Montag, 13. Mai 2013

Pause mit lustig

Zum Tode Max Stadlers

Ich muss gestehen, ich war sehr lange sehr skeptisch, was den Politiker Max Stadler betraf. Er war mir nie unsympathisch, aber zum einen
hege ich eine gewisse Grundskepsis Berufspolitikern gegenüber, zum anderen entsprach diese Juristen-Donaldisten-Schachspieler-Jeden-Tag-eine-gute-Tat-Persönlichkeit genau dem Bild des in Berlin herumwurstelnden Politikers, das ich mir über Jahre so zurecht gelegt hatte.

Als ich Max Stadler – den ich bis dato nur flüchtig kannte – irgendwann vor einigen Jahren zufällig traf und er mir offenbarte, was er doch für ein begeisterter Leser von Wahlinfo-Passau sei, fühlte ich mich einerseits geschmeichelt, andererseits blieb die Skepsis, dass er mich nur bremsen, wenn nicht vereinnahmen wollte. Ich dachte, er wolle mich gnädig stimmen, um mich in meinen Kommentaren seiner Person und seiner Partei gegenüber zu besänftigen.

Ich habe mich ein bisschen getäuscht.

Heute weiß ich, dass Max Stadler natürlich der große Pragmatiker, gerissene Taktierer und geniale Diplomat war, als den ihn viele Eingeweihte auch gesehen haben. Aber er war ein Diplomat im positivsten Sinne. Er mochte meine teilweise grenzwertigen Satire-Spinnereien, aber er mochte auch seine Heimatzeitung, der er fast täglich Futter lieferte. Dies war für ihn kein Gegensatz. Er wusste, dass viele Menschen gerne die Abenteuergeschichten des Staatssekretärs aus Schalding, Berlin, Brüssel und Budapest lesen und freute sich gleichwohl, dass ein Internet-Blog wie Wahlinfo-Passau solcherlei gerne ins Lächerliche zieht.

Er war diesbezüglich erhaben. Und in seiner ganzen ehrlichen (!) Bescheidenheit war er doch so souverän, dass er tatsächlich Meinungen von
ganz links bis ganz rechts, von Nord, Süd, Ost und West, von klug bis saublöd, freundlich analysierte, kommentierte und gerne auch einmal ohne
jegliche Überheblichkeit, Aggressivität (war ihm ganz fremd) und Zeigefinger weise in Einklang brachte oder auch ad absurdum führte.

Dann habe ich ihn noch in Berlin erlebt. Er hat mir SEIN Ministerium, SEINEN Bundestag und SEINE Plenumssitzung gezeigt, wo er auf der Regierungsbank saß. Er war sehr stolz, auf das, was er tat. Aber es war ein höchst sympathischer Stolz. Er mochte das, was er tat. Er war kein Selbstdarsteller, er war ein überzeugter Diener der Res Publica. Er hat bis spät in die Nacht gearbeitet und er kannte keinen Stress. Er liebte diesen Job.

Noch eine Anekdote zum Schluss. Am interessantesten wird es immer nach Mitternacht.  Ich war ein paar Mal bei ihm in Berlin. Veranstaltung, Party, lustiges Beisammensein. Linke, Grüne, Journalisten, die natürlichen Feinde der FDP – und alle versöhnlich bis freundschaftlich. Max Stadler war ein integratives Genie. Oder wie es, am allerschönsten, die Süddeutsche schreibt: ein feiner Mensch.

Karl-Heinz Hasenöhrl

Kommentare:

Cassiel hat gesagt…

Einen Nachruf in einem satirischen Blog zu schreiben ist gewiss ein Drahtseilakt. Dass der Autor diese Blogs es dennoch getan hat, liegt sicherlich an der besonderen Prsönlichkeit Max Stadlers. Ich habe Max Stadler nur jeweils kurz in verschiedensten Umgebungen kennenlernen dürfen, mal ein Handschlag, mal ein Lächeln. Seine Integrität und seine offensichtliche Freude am Beruf konnte er immer auch in wenigen Augenblicken transportieren.

