Samstag, 28. März 2020

Heute mal ohne Satire

Nachdem ja jetzt zum Einen die drei Hochbegabten von der AmSonntag beschlossen haben, Satire zu produzieren und der Präsident zum Anderen von vielen Lesern gebeten wurde, eine Wahlanalyse abzugeben, soll nun einmal so etwas in der Art versucht werden.

Was ist passiert? Vor einem halben Jahr hätte sich wohl kaum ein Passauer – der Oberbürgermeister und seine SPD eingeschlossen – vorstellen können, dass es im März ohne Stichwahl abgeht. Nicht wenige liebäugelten mit einem Wechsel und Steiner war nach der ursprünglichen Belustigungspersonalie Dickl ein immerhin ernstzunehmender Herausforderer. Steiner war entschlossen, geradezu enthusiastisch und entwickelte eine ziemliche Dynamik. Selbst Leute, die noch nie im Leben CSU gewählt haben, dachten mal kurz über Georg Steiner als Oberbürgermeister nach.

Wenige Monate später war Game over – und zwar nicht erst am 15. März, sondern schon einige Wochen vorher. Also – was ist passiert? Natürlich sollte man kurz erwähnen, dass OB Dupper so ziemlich alles richtig gemacht hat. Steiner und seine Sekundanten haben hingegen – sagen wir mal – nicht alles ganz richtig gemacht. Aber was wirklich alle – auch langjährige Politikbeobachter – brutal unterschätzt hatten, war die Bösartigkeit und die Macht der Parteifreunde und des Schmierenjournalismus. Insofern braucht man sich, will man das Wahlergebnis verstehen, nicht mit der SPD beschäftigen. ÖDP, Mangold – geschenkt, war klar. Für die Grünen gilt zur Zeit, was früher für die CSU galt: Hätten sie 44 Salatgurken aufgestellt, wären es auch nicht weniger Sitze geworden. Also sollte man sich mit der CSU beschäftigen.

Steiner hatte – wenn wir wieder an die anfänglich aufkeimende Wechselstimmung zurückdenken – kein gutes Ergebnis. Die CSU holte neun Sitze, drei weniger als vorher: ein ziemlich schlechtes Ergebnis – vorsichtig formuliert. Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die CSU bayernweit mit minus 5,4 % (in Passau minus 5,7 %) das schlechteste Kommunalwahlergebnis seit kurz nach dem Krieg hatte, die Passauer CSU allerdings 2014 vier Sitze (minus 7,8 %) verlor, während die CSU bayernweit nahezu keinen Verlust hatte. Somit ist der ungeschlagene Wahlverlierer in Prozentpunkten immer noch der damalige Kreisvorsitzende Waschler. Soviel mal zu den harten (sehr harten) Fakten.

Ich mache das jetzt mal wie die AmSonntag und behaupte ohne Namens- und Quellenangabe: Viele langjährige und eingeweihte Beobachter sind sich einig, dass diese Wahl wieder (ohne die Fehler von Steiner und Putzke unter den Tisch zu kehren) großteils von Waschler und seinen willigen, gedemütigten, auf Rache sinnenden Helferlein verloren wurde – und zwar mit System und voller Absicht. Das aktivste Wahlkampfteam für den amtierenden OB waren der Strippenzieher und Dickl and Friends. Steiner hat verloren, die CSU hat verloren, Waschler hat wieder einmal gewonnen und Dickl wahrscheinlich auch. Dem Scheuer ist das zwar alles ziemlich wurst, was in diesem Provinzkaff passiert, er unterschreibt aber vorsichtshalber mal einen Brief – weil eins kann er, der Andi: immer wissen, auf welcher Seite man gerade stehen muss.

So viel Obstruktion und Zerstörung schafft man allerdings nicht, wenn man nur im Haustürwahlkampf Stimmung gegen Steiner macht, da braucht man schon noch die Medien dazu. Und die waren nicht nur willig, die waren richtig heiß. Also zumindest die drei Wortakrobaten, die jetzt im sechswöchigen Corona-Zwangsurlaub mit Dartpfeilen auf Putzke-Fotos werfen. Da war kein Mittel zu schmutzig, kein Thema zu primitiv und keine Ehrverletzung zu abstoßend. Tenor: Der hinterlistige Zuagroaste hat bei uns nichts verloren. Nur für die Chronik: Solche Sachen haben die echt geschrieben. Selbst nach der Wahl konnte man sich das Nachtreten nicht verkneifen und bildunterschriftete: "So sehen Verlierer aus." Wer über ein solch ethisches Grundgerüst verfügt, scheut sich auch nicht, Hetzleserbriefe mit Fake-Namen (Ja, Du, Samuel) zu veröffentlichen. Hinrichtungsjournalismus at its best.

