Bairisch reden oder war der nicht dabei?)

Ihre ganze Jugend hat sie in ihrer Geburtsstadt verbracht. Am Inn rumliegen, Zeugs rauchen, Bierdosen nach Nazis werfen oder Wände anschmieren – was man halt als Jugendlicher in der Kleinstadt so macht, wenn man sich gerne die Haare färbt und Frenula pierct. 

Nach dem Abitur entscheidet sie sich für den Journalismus. Leider landet sie bei der PNP.„Irgendwann“, schüttelt es sie, „habe ich mich aber gefragt: What the fuck...?“

Ab 2009 studiert sie Rechtswissenschaften in München. Das habe viel mit dem Journalismus gemein, findet sie: „Für den Journalismus kann man faul und doof sein, für Jura halt nicht mehr faul.“

Während des Studiums lernt sie ihren späteren Ehemann kennen, aber nicht in der Stadt, „sondern – ganz klassisch – auf einer Party“. Und zwar in Hengersberg. Beide einte von Anfang an ein Faible für die Musik, auch wenn es in diesem Fall eher seltsame Musik war: „Es lief 'Komm ma lecker unten bei mich bei' von Eisenpimmel in Endlosschleife. Wir haben dazu total eng getanzt und zärtlich geknutscht.“ Ihr Liebeslied lief dann sogar bei der standesamtlichen Trauung, „seitdem fahren Oma und Opa auf jedes Eisenpimmel-Konzert“.

Ein Jahr nach Studienbeginn kehrt sie als fertig ausgebildete Rechtsanwältin nach Passau zurück. In einer Partei ist sie da noch nicht. Ihr politisches Engagement beginnt erst, als 2016 ihre Hanfpflanze an saurem Regen stirbt und ihr ein wildfremder Mann in der Kneipe unaufgefordert die Tür aufhält. Da sei ihr klar geworden: „Ich muss mich engagieren.“

Nur dreieinhalb Jahre später wählen die Passauer Grünen sie zur OB-Kandidatin. „Genau das zeichnet uns aus“, findet Auer, „kaum sind die zwei alten Schlachtrösser und der Bärtige rausgebissen, fällt uns schon wieder neuer Quatsch ein.“

Anstrengend sei er schon, der Wahlkampf, auch der weitere Aufbau ihrer eigenen Kanzlei laufe derzeit nur „mit Handbremse“.

Doch Auer mache das nichts aus: „Ganz im Ernst: Wenn Sie Ihre Mutter im Gartenhäcksler geschreddert, 1,8 Millionen Steuern hinterzogen haben oder sich von Jeff Bezos scheiden lassen wollen, kommen Sie dann zu mir? Da gehen Sie doch zu einem richtigen Anwalt. Und von den ganzen Gratlern mit Prozesskostenhilfe kann ich nicht leben. Jetzt werde ich halt Oberinnenbürgerinnenmeisterin."

Auch daran, dass sie − 33 Jahre jung, Frau mit gefärbten Haaren – so gar nicht dem Klischee eines niederbayerischen Bürgermeisters entspricht, verschwende sie keine Gedanken. Das schlägt sich auch in einem ihrer großen Wünsche für Passau nieder: ein diverser, queerer, gegenderter, Pogo tanzender Stadtrat ohne alte Säcke. „Der Unterbau muss jünger und weiblicher sein“, fordert Auer. „Junge weiße Frauen statt alter schwarzer Männer – also ersteres natürlich auf die Haarfarbe und zweiteres auf die politische Ausrichtung bezogen," grinst Auer. "Warum engagieren sich ein Dickl oder ein Scheuer eigentlich nicht im Seniorenbeirat statt im Stadtrat?"

Das Gespräch ist beendet, Auers Arbeitstag geht weiter. „Jetzt geht’s erst mal zum Inn. YOLO!" Stefanie Auer braucht ihre Entspannungsphasen.



