Samstag, 26. März 2016

Passend zu Ostern – endlich auch in der PNP

Regretting motherhood (oder: Wo Hausfrauen stille Genugtuung finden)

PNP, 26. März 2016, Seite 40, Bauernteil

Hausfrauen-Psychologie

Der Mensch ist ein Jäger und Sammler. Doch in Zeiten, in denen das Beutetier

eingeschweißt in der Kühltheke liegt und die Früchte gepflückt und entsteint in der Obstabteilung, muss er andere Gelegenheiten finden, seine Instinkte auszuleben. Zum Beispiel indem er mit Körbchen bewaffnet durch den heimischen Garten pirscht, im erbitterten Nahrungswettbewerb mit der lieben Verwandtschaft um bunte Eier und Schoko-Hasen.
Nur eine sucht nicht: Mutti. Sie muss sich wieder mal um alles kümmern, denn der moderne Jäger und Sammler lässt sich gern bedienen. Was das ganze Jahr über fürs Kochen, Putzen und Einkaufen gilt, ist auch beim österlichen Event-Suchen nicht anders. So steigt die Mutti in der Dämmerung, während die Familie noch eingemummelt in den warmen Betten liegt, mit Morgenmantel und Stirnlampe durch den Garten und versteckt die Beute-Eier im Gestrüpp, auf dem Baum, hinter der Gießkanne. Und wissend, dass ihre Liebsten, vom Ur-Instinkt gepackt, gar nicht anders können, als mit Feuereifer zu suchen, denkt sie sich heuer ein ganz besonderes Versteck aus.


Wie die Heuschrecken schwärmen die nichts ahnenden Verwandten aus. Mit gierigen Fingern ist der Garten schnell abgegrast, die Körbe sind gefüllt und wer doch vor lauter Ostern die Eier nicht sieht, dem hilft das mütterliche Sonar liebevoll auf die Sprünge: „Warm, warm, wärmer, kaaalt, wärmer, uh heiß, heiß!“ Wenn dann die satte Meute wieder dem Haus zustrebt, zündet Mutti Motivationsstufe zwei: „Ein Nesterl fehlt noch.“ Das Rudel stockt – der Ur-Instinkt von Neuem erweckt. Die Kinder pflügen unter der Thujenhecke entlang, der Vater versinkt bis zur Schulter in der Regenwassertonne, der Onkel steckt kopfüber im Rhododendron, der Opa versucht’s mit Rasterfahndung und schleicht im Karree über den Rasen. Vergeblich. Bald knurren die Mägen nach dem Festtagsessen, doch Mutti legt noch einmal nach – mit umgekehrter Psychologie: „Soll ich euch sagen, wo es ist? Ihr findet es ja nie!“ Das lässt der Stolz freilich nicht zu. Der Mittag verstreicht, die Verwandtschaft irrt immer noch durchs Grün, leise fluchend, auf der Suche nach diesem einen letzten Osternesterl, dass (Schreibweise im Original) Mutti nie versteckt hat. Und so findet auch die Hausfrau an Ostern noch etwas im Garten: stille Genugtuung.  


Sabine Kain
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Ein Kommentar zur Oster-Woche der Kampfzeitung des KS folgt.

 

Kommentare:

Königstreuer hat gesagt…

Oha, die Sonntagsbeilage von Wahlinfo-Passau. Wie schön!
Jetzt fehlt nur noch ein Rezept für den Osterbraten.

wahlinfo-passau hat gesagt…

Erstens ist heute KARsamstag, Sie Antichrist. Und zweitens weiß ich kein Rezept gegen diesen Satansbraten.

PNP-Leser hat gesagt…

Der Präsident muss gar nichts schreiben, wie man sieht, können das die PNP-Mitarbeiter ohnehin viel besser. Den Hinweis auf die Originalschreibweise hätte es gar nicht gebraucht oder kennen sie bei der PNP - abgesehen von Ernst Fuchs - jemand, der dass und das unterscheiden kann?