So war das also. Und kaum ist das Ganze mit der neuen CSU vorbei, scharren schon die von der ganz neuen CSU mit den Hufen. Ein Hybrid aus Gewerkschafter und CSUler, ein politisch Diverser also, namens Zwacklmann, der bis dato nur durch Peinlichkeiten auffiel, erklärt heute in der PNP allen die Welt. Aufgepasst, Dickl, der positioniert sich. Kreisvorsitzender von irgendeiner Sekte ist er auch schon. Zwacklmann, geh Du voran.








Sonntag, 15. März 2020

Newsticker zur Kommunalwahl in Passau

Achtung! Der Newsticker aktualisiert sich nicht automatisch. Bitte aktualisieren Sie über Ihren Browser.

20.52 Uhr

Hiermit verabschieden wir uns von unseren Lesern. Das ist uns zu langweilig. Küsschen.

20.25 Uhr

Interessant: Die beiden Kandidaten, die am häufigsten durchgestrichen wurden, haben gemeinsam dreimal den Buchstaben "O" im Nachnamen. Mehr Informationen sind aus Gründen des Wahlgeheimnisses nicht erlaubt.

20.03 Uhr

Dupper bleibt Oberbürgermeister in Passau. Mangold hat sich im Weinkeller eingeschlossen.

18.46 Uhr

Mangold wird Oberbürgermeister. Söder verhängt Ausgangssperre für Passau.

17.47 Uhr

Die ersten Auswertungen der von der CSU-Altstadt entwendeten Stimmzettel liegen vor. Bemerkenswert ist zunächst, dass selbst erfahrene Kommunalpolitiker am komplizierten Wahlsystem scheitern.

So hat ein amtierender Stadtrat ungültig gewählt, weil  er sich selbst 44 Stimmen gegeben, bei zwei Kandidaten seiner eigenen Liste in Druckbuchstaben Schimpfworte notiert und den Stimmzettel mit Vor- und Zunamen sowie der Bezeichnung "Bürgermeisteranwärter" unterschrieben hat.

17.37 Uhr

Wir begrüßen Sie aus dem Wahlstudio von Wahlinfo-Passau. Im Moment ist es in der Innenstadt von Passau ziemlich ruhig. Es laufen lediglich ein paar Untote herum und fressen Spaziergänger.






+++ Eilmeldung +++ Eilmeldung +++ Eilmeldung

Exklusive Einblicke und Ergebnisse demnächst auf Wahlinfo-Passau

(Passau) Nachdem uns von der "WhatsApp-Gruppe CSU-Altstadt" die von ihr heute Nacht aus dem Rathaus entwendeten Briefwahl-Stimmzettel zugespielt wurden, wird Wahlinfo-Passau im Laufe des Abends exklusiv Hochrechnungen und Ergebnisse veröffentlichen. Der Präsident hat mittlerweile natürlich alle gestohlenen Stimmzettel wieder im Rathaus abgegeben.

Eine Warnung der Internet-Polizei:

Achtung! Eine gefährliche Betrügerorganisation versucht als Trittbrettfahrer von der Berühmtheit des Präsidenten zu profitieren. Sie nennt sich wahl.info. Meiden Sie unbedingt diese Website. Es handelt sich um Phishing. Man will Ihren Verstand und Ihre Seele stehlen.


Wahlinfo-Passau erklärt: Wie geht Humor? Teil 2

Heute: Satire

Definition: Kunstgattung (Literatur, Karikatur, Film), die durch Übertreibung, Ironie und [beißenden] Spott an Personen, Ereignissen Kritik übt, sie der Lächerlichkeit preisgibt, Zustände anprangert, mit scharfem Witz geißelt.

Bekannte Publikationen: Simplicissimus, Titanic, AmSonntag

Beispiel (Eberle, AS): "Verkehrs"-Experte, ha ha ha, (Sex-)Tourismus, ha ha ha, Pipi Kacka, ha ha ha! Huren! Huren! Ha ha ha! Ficken! Ficken! Zuagroaster!!! Bruahaha!!!



Dienstag, 10. März 2020

Wahlinfo-Passau erklärt: Wie geht Humor?

Heute: Die Zote (auch AS-Humor)

Beispielswitz:

Warum schreibt in der AS die Artikel über Puffs der Eberle und nicht der Daiminger?

Weil der Daiminger die Nationalität der Nutten nicht kennt.

Bruahaha!