Seinen Angehörigen wünsche ich viel Kraft für die nächste Zeit und seinen politischen Weggefährten ein gutes Erinnerungsvermögen an einen offensichtlichen Profi seines Metiers.

Korbinian Faltner hat gesagt…

Ja, der Satz sag alles, weil er alles beinhaltet.
Max war ein feiner Mensch.

Johannes Flörsch hat gesagt…

Max Stadler ist tot. Er starb eine Woche nach Max Seiler, und genau wie er starb er völlig überraschend.

Von unserem Garten aus konnten wir den Seiler Max beim Rasenmähen sehen, Max Stadler sah ich zumeist, wenn er auf seinen Heimatbesuchen mit seinem Sohn den Wirtsgarten gegenüber besuchte.

Man kannte sich, wie man sich als Nachbarn kennen kann, wenn der eine ständig auf Montage ist, ob als Fernfahrer, als Monteur oder als MdB. Am Samstagabend haben wir uns beim Florianifest unserer Feuerwehr noch über die Tische hinweg gegrüßt.

Heribert Prantl charakterisiert Max Stadler: „Ein feiner Mensch!“ Er hätte das auch über Max Seiler schreiben können. Der kleine, bescheidene Ort Schalding war beiden Heimat.

So normal, dass Menschen sterben – so furchtbar, wenn es soweit ist.

Wolfgang Weitzdörfer hat gesagt…

Bislang einer der wenigen Beiträge, die ich hier gerne gelesen habe. Denn die Satire hier war zumeist eine eher hasserfüllte. So wirkte es zumindest. Umso angenehmer, dass ich, nach meinem Fortgang aus Passau, eine so schöne Überraschung hier zu einem so traurigen Anlass zu lesen bekomme. Danke hierfür. Schönen Gruß!

Cityblogger hat gesagt…

@Wolfgang Weitzdörfer

Klar, daß Sie Beiträge hier ungern gelesen haben, waren Sie doch selbst Mitglied der Truppe, die uns immer wieder schmunzeln oder auch nur ungläubig staunen ließ. Daß Sie desertiert sind (oder wurden, weiß ich nicht) spricht ja offensichtlich Bände.
Wenn Sie hier aber von "haßerfüllt" sprechen, kann ich nur antworten, Beruf verfehlt, setzen, sechs. Oder kommt da etwa Neid durch, daß jemand etwas nebenberuflich um Längen besser kann als man selbst hauptberuflich?

Wenn überhaupt von "Haß" auf die regionale Monopolpresse die Rede sein kann, dann sind es die aus der Kapuziner Straße verbreiteten Parolen.....

Schramö hat gesagt…

@ Cityblogger

1. Haben viele in diesem BLOG Schwierigkeiten die Passauer Straßennamen richtig zu schreiben. Sie gehören auch dazu. Richtig: Kapuzinerstraße

2. Gebe ich Ihnen RECHT.

3. Weitzdörfer erfreut jetzt die Leser des Burghauser Anzeigers.

Wolfgang Weitzdörfer hat gesagt…

Klasse bewiesen, hier im Nachruf. Sogar mit Pseudonym, alle beide. Chapeau! Der Mut zur Lücke bekommt eine ganz neue Dimension!
Egal, denn viel lieber wäre es mir, wenn Sie Ihre Namen nennen würden, ansonsten ist eine Diskussion auf Augenhöhe nämlich nicht möglich.
Auch nicht von Burghausen aus.
Und übrigens bestenfalls auch nicht hier. Weil: nicht der geeignete Ort.
Vielleicht können Sie ja meine Mail-Adresse recherchieren - keine Sorge: ist nicht schwer -, dann können Sie mir all das mitteilen, was Sie so stört. An dem, was ich schreibe. An dem, was ich geschrieben habe. Oder auch daran, was ich in Zukunft schreiben werde.
Ich wette gerade mit mir selbst, ob ich wohl auf ewig werde warten müssen.

wahlinfo-passau hat gesagt…

Hallo Herr Weitzdörfer,

genau, nicht der passende Ort. Gerne sonstwo und sonstwann.

Danke und bis bald
KHH