Sonntag, 16. Februar 2020

Mit Mannschaftsgeist zum Ziel

Teil 2 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Siegfried Kapfer, FWG (Fahrradfahrer, Wichtel, Gartenzwerge)

Steile Stufen führen zum FWG-Fraktionszimmer unters Rathausdach, zu einem Raum, den nicht einmal alle Verwaltungsmitarbeiter finden – und den auch niemand sucht. Unter der gewölbten Zimmerdecke reihen sich fein säuberlich beschriftete Aktenordner. Fußschellen, Elektroschocker, eine .357 Magnum und der Jungpolizistinnen-Kalender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) schmücken die Schreibtischecke, in der Siegfried Kapfer (63), Fraktionsvorsitzender, ehemaliger Kriminalbeamter und FWG-OB-Kandidat sein Dasein bei Wasser und Brot fristet.

Seinen abgewetzten Gummiknüppel – ein Geburtstagsgeschenk zum Vierzigsten – hat der Grubweger auf dem Konferenztisch in der Mitte des Raumes abgelegt. „Ich bin manchmal schon ein Hektiker, der Menschen schnell überzeugen möchte“, gibt er zu verstehen, gleichzeitig könne er ein „elendiger Sadist“ sein, sagt er lächelnd.

Schon als Kind spielte Kapfer, der schlanke Brillenträger mit der hohen Stirn, den raspelkurzen Haaren und dem Passauer Wolf am Revers, Fußball und Tischtennis, während seiner Zeit bei der Polizei kamen Handkanten- und Faustschlag hinzu. Bekannt ist er als Leichtathlet. Vor allem im Sprintbereich betrieb er Leistungssport und erreichte eine Bestzeit von 10,5 Sekunden auf 100 Meter – "oder auf 50, das weiß ich jetzt nicht mehr genau."

„Familie ist das Wichtigste für mich“, sagt Kapfer und schlägt ohne Vorwarnung mit dem Gummiknüppel einen Stuhl kurz und klein.

Geboren in Passau, wuchs er mit fünf Geschwistern in eher bescheidenen Verhältnissen in Thyrnau auf. Zurück aus russischer Kriegsgefangenschaft wählte Siegfried Kapfer die Polizeilaufbahn, wurde in Passau Kriminalbeamter. Jahrzehnte engagiert er sich in der Polizeigewerkschaft, mittlerweile wurde er zum Ehrenvorsitzenden im Kreis und im Bezirk ernannt. Die Ehrenurkunde von Letzterem hat ebenfalls einen prominenten Platz im FWG-Fraktionszimmer gefunden. „Ich habe mich für das Personal eingesetzt, etwa, .... Sagen Sie mal, sind Sie jetzt eingeschlafen? Das gibts doch nicht", ruft Kapfer und schlägt mir sanft mit dem Gummiknüppel auf die Schläfe. "Zuhören und mitschreiben – jetzt wirds erst interessant."

Er tritt als OB-Kandidat für die FWG an, weil man mit einem OB-Kandidaten in der Öffentlichkeit nun mal präsenter sei, flüstert Kapfer zögerlich. "Das hat aber gar nichts mit unserem hervorragenden Oberbürgermeister zu tun. Ich wähle natürlich nicht mich, sondern den Jürgen. Das können Sie ruhig schreiben. Nein, schreiben Sie das auf jeden Fall."

Die Fade-Winsler-Gemeinschaft ist Passaus älteste parteifreie Vereinigung – und nicht zu verwechseln mit Hubert Aiwangers Partei „Freie Wähler“, wie der OB-Kandidat betont. 1977 trat er der Gemeinschaft bei. 2008 wurde er erstmals in den Passauer Stadtrat gewählt. 2009 wurde er FWG-Vorsitzender, nachdem es aus geriatrischen Gründen bei der FWG keine Alternative gab.

Wieso er sich politisch engagiert? Kapfer überlegt, beugt sich über den Tisch, faltet die Hände, legt dann doch die rechte über die mit der silbernen Armbanduhr. „Wissen Sie wie fad Polizeiarbeit ist? Und was Langweiligeres als Leichtathletik gibts ja auch kaum. Da waren doch der Feuerer und der Schürzinger noch spannender. Gibts den eigentlich noch? Ja, früher wars schöner. Jetzt haben wir auf einmal Leute bei uns, die sind noch nicht einmal in Rente. Einen haben wir dabei, der sieht aus wie der Pumuckl, nachdem ihn ein Postauto überfahren hat, der plakatiert mir die ganze Stadt zu."