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Ergänzung: Auf vielfachen Wunsch der gegenständliche Artikel




Freitag, 6. März 2020

Müsste machbar sein

Teil 8 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Jürgen Dupper, SPD

Was soll ein Oberbürgermeister sein: Macher und Moderator, Erneuerer und Bewahrer, Gestalter, Verwalter, Baumeister, Finanzgenie und noch so viel mehr. Alles und nichts davon ganz will Jürgen Dupper sein: "Es reicht mir, Machiavellist zu sein." Er hat eine ausgeprägte Etiketten-Allergie, wenn er seine Auffassung von diesem Amt erklären soll. Ein Etikett mag er am allerwenigsten: Visionär.

„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen oder nach Linz oder dahin, wo der Pfeffer wächst.“ Noch einmal sagt Dupper diesen seinen Satz, der ihm von Kritikern vorgehalten wird. Ein OB, der partout keine Vision von Passau haben will? „Was für Kritiker? Ich habe keine Kritiker und ich habe keine Gegner“, herrscht er den Interviewer an. "Oder wie mein Ur-Ur-Großonkel Niccolo Machiavelli gesagt hat: 
Die Menschen sind entweder liebenswürdig zu behandeln oder unschädlich zu machen, denn wegen geringfügigen Unrechts rächen sie sich." Er ist überzeugter Anhänger von Zuckerbrot und Peitsche oder wie er es nennt: "Händeschütteln und Einschüchterung." Das allerdings beherrscht er wie kein Zweiter. "Wissen Sie," grinst Dupper, "ich habe da einen Blick, den übe ich zuhause vor dem Spiegel. Da machen sich der Mangold und der Dickl regelmäßig in die Hose. Oderint dum metuant, wie wir Wasserballer sagen. Sollen sie mich hassen, Hauptsache, sie fürchten mich."

Jeder OB, davon ist der Amtsinhaber überzeugt, will das Beste für Passau. "Aber können tut's halt keiner außer mir." Dupper lächelt jetzt zufrieden und verschränkt die Arme. "Schauen Sie sich doch einmal diese sogenannten Herausforderer an. Leichtmatrosen, Wichtigtuer, Claqueure und Weiber. Die ignoriere ich ja noch nicht einmal." Er muss lachen und schlägt sich auf die Schenkel. "Stellen Sie sich doch einmal diese Grüne oder den Strahlenparanoiker mit der Amtskette des Oberbürgermeisters vor. Das ist doch, wie wenn Sie einem Zwergpinscher ein Bernhardinerfass umhängen." Und was hält er von seinem CSU-Herausforderer Steiner? Dupper zuckt mit den Schultern. "Steiner? Nie gehört. Ich kenne keinen Steiner."

Mit Marketingsprüchen ist in der Kommunalpolitik nichts zu bewegen, sagt Dupper. Er formuliert den Ansatz seines politischen Handelns trotzdem plakativ: „Divide et impera! Das ist auch von Onkel Niccolo. Du musst Posten, Löschfahrzeuge und – so weh es mir selber tut – manchmal auch Watschen verteilen, Du musst Gruppierungen spalten – dann kannst du sauber und ungestört durchregieren."

Der Machterhalt liegt Dupper nah, der Machtverlust fern. „Ich stelle mir da Fragen: Was wäre, wenn es ein Anderer macht? Was wird dann aus Passau?" Er rauft sich schnaubend die Haare. "Ja, was wird dann aus Passau? Ein Wald ohne Handyempfang? Eine Innenstadt in Gelsenkirchener Barock? Oder eine hässliche Industriestadt, in der die Leute den ganzen Tag Torte mit Ribiselmarmelade fressen und Almdudler saufen?"

Geboren 1961, verbringt Jürgen Dupper die ersten zwanzig Jahre in der Bronx von Passau. Er hat eine größere Schwester, einen jüngeren Bruder und eine „sehr glückliche, wunderbare Kindheit“, die großteils im Freien stattfindet, weil Jürgen schon damals für Drinnen zu groß war. Im Kindergarten St. Josef gefällt es Jürgen weniger. "Ich habe immer alle Pausenbrote von den Kindergartengenossen aufgegessen und hatte trotzdem noch schrecklichen Hunger."

In der Schule läuft es deutlich besser. Wegen seiner Größe wird er zum Dauer-Tafeldienst, wegen seiner furchteinflößenden Kraft zu allem gewählt, was er wollte – das ist sein Weg in die Politik. Er interessiert sich bereits damals dafür, irgendwann Oberbürgermeister oder wenigstens Bundeskanzler zu werden und geht 1980 zur SPD, dann auch zu den Jusos, weil es bei der Jungen Union einen gab, der noch größer und noch bärtiger war als Dupper.