Königstreuer hat gesagt…

Seit es die deutsche Sprache gibt ringen manche mit den Wörtern "dass" und "das". Was ist schon Originalschreibweise? Die neue, die alte oder der Mischmasch? Wenn sich Germanisten und die, die sich dafür halten, schon nicht einigen können, dann muss es einem kleinen Schreiberling erlaubt sein, aich mal "dass" und "das" zu vertauschen. Sinnentstellend ist der Tausch in der Regel nicht.

PNP-Leser hat gesagt…

Dass sich Germanisten bei der Unterscheidung von dass und das nicht einigen könnten ist mir neu. Außerdem war das nie Bestandteil einer Änderung in der Rechtschreibung. Aber was solls.

Königstreuer hat gesagt…

Doch, war es. Früher schrieb man "dass" mit "ß" heute mit "ss". Und im Übrigen sind Germanisten ganz liebe Menschen, die mit viel Mühen und noch mehr Akribie unsere Rechtschreibreform durchkneteten. Wünsche allseits einen guten Start in die Woche.

Anonym hat gesagt…

Darf ich mal ganz blöd fragen, warum der Präsident denn diese Glosse in seinen Blog kopiert hat? Dieser Text ist doch nicht völlig unwitzig, und um die Illustration einer Rechtschreibschwäche dürfte es ja nicht gegangen sein, denn dazu gibt es doch Besseres (bzw. Schlechteres).

wahlinfo-passau hat gesagt…

Sind Sie das, Mutti?

Königstreuer hat gesagt…

WER IST MUTTI ?

wahlinfo-passau hat gesagt…

Die Hausfrau mit der Genugtuung.

Anonym hat gesagt…

Unabhängig vom Inhalt: Finde es nicht richtig, hier ein Foto der Autorin auf dem Blog zu veröffentlich. Urheberrecht? Persönlichkeitsrecht?

wahlinfo-passau hat gesagt…

Schmarrn. Das Foto war so beim Kommentar in der PNP.

Anonym hat gesagt…

Gerade eben auf Facebook gefunden: Perlen des Lokaljournalismus

http://www.wortport.de/saetze-wie-in-stein-gemeisselt/

PNP-Leser hat gesagt…

Da hat ein gewisser JF wieder mal Reklame für seinen Blog gemacht, auf dem tut sich wohl noch weniger als hier. Aber zur Aufklärung: Die Mitarbeiter sind meistens so gut wie die Bezahlung. Und die ist für die Online-Redakteure der PNP ziemlich mies....
Das Wochenblatt zahlt für redaktionelle Online-Arbeit angeblich gar nichts. Da versteht man man Überschriften wie:
Spiegel:
Österreicher enteignen Hitler-Geburtshaus

wortport.de hat gesagt…

@PNP-Leser: das ist richtig! Ein „gewisser JF“ macht tatsächlich auf Facebook Werbung für seinen Blog und seine Dienste. Und ich danke Ihnen, dass Sie den Blog ebenfalls erwähnen.

Abgesehen davon: Ich zitiere die PNP, weil sie wunderbares Anschauungsmaterial liefert für das, wie man es nicht machen sollte: Beispiele aus dem real life für meine Schreibseminare.

Achtung, Werbung: Falls Sie mehr Fundstücke lesen wollen, besuchen Sie meinen Blog, und tragen Sie oben rechts das Suchwort „PNP“ ein. Herzlichen Dank, eine schöne Woche!

johannes flörsch

Anonym hat gesagt…

Lieber Herr Präsident!

In Sachen Nordtangente halten Sie sich bisher noch vornehm zurück. Dabei ist jetzt die entscheidende Phase!

Ich hoffe, dass der Präsident - und viele andere - am Samstag, 16. April, in den Klostergarten (Stadtmitte) kommt, um bei der Kundgebung gegen diesen Wahnsinn dabei zu sein.

Sehenswert sind die Fotomontagen und noch mehr (weiter unten) der Flug über die Nordtangenten-Trasse auf:
http://bn-passau.de/wir-fuer-euch/

Auf geht's!

Anonym hat gesagt…

Die Veranstaltung gegen die Nordtangente im Klostergarten am Samstag, 16.4.16 beginnt um 11 Uhr.

Anonym hat gesagt…

Kommt der versprochene Kommentar zur Oster-Woche der Kampfzeitung noch oder hat sich der Präsident bereits indigniert anderen Themen zugewandt?