Die politische Arbeit mache ihm trotzdem noch Spaß. Nicht immer gehe es dabei allerdings um weltbewegende Themen. „Für manche Bürger ist es wichtig, einen eigenen Laufschlauch zu bekommen oder einen Kunstrasenplatz. Das kriegen die dann auch von mir.“

Und so äußert sich Kapfer öffentlich auch nur dann zu Themen, wenn er dazu auch wirklich etwas zu sagen hat. So hat es zumindest Oberbürgermeister Jürgen Dupper formuliert, als er zum 60er gratulierte, erinnert sich Kapfer und lacht. "Ich sag einfach immer das, was der Jürgen sagt – da liegst Du nie verkehrt."

„Es ist aber immer wichtig, alle Bürger mitzunehmen und niemanden abzuhängen. Die, die uns wählen, können nämlich meistens nicht mehr so gut laufen“, sagt er, seit seiner Kindheit selbst Mitglied im Seniorenbeirat.


Freitag, 14. Februar 2020

Die Ruhe selbst

Teil 1 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Urban Mangold, ÖDP

Die Schokoladenseite der Stadt mit Dom und Innpromenade kann er beim Blick aus dem sogenannten „Ruhezimmer“ genießen, Kloster Mariahilf, wenn er aus dem Küchenfenster schaut. „Ja, wir wohnen gern hier“, stellt Urban Mangold fest, der nicht nur ein "Ruhezimmer", sondern im Keller auch noch ein "Lachzimmer" hat. "Da gehe ich zwei- bis dreimal im Jahr runter und kichere vor mich hin – zum Beispiel wenn ich im Rathaus wieder mal den Chef geärgert oder beim Mensch-Ärgere-Dich-Nicht gegen meine Frau gewonnen habe."

So gern, dass der 57-Jährige, der seit 2008 2. Bürgermeister der Stadt Passau ist, kein Bedürfnis hat, groß zu verreisen. „Ich saß noch nie in einem Flieger“, erzählt er ohne Umschweife. „Das ist mir viel zu kompliziert – wann muss man sich anschnallen, wann muss man klatschen, was macht man, wenn man angekommen ist? Außerdem gibts im Flieger keine Bio-Milch, sondern nur Tomatensaft“, schickt er hinterher und blickt fragend zu seiner Frau, die am antiken Esstisch Platz genommen hat. „Wann waren wir das letzte Mal weiter weg? Ich glaube, es war 2015 in Freinberg. Da wollte ich eigentlich nach Hals, aber habe mich verlaufen“, gibt er sich selbst die Antwort. „Dass mich niemand falsch versteht“, ergänzt Mangold, während er die randlose, akkurat geputzte Brille zurechtrückt: „Ich will keineswegs den Zeigefinger erheben, niemanden maßregeln, der mal mit der Bahn 2. Klasse ins Allgäu fährt. Aber ich persönlich brauche das eben nicht. Vergnügungen, Spaß oder Horizonterweiterungen waren noch nie mein Ding.“

Wie schaut der Alltag eines 2. Bürgermeisters aus? „Ich komme wegen der vielen Veranstaltungen und Sitzungen meist erst gegen 15 Uhr nach Hause. Deshalb gehe ich es morgens ruhiger an. Aber spätestens um elf heißt es: raus aus den Federn“, erzählt Mangold. Ruhiger bedeutet: Frühstück um halb zwölf und dann ab ins Rathaus. Natürlich zu Fuß. "Ich bin achtmal durch die Führerscheinprüfung gefallen, weil ich mich geweigert habe, den Zündschlüssel umzudrehen. Beim Starten werden nämlich am meisten Schadstoffe hinausgeblasen", weiß Mangold. 