1990 wird Dupper für die SPD in den Stadtrat gewählt. "Ich habe ziemlich schnell begriffen, wie das hier läuft und dass der Haufen großteils aus Dampfplauderern, Minderbegabten und minderbegabten Dampfplauderern besteht. Da wusste ich endgültig, dass es nicht so schwer sein kann, den Laden irgendwann zu übernehmen." 2008 ist es dann so weit – wegen mehrerer Alkoholvergiftungen bei Wahlhelfern im Wahllokal Sailerwöhr und den damit verbundenen Auszählungsfehlern wird Jürgen Dupper Oberbürgermeister von Passau.


OB von Passau, der schönste Beruf der Welt also, gibt es denn Schöneres? „Als Bub wollte ich Kaiser von China werden“, sagt Jürgen Dupper. „Aber da musst Du Dich dauernd mit dem Nationalen Volkskongress rumärgern, da hab ich's hier schöner.“






Samstag, 29. Februar 2020

Zeit für eine(n) Tausch?

Teil 7 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Christa Tausch, FDP
Wo sie hintritt, wächst kein Gras mehr. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, spricht ununterbrochen und zusammenhangslos, verdrischt gern Leute, rauft am liebsten im Wirtshaus: Christa Tausch, FDP-OB-Kandidatin und Neustifter Meister im Freistilringen.

Sie bezeichnet sich selbst als recht zufriedenen Menschen. „Das strahle ich auch aus, glaube ich. Bei mir ist das Glaserl immer mindestens halbvoll. Spätestens dann wird nachgeschenkt.“ Sie kann austeilen und einstecken, ist oft impulsiv. „Manchmal bin ich wie..., wie eine Rakete – nein, eigentlich bin ich ein Vulkanausbruch!“, beschreibt sie sich selbst, lacht dann aber so, dass draußen vorm Fenster die Kühe umfallen. Auch ihre Mama kann nicht an sich halten. „Ein Vulkanausbruch“, brüllt sie und schüttelt laut lachend den Kopf, dass die Gläser aus den Regalen purzeln. „Meine Lache habe ich von ihr“, entschuldigt Tausch amüsiert. „Meine Größe vom Papa und die unbändige Kraft, seit ich als kleines Mädchen in ein Fass Zauberstarkbier gefallen bin.“

Der „Tausch-Clan“, wie die hochgewachsene OB-Kandidatin mit der Löwenmähne ihre Familie nennt, hält zusammen. Mit ihrem Bruder wuchs die 49-Jährige in Neustift auf, die beiden finanzierten sich bereits ihre Kindergartenzeit mit Schutzgelderpressung und Bare-Nuckle-Boxkämpfen.

Nach dem Besuch der Volksschule Neustift – sie liegt vom Elternhaus nur einen Hinkelsteinwurf entfernt – und dem Wechsel nach Niedernburg, wo Tausch Abitur machte, absolvierte sie ein Studium für den gehobenen Verwaltungsdienst. "Ich wollte irgendwas Langweiliges machen, weil lustig bin ich selber." 25 Jahre arbeitete sie im Passauer Rathaus als Verwaltungsoriginal, zuletzt schaffte sie es bis zur Ober-Nervensäge des Oberbürgermeisters. Bis, ja bis ihr das „Kompetenzgerangel“ zu viel wurde, sagt sie, "der OB hat einfach meinen Führungsanspruch nicht akzeptiert." Da wechselte Tausch nach Künzing. "Der Bürgermeister dort frisst mir aus der Hand. Wenn ich nur die Augenbrauen hochziehe, fängt er an zu stottern. Wenn ich die Hand hebe, versteckt er sich unterm Schreibtisch." Tauschs Lachen erreicht jetzt Stärke 6 auf der Richterskala.

Parteifrei sitzt sie seit 2014 für die Grünen im Stadtrat. In diesem Jahr dann der überraschende Wechsel zur FDP. "Überraschend? Was soll da überraschend sein? Da muss man ja schon sehr verzweifelt sein, wenn man mich zur OB-Kandidatin macht. So kam nur die FDP in Frage."

Von Grün zu Gelb, geht das so leicht? „Alles geht, wenn man nur das richtige Leck-mich-am-Arsch-Gefühl hat“, findet Tausch. „Und was mich auszeichnet, ist, dass es mir grundsätzlich wurscht ist, was die Anderen denken.“

Als Oide-Dult-Fan und Schatzmeisterin im Goaßmaß-Förderverein bezeichnet Tausch v.a. die Kultur als ihr „Steckenpferd“. „Im Bereich Kultur passiert einfach zu wenig. Wir brauchen viel mehr Dulten. Das zu ändern ist u.a. ein Grund für mich, Oberbürgermeisterin zu werden.“ Sie wäre die erste Frau an der Stadtspitze. Ob dazu schon die Zeit reif ist? „Jawohl. Es ist  Zeit für eine Dult-Bürgermeisterin“, verrät die OB-Kandidatin ihren Wahl-Slogan.

Auf Plakate an den Straßenrändern verzichtet sie. „Nur weil ich von einer Laterne lächle, wählt mich doch niemand. Bevor ich ein Plakat hinbigg’, geh’ ich lieber ins Wirtshaus, setz die Leute unter Druck. Wenn ich im Westen nicht mindestens 50 Prozent kriege, foit der Watschenbaum um“, mahnt sie mit erhobenem Finger.




Dienstag, 25. Februar 2020

Historiker, Stadtfuchs,... Bürgermeister?

Teil 6 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Matthias Koopmann, PaL

In der Wohnung von Matthias Koopmann steht Matthias Koopmann. Frisch ist er nicht mehr, die Arme hängen schlapp herab und verdecken fast den Degen, der an seinem Gürtel baumelt. Kein Wunder, die besten Jahre sind ja schon eine Weile vorbei. Koopmann lächelt und zuckt entschuldigend mit den Schultern. „Ich musste mich heute Nacht mal wieder an ein Haus ketten.“ Denn als Ruinenretter gebe es eben unheimlich viel zu tun.

Dass der gebürtige Gelsenkirchner, der Passau seit 25 Jahren seine Heimat nennt, im malerischen Lindental lebt, passt zu ihm. Der Neubau, in dem er wohnt, eher nicht. Zu Koopmann, Jahrgang 1935, passen doch eher Ruinen. Hartnäckiger und lautstärker als er setzt sich wohl keiner in der Stadt für verfallene Hütten ein. 

Doch in der Wohnung zeigt sich schnell, wes Geistes Kind der Kulturhistoriker ist: Die Wände, die noch nicht von Bücherregalen voll mit Büchern wie "Die drei Musketiere", "Die Jungens von Burg Schreckenstein" oder "Die 120 Tage von Sodom" sind, ziert Kunst. Er zeigt sie gerne her, seine Schätze, und wenn er – hochgewachsen, nackenlange Haare unterm Helm, in seiner Wohlfühl-Ritterrüstung – durch seine Behausung führt, wirkt er wie ein Ritter der Kokosnuss, der gerade von seiner Therapiesitzung kommt. An der Wand steht das erste Wandelbild des Isenheimer Altars, das er erst kürzlich bei einem spektakulären Einbruch aus dem Museum Unterlinden in Colmar entwendet hat.

Seine Liebe zur Kunst und zum Zeichnen habe er mit fünf Jahren entdeckt. Einer seiner vielen Onkel habe ihn einmal zum Spazierengehen ausgeführt, auf eine Burg. Und die hat der kleine Matthias dann gezeichnet. Das Ergebnis fand Gefallen – allerdings nur bei ihm. "Das ist oft so bei mir. Ich finde immer alles ziemlich gut, was ich mache. Nur leider...", bricht er nachdenklich ab.

Heute zeichne er nur noch ab und an, manchmal küsse ihn sogar im Stadtrat die Muse, „wenn ich wieder mal kein Wort von dem verstehe, was die Anderen reden und das ist oft“. Die Liebe für die Kunst aber, die blieb. Genau wie sein Faible für alte Gebäude.

Sein erstes Denkmal habe er als 14-Jähriger gerettet, erzählt er stolz. „Da sollte ganz in der Nähe ein alter Verteilerkasten abgerissen werden.“ Also startet er als Gymnasiast eine Petition und legt sich mit dem Bürgermeister an. „Der war übrigens auch SPD-ler, wie hier“, sagt Koopmann bedeutungsschwanger. Und tatsächlich: Der Verteilerkasten steht heute noch und hat sogar einen Namen bekommen: Fools Memorial.

Nach dem Abitur studiert er in Bochum und Bonn Renitenz und Querulanz. Nach dem Magisterabschluss – „mit Auszeichnung“, betont er – beginnt er 1992 seine Promotion zum Dr. rer. contra. Dann kommt ihm Passau in die Quere. Gekommen war er damals, 1995, eigentlich nur, weil er gehört hatte, in Passau wolle man den Dom abreißen und ein Parkhaus bauen. Das stellte sich aber als ein von der Gelsenkirchener Bürgerschaft gestreutes Gerücht heraus, um ihn loszuwerden. 