OB für Passau dagegen, das wäre sein Wunschziel. Denn die Arbeit als Bürgermeister macht ihm Spaß, „wenngleich vieles einfach zu langsam vorwärts geht. Da würde ich als Oberbürgermeister sehr schnell einiges ändern. Also "werde" wollte ich sagen. Ich fürchte zwar, dass ich es im ersten Wahlgang nicht packe, aber in der Stichwahl klappts dann ziemlich sicher. Das hat mir die Gottesmutter gesteckt, als ich kürzlich auf dem Bauch die Wallfahrtsstiege hochgerobbt bin."

Bis auf die ausgedehnten Waldspaziergänge, Mikado und Leute nerven bleibt Mangold wenig Zeit für Hobbys. Früher hat er leidenschaftlich gerne Keyboard in verschiedenen Bands gespielt, angefangen von Rockwerk Orange, Total Lokal bis Deep Purple Revival Band. Er war ein sehr guter Keyboarder im Rockbereich von Passau, wissen Zeitzeugen. "Irgendwann kam eine Anfrage von Ritchie Blackmore. Ich sollte Jon Lord ersetzen. Aber da hätte ich ja fliegen müssen", zuckt er mit den Schultern.
Er atmet tief durch und meint: „Wenn ich Zeit habe, entspanne ich am liebsten.“ Gerne zieht er sich dazu ins „Ruhezimmer“ zur Zeitungslektüre zurück. Na ja, mit der Ruhe ist das so eine Sache. Denn neben dem roten antiken Sofa steht auf einem knallroten Plexiglas-Tischchen ein Morsegerät und ein Funkgerät. „Wenn ich die Stadtverwaltung anfunke, komme ich schon mal bei einem rumänischen Trucker raus“, erzählt Mangold belustigt.

Aber es hat schon was, der CB-Funk trägt bewusst zum Entschleunigen bei. Ach ja, und wenn es wirklich eilig ist, gibt es ja noch das Handy. Obwohl, noch nicht sehr lange im Hause Mangold. „Bis August 2019 habe ich mich erfolgreich dagegen gestemmt“, denn alle seiner verstorbenen Bekannten sind an Handystrahlung gestorben. „Das gibt von diesem verbrecherischen Ärzte-Mobilfunkanbieter-Kartell bloß keiner zu", hat Mangold feststellen müssen.


Sonntag, 9. Februar 2020

Exklusiv auf Wahlinfo-Passau: Die nächsten AS-Titelthemen

16. Februar:

Schrecklicher Verdacht. Ist Putzke Sachse?

23. Februar:

Foto beweist: Putzke hilft Oma von AfD-Wähler über die Straße.

01. März:

Jetzt reichts! Putzke verteidigt Kriminelle vor Gericht.

08. März:

Schäbig! Steiner und Putzke werden Dickl nicht wählen (wahrscheinlich).

15. März:

Jetzt ist es raus: Steiner und Putzke planen Angriffskrieg.

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Wen Sie in fünf Wochen wählen wollen und sollen und wen Sie auf keinen Fall wählen dürfen, erfahren Sie demnächst ausschließlich auf Wahlinfo-Passau und natürlich in der Am Sonntag. Und auf Facebook natürlich.

Donnerstag, 16. Januar 2020

Medizinische Fakultät: Entscheidung pro Waldkirchen verärgert Grafenau

Ein neuer Regierungsbezirk und Behörden verteilt auf den ganzen Freistaat: Mit überraschenden Strukturplänen wartete Ministerpräsident Markus Söder am Mittwoch in Seeon auf. Konkret handelt es sich um eine neue Medizinische Fakultät in Waldkirchen.

Waldkirchen - "Das ist der Hammer"

Die Stadt hat sich unter anderem gegen Passau durchgesetzt – die Uni-Stadt war des Öfteren für eine Medizinische Fakultät im Gespräch gewesen, gerade auch, weil es dort mehrere Ärzte gibt. Selbst Waldkirchens Bürgermeister Heinz Pollak hatte einst beim Frühstück mit seiner Frau Passau als Sitz für eine Medizinische Fakultät erwähnt. Dass die Fakultät nun sogar in "seine" Stadt kommen soll, kann er kaum fassen, als die PNP ihn gestern telefonisch erreicht und die freudige Botschaft überbringt: "Das ist ja der Hammer, dann wird mein Hausarzt Ordinarius!"