Schnell macht sich der junge Kulturhistoriker einen Namen als Nervensäge in der Stadt. 2001 macht er sich als historisch-kultureller Dienstleister mit seinen kostümierten Stadtführungen selbstständig. Der „Stadtfuchs“ war geboren.

2002 kandidiert er für den Stadtrat – und wird versehentlich reingewählt. Seit 18 Jahren sitzt er nun im Gremium rum.

Obwohl er nun schon so lange in der Politik mitmischt, ein „politischer Mensch“ im landläufigen Sinne sei er nicht. „Ich interessiere mich für den ganzen Quatsch eigentlich gar nicht, aber ich kann ja nicht den ganzen Tag nur mit Stulpenstiefeln rumlaufen“, sagt er, im Gegensatz zu denen, die er etwas verächtlich als „Berufspolitiker“ bezeichnet.

Und doch lässt er sich zum OB-Kandidaten der Passauer Liste wählen. Warum? „Keine Ahnung. Fragen Sie mal einen Narzissten, warum er tut, was er tut.“ 

Fühlt er sich denn noch als Gelsenkirchner oder nur noch als Passauer? „Ganz klar: Ich bin Passauer“, sagt Koopmann. „Und zwar schon seit...“ – er blickt auf, fast erschrocken. „Das sind ja jetzt genau 25 Jahre! Silberhochzeit in wilder Ehe!“ 

Er schäumt vor Begeisterung als ihn ein Geistesblitz trifft. Er holt seine Wahlkampf-Visitenkarte, legt sie auf den Tisch und deutet auf den Slogan. „Feindliche Übernahme“ steht da. „Das fällt mir jetzt erst auf. Genau das war ein Buchtitel von Thilo Sarrazin.“ Er muss lachen. „Das wird dem Herrn Dupper sicher gefallen.“ Oder wahrscheinlich eher ziemlich egal sein.




Donnerstag, 20. Februar 2020

Der gibt keine Ruhe

Teil 5 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Georg Steiner, CSU

Georg Steiner ist ein Störenfried. "Das ging schon in der Schule los", kichert Steiner, "nachdem ich beim Völkerball immer als letzter in die Mannschaft gewählt wurde und als erster ausgeschieden bin, wollte ich zumindest Klassensprecher werden." Als das im ersten Anlauf nicht klappte, erklagte er sich vorm Verwaltungsgericht die Absentenheftführung, weil er nachweisen konnte, dass er als Einziger nie krank war. "Im Jahr drauf war ich dann vorbereitet", erzählt Steiner, "da habe ich kurz vor der Klassensprecherwahl ein Mailing mit Zettelchen unter der Bank organisiert, in der Pause eine Runde Bienenstich ausgegeben, dem Amtsinhaber Rizinusöl in die Caprisonne getan und dann, während der arme Kerl austreten war, die Wahl knapp gewonnen." Steiner schüttelt sich vor Lachen. "Für diese Volte hat mir der Schulleiter meinen ersten Ehrenprofessor verliehen."


Er kann keine Ruhe geben. Steiner hat den Job als Klassensprecher bekommen. Er hat immer jeden Job bekommen, auch wenn das gar kein geplantes Ziel war. Platzanweiser bei den EW, Stadtführer und immer wieder Direktor. „Wenn ich beseelt bin, mache ich alles, vom Handtaschenmodel bis zum Tourismusdirektor. Geld ist dabei keine Motivation – Hauptsache Direktor!“

Anders in der Politik. Da landete Georg Steiner nicht immer auf dem Platz, den er gern gehabt hätte. Das führte ebenfalls zu Veränderung, für ihn und vor allem für seine Gegenspieler. Dass der Passauer CSU 1990 das Amt des Oberbürgermeisters aus den Händen glitt, hatte damals noch nichts mit einem gewissen Gerhard W. zu tun, der erst später sein Scherflein zu legendären Wahlniederlagen beitragen sollte. Viel mehr freilich mit der CSU als Chaostruppe selbst. 

Die Geschichte ist oft erzählt und lange her: Steiner durfte damals bei der CSU nicht für den Stadtrat kandidieren, weil er wieder irgendwo Direktor und seinen "Parteifreunden" schon damals klar war, dass er binnen kürzester Zeit die Partei an sich ziehen und umkrempeln würde. Also gründete er die "Neue Steiner-CSU" (damals Bürgerliste), wurde mit ihr von der Stadtratswahl 1990 ausgeschlossen, erklagte die Wahlwiederholung 1992, zog dabei für die Bürgerliste in den Stadtrat ein und erhielt den zweiten Ehrenprofessor für seine Verdienste um das kommunale Störenfriedtum und zwar summa cum laude.  Wie lange das her ist, zeigt sich daran, dass sich außer Steiner und dem Verfasser dieser Zeilen kein Mensch mehr daran erinnert.

Er ist längst in Frieden zur Partei zurückgekehrt, wurde 2014 mit einem Sprung von Listenplatz 15 auf 9 erneut Stadtrat, diesmal für die CSU, und übernahm später auch den Kreisvorsitz. Da war es dann mit dem Frieden auch schon wieder vorbei. Ob man es als Kalten Krieg bezeichnen kann, was da aktuell in der CSU passiert? "Mei, Kalter Krieg, ich bin im Kalten Krieg aufgewachsen und das war eigentlich eine recht harmonische Zeit im Vergleich..."

„Ich bin kein Berufspolitiker“, stellt Steiner fest. "Ich bin Macher von Beruf. Wenn ich in die Politik gehe, will ich Chef sein. Und wenn es bei der Wahl im März nicht reicht, klage ich den Mangold halt weg. Der ist ja nicht mal Professor. Holm hat da schon eine 700-seitige Klageschrift für den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vorbereitet. Ich bin da sehr zuversichtlich – hat ja immer geklappt."

Georg Steiner ist ein großer Eishockey-Fan: "Keine Ahnung, worum es da geht. Ich habe ja Völkerball schon nicht kapiert. Aber mit Eishockey kann man super den OB ärgern." Er spielt Posaune, gründete in Heining die Bläsergruppe, hat eine Ehrenprofessur in Kirchenmusik. Seine größte Freude ist bis heute seine Handtaschensammlung. Als der Vater für die ostbayerische Stromversorgung nach Passau ging, waren die fünf Steiner-Geschwister Passauer und speziell Heininger geworden. "Ich sag immer: Man bringt den Mann raus aus Heining, aber Heining nicht raus aus dem Mann."


Auf Managementseminaren hat er gehört, dass es wichtig ist, dreimal am Tag "Tschakka" zu rufen. Das glaubt er nicht: "Dschingis Khan hat gesagt: Nicht ewig freut man sich der Ruhe und des Friedens, und doch ist Unglück und Zerstörung nicht das Ende. Wenn das Gras vom Steppenfeuer verbrannt wird, sprießt es im Sommer wieder aufs neue." Steiner blickt mich durch die Brille verschwörerisch an: "Und dieser Mann hatte es nicht nur mit ein paar durchgeknallten Ortsverbänden zu tun."

Mittwoch, 19. Februar 2020

Oberbürgermeister für Passau Steiner

... wird sich noch ein bisschen hinziehen...

Dienstag, 18. Februar 2020

Die Schwachen liegen ihm stark am Herzen

Teil 4 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Josef Ilsanker, Die Linken

Er hat enorm abgenommen, argumentiert mit geschliffener Rhetorik, trägt meistens Schwarz, betont den sozialen Schwerpunkt seiner Politik, hat keinen Studienabschluss und schaffte es trotzdem in ein Parlament – Grüß Gott, Herr Dupper?

Nicht ganz. Josef Ilsanker (44) weist viele Parallelen zum amtierenden Oberbürgermeister auf, das stimmt. Aber der Chef der Passauer Linken ist weit davon entfernt, eine Kopie des Ober-Sozialdemokraten zu sein. 

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Das ist lustig genug. Leider nicht zu toppen.




Montag, 17. Februar 2020

Die Marathon-Frau

Teil 3 der PNP-Serie über die Passauer OB-Kandidaten – Heute: Stefanie Auer, Die Grünen
Wenn sie einen Raum betritt, dann fällt sie auf. Im zweiten Stock im Schöffberger, einem kleinen Café nahe des Doms, ist das nicht anders. Als sie die Treppe raufkommt, fallen sofort ihre schlohweiß gefärbten Haare auf, die ihr Gesicht einrahmen wie ein Helm. Ihr roter Wams und die schwarzen Stulpenstiefel lassen die Frisur noch gleißender wirken, genau wie das schwarze Piercing in ihrem Lippenbändchen, das hervorblitzt, wenn sie lacht. 


Hier, zwischen Englisch sprechenden Studenten, Nierentischen und Prozellannippes an der Wand, wirkt die junge Frau zugleich fehl am Platz und genau richtig. Ein benachbarter Gast aus dem Steinweg, der gerade wieder einmal wahllos Leute anpöbelt, mustert sie von oben bis unten: "Hä, Prinz Eisenherz, gehst in Fasching?" Mitleidig sieht sie ihn an: "Mach kein Auge, Oida, Lachkick. Trigger mich nicht." Das ist Stefanie Auer von den Grünen, Passaus jüngste OB-Kandidatin.