Passau: "Waldkirchen eine nachvollziehbare Wahl"
OB Jürgen Dupper würdigte in einer kurzen Stellungnahme die Entscheidung: "Es ist schön, dass es künftig auch eine Medizinische Fakultät für den Regierungsbezirk Niederbayern gibt. Wir finden, dass Waldkirchen unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten eine nachvollziehbare Wahl ist."

Freude in Waldkirchen, Verärgerung in Grafenau
Was in Waldkirchen Freude auslöste, sorgte in Grafenau für Verärgerung: Die Grafenauer Bürgermeister reagieren "sehr verärgert und mit Unverständnis", wie sie in einer gemeinsamen Pressemitteilung schrieben: "Wenn wir jetzt nicht mindestens einen Forschungsreaktor oder die Dritte Startbahn kriegen, dann staubts."

Samstag, 4. Januar 2020

Der Felsen

1. Januar 2020, 0 Uhr 55. Der Passauer Oberbürgermeister serviert seinen Gästen in seinem Wohnzimmer gerade erlesenste Digestifs, als das Telefon klingelt.

Telefon: Ring, ring.

OB (schaut auf die Uhr): Same procedure as every year. Das ist sicher der Dittlmann, weils Rathaus brennt. (lacht laut)

Telefon: Ring, ring.

OB (zu seiner Frau): Geh Du hin.

Dem OB seine Frau: Dupper, hallo?

Stimme: Dittlmann, Frau Dupper, entschuldigens die Störung. Ich müsste – ja tatsächlich auch diese Nacht – dringend den Oberbürgermeister sprechen.

Dem OB seine Frau: Jürgen, der Dittlmann ist dran.

OB: Ha?

Dem OB seine Frau: Der Dit – tell – mann.

OB: Sog amoi, hat der a Rauchvergiftung? Gib her... Ja, Herr Dittlmann, ich weiß schon – das Rathaus brennt. Ha ha. Seit wann sind Sie witzig? Das ist übrigens überhaupt nicht witzig. Nur weil Ihnen fad ist, müssen Sie nicht Andere in der Silvesternacht inkommodieren.


Dittlmann: Ihnen auch die besten Wünsche, danke. Darf ich jetzt?

OB: Wenn nicht mindestens das Rathaus brennt – nein, dürfen Sie nicht. Eine schöne Nacht noch, lassen Sie sich Ihren Kamillentee schmecken.

Dittlmann: Felssturz. Anger. Der Fels blockiert komplett den Anger und die Nordseite Hängebrücke. Vollsperrung B 12 und B 388.

OB: Ja, dann räumts ihn halt weg. Wenn Sie es mit Ihren Leuten selber nicht schaffen, holts halt das THW dazu. Oder nehmts a paar Chinaböller – da drüben darf man ja. Herrgott, Dittlmann, bin ich der Stadtbranddings oder Sie?

Dittlmann: Sagen wir so. Der Felsen hat geschätzt 50 Kubikmeter. Wenn man jetzt die ungefähre Dichte von so einem Felsen kennt, dann reden wir da von schlappen 140 Tonnen. Ich würde mir das anschauen als Oberbürgermeister... Vor allem zweieinhalb Monate vor der Wahl.

OB: 15 Minuten.

1. Januar 2020, 1 Uhr 25. Zahlreiche Schaulustige haben sich auf der Hängebrücke und am Anger rund um einen riesigen Felsen versammelt, der mitten zwischen Hängebrücke und Ludwigsteig liegt.

OB: Habe die Ehre, Herr Dittlmann. Ich nehm alles zurück. Danke für den Anruf.

Dittlmann: Passt scho.

OB: Personenschaden?

Dittlmann: Seh ich das, wer da alles drunter liegt?

OB: Hörens jetzt mal auf, witzig zu sein. Dafür hab ich jetzt die Nerven nicht.