Eine waschechte Passauerin ist die 33-Jährige. Das merkt man, wenn sie spricht. Am Donnerstag stand sie bei der großen Podiumsdiskussion mit ihren sieben Kontrahenten am Rednerpult. Auer und Christa Tausch waren dabei die Einzigen, die Bairisch geredet haben. „Das ist für mich ganz normal“, sagt sie. „So reden wir hier eben.“ (Anmerkung des Lektorats: Kann Jürgen Dupper auch Nicht-Bairisch reden oder war der nicht dabei?)

Ihre ganze Jugend hat sie in ihrer Geburtsstadt verbracht. Am Inn rumliegen, Zeugs rauchen, Bierdosen nach Nazis werfen oder Wände anschmieren – was man halt als Jugendlicher in der Kleinstadt so macht, wenn man sich gerne die Haare färbt und Frenula pierct. 

Nach dem Abitur entscheidet sie sich für den Journalismus. Leider landet sie bei der PNP.„Irgendwann“, schüttelt es sie, „habe ich mich aber gefragt: What the fuck...?“

Ab 2009 studiert sie Rechtswissenschaften in München. Das habe viel mit dem Journalismus gemein, findet sie: „Für den Journalismus kann man faul und doof sein, für Jura halt nicht mehr faul.“

Während des Studiums lernt sie ihren späteren Ehemann kennen, aber nicht in der Stadt, „sondern – ganz klassisch – auf einer Party“. Und zwar in Hengersberg. Beide einte von Anfang an ein Faible für die Musik, auch wenn es in diesem Fall eher seltsame Musik war: „Es lief 'Komm ma lecker unten bei mich bei' von Eisenpimmel in Endlosschleife. Wir haben dazu total eng getanzt und zärtlich geknutscht.“ Ihr Liebeslied lief dann sogar bei der standesamtlichen Trauung, „seitdem fahren Oma und Opa auf jedes Eisenpimmel-Konzert“.

Ein Jahr nach Studienbeginn kehrt sie als fertig ausgebildete Rechtsanwältin nach Passau zurück. In einer Partei ist sie da noch nicht. Ihr politisches Engagement beginnt erst, als 2016 ihre Hanfpflanze an saurem Regen stirbt und ihr ein wildfremder Mann in der Kneipe unaufgefordert die Tür aufhält. Da sei ihr klar geworden: „Ich muss mich engagieren.“

Nur dreieinhalb Jahre später wählen die Passauer Grünen sie zur OB-Kandidatin. „Genau das zeichnet uns aus“, findet Auer, „kaum sind die zwei alten Schlachtrösser und der Bärtige rausgebissen, fällt uns schon wieder neuer Quatsch ein.“

Anstrengend sei er schon, der Wahlkampf, auch der weitere Aufbau ihrer eigenen Kanzlei laufe derzeit nur „mit Handbremse“.

Doch Auer mache das nichts aus: „Ganz im Ernst: Wenn Sie Ihre Mutter im Gartenhäcksler geschreddert, 1,8 Millionen Steuern hinterzogen haben oder sich von Jeff Bezos scheiden lassen wollen, kommen Sie dann zu mir? Da gehen Sie doch zu einem richtigen Anwalt. Und von den ganzen Gratlern mit Prozesskostenhilfe kann ich nicht leben. Jetzt werde ich halt Oberinnenbürgerinnenmeisterin."

Auch daran, dass sie − 33 Jahre jung, Frau mit gefärbten Haaren – so gar nicht dem Klischee eines niederbayerischen Bürgermeisters entspricht, verschwende sie keine Gedanken. Das schlägt sich auch in einem ihrer großen Wünsche für Passau nieder: ein diverser, queerer, gegenderter, Pogo tanzender Stadtrat ohne alte Säcke. „Der Unterbau muss jünger und weiblicher sein“, fordert Auer. „Junge weiße Frauen statt alter schwarzer Männer – also ersteres natürlich auf die Haarfarbe und zweiteres auf die politische Ausrichtung bezogen," grinst Auer. "Warum engagieren sich ein Dickl oder ein Scheuer eigentlich nicht im Seniorenbeirat statt im Stadtrat?"

Das Gespräch ist beendet, Auers Arbeitstag geht weiter. „Jetzt geht’s erst mal zum Inn. YOLO!" Stefanie Auer braucht ihre Entspannungsphasen.