Steiner (zu einem Feuerwehrmann): Jetzt lassen Sie mich endlich durch, ich bin OB-Kandidat. (zum OB:) Haben Sie es mit den Nerven, Herr Oberbürgermeister?

OB: Oh mei. Sie sind auch überall, gell. Hab gar nicht gewusst, dass Sie bei der Feuerwehr oder beim THW sind... Oder sonst irgendeine wesentliche Position hätten...

Steiner: Das ist wieder typisch für Ihre Politik und Ihr Krisenmanagement. Wir haben hier einen Katastrophenfall und Sie pöbeln rum.

OB: Der Stadtbranddings und ich entwickeln gerade Lösungen – wenn uns die ganzen Gaffer dabei nicht stören.

Steiner: Ich bin ganz Aug und Ohr.

Junge Frau: Lassen Sie mich durch, ich bin OB-Kandidatrix. Sehr gut, jetzt haben Sie es endlich geschafft mit Ihrer brutalen Abholzerei.

OB: Wer isn des? 

Dittlmann: Keine Ahnung. Trixi oder so hats gesagt.

Steiner: Das spricht wieder für Ihre Überheblichkeit, Herr Oberbürgermeister. Dass Sie Ihre Gegenkandidaten nicht kennen, bzw. vorgeben, nicht zu kennen. Das ist die OB-Kandidatin der Grünen, Frau ... äh...

Junge Frau: Auer. Stefanie Auer.

OB: Freut mich, grüß Gott. (zu Steiner:) Darf ich Ihnen Frau Auer vorstellen, Herr Steiner?

Mann mit Glatze: Lassen Sie mich durch, ich bin OB-Kandidat.

OB sieht Dittlmann fragend an.

Dittlmann (zuckt mit den Schultern): Schrägi oder Schrägli oder so. (flüstert:) AfD.

OB winkt mitleidig ab.

Kräftiger Mann mit Brille: Lassen Sie mich durch, ich bin OB-Kandidat. 

Dittlmann (zischt): Der Linke. Ilzdampfer oder so.

Mann mit Glatze: Typisch für diese BRD GmbH. In China wär der Stein schon weg.

Ilsanker: Ja genau. Da würden jetzt die vielen Kinderchen mit den kleinen Hämmerchen kommen.

Tumult an der Absperrung. Bei einem Handgemenge geht ein Feuerwehrmann zu Boden.

Tausch: Loß mi durch, Du Krischperl, sonst leg i Da oane auf. I bin OB-Kandidatin. 

OB: Um Gottes Willen. Mir bleibt nichts erspart.

Tausch: Oh leck, wia schaudsn do aus? Is des a Meteorit? 

Dittlmann: Ein Felsen. (flüstert:) Christa, hau halt nicht immer gleich zu. Es ist Wahlkampf.

Tausch: Ja, scheiß drauf. Und der Herr Oberbürgermeister? Steht do und warnt vor Aktionismus, oder? Schaut ned so aus, als wenn hier wos passiert.

Steiner: Sehr gut, Frau Kollegin, ich bin jetzt seit geraumer Zeit hier und der Herr Oberbürgermeister wartet ab, bis der Fels – ja was? – erodiert wahrscheinlich.

Koopmann: Jetzt lassen Sie mich sofort durch. Ich bin OB-Kandidat und Ruinen-Retter. 

Mangold: Und mich auch. Ich bin OB. Also noch nicht, aber ist ja nicht mehr lang hin. Ich verlange eine sofortige Zählung der in Mitleidenschaft gezogenen Bäume und eine unverzügliche Wiederaufforstung im Hang. Außerdem ist das Haus da bei der Ampel beim Felssturz beschädigt worden und hat meiner Meinung nach Denkmalcharakter. 

Koopmann: Sehe ich genauso. Absolut schützenswert. Ich beantrage ein sofortiges Gutachten.

OB: Sagens amal, Herr Dittlmann – das sind wirklich alles OB-Kandidaten?

Dittlmann: Ja. Und noch nicht einmal alle.

OB: Was???

Kapfer: Grüß Gott beinand, servus Jürgen. Was machen wir? Soll ich ein paar Leute von der LG holen? Dann rollen wir den Kiesel weg.

Dittlmann (zu Dupper): Der ist auch OB-Kandidat.

OB: Wie viele sind das jetzt?

Steiner: Genug, Herr Oberbürgermeister. Genug für Sie, bzw. genug für die Stichwahl.

Mangold (strahlend): Genau.

Steiner (lächelt): Die Bürger wählen bestimmt einen in die Stichwahl, dessen Hauptthemen zwei verfallene Häuser, ein Klohäusel an der Ortspitze und Biomilch für die Passauer Schulkinder sind.

OB (grinst): Na dann, dann wünsche ich Euch allen viel Erfolg. Wenn der Sozialist und der Reichsbürger miteinander 20 Prozent holen, dann klappts auch sicher mit der Stichwahl. Und wenn jetzt zu den unzähligen OB-Kandidaten noch sämtliche Passauer Ehrenring- und Bundesverdienstkreuzträger hier auftauchen, können wir locker das Steinderl in die Donau schmeißen.

AS-Mann: Lassen Sie mich durch, ich bin Journalist.

Steiner: Was ist der?

AS-Mann: Journalist bei der AmSonntag.

Steiner: Ach so, AmSonntag. Erst hab ich Journalist verstanden.

AS-Mann: Herr Oberbürgermeister, wie ich sehe, haben Sie die Lage absolut im Griff.

OB: Ja klar, vielen Dank im Voraus für die Berichterstattung. (flüstert:) Und noch mal herzlichen Dank für das Interview nach Weihnachten. Top!

AS-Mann: Kann ich nur zurückgeben. Tolle, fundierte Antworten.

OB: Ah na. Ich hab das gesagt, was ich immer sage. Ihre Fragen waren super. So viele Angriffe gegen den politischen Gegner machen wir im ganzen Wahlkampf selber nicht. Aufrichtigen Dank.

Steiner: Da können Sie sich wirklich bedanken. Dass ein (zeichnet mit je zwei Fingern beider Hände zwei Anführungszeichen in die Luft) JOURNALIST bei einem Interview in einer (hebt den rechten Zeigefinger hoch) FRAGE die Politik der Passauer CSU als Steilvorlage für Kabarettisten und als unseriös bezeichnet, ist schon Journalismus vom Feinsten.

Tausch: Leck, ja. Des war der Abschuss. Und in einer anderen Frage hat er die Thunberg ein "armes, bedauernswertes Mädchen aus Schweden, das stets betont, man habe ihr die Kindheit gestohlen" genannt. (Boxt dem AfDler in die Rippen) Gell, Schrägi, nach der Machtergreifung gibts nur noch solchen Journalismus.

Ilsanker: Wo ist denn eigentlich der Obersturmbannführer? Oder sitzt der schon?

Mann mit Glatze: Ach, haltets doch den Mund, Ihr Systemlinge. Herr Oberbürgermeister, Herr Dittlmann, Sie haben das gehört. Das war eine schwere Beleidigung gegen einen Kameraden.

OB und Dittlmann winken ab.

Ilsanker: Das ist interessant, dass Sie glauben, zu wissen, wen ich gemeint habe.

Träger: Lassen Sie mich durch, ich bin Bürgermeisterin.

Mangold, Koopmann, Grüne: Noch.

Mann mit Glatze (singt): Unsre Erika fliegt mitm Flieger nach Südfrankreich und Spanien und noch weiter. Unsre Erika fliegt mitm Flieger nach Südfrankreich, unsre Erika ist ne alte Umweltsau.

Träger: Wer isn der Depp?

Alle: Egal.

Träger: Servus, Jürgen. Weil wir in der Vergangenheit so gut zusammengearbeitet haben, wie auch hoffentlich zukünftig, hab ich mir gedacht, ich komm vorbei und helf Euch ein bisserl.

OB (nickt): Danke, Erika. Wie denn?

Träger: Ich könnt den Verkehr regeln.

Dittlmann: Hier kommt doch keiner vorbei.

Ein kleiner durchtrainierter Mann mit einem Baseball-Cap mit Aufdruck EMU springt auf einem Skateboard über die Absperrung und kommt direkt zwischen den OB-Kandidaten zum Stehen.

OB: Ah, noch ein OB-Kandidat. Oder – nein, doch nicht.

Steiner: Servus Holm, seit wann fährst Du Skateboard? 

Putzke: Ich habs mir gestern in zwei Stunden selbst beigebracht. (Grinst) Street Credibility – Du verstehst. Ist außerdem ein schöner Ausgleich zu Iron Man, MMA und der Vorbereitung meiner Sammelklage für die Indianer, Aborigines und Herero.

OB: MMA? Mann mit Aufmerksamkeitssucht?

Putzke: Mixed Martial Arts. (Boxt mit der blanken Faust gegen den Felsen, dass ein fußballgroßes Stück herausbricht.) Das geht alles über Ihren Horizont hinaus, Herr Oberbürgermeister.

OB (schlägt mit der Handkante gegen den Felsen, dass sich ein langer Riss bildet): Vorsicht, Bürscherl.

Putzke: Ich komme übrigens gerade aus der Innstadt. Ich bin über eine Stunde von der Polizei aufgehalten worden und durfte die Brücke nicht passieren. Wenn ich herausfinde, dass Sie da dahinterstecken, zeige ich Sie an. Nötigung, möglicherweise Freiheitsberaubung, weil es sich bei der Innstadt im Falle einer Brückensperrung faktisch um eine deutsche Exklave handelt.

Flisek: Jetzt lassts mich halt durch. So wichtig wie die da alle bin ich auch grad noch. Spitzen-Idee, Herr Putzke. Sie haben überhaupt viele gute Ideen zur Zeit. Das siebzehnmalige Nachtarocken im Skater-Streit – so was mögen die Leute, das bringt Stimmen. Wobei – das mit der Emerenz-Meier-Universität war jetzt Ihr Meisterstück als Kommunalpolitiker.

Steiner: Nur weil Ihr nie, wirklich nie, irgendwelche Ideen habt. Was wird hängenbleiben? Dass man diskutiert, dass die Passauer Uni nach einer Frau benannt wird. Und wer hat die Idee gehabt? Professor Holm Putzke. Ihr Kleingeister.

Putzke: Danke, Georg, man muss provozieren, sonst passiert nichts.

Flisek: Wie wärs denn mit Helene-Fischer-Universität? Die hat zwar auch nicht studiert, war aber immerhin mit einem Tiefenbacher zusammen. Oder wir nennen sie einfach Medizin-und-Medien-Universität. Self fulfilling prophecy – wenn zwei, drei Leute hier verstehen, was das heißt.

Putzke: Und was hat das jetzt mit meiner Frauennamenidee zu tun, wenn ich fragen darf?

Tausch (prustet): MUMU! Ich brech zamm, ist des geil.

Flisek: Dito.

Träger: Seids amal stad. Alle!

Alle schweigen und schauen Erika an.

Träger: Merkts Ihr was?

Alle schauen sich schweigend um.

OB: Der Verkehrsminister ist leider nicht da.

Träger: Des mein ich nicht.

Dittlmann: Ziemlich leise ist es. Und das mit dem Felsen hat sich wohl rumgesprochen, weil kein einziges Auto mehr herfährt.

Träger: Genau. Den Felsen schickt uns der Himmel. Lass man liegen.

Mangold: Von mir aus.

Koopmann: Gern.

OB: Also lass man liegen, den Felsen. Was meint der Herr Stadtbranddings?

Dittlmann: Welchen Felsen?

Alle ziehen lächelnd und schweigend von dannen.


Dienstag, 31. Dezember 2019

Liebe Leser!

Leider verzögert sich die Weihnachts-/Jahreswechselgeschichte wegen Erkrankung des Präsidenten noch ein wenig. Sollte er die Erkrankung überstehen, erscheint die Geschichte sicherlich in den nächsten Tagen.

Wir wünschen einen schönen Abend und ein gutes Neues Jahr!